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Heilige Pflanzen bis Heiliges Bein (Bd. 6, Sp. 74 bis 77)
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Artikelverweis Heilige Pflanzen, für den Kultus der verschiedenen Religionssysteme bedeutsame Pflanzen, die entweder eine bestimmte religiöse Idee versinnlichen, oder einer bestimmten Gottheit geheiligt waren, oder als religiöses Begeisterungsmittel beim Opfer- und Orakelkult, oder als Gottesgerichtsbäume in der Justizpflege eine Rolle spielen. Viele Naturvölker wählen gewisse Bäume als Fetische, an deren Äste sie Zeuglappen oder ihr abgeschnittenes Haupthaar als Opfer hängen; afrikanische Negerstämme machen besonders starke Baobabbäume zum Ortihrer religiösen Versammlungen. Auf alten ägyptischen Wandgemälden sieht man die Idee des ewigen Lebens in Gestalt eines Baumes des Lebens dargestellt, aus dessen Wipfel eine Gottheit hervorwächst, die in einem Kruge das »Wasser des Lebens« bewahrt und der in Vogelgestalt unter dem Baume stehenden Seele eines Verstorbenen spendet, wobei auch der dabei stehende Gläubige etwas davon mit der Hand auffängt. Auf assyrischen Wanddekorationen, Siegeln und Zylindern finden sich Darstellungen eines heiligen Baumes, der manchmal, wie der biblische Baum des Lebens im Paradies, von Cherubim bewacht wird. Darüber schwebt oft eine Gottheit, zur Seite stehen Könige und Priester. Häufig sind neben dem heiligen Baum adlerköpfige Gottheiten dargestellt, die aus Taschen, die sie in der Hand halten, zapfenförmige Gebilde nehmen, die sie über denselben halten. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um die zur religiösen Zeremonie erhobene Befruchtung der weiblichen Dattelpalme durch den Pollen der männlichen. Auf andern Zylindern erscheint eine Szene, in der man das Urbild der biblischen Erzählung vom Baum der Erkenntnis hat sehen wollen. Zu beiden Seiten eines heiligen Baumes erscheinen zwei sitzende Gestalten, Mann und Frau, die nach den Früchten desselben greifen. Hinter der Frau erscheint eine Schlange, die man als die Paradiesesschlange gedeutet hat.
   Bei den arischen Völkern sehr verbreitet ist die Kultidee eines Weltbaumes, dessen Wurzeln in die Unterwelt hinabhängen, dessen Gipfel zum Himmel reicht und den Weltpol stützt, dessen ausgreifende Äste Wolkenbäume bilden, von denen das himmlische Naß träufelt, und dessen Früchte die Sterne oder die verjüngenden »Äpfel der Hesperiden« bilden. Am plastischsten ist diese Idee in der Weltesche Yggdrasil der »Edda« ausgearbeitet, aber der griechische Baum der Hesperiden, der da steht, wo Atlas den Himmelspol trägt, ist nur eine andre Form derselben Idee, und die griechische