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Bilanz bis Bilderblende (Bd. 2, Sp. 857 bis 859)
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Artikelverweis Bilanz (franz. balance oder bilan, ital. bilancia, Wage, Gleichgewicht, »die Schwebe«), ein das Verhältnis der Einnahmen (Aktiva) und Ausgaben (Passiva) darstellender Abschluß. Die B. stellt den Abschluß des Inventars, d. h. das Verzeichnis der sämtlichen Vermögensgegenstände des Kaufmanns, unter Angabe des Wertes derselben kurz zusammen, indem sie aus den Werten der Vermögensgegenstände das Aktivvermögen addiert und ihnen die Summe der Schuldenbeträge gegenüberstellt. Die Ermittelung des Resultats dieser Gegenüberstellung nennt man die B. ziehen. Die Differenz ergibt, ob Überschuß oder Defizit (Unterbilanz) vorhanden ist. Der sich auf der betreffenden Seite ergebende Mehrbetrag wird durch Einstellung eines gleichwertigen Postens (Saldo) auf der andern Seite ausgeglichen (bilanziert), der Aktivsaldo also auf der Passivseite, der Passivsaldo auf der Aktivseite. Die Passivseite erscheint im Bilanzkonto als »Haben«, nämlich das Bilanzkonto an den Kaufmann, die Aktivseite im Bilanzkonto als »Soll«, nämlich das Bilanzkonto an den Kaufmann. B. im engern Sinn ist die sogen. Nettobilanz, die entweder einen Aktivsaldo oder einen Passivsaldo darstellt und jedenfalls einen Abzug der minderwertigen Posten von den höherwertigen, erstern gegenüberzustellenden Posten voraussetzt. Die Jahresbilanz soll einen Überblick über den Stand des Vermögens nach Abschluß eines Geschäftsjahres gewähren. Mit Rücksicht hierauf genügt nach § 1841 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auch eine B. als Rechnung des Vormundes über seine Vermögensverwaltung, falls ein Erwerbsgeschäft mit kaufmännischer Buchführung betrieben wird. Vgl. Buchhaltung, auch Aktie und Aktiengesellschaft (insbes. S. 238).
   Das deutsche Handelsgesetzbuch enthält eine Reihe von Bestimmungen über die kaufmännische B. Jeder Vollkaufmann hat nach § 39 des Handelsgesetzbuchs bei Beginn seines Handelsgewerbes ein genaues Verzeichnis seiner Vermögensbestandteile anzufertigen und einen das Verhältnis des Vermögens und der Schulden betreffenden Abschluß zu machen (Anfangs- oder Eröffnungsbilanz). Das Gleiche hat er am Schluß eines jeden Geschäftsjahres, d. h. spätestens alle zwölf Monate, zu tun (Jahresbilanz). Die Ausstellung der B. hat in Reichswährung zu erfolgen. Aktiva und Passiva sind nach dem Werte zur Zeit der Ausstellung, zweifelhafte Forderungen nach ihrem wahrscheinlichen Wert anzusetzen, uneinbringliche abzuschreiben (§ 40). Die B. ist vom Geschäftsinhaber, bez. von allen persönlich haftenden Gesellschaftern zu unterzeichnen und 10 Jahre aufzubewahren. Bilanzbuch heißt das Buch, in das die Bilanzen eingetragen werden dürfen (§ 41). Für Unternehmungen des Reiches, eines Bundesstaats sowie einer inländischen Verwaltung gelten diese Bilanzvorschriften nicht (§ 42). Zeigt sich bei Konkurseröffnung, daß der Gemeinschuldner keine B. in der vorgeschriebenen Zeit gezogen hat, so wird er wegen einfachen Bankrotts bestraft (Konkursordnung, § 240). Bei der offenen Meyers Handelsgesellschaft (s. d.) wie bei der Kommanditgesellschaft (s. d.) kann der einzelne Gesellschafter wieder Kommanditist aus den Büchern sich selbst eine B. anfertigen, bez. dieselbe nachprüfen. Bei Beginn und Beendigung der Liquidation haben die Liquidatoren eine B. aufzustellen. Diese Bestimmungen gelten für alle Handelsgesellschaften sowie für die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, außerdem haben dieselben die B. von der Generalversammlung genehmigen und spätestens sechs Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres veröffentlichen zu lassen. Außer den oben genannten Vorschriften hat das Handelsgesetzbuch in § 260 mit 262 noch besondere für die B. der Aktiengesellschaften gegeben. Der Vorstand hat in den ersten drei Geschäftsmonaten, falls nicht der Gesellschaftsvertrag eine andre Frist, höchstens aber sechs Monate, bestimmt, die B. für das verflossene Geschäftsjahr

