Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Biebrich bis Bièfve (Bd. 2, Sp. 830 bis 832)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Biebrich (bis 1893 B.-Mosbach), Stadt im preuß. Regbez. und Landkreis Wiesbaden, am Rhein. Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Frankfurt a. M. Niederlahnstein und Wiesbaden-B., hat 2 evangelische und eine kath Kirche, eine Synagoge, eine Realschule, eine Unteroffizierschule, Hauptsteueramt, Reichsbanknebenstelle, Eisengießerei, Fabrikation von Zementwaren, Anilinfarben, Teerprodukten, Seife, Lack, Asphalt etc., ein Tonwerk, Gipsbrennerei, Holzschneiderei, einen Hafen und (1900) 15,048 Einw., daruntet 5409 Katholiken und 159 Juden. Das im 18. Jahrh. vollendete prachtvolle Lustschloß liegt da, wo schon 992 der Ort Bibruk als Eigentum des Grafen Drutwin, des Stammvaters des Hauses Nassau, lag. In dem schönen Park eine künstlich errichteie Burg mit Altertümern. Das Schloß war von 17441840 Residenz der Regenten von Nassau, später nur Sommerpalais. Nach Annahme einiger Forscher ging hier Cäsar zum zweitenmal über den Rhein.
 
Artikelverweis 
Biebricher Scharlach (Echtponceau, Altscharlach, Neurot) HSO3. C6H4. NN. C6H3. HSO3,NN. C10H6. OH, Azofarbstoff aus Diazoazobenzoldisulfosäure und, β Naphthol, kommt als Natriumsalz in den Handel, bildet rote Nadeln, ist löslich in Wasser und Alkohol, erzeugt auf Wolle und Seide schönes Kochenillerot, ist gegen Seife und Licht beständiger und besitzt bedeutend größere Färbekraft als andre Naphtholfarben.
 
Artikelverweis 
Biebrz (Bobr), rechter Nebenfluß des Narew in Russisch-Polen, steht durch den Zufluß Netta mit dem Awgustowschen Kanal in Verbindung.
 
Artikelverweis 
Biecz (spr. bjettsch), Stadt in Galizien, Bezirksh. Gorlice, an der Ropa, einem Nebenfluß der Wisloka, und der Staatsbahnlinie Podgorze-Sucha-Stryj. Sitz eines Bezirksgerichts, mit großer gotischer Kirche, Reformatenkloster und (1900) 3461 poln. Einwohnern. Von den Mauern und Toren der einst wohlhabenden Stadt sind noch Überreste zu sehen.
 
Artikelverweis 
Biedenfeld, Ernst Gustav Benjamin, Freiherr von, Führer im bad. Volksheer 1849, geb. 2. Jan. 1792 in Karlsruhe, kämpfte 180815 in den Napoleonischen Feldzügen im badischen Kontingent. wurde 1837 Major, aber 1843 pensioniert. 1849 übernahm er für die revolutionäre provisorische Regierung die Einübung des Aufgebots der Ämter Bühl und A chern, ward Oberst des 8. Regiments, focht bei Wiesenthal, Ubstadt, Bruchsal und im Niederwald gegen die Preußen, ward mit in Rastatt eingeschlossen und nach Übergabe der Festung 9. Aug. 1849 erschossen.

[Bd. 2, Sp. 831]



 
Artikelverweis 
Biedenkopf, Kreisstadt im preuß. Regbez. Wiesbaden, an der Lahn und der Staatsbahnlinie Amalienhütte-Kölbe, hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, Schloß, Realprogymnasium, Amtsgericht, 3 Oberförstereien, Maschinen- u. Strumpfwarenfabrikation, Kunstwollspinnerei, Gerberei, Bierbrauerei und (1900) 2853 meist evang. Einwohner. In der Nähe das Eisenwerk Ludwigshütte. V. gehörte bis 1866 zu Hessen-Darmstadt.
 