Mythologie kennt die Entstehung des Menschen aus Eschenholz so gut wie die nordische. Eine besonders große Rolle spielen heilige Bäume in der indischen Götterlehre, und zwar war dem altindischen Brahmanismus der indische Feigenbaum oder Banyan (Ficus indica), dessen Same vom Himmel fällt, auf den Ästen andrer Bäume keimt, und dessen Stämme dann als Luftwurzeln zur Erde niedersteigen und allmählich einen weitausgebreiteten Säulenwald bilden, der eigentliche Tempelbaum. Als sich später die Religion Buddhas ausbreitete, wählten die Anhänger dieses reformierenden Systems die Asvatha (Ficus religiosa), eine andre Feigenart, die einen höher aufstrebenden einfachen Stamm bildet, zu ihrem Symbol. In Tibet erfreut sich ein andrer Buddhabaum (Syringa villosa) großer Verehrung der Pilger, der auf seiner Rinde und den Blättern buddhistische Formeln und Buddhabilder zeigen soll. Die Japaner pflanzen den Gingko um ihre Tempel. Die Phöniker sollen dem Kulte der Dattelpalme (Phoenix dactylifera) ihren Namen verdanken; sie verehrten einen Palmen-Baal (Baal Thamar), und die von ihnen herzuleitenden nordafrikanischen Kulturen, namentlich die Altertümer Karthagos, zeigen sehr häufig Szenen, die man als Verehrung der Dattelpalme, deren Wedel auch das beliebteste Grabornament bildeten, deutet. Bei den alten europäischen Völkern war beinahe jeder Gottheit ein besonderer Baum heilig. Dem Donnergott (Zeus, Donar, Thor, Perkun) die Eiche, weil der Blitz am häufigsten dieselbe trifft, dem Kriegsgott (Ares, Tyr) die Esche, weil sie Lanzenschäfte liefert, dem Neptun die Strandfichte, dem Apoll der Lorbeer, in den sich die von ihm verfolgte Daphne verwandelt haben sollte, dem Todesgott der Taxus, Herkules die Weißpappel, Pallas Athene der Ölbaum, den sie im Streite mit Poseidon um die Oberherrschaft in Attika erschuf, der Venus die Myrte, der Persephone der Granatbaum etc. Dazu kamen lokale Kulte, die hier und da einzelnen Bäumen gewidmet waren, wie der Palme auf Delos, unter der Apoll und Artemis geboren wurden, der Platane von Gortyna, auf der Zeus die entführte Jo niedergesetzt hatte, der Feigenbaum von Rom, unter dem die Wölfin Romolus und Remus gesäugt haben sollte etc. Die Mistel, besonders die auf Eichen gewachsene, war den Kelten, vielleicht auch den germanischen Völkern heilig und wurde mit großer Feierlichkeit aufgesucht und eingeholt; Spuren ihrer Verehrung finden sich noch heute in Frankreich und England, woselbst die Mistel bei den Weihnachts- und Neujahrszeremonien dient, so daß ganze Schiffsladungen des in Frankreich noch häufigern Schmarotzers zu Weihnachten nach England gehen. Die Kelten hielten außerdem eine Anzahl niederer