[Bd. 2, Sp. 858]


dem Aufsichtsrat und mit dessen Bemerkungen der Generalversammlung vorzulegen. Bei der Ausstellung der B. sind börsen- und marktgängige Wertpapiere und Waren höchstens zu dem augenblicklichen Börsen- und Marktpreise, sofern dieser jedoch den Anschaffungs- oder Herstellungswert übersteigt, sowie alle andern Vermögensgegenstände höchstens zum Anschaffungs- oder Herstellungspreis anzusetzen; Anlagen und sonstige Gegenstände, die für den dauernden Geschäftsbetrieb der Gesellschaft bestimmt sind, dürfen ohne Rücksicht auf einen geringern Wert zum Anschaffungs- oder Herstellungspreis angesetzt werden, falls ein der Abnutzung gleichkommender Betrag in Abzug gebracht oder ein ihr entsprechender Erneuerungsfonds in Ansatz gebracht wird; Errichtungs- und Verwaltungskosten dürfen nicht als Aktiva in die B. eingesetzt werden, Grundkapital, Reserve- und Erneuerungsfonds sind unter die Passiva aufzunehmen; Gewinn oder Verlust ist am Schlusse der B. genau anzugeben. Zur Deckung eines aus der B. sich etwa ergebenden Verlustes ist ein Meyers Reservefonds (s. d.) zu bilden. Zur Prüfung der B. können besondere Revisoren angestellt werden, wie auch jeder Aktionär einen Anspruch auf eine Abschrift der B. hat. Nach Genehmigung der B. ist dieselbe unverzüglich in den Gesellschaftsblättern bekannt zu machen. Bei Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft, sowie wenn die B., bez. Zwischenbilanz ergibt, daß das Vermögen die Schulden nicht mehr deckt, hat der Vorstand Konkurseröffnung zu beantragen. Gleiches gilt von der Kommanditgesellschaft, nur treten an Stelle des Vorstandes die persönlich haftenden Gesellschafter (§ 325). Vgl. Simon, Die Bilanzen der Aktiengesellschaften etc. (3. Aufl., Berl. 1899); Maatz, Die kaufmännische B. und das steuerbare Einkommen (3. Aufl., das. 1901).
 
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Bilaterāl (lat.), zweiseitig; bilateral-symmetrisch (abgekürzt: b.) sind diejenigen Tiere (Bilateralen, Bilaterien), die nur durch einen in der Medianebene verlaufenden Schnitt in zwei spiegelbildlich gleiche (oder wenigstens nahezu gleiche) Teile, Antimeren, zerlegt werden können, wie die Wirbeltiere, Manteltiere, Gliedertiere, Würmer, Mollusken; vgl. Radiär. Zwei weitere Hauptebenen, die jedoch das Tier nicht in zwei spiegelbildlich gleiche, sondern differente Partien zerlegen, sind die in Längs- und Querachse fallende Horizontal- oder Frontal-, bez. Lateralebene sowie die durch die Quer- und Dorsoventralachse gehende Transversalebene. Die Median- oder Sagittalebene geht durch die Längs- und Dorsoventralachse des Tiers.
 
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Bilbao (baskisch Ibaizabel), Hauptstadt der span. Provinz Vizcaya, wichtiger Hafen- und Handelsplatz, liegt malerisch im Tale des schiffbaren Nervión, der B. in B. la Vieja (Altbilbao), am linken, und das eigentliche B., am rechten Ufer, teilt und von vier Brücken überspannt wird, und ist durch Eisenbahnen mit Tudela, San Sebastian und den beiden Vorhäfen Portugalete und Las Arenas verbunden. Unterhalb Altbilbao ist ein ausgedehnter Stadtteil im Entstehen. B. ist regelmäßig gebaut, hat drei Kirchen aus dem 14. Jahrh., Theater, Wasserleitung, schöne Promenaden, einen botanischen Garten und zählt (1900) 83,306 (1870 erst 20,000) Einw. Die Bedeutung von B. als Handels- und Industriestadt beruht auf der Ausbeutung der nahen, unerschöpflichen Lager von Eisenerz, das in B. teilweise verhüttet und verarbeitet, hauptsächlich aber ins Ausland verschifft wird. Der Hafen ist seit 1878 durch die Regulierung des Flusses, den nun bei einer Tiefe von 3 m auch Seeschiffe bis B. befahren können, durch elektrische Beleuchtung, die sich auch auf die 12 km lange Flußstrecke bis zur Mündung in die Bai von B. erstreckt, und durch umfangreiche Dammbauten etc. wesentlich verbessert worden. Weiter ist der Außenhafen, der an der durch mehrere Batterien befestigten Nervionmündung gebaut und durch zwei mächtige Dämme geschlossen wird, der Vollendung nahe. 1900 liefen 2415 Schiffe von 2,342,239 Ton. aus. Ausfuhrartikel sind: Eisenerz (1900: 4,6 Mill. T. im Werte von 55 Mill. Pesetas), Roheisen und Schafwolle. Eingeführt wurden 1900: Steinkohlen (20,7 Mill. Pesetas), Koks (4,7 Mill.), Holz (1,9 Mill.), Stockfisch (8,1 Mill.), Maschinen etc. Der Wert der Ein- und Ausfuhr betrug 128,5 Mill., bez. 66,4 Mill., der des Küstenhandels 25,7 Mill., bez. 57,9 Mill. Pesetas. Die Industrie der Stadt ist namentlich durch Eisen- und Stahlwerke, Eisengießereien, Schiffswerften, Mühlen, Fabriken für Papier, Zwieback, Konserven, Zement, Tonwaren, Leder, Segeltuch, Seilerwaren etc. vertreten. B. ist Sitz eines Gouverneurs und zahlreicher auswärtiger Konsuln (darunter eines deutschen), hat eine katholische Universität (in Deusto), ein Kollegium mit Bibliothek und Museum, eine Marineschule und eine Bank. B. (ursprünglich Belvao, vizcayisch soviel wie schöne Furt, lat. Bilbaum, auch Bellum Vadum) ward 1300 n. Chr. von Diego Lopez de Haro an der Stelle des alten Flaviobriga erbaut. Durch günstige Lage und weitgehende Privilegien kam es bald empor. In den innern Kriegen Spaniens litt es nur wenig, desto mehr aber in den Kriegen mit Frankreich; so ward es nach der Schlacht von Ormea 17. Juli 1795 und dann wieder 1808 (bis 1813) von den Franzosen genommen. 1835 ward B. von den Karlisten unter Anführung Zumalacarreguis belagert, bis Espartero den Entsatz bewirkte; die Stadt erhielt den Titel »die Unbesiegte«. Auch im zweiten Karlistenkriege 187374 wurde es monatelang von Elio eingeschlossen, aber 2. Mai 1874 von Concha befreit.
 
