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Heyse bis Hiātus (Bd. 6, Sp. 307 bis 309)
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Artikelverweis Heyse, 1) Johann Christian August, ein um die deutsche Grammatik verdienter Schriftsteller und Schulmann, geb. 21. April 1764 in Nordhausen, gest. 27. Juni 1829 in Magdeburg, studierte in Göttingen Theologie und Pädagogik, wurde 1792 Lehrer am Gymnasium zu Oldenburg, 1807 Rektor am Gymnasium in Nordhausen und 1819 Direktor der höhern Töchterschule in Magdeburg. Er schrieb unter anderm: »Verdeutschungswörterbuch« (Oldenb. 1804), das von der 4. Auflage (1825) an als »Allgemeines Fremdwörterbuch« (16. Aufl. von Gustav Heyse, Hannov. 1879; 18. Aufl., neubearbeitet von Otto Lyon, 1903; daneben in andrer Bearbeitung von Böttger, Leipz. 1874 u. ö.) erschien; »Kleines Fremdwörterbuch«, Auszug aus dem vorigen (Hannov. 1840; 3. Aufl. von Lyon, 1900); »Theoretisch-praktische deutsche Grammatik« (das. 1814; in 5. Aufl. von seinem Sohn Karl Wilhelm Ludwig umgearbeitet, s. unten); »Deutsche Schulgrammatik« (das. 1816; 24. Aufl. als »Deutsche Grammatik oder Lehrbuch der deutschen Sprache«, neubearbeitet von O. Lyon, das. 1886; 26. Aufl. 1900); »Leitfaden zum Unterricht in der deutschen Sprache« (das. 1822, 27. Aufl. 1904).
   2) Karl Wilhelm Ludwig, ebenfalls Sprachforscher, Sohn des vorigen, geb. 15. Okt. 1797 in Oldenburg, gest. 25. Nov. 1855, wurde 1816 Führer des jüngsten Sohnes von Wilh. v. Humboldt, lebte 181927 als Hauslehrer in der Familie des Staatsrats Mendelssohn-Bartholdy, habilitierte sich 1827 an der Universität in Berlin und erhielt 1829 eine außerordentliche Professur der Philosophie daselbst. Nach seines Vaters Tode besorgte er die neuen Ausgaben von dessen Schriften und gestaltete auch dessen größere Sprachlehre in der 5. Auflage zu einem »Ausführlichen Lehrbuch der deutschen Sprache« (Hannov. 183849, 2 Bde.) mit Rücksichtnahme auf die neuen geschichtlichen und vergleichenden Sprachforschungen um. Mit seinem Vater gemeinschaflich begonnen, aber von ihm dann allein ausgeführt ist das »Handwörterbuch der deutschen Sprache« (Magdeb. 18331849, 3 Bde.). Aus seinem Nachlaß gab Steinthal das »System der Sprachwissenschaft« (Berl. 1856), Heyses bedeutendste Arbeit, heraus.
   3) Theodor, Philolog, Bruder des vorigen, geb. 8. Okt. 1803 in Oldenburg, gest. 10. Febr. 1884 in Florenz, studierte seit 1822 in Berlin, wurde 1827 Lehrer an der Erziehungsanstalt auf Schloß Lenzburg im Kanton Aargau, lebte seit 1832 in Rom, ging 1861 nach München und kehrte 1865 nach Italien zurück. Er gab »Polybii historiarum excerpta gnomica« (Berl. 1846), Catulls »Buch der Lieder« (das. 1855, nebst Übersetzung; 2. Aufl. von A. Herzog, das. 1889) und mit Tischendorf die Vulgata des Alken Testaments nach dem Codex Amiatinus (Leipz. 1873) heraus. Aus seinem Nachlaß erschien: »Die Orestie des Äschylus« (hrsg. von Hartwig, Halle 1884). Vgl. Hillebrand in der »Gegenwart«, Bd. 25.