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Pflanzen heilig, wie das Eisenkraut, Selago, Samolus u. a., die aber z. T. der Art nach nicht sicher bekannt und mit den heute so genannten Pflanzen wahrscheinlich nicht identisch sind.
   Von Wasserpflanzen erfuhren bei den alten Völkern besonders die Seerosen oder Lotos arten einen lebhaften Kultus, der sich auf die Vorstellung einer Schöpfung aus dem Wasser und auf die befruchtende Wirkung des Wassers für das Land bezog. Es kam dazu die sogen. Sympathie mit den großen Himmelsleuchten, sofern einzelne Seerosen des Morgens mit der Sonne aus der Flut emportauchen und des Abends mit ihr untersinken, andre mit einbrechender Nacht dem Mond ihren Kelch erschließen. Ägyptische und indische Tempelwände und Kultgeräte sind mit Lotosbildern bedeckt, die in direkte Beziehung zur Göttergeschichte treten, sofern Brahma dargestellt wird, wie er vor der Schöpfung auf einem schwimmenden Banyanen- oder Lotosblatte ruht, während aus seinem Nabel eine Lotosblume hervortritt, auf der Wischnu sitzt. In beiden alten Ländern wurden an den Tempeln heilige Teiche angelegt, in denen die Nymphäen gezogen wurden. In Indien war es vorzugsweise der tagblühende Sternlotos oder Padmas (Nymphaea stellata), in dessen Kelche man auch Joni und Lingam, die Symbole der Schöpfung, darstellte, während in Ägypten die nachtblühende Nymphaea Lotus als die Pflanze gefeiert wurde, die den Osiris verbarg, und auf deren Kelch er ruhend dargestellt ward. Irrtümlich ist dagegen die Angabe, daß die ägyptische Bohne (Nelumbium speciosum) der heilige Lotos der Ägypter und Inder sei. Diese jetzt aus den ägyptischen Gewässern verschwundene Pflanze, deren Blätter und Blüten frei aus dem Wasser hervorragen, wurde im alten Ägypten als Nahrungspflanze gebaut, findet sich aber niemals auf den ältern Tempelgemälden dargestellt, mit Ausnahme einiger späten Fälle aus der Ptolemäerzeit, in denen Harpokrates auf einer Nelumbium-Blüte oder Kapsel sitzend dargestellt wird. Mit dem Buddhismus hat sich die Verehrung der Seerosen auch weiter nach Ostasien ausgebreitet, und viele japanische Gottheiten werden als im Lotoskelche stehend oder sitzend dargestellt. Von niedern Gewächsen erfreut sich die Tulsipflanze (Ocimum sanctum) noch jetzt im Brahmanismus einer eigentümlichen Verehrung. Man vollzieht nämlich mit großem Pomp alljährlich eine Art Vermählungszeremonie, durch die ein Salagrama-Ammonit (vom Ghandakital am Fuße des Dhawalagiri) als Symbol der Muschelinkarnation Wischnus mit dieser Pflanze verbunden wird.
   Im Kulte der alten Völker dienten gewisse Pflanzen zur Herstellung von Tränken, die wie ein Sakrament unter Zeremonien und Weihegesängen bereitet und genossen wurden, wie die Somapflanze der Inder und die Haomapflanze der Perser. Hier wird dann alsbald die Pflanze selbst zu einer Gottheit personifiziert, die sich für den Menschen opfert, zerschneiden und zerquetschen läßt, in seinem Körper wieder auflebt, und der daher begeisterte Hymnen gewidmet werden. In Indien ist es der Mondgott Soma, der allen Pflanzen Saft verleiht, sich aber in der Somapflanze besonders verkörpert. Ganz dasselbe sehen wir in Altmexiko, wo die Mescal- oder Pellotepflanze, eine Kaktee (Ariocarpus) und das Ololiuhqui, eine Ipomoea-Art, deren Samen man genoß, um Orakel oder Erscheinungen zu erhalten, gleichzeitig als Gottheiten verehrt wurden, denen man diese Eingebungen verdankte. Ganz ähnlich war der Gebrauch der Gräberpflanze (Datura sanguinea), deren Samen man im Sonnentempel von Sogamossa bei Bogota zu einem narkotischen Getränk (Tonga) verarbeitete, das angeblich den Trinker mit den Geistern der Verstorbenen und mit den Göttern in Verbindung brachte. In Alteuropa scheint man sich zu gleichen Zwecken einer Bilsenkrautart (wahrscheinlich Hyoscyamus albus) bedient zu haben, denn dieselbe heißt bei Plinius Apollokraut (Herba apollinaris) und wurde in den Keltenländern Belenium, nach dem Apollo Belenus dieser Länder, benannt. Später heißt sie Belinuncia, woraus Bilsenkraut entstand.
   Auch die Ordal- oder Gottesgerichtsbäume, deren Holz, Blätter, Rinde, Früchte oder Samen das Material zu Getränken hergaben, welche die Schuld oder Unschuld eines Angeklagten dadurch an den Tag bringen sollten, daß der Magen die eingeflößte Giftsubstanz wieder von sich gab, während der Schuldige sie behielt, wurden überall mit einem religiösen Nimbus umgeben, und die Priester selbst hatten diese Gifttränke zu bereiten. Stellen der Bibel deuten darauf hin, daß auch die Juden noch solche Giftordale, den Trank des »bittern Wassers«, gehabt haben, um Schuld oder Unschuld der Frauen an den Tag zu bringen, und auf ägyptischen Papyros ist der Strafe gedacht, die der heilige Perseabaum gewährt, den einige auf eine Blausäure liefernde Prunus-Art, andere auf Balanites deuten. Auf Madagaskar hat man noch im 19. Jahrh. mit Hilfe der Früchte eines solchen Gottesgerichtsbaumes (Tanghinia venenifera) Tausende der Hexerei verdächtige Personen ums Leben gebracht.
 