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Bilboquet (franz., spr. -kä), Kugelbecher, Kugelfang, Fangspiel; Hanselmännchen oder Stehauf; Werkzeug zum Goldauftragen beim Vergolden.
 
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Bilch, soviel wie Siebenschläfer.
 
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Bilchmaki, s. Meyers Zwergmaki.
 
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Bild, das, was für unsre Vorstellung ein ihm Gleiches oder Ähnliches repräsentiert. Wir machen uns in diesem Sinn in unsrer Vorstellung ein richtiges oder falsches B. von der Außenwelt, von Menschen, historischen Ereignissen etc. B. als greifbares Erzeugnis der Kunst ist Darstellung von Menschen oder Gegenständen durch Reproduktion ihrer sichtbaren Formen oder Formen und Farben, vor allem die Darstellung auf der Fläche. Über B. und bildlichen Ausdruck in der Sprache s. Meyers Metapher.
 
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Bildende Künste, die Künste, die einem bildsamen Stoff eine künstlerische Form geben, die einem erdachten oder vorhandenen Vorbild entspricht. Es sind die Künste des Raumes oder des Nebeneinander: Baukunst, Bildnerei und Malerei mit ihren Nebenkünsten. S. Meyers Kunst.
 
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Bilder, reelle und virtuelle, s. Meyers Linse und Meyers Spiegelung.
 
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Bilderbibel, jede mit Bildern versehene Bibel, insbes. die mit Miniaturen oder Federzeichnungen geschmückten Bibelhandschriften des Mittelalters, anderen Stelle seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. Holzschnittwerke traten. Während die Handschriften gewöhnlich den ganzen Text der Bibel oder des Alten

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oder Neuen Testaments enthielten, beschränkten sich die Holzschnittbibeln später, besonders im 16. Jahrh, auf kurze, die einzelnen Bilder erläuternde Bibelstellen in lateinischer oder in der Landessprache; die Holzschnitte wurden auch illuminiert. Durch die Tätigkeit der Miniaturmaler hatten sich allmählich bestimmte Bilderreihen, insbes. die der Passion, der Geschichte Abrahams, Davids etc., ausgebildet, die für spätere Zeiten typisch blieben. Bisweilen wurden in diesen Bilderbibeln als parallel gedeutete Vorgänge des Alten und Neuen Testaments einander gegenübergestellt. Im 16. Jahrh. waren die Bibelbilder von H. Holbein dem jüngern, Cranach, H. S. Beham, T. Stimmer, de Bry und A. Woensam von Wornis am meisten verbreitet. Vgl. Muther, Die ältesten deutschen Bilderbibeln (Münch. 1883). In neuerer Zeit sind die Bibelillustrationen von Schnorr von Carolsfeld und G. Doré am populärsten geworden. Außerdem sind noch zu nennen die »Bibel mit Bildern der Meister christlicher Kunst« (hrsg. von Pfleiderer, Stuttg. 188895, 3 Bde.) und die »Tausend-B.« (das. 1900). S. auch Meyers Biblia pauperum.
 
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Bilderblende (Bildernische), s. Meyers Blende.

 

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