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In dulci jubĭlo bis Indus (Bd. 6, Sp. 813 bis 814)
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Artikelverweis In dulci jubĭlo (lat., »in süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in der Tat aber weit älter ist und schon von dem Mystiker Heinrich Suso (gest. 1365) erwähnt wird (vgl. Hoffmann v. Fallersleben, In dulci jubilo, Hannover 1854). Sprichwörtlich soviel wie in Saus und Braus.
 
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Indulgent (lat.), nachsichtig, gütig.
 
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Indulgentĭa (lat., »Nachsicht. Gnade«), im römischen Rechtswesen Straferlaß, besonders bei feierlichen Anlässen im großen ausgeübt, entsprechend den Amnestieerlassen moderner Regenten; ferner eine auf Kaisermünzen dargestellte Personifikation der Gnade; in der kath. Kirche ist Indulgenz soviel wie Ablaß.
 
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Indulīne, eine zu den Chinonimidfarbstoffen gehörende Gruppe von Teerfarbstoffen, deren Konstitution noch nicht sicher bekannt ist. Sie entstehen beim Erhitzen von Pyramidoazokörpern mit Monaminen bei Gegenwart von etwas Mineralsäure. Man unterscheidet Benzolinduline, die vom Phenazin, Rosinduline und Isorosinduline, die vom Naphthophenazin, Naphthinduline, die vom Naphthazin, und Flavinduline, die vom Phenanthrophenazin u. Phenanthronaphthazin sich ableiten. Benzolinduline und Isorosinduline, beide Abkömmlinge des Benzochinons, bilden violette bis blaue, schwer lösliche Salze. Die Ros- und Naphthinduline, Abkömmlinge des Naphthochinons, sind starke Basen, deren lebhaft rote Salze stark fluoreszieren. Bei kurzem Erhitzen einer aus Amidoazobenzol und Anilinchlorhydrat hergestellten Schmelze entsteht die Base C24H18N4, von deren Salzen das in Wasser leicht lösliche Chlorhydrat (Indamin) in der Färberei und im Kattundruck nach vorherigem Gallieren benutzt wird. Bei längerm und stärterm Erhitzen der Indulinschmelze mit Anilinüberschuß entstehen blauere, in Wasser schwieriger lösliche Produkte, welche sich leicht in Sulfosäuren verwandeln lassen, die in der Wollfärberei Verwendung finden. In Form von Pasten mit Tannin und Acetinen werden diese I. auf Kattun (Acetindruck) aufgedruckt. Beim Dämpfen löst das Acetin den Farbstoff, vermittelt die Bildung des Tanninlacks und wird dann in Glyzerin und Essigsäure gespalten, bei deren Verflüchtigung der Lack sich auf der Faser fixiert. Ein spritlösliches Echtblau wird in Lösung von Äthylweinsäure oder Lävulinsäure für Blaudruck auf Baumwolle verwendet (Druckblau, Lävulinblau). Die I. sind von geringerer Farbenpracht als manche andre Teerfarbstoffe, aber sehr widerstandsfähig gegen Luft und Licht. Man benutzt sie auch in der Tinten- und Lackfabrikation. Das einfachste Indulin ist das Azodiphenylblau (Bengalin, Blackley blue) C18H15N3, das durch Erhitzen von salzsaurem Anilin mit Amidoazobenzol in einer Lösung von Anilin dargestellt wird. Das unsichere Nigrosin (Coupiers Blau) entsteht angeblich aus salzsaurem Anilin und Nitrobenzol nach der Gleichung 2C6H5. NH2+C6H5. NO2 = C16H15N3+2H2O.
 
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Indúlt (lat.), Nachsicht, Bewilligung, Privilegium; dann soviel wie Ablaß; insbes. Dispensation von Bestimmungen des gemeinen Kirchenrechts (s. Meyers Dispensation). Im Lehnrecht bedeutet I. (Gottesbrief, indultum feudale) Erweiterung der Frist, in der bei einem Lehnsfall um Empfang des Lehens nachgesucht werden mußte. Im Kirchenrecht das Recht, geistliche Pfründen oder geistliche Ämter nebst Einkünften zu vergeben. I. ist auch soviel wie Moratorium (s. d.). Weil endlich da, wo örtliche Feste (Duld-Feier, vom gotischen Worte dulths, althochd. tuld, mittelhochd. duld) gefeiert wurden, ein Zusammenströmen vieler Menschen stattfand, was zur Entstehung von Jahrmärkten oder Messen Anlaß gab, so ist hier und da (z. B. in Kiel, München) I. oder Dult soviel wie Jahrmarkt oder Messe. Im Völkerrecht versteht man unter I. die nach Ausbruch von Feindseligkeiten den Handelsschiffen der feindlichen Nation eröffnete Möglichkeit, binnen einer bestimmten Frist sich und ihre Ladung in Sicherheit zu bringen; so gaben 1854 Frankreich und England den russischen Schiffen hierzu eine Frist von 6 Wochen.
 