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Heiliger Abend heißt infolge der altgermanischen Sitte, nach Nächten zu zählen, in manchen Gegenden jeder Abend oder Tag vor einem kirchlichen Feste (daher auch Sonn abend), da man diesen in der alten christlichen Kirche mit einer vorbereitenden Feier zu begehen pflegte; insbes. aber der Abend vor dem Weihnachts-, Neujahrs- und Dreikönigstag, namentlich der erstere. Ein Überrest der ursprünglichen Feier dieser Abende oder Vigilien (s. d.) hat sich noch an einigen Orten in den sog. Christmetten am Vorabend oder am Morgen des Weihnachtstags erhalten.
 
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Heiliger Berg, s. Přibram.
 
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Heiliger Bund, s. Meyers Heilige Allianz.
 
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Heiliger Christ, s. Meyers Weihnachten.
 
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Heiliger Geist (lat. Spiritus sanctus), ein wesentlicher Lehrartikel des Christentums. Im Alten Testament heißt »Geist Gottes« oder »Geist des Herrn« zunächst der den an sich toten Stoff bildende und beseelende, der lebendig machende Hauch Gottes. Als sich der Gottesbegriff im sittlichen Sinne vertiefte und verinnerlichte, wurde auch der Geist Gottes als Quelle der prophetischen Erkenntnis und Begeisterung aufgefaßt. In der rabbinischen Theologie des nachexilischen Zeitalters erscheint der »Heilige Geist« geradezu als Offenbarungsprinzip, parallel dem von der alexandrinisch-jüdischen Philosophie ausgebildeten Begriff der »Weisheit« (sophia) oder des »Wortes« (logos). Nachdem die christliche Gemeinde in Jesus von Nazareth den Messias gefunden, führte sie zunächst seine prophetisch-messianische Begabung und Wunderkraft auf eine im Moment der Taufe stattgehabte Ausrüstung mit dem Geist Gottes zurück. Bald wurde dessen Einwirkung auf den Messias vom Moment der Taufe auf den Moment der Geburt zurückdatiert, und es entstand so die in unserm ersten und dritten Evangelium mythisch dargestellte, dann im apostolischen