Artikelverweis 
Biedermann, 1) Karl, Publizist und Historiker, geb. 25. Sept. 1812 in Leipzig, gest. daselbst 5. März 1901, studierte Philologie und Staatswissenschaft, habilitierte sich 1835 in Leipzig und wurde 1838 außerordentlicher Professor. In den von ihm herausgegebenen Zeitschriften. »Deutsche Monatsschrift für Literatur und öffentliches Leben« (184245), der Vierteljahrsschrift »Unsre Gegenwart und Zukunft« (18461848)und der Wochenschrift »Der Herold« (184447) kämpfte er maßvoll für nationalen Fortschritt und den Anschluß der Kleinstaaten an Preußen. 1848 als Vertreter Leipzigs ins Frankfurter Vorparlament, darauf in die Nationalversammlung gewählt, war er Schriftführer im Fünfzigerausschuß und im Parlament selbst, ward erster Vizepräsident und ging mit der Kaiserdeputation nach Berlin. Nach Sachsen zurückgekehrt, vertrat er auch als Mitglied der sächsischen Zweiten Kammer 184950 die deutsche Unionspolitik gegen die partikularistischen Bestrebungen Beusts und bekämpfte nach Auflösung der Kammern die Wiedereinberufung der alten Stände, verlor 1853 seine Professur und siedelte nach Weimar über, wo er die »Weimarische Zeitung« redigierte. 1863 nach Leipzig zurückgekehrt, leitete er hier (bis 1879) die Redaktion der »Deutschen Allgemeinen Zeitung« und erhielt auch 1865 seine Professur wieder. 186976 war er wieder nationalliberales Mitglied der sächsischen Zweiten Kammer und 187174 des deutschen Reichstags. Von Biedermanns zahlreichen Schriften sind anzuführen: »Die deutsche Philosophie von Kant bis auf unsre Tage« (Leipz. 184243, 2 Bde.); »Erinnerungen aus der Paulskirche« (das. 1849); »Die Erziehung zur Arbeit« (das. 1852, 2. Aufl. 1883); das kulturgeschichtliche Werk »Deutschland im 18. Jahrhundert« (das. 185480, 2 Bde. in 4 Tln.; Bd. 1 u. 2,1. Abt., 2. Aufl. 1880); »Frauenbrevier«, kulturgeschichtliche Vorlesungen (das. 1856, 2. Aufl. 1881); »Friedrich d. Gr. und sein Verhältnis zur Entwickelung des deutschen Geisteslebens« (Braunschw. 1859); »Deutschlands trübste Zeit, oder der Dreißigjährige Krieg in seinen Folgen für das deutsche Kulturleben« (Berl. 1862); »Dreißig Jahre deutscher Geschichte«, 18401870 (das. 1880, 2 Bde.; 2. Aufl. 1883) und »1815 bis 1840. 25 Jahre deutscher Geschichte« (das. 18891890, 2 Bde.), beide Werke in neuer Ausgabe u. d. T. »Geschichte Deutschlands etc., 18151871« (1891, 2 Tle. in 4 Bdn.); »Mein Leben und ein Stück Zeitgeschichte 18121886« (das. 1886, 2 Bde.); »Fünfzig Jahre im Dienste des nationalen Gedankens«, Aufsätze und Reden (das. 1892); »Zeit- und Lebensfragen aus dem Gebiete der Moral« (Bresl. 1899); »Vorlesungen über Sozialismus und Sozialpolitik« (das. 1900); »Deutsche Volks- und Kulturgeschichte für Schule und Haus« (4. Aufl., Wiesbad. 1901); »Geschichte der Leipziger Kramer-Innung 14771880« (Leipz. 1881). Auch gab er H. v. Kleists »Briefe an seine Braut« (Bresl. 1884) heraus und verfaßte die vaterländischen Dramen: »Kaiser Heinrich IV.« (Weim. 1861), »Kaiser Otto III.« (Leipz. 1862) und »Der letzte Bürgermeister von Straßburg« (das. 1870).