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Indūno, Girolamo, ital. Maler, geb. 1827 in Mailand, gest. daselbst im Januar 1891, war Schüler der dortigen Akademie, wurde 1848 als Kämpfer bei der Verteidigung Roms schwer verwundet und malte erst nach seiner Wiederherstellung 1855 mehrere Bilder aus diesem Kampf, aber auch heitere

[Bd. 6, Sp. 814]


Szenen aus der Rokokozeit und historische Genrebilder, die von großer Wärme der Empfindung, Gewandtheit der Darstellung und anmutigem Vortrag zeugen. Die bedeutendsten sind: der Abschied des Konskrivierten von seiner Geliebten, der galante Hausfreund, ein Biwak der Garibaldiner bei Capua, Leonore von Este unterliegt dem Gram um Tasso, eine Militärambulanz in der Casa Borromeo zu Mailand, ein Brief aus dem Lager, die Schlacht bei Magenta, der Einzug des Königs von Italien in Venedig, der Abgang der italienischen Truppen zur Armee, Antiquitätenliebhaber, Via Appia bei Rom und der Namenstag der Lehrerin.
 
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In duplo (lat.), doppelt, in Doppelschrift oder doppelter Ausfertigung.
 
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Induration (lat.), Verhärtung.
 
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Indurīt, das rauchlose Schießpulver Nordamerikas, zu dessen Herstellung Munroe trockne Schießwolle mit Methylalkohol reinigt, trocknet und mit Mononitrobenzol vermischt, das die explosiven Eigenschaften vermindert. Alsdann wird das Pulver stark zusammengepreßt, in Streifen zerschnitten oder gekörnt, abermals gepreßt und nochmals gekörnt, zuletzt in Wasser gebracht, um das Nitrobenzol auszutreiben. I. ist gelblich, von Dichtigkeit und Härte des Elfenbeins, verbrennt langsam und soll sich besonders durch Gleichförmigkeit der Wirkung auszeichnen.
 
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In durĭus (in pejus, lat.), im Rechtswesen soviel wie auf eine härtere Strafe (erkennen).
 