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Symbol dogmatisch fixierte Vorstellung von der Erzeugung Jesu durch den Heiligen Geist. In andrer Weise wieder faßte Paulus den Heiligen Geist als das den Gläubigen in ihrer mystischen Verbindung mit Christus innewohnende übernatürliche Prinzip. Die ursprünglich mit dem Begriff des Heiligen Geistes verwandte Vorstellung vom Wort (s. Logos) wurde endlich im vierten Evangelium benutzt, um eine höhere Meyers Christologie (s. d.) durchzuführen, in welcher der Heilige Geist die Rolle eines unsichtbaren Fortsetzers des Lebenswerkes Jesu, eines Ersatzes für die seit der Erhöhung des Mensch gewordenen Wortes von der Erde eingetretene Entbehrung spielt und »Paraklet«, d. h. Beistand, heißt. Dies alles trug dazu bei, die Auffassung des Heiligen Geistes als einer göttlichen Person zu befestigen und ihm das Werk der Erzeugung, Erhaltung und Vollendung des spezifisch christlichen Lebens in den Gläubigen zuzuschreiben, wenn auch die ältesten kirchlichen Schriftsteller noch hier und da ein Bewußtsein davon verraten, daß das im Sohn Gottes Fleisch werdende Wort und der den Menschen zum Messias und Sohn Gottes weihende Geist ursprünglich ein und derselben Idee zum Ausdruck verhelfen wollten, nämlich der des Offenbarungsgottes im Gegensatz zu dem verborgenen und unbegreiflichen Gott. So dauerte es fast vier Jahrhunderte, bis die beiden Vorstellungen des Geistes und des Wortes Gottes nach mannigfachen Experimenten der Dogmatiker endlich untereinander ausgeglichen und durch Anwendung eines trinitarischen Schemas auf die ganze Gotteslehre mit dem Begriff Gottes des Vaters gleichgestellt waren. Die letzten Anhänger der früher fast allgemein herrschenden Lehre von einer untergeordneten Stellung des Geistes wurden auf der ökumenischen Synode von 381 zu Konstantinopel als Mazedonianer (ihr Haupt war Macedonius, 341360 Bischof von Konstantinopel, gewesen) und »Pneumatomachen« (Geistbekämpfer) verurteilt. Bald aber erhob sich bezüglich des Verhältnisses dieser dritten Person der Trinität zu den beiden andern ein erbitterter Streit zwischen der abendländisch-lateinischen und der morgenländisch-griechischen Kirche. Denn jene machte zu dem konstantinopolitanischen Bekenntnis, wonach »der Geist vom Vater ausgeht«, im Interesse symmetrischer Abrundung der Trinitätslehre den Zusatz: »und vom Sohn« (filioque), so in Spanien auf der Synode zu Toledo 589, während die griechische Kirche darin eine Verletzung des Monotheismus sah. Die Reformatoren nahmen die ganze Lehre vom Heiligen Geist unbesehen aus den Händen der mittelalterlichen Kirche entgegen, und in diesem Sinne hat sie Kahnis (»Die Lehre vom Heiligen Geist«, Leipz. 1847) dargestellt. Die liberale Theologie wandelt dagegen in der Regel auf den Bahnen Schleiermachers, der im Hinblick auf die in der Apostelgeschichte berichtete Ausgießung des Geistes über die erste Gemeinde der Gläubigen denselben als den christlichen Gemeingeist auffaßte (s. Meyers Inspiration).
   In der bildenden Kunst wurde der Heilige Geist auf Grund der Stellen im Evangelium Matthäi 3,16 (»Und er [Jesus] sah den Geist Gottes als eine Taube herabfahren«) und Evangelium Lucas 3, 22 schon frühzeitig in Gestalt einer Taube dargestellt, zuerst bei der Taufe Christi. Die älteste Darstellung befindet sich in der aus dem 2. Jahrh stammenden Krypta der heil. Lucina bei Rom. Seitdem kommt die Taube fast ausnahmslos bei allen Darstellungen der Taufe Christi, auch in der klassischen Kunst, vor. (Beispiele: Gemälde von Verrocchio und Leonardo da Vinci in der Akademie zu Florenz, von Francesco Francia in der Dresdener Galerie, von G. Reni im Hofmuseum zu Wien, von Paris Bordone in der Brera zu Mailand.) Nach dieser Analogie wurde auf Grund der Worte des Engels der Verkündigung im Evang. Luc. 1,35: »Der Heilige Geist wird über dich kommen« der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auch bei den Darstellungen der Verkündigung Mariä eingeführt; das älteste Beispiel ist ein Mosaik aus dem 5. Jahrh. in Santa Maria Maggiore zu Rom. Seitdem ist der Vorgang unzählige Male in Gemälden, Miniaturen, Holzschnitten, Kupferstichen und Bildwerken (ein Hauptwerk: der Englische Gruß von Veit Stoß, s. Tafel Meyers »Bildhauerkunst VIII«, Fig. 6) dargestellt worden. Ferner erscheint der Heilige Geist in Gestalt einer Taube bei allen Darstellungen der Dreifaltigkeit (Gemälde von Dürer im Hofmuseum zu Wien, von Tizian in Madrid, von Rubens in Mantua, München und Antwerpen, Holzschnitt von Dürer) und bei der Darstellung der Ausgießung des Heiligen Geistes (Gemälde von Tizian in Santa Maria della Salute zu Venedig, Rubens in der Münchener Pinakothek und Karl Begas in Berlin). Vgl. Stengel, Das Taubensymbol des Heiligen Geistes (Straßb. 1904).
 
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Heiliger Geist-Orden, 1) (Orden der Hospitalbrüder des Heiligen Geistes von Montpellier, auch Santa Maria oder Santo Spiritu in Sassia zu Rom) wurde von Guido von Montpellier für Hospitalritter unter St. Augustins Regel gestiftet, 1198 von Papst Innozenz III. bestätigt, der Guido 1204 zur Übernahme des Hospitals Sanctä Mariä in Sassia (Saxonia) nach Rom berief. Pius IX. hat den Orden aufgehoben. 2) (Orden vom Heiligen Geist) vormals der erste Orden Frankreichs und einer der angesehensten Europas, wurde im Dezember 1578 von Heinrich III. zum Dank für die Wohltaten gestiftet, die ihm an drei Pfingsttagen geworden, indem er an Pfingsten 1551 zur Welt kam, 1573 König von Polen, 1574 König von Frankreich wurde. Der Orden bestand aus 100 Rittern (»Kommandeuren«). Die Aufzunehmenden mußten 36 Jahre alt, katholisch und in vier Generationen adlig sein. Das Ordenszeichen war ein goldenes, weiß emailliertes Kreuz mit acht Knöpfen und Lilien in den vier Winkeln. Auf dem Avers des grün emaillierten Mittelschildes war eine silberne Taube, auf dem Revers der heil. Michael. Die Devise ist: »Duce et auspice« (»Unter seiner Führung und Leitung«). Der Orden wurde an breitem himmelblauen Bande (daher le cordon bleu) getragen, außerdem ein Stern, ähnlich dem Avers des Kreuzes, auf der Brust; die Geistlichen trugen ihn um den Hals. Der Orden wurde vom Nationalkonvent aufgehoben, von Ludwig XVIII. wieder hergestellt, seit der Revolution von 1830 wird er aber nicht mehr verliehen. 3) (Hospitaliter- und Hospitaliterinnenbrüderschaften zum Heiligen Geist in Frankreich) 1254 gestiftete Orden, wurden als weltliche Vereine dem Orden des Heiligen Geistes von Montpellier beigesellt. Die wegen ihrer weißen Tracht vom Volke gewöhnlich weiße Schwestern genannten Hospitaliterinnen wirken noch gegenwärtig in großer Anzahl für Erziehung der Mädchen, Kranken- und Armenpflege etc. 4) (Missionspriesterverein zum Heiligen Geist) für Seminare, Missionsdienst und Spitalpflege, wurde 1703 von Claude Poullart Desplace und Vincent le Barbier in Frankreich gestiftet, während der Revolution aufgehoben, 1848 mit der von Meyers Libermann (s. d.) begründeten Kongregation vom

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unbefleckten Herzen Mariä vereinigt. S. auch Meyers Artikel »Väter vom Heiligen Geist«.
 
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Heiliger Geist-Wein, s. Meyers Frankenweine.
 
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Heiliger Orden, königlich siames. Orden, ursprünglich eine Dekoration ausschließlich für den König, 1869 und 1873 in einen förmlichen Orden für Mitglieder und Verwandte des königlichen Hauses verwandelt. Die Dekoration besteht aus einer Rosette von neun verschiedenen Edelsteinen, überragt von goldener siamesischer Krone, und wird an einem gelben, blaurotgrün eingefaßten Band über die Schulter getragen, dazu ein achtstrahliger brillantierter Silberstern mit dem Ordenszeichen in der Mitte. Die Halskette, die nur der König trägt, besteht aus Rosetten von Diamanten, Rubinen, Smaragden, Saphiren und Perlen.
 
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Heiliger Rock, eine von den angeblichen Reliquien Christi (Joh. 19,23), wird in mehreren Exemplaren, z. B. in Argenteuil, in der Laterankirche zu Rom u. a. O., aufbewahrt. Am bekanntesten ist der im Dom zu Trier aufbewahrte, zuerst auf Bitten Kaiser Maximilians 1512 zur Verehrung der Gläubigen ausgestellte heilige Rock geworden, der bald von Helena, der Mutter Konstantins, aus dem Heiligen Lande gebracht und ihrer Vaterstadt Trier geschenkt, bald von Orendel, dem Sohne des Königs Eygel in Trier, der auf dem Zug nach Palästina Schiffbruch gelitten, nach Trier gebracht worden sein soll. Die vom Bischof Arnoldi 1844 verfügte Ausstellung rief die Bewegung des Deutschkatholizismus (s. Meyers Deutsch-katholiken) hervor. 1891 ließ Bischof Korum die Reliquie von neuem ausstellen; 1,925,130 Pilger zogen nach Trier, von denen nach dem Zeugnis des Bischofs 11 geheilt, 27 mit »Gnadenerweisen« bedacht wurden. Vgl. Korum, Wunder und göttliche Gnadenerweise bei Ausstellung des heiligen Rockes zu Trier im Jahre 1891. Aktenmäßig dargestellt (Trier 1894); Gildemeister und v. Sybel, Der heilige Rock zu Trier u. die 20 andern heiligen ungenähten Röcke (3. Aufl., Düsseld. 1845). Gegnerischerseits schrieben unter andern Beyschlag, Thümmel, Rieks, H. Kurtz.
 
Artikelverweis 
Heiliges Bein, soviel wie Meyers Kreuzbein (s. d.).

 

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Artikel 61 bis 70 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
61) Güll
 ... neue Ausg., Gütersloh 1876; 6. Aufl. 1889; Auswahl, das. 1901); »Weihnachtsbilder« (Berl. 1840); »Neue Bilder für Kinder« (mit Zeichnungen von Tony
 
62) Handlungsgehilfe
 ... Beschäftigung sie nicht daran hindert, gestattet werden muß. Am ersten Weihnachts - , Oster - und Pfingstfeiertag dürfen Handlungsgehilfen überhaupt nicht,
 
63) Hans
 ... dramatisch bearbeitet. Als Fuhrmann des Christkindes tritt H. in zahlreichen Weihnachtsspielen des 17. und 18. Jahrh. als lustige Person auf. Vgl.
 
64) Heiberg
 ... la Barca «. Als er 1816 in seiner berühmten Komödie »Weihnachtsscherze und Neujahrsspäße« im Stil der deutschen Romantiker die Tränenseligkeit Ingemanns
 
65) Heilige
 ... Heilige Nacht , soviel wie Weihnachten (s. d.); in der Malerei Bezeichnung für die Darstellung
 
66) Heilige
 ... daß ganze Schiffsladungen des in Frankreich noch häufigern Schmarotzers zu Weihnachten nach England gehen. Die Kelten hielten außerdem eine Anzahl niederer
 ... heute in Frankreich und England, woselbst die Mistel bei den Weihnachts - und Neujahrszeremonien dient, so daß ganze Schiffsladungen des in
 
67) Heiliger
 ... Feier zu begehen pflegte; insbes. aber der Abend vor dem Weihnachts - , Neujahrs - und Dreikönigstag, namentlich der erstere. Ein
 ... den sog. Christmetten am Vorabend oder am Morgen des Weihnachtstags erhalten.
 
68) Heiliger
 ... Heiliger Christ , s. Weihnachten .
 
69) Heinrich
 ... Der Anschlag wurde entdeckt, H. in Ingelheim gefangen gehalten, zu Weihnachten 941 in Frankfurt a. M. nach reuevoller Buße begnadigt und
 
70) Hellebŏrus
 ... niger L . ( schwarze Nieswurz, Christwurz, Christblume, Christrose, Weihnachts - , Winter - oder Schneerose , s.
 ... als Abortivmittel. Die Blüten benutzt man zu Totenkränzen und als Weihnachtsschmuck. Der H. melas des Hippokrates, der bei den Alten
 
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