   2) Gustav, philosoph. Schriftsteller, geb. 1815 zu Böhmisch-Aicha in Böhmen, studierte zu Prag Medizin und lebt als praktischer Arzt in Bodenbach. Er ist in seiner Erstlingsschrift: »Die spekulative Idee in Humboldts. Kosmos'« (Prag 1849), als Anhänger Hegels aufgetreten, dessen dialektische Methode er beibehalten, dessen System er jedoch in seinem Hauptwerk: »Philosophie als Begriffswissenschaft« (das. 187790, 5 Tle.), in der Weise abgeändert hat, daß an die Stelle der ursprünglichen Trias: Idee, Natur, Geist, die neue: Geist, Natur, Leben, zu setzen sei. Noch schrieb er: »Die Wissenschaftslehre« (Leipz. 185660, 3 Tle.); »Die Wissenschaft des Geistes« (3. Aufl., Prag 1870); »Die Naturphilosophie« (das. 1875); »System der Philosophie« (das. 183689, 3 Tle.) u. a.
   3) Woldemar, Freiherr von, Goetheforscher, geb. 5. März 1817 in Marienberg, studierte in Leipzig und Heidelberg die Rechte, trat in den sächsischen Staatsdienst (Eisenbahn- und Finanzverwaltung) und lebt als Geheimrat in Dresden. Er veröffentlichte: »Goethe und Leipzig« (Leipz. 1865, 2 Bde.); »Zu Goethes Gedichten« (das. 1870); »Goethe und Dresden« (das. 1875); »Goethe und das sächsische Erzgebürge« (Stuttg. 1877); »Goethe-Forschungen« (Frankf. a. M. 1879; neue Folge, Leipz. 1886; anderweite Folge, das. 1899). Auch gab er »Goethes Briefe an Eichstädt« (Leipz. 1872), Teile der Hempelschen sowie der Weimarischen Goethe-Ausgabe und »Goethes Gespräche« (das. 188996, 10 Bde.) heraus und versuchte in dem Trauerspiel »Elpenor« (das. 1900) Goethes Fragment zu ergänzen.
   4) Aloys Emanuel, prot. Theolog, geb. 2. März 1819 zu Oberrieden am Züricher See, seit 1843 Pfarrer zu Münchenstein bei Basel, 1850 außerordentlicher, 1864 ordentlicher Professor in Zürich, wo er 25. Jan. 1885 starb. Außer zahlreichen Aufsätzen in den die fortschrittliche Theologie in der Schweiz vertretenden Zeitschriften (»Die Kirche der Gegenwart«, 184550, und »Zeitstimmen«, 185971) sowie einer Biographie des Schweizer Theologen Heinrich Lang (Zürich 1876) veröffentlichte er: »Die freie Theologie« (Tübing. 1844); »Leitfaden für den Religionsunterricht an höhern Gymnasien« (Zürich 1859) u. a. Am bekanntesten wurde seine »Christliche Dogmatik« (Zürich 1869; 2. Aufl., Berl. 188485, 2 Bde.), das klassische Werk der in Hegels Geist über Hegels konservative Tendenzen hinausgeschrittenen spekulativen Richtung innerhalb der heutigen Theologie. »Ausgewählte Vorträge und Aufsätze« von B., mit biographischer Einleitung, gab Kradolfer heraus (Berl. 1885). Vgl. Moosherr, A. E. B. nach seiner allgemein-philosophischen Stellung (Berl. 1893).
   5) Wilhelm, Physiolog, geb. 14. Jan. 1854 in Bilin, studierte in Prag, wurde dort 1878 Assistent am Physiologischen Institut der deutschen Universität, habilitierte sich 1880 als Privatdozent, wurde 1885 außerordentlicher Professor, folgte 1888 einem Ruf nach Jena, 1898 nach Würzburg und 1900 nach Heidelberg. Er bevorzugte anfangs elektrophysiologische Untersuchungen, wendete sich dann aber hauptsächlich vergleichend-physiologischen Arbeiten zu und veröffentlichte Beiträge zur allgemeinen Nerven- und Muskelphysiologie (z. T. gemeinsam mit Hering), zur Physiologie der glatten Muskeln, zur vergleichenden Physiologie der Verdauung, ferner Untersuchungen über Bau und Entstehung der Molluskenschalen und über die Bedeutung von Kristallisationsprozessen bei der Bildung der Skelette wirbelloser Tiere. Er schrieb: »Elektrophysiologie« (Jena 1895, 2 Tle.).