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Indus (im Sanskrit Sindhu, »Fluß«), der größte Strom Ostindiens (s. Karte »Ostindien«) hinsichtlich seiner Länge (3200 km), aber nicht seines Flußgebiets, das mit 965,000 qkm dem Ganges etwas nachsteht. Er entspringt nahe den Quellen des Satledsch und Sanpo unter 31,75° nördl. Br. und 81°25´ östl. L., nördlich vom 6650 m hohen Gangri (Kailas) als Singhi, beschreibt einen weiten, nach SW. geöffneten Bogen, nimmt in 4000 m Höhe den von S. kommenden Gartang-tschu und nach Eintritt in Ladak bei Leh (3430 m) den reißenden Zanskar, dann den Suru (Dras), in Baltistan oberhalb Skardo den Schajok auf und heißt nun Aba-Sind (»eigentlicher Sind«). Nahe der Grenze durch die östlichen Eckpfeiler des Hindukusch und Karakorum unter 74°50´ östl. L. in eine südwestliche Richtung gelenkt, empfängt der I rechts den Gilgit mit dem vom Lahorigebirge kommenden Yasin, durchzieht nun Kohistan, tritt unter 34° nördl. Br. und 72°25´ östl. L. in die britisch-ind. Provinz Pandschab, empfängt bei Attok den einzigen größern Nebenfluß von rechts, den Kabul, und wird nach seinem Durchbruch durch das Salzgebirge schiffbar, während vorher Felsenriffe sein Belt sperrten. Erst 600 km südlichervereinigt sich mit ihm der Pandschnad, der Zusammenfluß der fünf Ströme Dschilam, Tschinab, Rawi (Airavati), Bias und Satledsch, die dem Pandschab den Namen gegeben haben. Die beiden ersten vereinigen sich mit dem kürzern Rawi oberhalb Multan zum Tschinab. Der Bias, jetzt Nebenfluß des Satledsch, des weitaus bedeutendsten Zuflusses des I., lief früher dem Rawi parallel bis südlich von Multan, wo er in den Tschinab fiel. Nachdem der I., wie der Satledsch vorher, die Südostgrenze des Pandschab gebildet hat, tritt er unter 28°20´ nördl. Br. und 69°35´ östl. L. in die Provinz Sind, nimmt eine südliche Richtung an und mündet unter 23°58´ nördl. Br. und 67°20´ östl. L. ins Arabische Meer. Hochwasser treten zweimal im Jahr ein: infolge der Schneeschmelze Anfang März langsam und regelmäßig, zur Zeit der Sommerregen schnell und unregelmäßig. Bei Attok steht das Hochwasser 15 m über dem niedrigsten Wasser (Geschwindigkeit 20 km in der Stunde), bei Mari nur noch 5 m, bei den übrigen Flüssen innerhalb der Ebene 34,5 m. Bei niedrigem Stand führt er in der Sekunde 2600 cbm, der doppelt so breite, aber viel feichtere und langsamere Pandschnad nur 1950 cbm; nach beider Vereinigung bei Hochwasser 10,800 cbm Wasser. Der Gehalt an Schlamm und seinem Sand (kleinere Rollsteine findet man schon 8 km unterhalb Vari nicht mehr) beträgt zur Hochwasserzeit 1/229 des Gewichts oder ein 1/410 des Volums, bei Niedrigwasser 1/538, bez. 1/1034. Jährlich werden 124 Mill. cbm fester Stoffe ins Meer geführt. Das Gefäll ist im obern Lauf sehr stark, im untern ganz unbedeutend; auf das Kilometer fällt er von der Quelle bis Skardo (970 km) 4,55 m, bis Attok (700 km) 3,22, bis Mari (180 km) 0,79, bis Mittankot (600 km) 0,19 und bis zur Mündung (760 km) nur 0,09 m). Die periodischen Überschwemmungen erzeugen einen schmalen, im O. von der indischen Wüste eingeengten Kulturstreifen, der durch zahlreiche Bewässerungsanlagen erweitert wird, die aber dem I. und seinen Nebenflüssen viel Wasser entziehen; es ist auch sicher, daß der Wasserreichtum des Flusses infolge Rückzuges der Gletscher und verminderter Niederschläge gegen früher bedeutend abgenommen hat. Der Ghaggar, dessen breites Bett noch bis an die Grenze von Sind deutlich erkennbar ist, erreicht den I. längst nicht mehr, da sein unteres Gebiet von der Wüste verschlungen ist. Oberhalb Schikarpur zweigt sich der Nar a-Arm ab, wahrscheinlich das frühere Bett des I., der im jetzigen Rann von Katsch mündete; indes ist dieser Arm nur bei starker Hochflut auf der ganzen Strecke mit Wasser gefüllt. Bei Haidarabad, 150 km vom Meer, beginnt das ausgedehnte Delta, das 250 km der Küste und 8000 qkm umfaßt Die Zahl der Mündungsarme ist sehr groß, ihre Wassermenge sehr wechselnd. Gegenwärtig ist der Hadjamro der bedeutendste; doch ist Seeschiffen der Zugang unmöglich, obgleich der I. von Tatta im Delta bis Multan von Dampfern befahren werden kann. Als Hafen des I. ist Meyers Karatschi (s. d.) anzusehen, von wo eine Eisenbahn aufwärts und in mehreren Zweigen durch das Pandschab zieht. Überbrückt ist der I. nur bei Attok durch eine Schiffbrücke, die aber bei Hochwasser 45 Monate abgefahren wird, und zwischen Rohri und Sukkur, von der Eisenbahn nach Quetta, bei Haidarabad durch die nach Agra. Dampfer verkehren auf dem I. seit 1835, namentlich die der Indus-Dampfschiffahrtsgesellschaft. Der Handel auf dem I. ist unbedeutend, auch liegen keine wichtigen Handelsstädte an seinen Ufern. Vgl. Haig, The Indus Delta country; ancient geography and history (Lond. 1895); über die hydrographischen Veränderungen im untersten Lauf H. G. Raverty im Journal der Asiatic Society of Bengal, Bd. 61.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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