   4) Paul, Dichter und Schriftsteller, geb. 15. März 1830 in Berlin, Sohn von H. 2), studierte in Berlin und Bonn klassische, dann romanische Philologie, machte im März 1852 eine wissenschaftliche Reise nach Italien und ward 1854 vom König Maximilian nach München berufen, um hier ganz seiner poetischen Ausbildung zu leben. Unter mannigfachen, im ganzen glücklichen Erlebnissen verblieb der Dichter dauernd in der bayrischen Residenz, auch nachdem er 1867 auf den bis dahin genossenen Jahrgehalt freiwillig Verzicht geleistet hatte. Mit der Buchtragödie »Francesca da Rimini« (Berl. 1850), den erzählenden kleinen Dichtungen: »Urica« (das. 1851) und »Die Brüder« (das. 1852) und seinen ersten Novellen hatte H. große Hoffnungen für sein Talent erweckt. Seine Poesie zeigte sich frisch sinnlich, plastisch und farbenreich zugleich, psychologisch sehr sein; dabei lag eine gewisse sonnige Heiterkeit selbst über seiner Behandlung tragischer Stoffe. Als Lyriker trat H. mit den im ersten Band seiner »Gesammelten Werke« vereinigten »Gedichten« (Berl. 1871, 7. Aufl. 1901) hervor, denen später das prächtige »Skizzenbuch«, Lieder und Bilder (das. 1877), die »Verse aus Italien« (das. 1880), »Neue Gedichte und Jugendlieder« (das. 1897) und die mit Beifall aufgenommene Sammlung »Ein Wintertagebuch« (Stuttg. 1903) folgten. Die erzählenden Dichtungen »Hermen« (Berl. 1854), die später den Titel: »Novellen in Versen« (5. Aufl. 1897) erhielten, und die erste Sammlung seiner »Novellen« begründeten Heyses Ruf als eines phantasievollen und nach reiner Kunstvollendung und Kunstwirkung strebenden Dichters, den alle spätern Werke, mit Ausnahme einer Anzahl mehr auf äußerlichen theatralischen Effekt berechneter Dramen, bekräftigten. Seine Haupterfolge fand er auf dem Gebiete der Novelle. Er verfaßte in fast ununterbrochener Produktion über hundert Werke dieser Gattung, die in 19 Sammlungen erschienen und teilweise zahlreiche Auflagen erlebten. Diese sind: I: »Novellen« (Berl. 1855, darin »L'Arrabbiata«), II: »Neue Novellen« (Stuttg. 1858), III: »Vier neue Novellen« (Berl. 1859), IV: »Neue Novellen« (das. 1862), V: »Meraner Novellen« (1864), VI: »Fünf neue Novellen« (1866), VII: »Novellen und Terzinen« (1867), VIII: »Moralische Novellen« (1869), IX: »Ein neues Novellenbuch« (1871), X: »Neue Novellen« (1875), XI: »Neue moralische Novellen« (1878), XII: »Das Ding an sich und andre Novellen« (1878), XIII: »Frau v. F. und römische Novellen« (1881), XIV: »Troubadour-Novellen« (1882), XV: »Unvergeßbare Worte und andre Novellen« (1883), XVI: »Buch der Freundschaft« (1883), XVII: Dasselbe, neue Folge (1884), XVIII: »Himmlische und irdische Liebe« etc. (1886), XIX: »Villa Falconieri und andre Novellen« (1888). Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre Spukgeschichten« (1894), »Melusine und andre Novellen« (1895). Daneben erschienen einzeln: »Das Glück von Rothenburg« (Augsb. 1883, 5. Aufl. 1897), »Siechentrost« (das. 1883), »Verratenes Glück. Emerenz« (Stuttg. 1896), »Männertreu. Der Sohn seines Vaters« (das. 1897), »Medea. Er soll dein Herr sein« (das. 1898),

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»Die Macht der Stunde. Vroni« (Stuttg. 1899), »Neue Märchen« (das. 1899, 4. Aufl. 1904), »Der Schutzengel« (Leipz. 1900), »Novellen vom Gardasee« (Stuttgart 1902), »Ninon und andre Novellen« (das. 1902), »San Vigilio« (das. 1902). Durch Anmut des Vortrags und warme Lebendigkeit des Details ausgezeichnet, sind diese Novellen dem poetischen Gehalt, der Gestaltungskraft nach nicht immer gleichwertig, viele darunter, wie: »L'Arrabbiata«, »Die Einsamen«, »Das Mädchen von Treppi«, »Im Grafenschloß«, »Der Weinhüter von Meran«, »Andrea Delfin«, »Der letzte Kentaur«, »Der Roman der Stiftsdame«, »Siechentrost« u. a., wahre Meisterstücke. In den epischen Dichtungen: »Die Braut von Cypern« (Stuttg. 1856), »Thekla« (das. 1858, 2. Aufl. 1863) und »Syritha« (Berl. 1867) bewährte er wie in den Novellen die eigenartigen Vorzüge seines Talents. Als Dramatiker durchlief er eine eigentümliche Entwickelung. Die Tragödie »Meleager« (Berl. 1854), die Preistragödie »Die Sabinerinnen« (das. 1859, 3. Aufl. 1879) und »Ludwig der Bayer« (1862) trugen noch ziemlich akademisches Gepräge. Mit den Schauspielen: »Elisabeth Charlotte« (1864), »Maria Moroni« (1865), »Die Pfälzer in Irland« u. a. zog er sich den nicht unbegründeten Vorwurf zu, der Tagesrichtung der Bühne auf Kosten der Poesie allzu große Konzessionen gemacht zu haben. Die Tragödien: »Hadrian« (1865), »Graf Königsmark« (1876), »Elfriede« (1877; vgl. Erich Schmidt, Elfride-Dramen, in dessen »Charakteristiken«, 1. Reihe, S. 441 ff., 2. Aufl., Berl. 1902), »Alkibiades« (1883), »Don Juans Ende« (1883), »Die Hochzeit auf dem Aventin« (1886), »Vanina vanini« (1896), »Die Fornarina« (1896), »Der Heilige« (1902), die Schauspiele: »Hans Lange« (1866), »Colberg« (1868, 28. Aufl. 1904), »Die Göttin der Vernunft« (1870), »Ehre um Ehre« (1875), »Die Weiber von Schorndorf« (1881), »Das Recht des Stärkern« (1883), »Getrennte Welten« (1886), »Die Weisheit Salomos« (1887), »Prinzessin Sascha« (1888), »Weltuntergang«, Volksschauspiel (1889), »Kleine Dramen« (1889), »Ein überflüssiger Mensch« (1890), »Die schlimmen Brüder« (1891), »Wahrheit?« (1892), »Jungfer Justine« (1893), das durch die Theaterzensur in Preußen etc. verbotene biblische Drama »Maria von Magdala« (1899, 28. Aufl. 1904), das durch eben dieses Verbot eine unverdiente Verbreitung erfuhr, und »Das verschleierte Bild zu Sais« (1901) und die Lustspiele: »Gott schütze mich vor meinen Freunden« (1888), »Ein unbeschriebenes Blatt« (1893), »Der Bucklige von Schiras« (1898), widerlegten diesen Vorwurf. Aber trotz dieser fleißigen, ja leidenschaftlichen dramatischen Tätigkeit konnte H. mit keinem Stück einen dauernden und unbestrittenen Bühnenerfolg erreichen, wenn auch manche, wie namentlich »Hans Lange« und »Colberg«, von Zeit zu Zeit immer wieder auf den Brettern erscheinen. Dramatische Skizzen aus der biblischen Urzeit und dem klassischen Altertum gab er in den »Mythen und Mysterien« (Stuttg. 1904). Ungleich erfolgreicher war er mit seinem erstern größern Roman: »Kinder der Welt« (Berl. 1873, 3 Bde.; 21. Aufl. 1903), der gewaltiges Aufsehen erregte; seine Tendenz wie seine künstlerische Anlage fanden begeisterte Zustimmung wie heftigen Widerspruch, der jedoch auf keiner Seite so weit ging, die geistige Bedeutung und den poetischen Gehalt des Ganzen in Frage zu stellen. Ein zweiter großer Roman: »Im Paradiese« (Berl. 1875, 3 Bde.; 13. Aufl. 1903), gleichfalls aus der modernen, namentlich Künstlerwelt, in einzelnen Episoden und Figuren von höchster Meisterschaft zeugend, veranlaßte wiederum heftige Proteste gegen die ihm zugrunde liegende eudämonistische Lebensanschauung. Der dritte Roman Heyses: »Merlin« (Berl. 1892, 3 Bde.; 5. Aufl. 1896), der gegen die Naturalisten und Materialisten gerichtet ist, fiel hingegen durch den Mangel an frischer Poesie sehr ab. Auch der Roman »Über allen Gipfeln« (1895, 8. Aufl. 1897) gewann nur bedingten Erfolg. Weitere Veröffentlichungen von H. sind: »Jungbrunnen« (Berl. 1875); »Die Madonna im Ölwald«, Novelle in Versen (das. 1879); »Der Salamander. Ein Tagebuch in Terzinen« (das. 1879); »Spruchbüchlein« (das. 1885). Viel Interessantes boten seine »Jugenderinnerungen und Bekenntnisse« (Berl. 1900). Außerdem erschienen von ihm treffliche poetische Übertragungen, wie: »Spanisches Liederbuch« (mit Em. Geibel, Berl. 1852, 3. Aufl. 1904); »Italienisches Liederbuch« (das. 1860); »Die glücklichen Bettler, morgenländisches Märchen nach Gozzi« (das. 1867); Übertragungen der Gedichte von Giuseppe Giusti (das. 1875), der Gedichte und Prosaschriften von Leopardi (das. 1878, 2 Bde.), beide wiederholt in den »Italienischen Dichtern seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Übersetzungen u. Studien« (das. 188990, 4 Bde.; Bd. 5: Lyriker und Volksgesang, neue Folge, 1905); auch für die von Bodenstedt geleitete deutsche Shakespeare-Ausgabe lieferte er mehrere Stücke. Mit Herm. Kurz gab er den »Deutschen Novellenschatz« (Münch. 187076, 24 Bde.) und den »Novellenschatz des Auslandes« (das. 1872 ff., 14 Bde.), mit Laistner den »Neuen deutschen Novellenschatz« (das. 188488, 24 Bde.), außerdem das »Neue Münchener Dichterbuch« (Stuttg. 1882) heraus. 1884 erhielt H. für seine dramatischen Schöpfungen vom deutschen Kaiser den großen Schillerpreis. Seine »Gesammelten Werke« (Berl. 189799, 29 Bde.), die Romane und Novellen enthaltend, zeigen den Reichtum und die Anmut seines Talents im besten Licht. Von seinen Novellen (zuletzt gesammelt, Stuttg. 1904, 10 Bde.) erschien eine »Auswahl fürs Haus« in 3 Bänden (Berl. 1890, 6. Aufl. 1898). Die »Dramatischen Dichtungen« umfassen 34 Bändchen (Berl. u. Stuttg. 18641903). Vgl. O. Kraus, P. Heyses Novellen und Romane (Frankf. a. M. 1888); G. Brandes, Moderne Geister (das. 1887); L. Marholm, Wir Frauen und unsere Dichter (Wien 1895).
 
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Heyst (vläm. Heist), Badeort in der belg. Provinz Westflandern, Arrond. Brügge, an der Mündung des Leopoldkanals in die Nordsee und an der Staatsbahnlinie Brügge-H., mit einer Kirche, einem fast 2 km langen Kai und (1903) 4158 Einw. (viele Fischer). Vgl. Brügge.
 
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Heyst-op-den-Berg, Flecken in der belg. Provinz Antwerpen, Arrond. Mecheln, an der Nethe, der Eisenbahn Aachen-Antwerpen und den Vizinalbahnen Mecheln-Itegem und H.-Westerloo, mit großem Viehmarkt, Kerzenfabrikation und (1908) 6441 Einw.
 
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Heywood (spr. hĕwŭd), Stadt (municipal borough) in Lancashire (England), 3 km von Rochdale, hat Baumwoll- und Wollspinnerei, Maschinenbau, Eisengießerei und (1901) 25,458 Einw.
 
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Heywood (spr. hĕwŭd), 1) John, engl. Dramatiker, geb. um 1497 in London oder in North Mimms (Herefordshire), gest. zwischen 1577 und 1587, war zunächst Musiker u. Spielmann am Hofe Heinrichs VIII. Er schrieb Epigramme und begann wohl auch schon Sprichwörter zu sammeln (beide hrsg. Lond. 1562 u. ö., zuletzt für die Spenser-Society 1867, die »Proverbs« auch separat mit Einleitung von Sharman, Lond.

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1874), wurde mit Thomas Morus bekannt und durch ihn der Prinzessin, spätern Königin Maria, empfohlen, die er mit seinen lustigen Einfällen noch auf dem Totenbett aufheiterte. Seine literarische Bedeutung liegt hauptsächlich in den sogen. Zwischenspielen (interludes, etwa unsern Fastnachtsspielen entsprechend), in denen er unter Heinrich VIII. die Gebrechen der Zeit geißelte; das älteste scheint zu sein »A mery play between the pardoner and the frere, the curate and neighbour Pratte« (Lond. 1533). Obwohl hierin ein scharfer Kritiker katholischer Mißbräuche, trat er doch nicht aus der alten Kirche aus, zog sich aber bei Elisabeths Regierungsantritt nach Mecheln zurück. Vgl. Swoboda, John H. als Dramatiker (Wien 1888).
   2) Thomas, engl. Schriftsteller, besonders Dramatiker, geb. wahrscheinlich in Lincolnshire um 1575, gest. bald nach 1648, studierte in Cambridge, wo er angeblich Fellow wurde, ward Schauspieler der Lord Admirals-Truppe und schrieb als erstes Stück: »The four prentices of London« (gedr. 1601). Später finden wir ihn bei verschiedenen Truppen. Unter seinen weitern Stücken ragen hervor: »A woman killed with kindness«, eins der ersten und packendsten Beispiele der bürgerlichen Tragödie (gespielt 1603, Neudruck für die Shakespeare-Society von Collier 1850); »The royal king and the loyal subject«, worin eine sehr weitgehende Griseldisgeduld verherrlicht wird (gedruckt 1637, zuletzt von Collier 1850); »The English traveller«, eine pathetische Tragikomödie (gedruckt 1632; übersetzt von Gelbcke, »Die englische Bühne zu Shakespeares Zeit«, Bd. 2, Leipz. 1890); die an Macbeth erinnernden »Lancashire witches« (1634, übersetzt von Tieck, »Shakespeares Vorschule«, Bd. 1, Leipz. 1823); mehrere Komödien antiken Inhalts, z. B. »The rape of Lucrece« (1608) und die aus dem niedrigen Alltagsleben geschöpfte »Wise woman of Hogsdon« (1638). Er schrieb auch Masken für Hoffeste und viele Auszüge für den Lord-Mayors-Tag, im ganzen angeblich 220 Stücke. Von seinen nichtdramatischen Dichtungen ist zu nennen: »The hierarchy of the blessed angels« (1635), didaktisch, kraus, unlesbar, doch mit interessanten Einzelstellen über Volkskunde; von seinen Prosaschriften: »The general history of women, containing the lives of the most holy and profane« (1624, 1657), »England's Elizabeth: her life and troubles during her minority« (1631) und mehrere Übersetzungen aus Sallust, Erasmus, Textor u. a H. war ein begabter, jedoch überproduktiver Epigone der Shakespearezeit, mit deren literarischem Kapital er wirtschaftete. Die erhaltenen dramatischen Stücke wurden fast vollständig herausgegeben von J. Pearson (»Dramatic works of Thomas H.«, Lond. 1874, 6 Bde.), eine Auswahl seiner Dramen erschien in der »Mermaid series« (mit Einleitung, das. 1888).
 
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Hezareh, soviel wie Hazara, s. Meyers Aimak.
 
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Hfgg. auch Hffmsg. oder Hgg., bei Pflanzennamen Abkürzung für J. C. v. Meyers Hoffmansegg (s. d.).
 
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Hg, in der Chemie Zeichen für 1 Atom Quecksilber (Hydrargyrum).
 
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Hiamun, Stadt, s. Meyers Amoy.
 
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Hiarbas, richtiger Jarbas, s. Meyers Dido.
 
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Hiātus (lat., »Kluft«), in der Prosodie das Zusammentreffen zweier Vokale am Ende eines und am Anfang des nächsten Wortes. Ein solcher H. wurde von den Griechen und Römern als Mißklang empfunden und daher im Vers im allgemeinen gemieden und nur in ganz bestimmten Fällen zugelassen, am häufigsten im Hexameter. Beseitigt wurde der H. durch Verschmelzung der zusammenstoßenden Vokale (Elision und Krasis). Auch die griechischen Prosaschriftsteller meiden seit Isokrates tunlichst den H. in gewählter Rede. Überhaupt ist H. namentlich in der Poesie in den meisten Sprachen nur teilweise gestattet. Im Deutschen ist er nach vollem Vokal (z. B. in: wie oft, so alt etc.) unbedingt zulässig; anstößig dagegen, obwohl auch nicht immer gemieden, ist er, wenn das erste Wort mit unbetontem e auslautet (z. B. brachte ich, weine ich); aber auch hier macht es einen Unterschied aus, ob das unbetonte e zur Charakteristik der Flexionsform von Bedeutung ist oder nicht. Während z. B. das Präteritum in den Worten »lacht' er« mit dem Präsens in »lacht er« verwechselt werden kann, ist eine solche Möglichkeit bei »lach' ich«, »lach' er« etc. nicht gegeben. In solchen Fällen, wo das Prinzip der Deutlichkeit nicht für die Erhaltung des H. spricht, wird er nach unbetontem e von sorgfältigen Dichtern gemieden. Gar kein H. liegt aber vor, wenn zwischen das auslautende unbetonte e und den anlautenden Vokal des zweiten Wortes eine halblange oder lange Sprach- oder Verspause tritt, denn alsdann stoßen die beiden Vokale überhaupt nicht zusammen. In der Prähistorie bezeichnet H. den zeitlichen und kulturlichen Zwischenraum zwischen der ältern und der jüngern Steinzeit. Er umfaßt zeitlich sicher sehr lange Zeiträume; auch technologisch sind die Unterschiede zwischen den beiden Steinzeitaltern so erheblich, daß man ohne die Einwirkung neuer Bevölkerungselemente das Erstehen der neolithischen Kultur nicht erklären zu können vermeint. Erst neuerdings glaubt man in Frankreich im Hügel von Campigny und in der Grotte von Mas d'Azil Übergangsgebilde gefunden zu haben, die einer mesolithischen (mittelsteinzeitlichen) Epoche anzugehören scheinen. Vgl. Salmon, Fouille d'un fond de cabane an Campigny (in der »Revue mensuelle de l'École d'Anthropologie«, Par. 1898); Piette, Vestiges de la période de transition (im »Bulletin de la Société d'Anthropologie de Paris«, 1895).

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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