[Bd. 2, Sp. 832]



 
Artikelverweis 
Biedermeier (Biedermaier), der Name einer komischen Figur, die in Gedichten von Eichrodt (zuerst in den »Fliegenden Blättern« veröffentlicht) vorkommt und seitdem als Typus eines geistig beschränkten und philisterhaften, aber gutmütigen und treuherzigen Menschen sprichwörtlich geworden ist. Danach ist Biedermeierzeit eine neuerdings aufgekommene Bezeichnung für die Epoche der deutschen Geschichte vom Ende der Napoleonischen Feldzüge bis etwa 1850, wo unter dem Druck der politischen Reaktion die allgemeine Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten erlosch und das Interesse an der schönen Literatur das gesamte geistige Leben beherrschte. Infolge der Verarmung Deutschlands durch die Kriege wurden die künstlerischen Bedürfnisse auf das äußerste beschränkt, insbes. die Ausstattung der Wohnräume mit Möbeln, künstlerischem Schmuck u. dgl. Daraus entwickelte sich allmählich ein eigner Stil (jetzt Biedermeierstil genannt), der zwar seine Elemente dem Empirestil (s. d.) entnommen hatte, sie aber noch mehr bis zu kärglichster Nüchternheit unter Verzicht auf jeden entbehrlichen Schmuck vereinfachte. In diesem Stil ausgestattete Wohnräume haben sich noch vielfach erhalten, am besten im Goethehause zu Weimar; zugleich als bezeichnende Beispiele für die bescheidenen Lebensgewohnheiten jener Zeit. Vgl. Rosner, Das deutsche Zimmer im 19. Jahrhundert (im 2. Teil von Hirth, »Das deutsche Zimmer«, 4. Aufl., Münch. 1899); Folnesics, Innenräume und Hausrat der Empire- und Biedermeierzeit (Wien 1902 ff.).
 
Artikelverweis 
Biedert, Philipp, Mediziner, geb. 25. Nov. 1847 in Niederflörsheim bei Worms, studierte in Gießen, Würzburg und Wien, ließ sich in Worms als Arzt nieder und gab hier mit Ziemssen den Trichterhebeapparat für Magenausspülungen und den pneumatischen Rotationsapparat an. 1877 wurde er Oberarzt am Bürgerspital in Hagenau, das er neu organisierte. Seine Arbeiten beziehen sich besonders auf die Ernährung des gesunden und kranken Menschen, besonders des Kindes. Er gab schon 1874 das Rahmgemenge an und führte eine rein diätetische Behandlung bei Verdauungsstörungen der Kinder ein. Weiterhin arbeitete er besonders über Tuberkulose, als vornehmste Aufgabe aber betrachtete er, die Bedeutung des Bevölkerungsproblems für das Wohlbefinden und das Leben des Menschen, somit in der sozialen Frage zu zeigen, sowie die allein mögliche Lösung durch den ökonomischen Versuch. Er schrieb: »Die Kindernahrung im Säuglingsalter« (Stuttg. 1880, 4. Aufl. 1900); »Lehrbuch der Kinderkrankheiten« (zuerst als 9. Aufl. von A. Vogels Lehrbuch; 12. Aufl., das. 1902); »Diätetik und Kochbuch für Darmkranke« (mit Langermann, das. 1895); »Die Kindersterblichkeit und die sozialökonomischen Verhältnisse« (das. 1897); »Die Versuchsanstalt für Ernährung, eine wissenschaftliche Notwendigkeit« (Münch. 1899); »Diätetische Behandlung der Verdauungsstörungen der Kinder« (2. Aufl., Stuttg. 1901). Er ist auch Mitarbeiter am »Handbuch der Therapie« von Penzoldt und Stintzing und an Leydens »Handbuch der Ernährungstherapie«.
 
Artikelverweis 
Biedertsches Rahmgemenge, s. Meyers Kinderernährung.
 
Artikelverweis 
Bièfve (spr. bjǟw'), Edouard de, belg. Maler, geb. 4. Dez. 1809 in Brüssel, gest. daselbst 7. Febr. 1882, bildete sich auf der dortigen Kunstakademie und von 182830 im Atelier des Historienmalers Paelinck, eines Schülers von David, in dessen Art auch B. seine ersten Bilder malte. Als er sich später dem Studium van Dycks widmete, reihte er sich den drei großen Bahnbrechern der neuern belgischen Schule, Wappers, Gallait und de Keyser an, und zwar schon in seinem 1836 zu Brüssel ausgestellten Gemälde: Graf Ugolino und seine Söhne im Hungerturm zu Pisa, nach Dante. Sein berühmtestes, später von ihm nicht mehr übertroffenes Werk war das Gemälde: Die Unterzeichnung des Kompromisses der niederländischen Edlen 16. Febr. 1566 (1841 entstanden), das für das belgische Nationalmuseum angekauft ward und mit Gallaits Abdankung Karls V. eine Wanderung durch Europa machte, die namentlich in Deutschland eine vollständige Umwälzung im Sinne des Kolorismus hervorrief. Eine Originalwiederholung in kleinerm Maßstab besitzt die Berliner Nationalgalerie.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: