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Handlungsgehilfe bis Handnervig (Bd. 6, Sp. 757 bis 760)
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Artikelverweis Handlungsgehilfe ist, wer in einem Meyers Handelsgewerbe (s. d.) zur Leistung kaufmännischer Dienste, d. h. Dienste, zu deren Leistung die Ausbildung in einem Handelsgewerbe gehört, gegen Entgelt (festes Gehalt, Tantieme, Provision) angestellt ist (§ 59 des Handelsgesetzbuches). Den Gegensatz bildet der Meyers Handlungslehrling (s. d.), der kaufmännische Dienste erst lernen soll. Ebenso unterscheidet er sich von dem Gewerbegehilfen, der gewerbliche Dienste zu leisten hat und der Gewerbeordnung untersteht.
   I. Pflichten des Handlungsgehilfen. Er hat die ihm obliegenden Dienste treu zu verrichten, und zwar richtet sich ihre Art und Umfang mangels besonderer Vereinbarung nach dem Ortsgebrauch, bez. sind sie in angemessener Weise zu erledigen (§ 59). Jedenfalls hat er im Zweifel nur kaufmännische Dienste zu leisten, braucht also beispielsweise nicht in einem Glasgeschäft Gläser zu putzen oder leere Kisten in die Niederlage zu schaffen. Während seines Dienstverhältnisses darf er seinem Prinzipal keine Konkurrenz machen (sogen. Konkurrenzverbot), es sei denn, daß dieser es ihm gestattet, oder daß er beim Eintritt in den Dienst mit Wissen seines Prinzipals bereits ein Konkurrenzgeschäft betrieb. Zuwiderhandlungen nach dieser Richtung haben zur Folge, daß der Prinzipal

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Schadenersatz fordern oder aber die betreffenden Geschäfte als für seine Rechnung gemacht gelten lassen kann. Um den Handlungsgehilfen jedoch gegen Forderungen zu schützen, die weit zurückliegende Geschäfte betreffen und infolgedessen schwer kontrollierbar sind, muß der Prinzipal 3 Monate nach erlangter Kenntnis hiervon, spätestens aber in 5 Jahren nach Abschluß dieser Geschäfte seine Ansprüche geltend machen (§ 60, 61). Eine zwischen ihnen getroffene Vereinbarung, sogen. Konkurrenzklausel, durch die der H. noch für die Zeit nach Beendigung seines Dienstverhältnisses in seiner beruflichen Tätigkeit beschränkt wird, ist für den Handlungsgehilfen nur insoweit verbindlich, als die Beschränkung nach Zeit, Ort und Gegenstand dem Handlungsgehilfen nicht unbilligerweise sein Fortkommen erschwert. Hat der Prinzipal an der Beobachtung der Konkurrenzklausel gar kein oder kein berechtigtes Interesse, oder steht diese zu den Leistungen des Prinzipals in gar keinem Verhältnis, so ist sie nichtig. Das Gleiche ist der Fall, wenn der H. zur Zeit des Abschlusses minderjährig, d. h. noch nicht 21 Jahre alt ist. Die Dauer der Konkurrenzklausel darf den Zeitraum von 3 Jahren nach Beendigung des Dienstverhältnisses nicht überschreiten (§ 74). Überschreitet der H. dies Konkurrenzverbot, so muß er die vereinbarte Konventionalstrafe zahlen. Ist sie zu hoch, so kann sie durch Rechtsspruch entsprechend herabgesetzt werden. Hat der Geschäftsherr jedoch durch vertragswidriges Verhalten Grund zur sofortigen Lösung des Dienstverhältnisses gegeben, oder hat er dem Handlungsgehilfen gekündigt, ohne daß dieser nachweisbar hierzu Veranlassung gegeben hat, so tritt die Konkurrenzklausel nicht in Wirksamkeit, es sei denn, daß dem Handlungsgehilfen für ihre Dauer der Gehalt fortbezahlt wird (§ 75). Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisse, die er infolge seines Dienstverhältnisses erfahren hat, darf er weder unbefugt verwerten noch andern mitteilen (§ 9 des Reichsgesetzes zur Bekämpfung des unlautern Wettbewerbs).
   II. Rechte des Handlungsgehilfen. Für seine Dienste hat er den vereinbarten oder ortsüblichen Gehalt zu beanspruchen, der am Schlusse jedes Monats zu zahlen ist (§ 64). Gehalt und Unterhalt hat der Geschäftsherr bis zur Dauer von 42 Tagen dem Handlungsgehilfen auch dann zu gewähren, wenn dieser infolge eines unverschuldeten Unglücks an der Dienstleistung verhindert ist (§ 63). Ebenso geht der H. seines Anspruchs auf Gehalt nicht verlustig, wenn er für eine verhältnismäßig kurze Zeit durch einen zwar in seiner Person liegenden, aber unverschuldeten Grund an der Dienstleistung verhindert wird (§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Hierunter fällt z. B. Erkrankung eines nahen Angehörigen, Einberufung zu einer Reserveübung. Ausschlaggebend ist dabei die Dauer der Verhinderung zur Gesamtdauer des Dienstverhältnisses. Die Arbeitsräume und die für das Geschäft notwendigen Vorrichtungen und Gerätschaften, den Geschäftsbetrieb und die Arbeitszeit und event. die Wohn- und Schlafräume muß der Prinzipal so einrichten, daß der H. nicht an seiner Gesundheit Schaden leidet (§ 62). Insonderheit ist ihm nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 10 Stunden zu gewähren, eine Ruhepause, die sich in Städten von mehr als 20,000 Einw. in offenen Verkaufsstellen bei Beschäftigung von zwei oder mehr Gehilfen und Lehrlingen um eine weitere Stunde verlängert (§ 139 c ff. der Gewerbeordnung). Während der täglichen Arbeitszeit ist dem Handlungsgehilfen eine angemessene Mittagspause zu gewähren, die mindestens 11/2 Stunde betragen muß, wenn die Mahlzeit außerhalb des Geschäftsgebäudes eingenommen wird. Offene Verkaufsstellen müssen von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens für den geschäftlichen Verkehr geschlossen sein (vgl. Ladenschluß). In den Verkaufsräumen und Kontoren muß ausreichende und geeignete Sitzgelegenheit für sie vorhanden sein, deren Benutzung ihnen, falls ihre Beschäftigung sie nicht daran hindert, gestattet werden muß. Am ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingstfeiertag dürfen Handlungsgehilfen überhaupt nicht, an Sonn- und Festtagen höchstens 5 Stunden beschäftigt werden (§ 105 b der Gewerbeordnung). Nach erfolgter Kündigung, also nicht erst beim Dienstaustritt, kann der H. ein schriftliches Zeugnis über Art und Dauer der Beschäftigung fordern, das auf seinen Wunsch auf Führung und Leistungen auszudehnen ist (§ 73 des Handelsgesetzbuches). Ebenso muß ihm nach erfolgter Kündigung angemessene Zeit zum Aufsuchen einer andern Stellung gewährt werden (§ 629 des Bürgerlichen Gesetzbuches).
   III. Dienstverhältnis. Ist letzteres auf bestimmte Zeit eingegangen, so gelten die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches über den Dienstvertrag (s. Meyers Arbeitsvertrag). Ein auf unbestimmte Zeit eingegangenes Dienstverhältnis kann mangels abweichender Vereinbarung von jedem Teil für den Schluß eines Kalendervierteljahres unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 6 Wochen gekündigt werden. Diese gesetzliche Kündigungsfrist kann von den Parteien durch eine vertragsmäßige ersetzt werden, die jedoch den in den § 67 mit 69 aufgestellten Beschränkungen unterliegt, von denen besonders hervorzuheben ist, daß ein auf Lebenszeit oder auf länger als 5 Jahre eingegangenes Dienstverhältnis vom Handlungsgehilfen nach Ablauf von 5 Jahren mit 6 monatiger Kündigungsfrist gekündigt werden kann (§ 624 des Bürgerlichen Gesetzbuches), daß bei Vereinbarung von nicht im Gesetze vorgesehenen Kündigungsfristen diese für beide Teile gleich sein müssen, daß sie nicht kürzer als 1 Monat sein dürfen, und daß die Kündigung nur für den Schluß eines Kalendermonats zulässig ist. Ferner endigt das Dienstverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist durch sofortige Entlassung seitens des Geschäftsherrn, wenn für diesen, und durch sofortigen Dienstaustritt des Handlungsgehilfen, wenn für den letztern ein wichtiger Grund dazu vorliegt (§ 70). Der Prinzipal ist zur sofortigen Entlassung des Handlungsgehilfen berechtigt wegen Untreue, Vertrauensmißbrauchs oder Nichtachtung des Konkurrenzverbotes durch den Handlungsgehilfen, wegen unbefugtem und längerm Verlassen des Dienstes, wegen beharrlicher Verweigerung der Dienstobliegenheiten, wegen anhaltender Krankheit, längerer Freiheitsstrafe oder einer über 8 Wochen dauernden militärischen Dienstleistung, wegen Tätlichkeiten oder erheblichen Ehrverletzungen gegen ihn oder seinen Stellvertreter (§ 72). Der H. dagegen ist zu sofortigem Austritt berechtigt wegen Unfähigkeit zur Dienstleistung und wegen Nichtgewährung des Gehaltes und gebührenden Unterhaltes, wegen Vernachlässigung der Sorge des Prinzipals für das persönliche Wohl des Handlungsgehilfen, wegen Tätlichkeiten, erheblichen Ehrverletzungen oder unsittlichen Zumutungen seitens des Prinzipals, oder falls er es ablehnt, den Handlungsgehilfen gegen derartige Angriffe seitens seiner Familienangehörigen oder Angestellten zu schützen (§ 71). Wurde eine derartige Beendigung des Dienstverhältnisses durch schuldhafte Verletzung der Pflichten

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des einen Teiles veranlaßt, so kann der andre Ersatz des ihm durch die Beendigung entstandenen Schadens verlangen (§ 70, Abs. 2). Vgl. Fuld, Das Recht des Handlungsgehilfen (Hannov. 1897).
 
Artikelverweis 
Handlungslehrling ist eine Person, die zwecks Erlernung des kaufmännischen Gewerbes in den Dienst eines Kaufmanns tritt. Während das alte Handelsgesetzbuch die Verhältnisse der Handlungslehrlinge und Handlungsgehilfen gemeinsam regelte, hat das neue Handelsgesetzbuch das Lehrlingswesen in den § 7682 neu und selbständig geregelt unter Hinweis darauf, daß die Vorschriften über Handels und Konkurrenzverbot, über Pflichten des Prinzipals für das persönliche Wohl zu sorgen, über Fortbezug des Gehalts und Unterhalts bei unverschuldeter Verhinderung an der Leistung der Dienste, über Konkurrenzklausel und Zahlung einer Konventionalstrafe für den H. die gleichen sind wie für den Handlungsgehilfen (s. d.). Ein Lehrvertrag ist nicht vorgeschrieben, jedoch bedürfen minderjährige Handlungslehrlinge zur Abschließung eines Dienstvertrags der Genehmigung des Vaters; werden sie bevormundet, so bedarf es bei allen Dienst-, Arbeits- und Lehrverträgen, die über ein Jahr hinaus dauern sollen, der Genehmigung des Vormundschaftsgerichts. Eine schriftliche Abschließung des Lehrvertrags empfiehlt sich außer aus Gründen der gegenseitigen Klarheit schon deswegen, weil der Lehrherr Ansprüche wegen unbefugten Austritts aus der Lehre gegen den Lehrling, bez. dessen Vater nur dann geltend machen kann, wenn der Lehrvertrag schriftlich abgeschlossen wurde (§ 79 des Handelsgesetzbuches). Lehrherren oder Lehrmeister, die nicht im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind, dürfen Handlungslehrlinge weder in ihr Geschäft aufnehmen noch sich mit deren Anleitung befassen. Geschieht dies trotzdem, so kann die Polizei zwangsweise die Entfernung des Handlungslehrlings vornehmen (§ 81), und außerdem erfolgt Bestrafung bis zul 50 Mk. (§ 82). An sich endet das Lehrverhältnis mit Ablauf der vereinbarten oder ortsüblichen Lehrzeit, jedoch können Lehrherr und Lehrling im ersten Monate der Lehre, der als Probezeit gilt, ohne Grundangabe und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist auf das Ende dieses Monats kündigen. Eine mehr als drei Monate betragende Probezeit darf überhaupt nicht vereinbart werden. Ebenso kann der Lehrling im ersten Monate nach dem Tode des Lehrherrn kündigen (§ 77). Will der Lehrling zu einem andern Gewerbe oder Beruf übertreten, so endigt das Lehrverhältnis spätestens einen Monat nach Abgabe einer diesbezüglichen schriftlichen Erklärung durch den Lehrling oder seinen gesetzlichen Vertreter. Unter anderm Gewerbe ist ein Gewerbe, das nicht Handelsgewerbe ist, zu verstehen, unter Beruf eine dauernde Tätigkeit nichtgewerblicher Art. Es genügt demnach nicht Wechsel der Geschäftsart innerhalb der Grenzen des Handelsgewerbes. Tritt der Lehrling jedoch vor Ablauf von neun Monaten in irgend ein andres Geschäft als H. ein, so ist er dem bisherigen Lehrherrn zum Ersatz des diesem durch die vorzeitige Beendigung des Lehrverhältnisses entstandenen Schadens verpflichtet. Hatte der neue Lehrherr Kenntnis von dem Sachverhalt, so hast et auch dieser (§ 78). Abgesehen hiervon können beide Teile bei Vorliegen eines wichtigen Grundes ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen. Außer den für die Handlungsgehifen (s. d.) geltenden wichtigen Gründen hat das Handelsgesetzbuch in § 82 für Handlungslehrlinge noch besonders bestimmt, daß ein Grund zur außerordentlichen Kündigung auch darin liegt, daß der Lehrherr seine Verpflichtungen in einer dessen Gesundheit, Sittlichkeit oder Ausbildung gefährdenden Weise verletzt. Verläßt der H. grundlos die Lehre, so kann der Lehrherr auf Schadenersatz klagen, erhält einen solchen aber nur, wenn, wie bereits oben angedeutet, der Lehrvertrag schriftlich abgeschlossen wurde. Eine zwangsweise Zurückführung in die Lehre ist nur zulässig, wenn der Lehrling noch nicht unbeschränkt geschäftsfähig ist und er gegen oder ohne den Willen seiner Eltern oder seines gesetzlichen Vertreters die Lehre verlassen hat. Die Bezahlung eines Lehrgeldes hängt von freier Vereinbarung oder dem Ortsgebrauch ab. Die Lehre selbst soll sich auf alle bei dem Betriebe des Geschäftes vorkommenden kaufmännischen Arbeiten erstrecken und soll möglichst zielbewußt und planmäßig sein, insonderheit darf der Lehrling nicht zu andern, abseits seines Berufes liegenden Arbeiten verwendet werden. Zum Besuche des Gottesdienstes wie der Fortbildungsschule ist ihm die erforderliche Zeit zu gewähren (§ 76). An sich und richtigerweise erhält der Lehrling für seine Dienstleistungen kein Entgelt, ist dies jedoch der Fall, so kann der Lehrherr daraus nicht etwa das Recht ableiten, seine ihm gesetzlich gegen den Lehrling obliegenden Verpflichtungen zum Teil unerfüllt zu lassen. Schließlich sei noch erwähnt, daß Handlungslehrlinge nach § 1 des Invalidenversicherungsgesetzes vom vollendeten 16. Lebensjahr an versicherungspflichtig sind, und daß sie in irgend einer Krankenkasse versichert sein müssen (§ 1 u. 3b des Krankenkassenversicherungsgesetzes).
 
Artikelverweis 
Handlungsreisender (Handels-, Geschäftsreisender, Reisediener, Commis voyageur, Voyageur de commerce) ist ein Handlungsbevollmächtigter (s. d.), der zur Vornahme von Geschäften an Orten verwendet wird, an denen sich eine Niederlassung des Geschäftsinhabers nicht befindet (§ 55 des Handelsgesetzbuches). Sein Dienstverhältnis ist das des Handlungsgehilfen (s. d.). Sein Vollmachtsverhältnis regelt § 55, der ihn dem Handlungsbevollmächtigten im allgemeinen gleichstellt und nur noch mit einigen weitergehenden Befugnissen ausstattet, wie Berechtigung zur Einziehung des Kaufpreises aus den von ihm abgeschlossenen Verkäufen, Berechtigung zur Bewilligung von Zahlungsfristen für sie, Entgegennahme von Mängelanzeigen und Zurdispositionsstellung. Alle diese Bestimmungen haben jedoch nur für Orte, an denen sich eine Niederlassung des Geschäftsherrn nicht befindet, Gültigkeit. Angestellt können Handlungsreisende von jedem werden, der ein stehendes Meyers Gewerbe (s. d.) betreibt (§ 44 der Gewerbeordnung). Zur Ausübung ihres Geschäftes bedürfen sie einer Meyers Legitimationskarte (s. d.), die sie stets bei sich tragen müssen. Handlungsreisende, die nur im Deutschen Reich und nur für ein in diesem befindliches Geschäft reisen, bedürfen nur einer Legitimationskarte, wollen sie jedoch für im Gebiete des Zollvereins (s. d.) sowie der mit Deutschland im Handelsvertragsverhältnis stehenden Staaten (Österreich-Ungarn, Schweiz, Italien, Belgien, Serbien, Rumänien, Rußland, Portugal) befindliche Geschäfte und mit Gültigkeit sowohl für das Reichsgebiet als auch für das hierüber hinaus sich erstreckende Zollvereinsgebiet und die oben genannten Vertragsstaaten einen Erlaubnisschein, so müssen sie sich eine Meyers Gewerbelegitimationskarte (s. d.) ausstellen lassen. Das gleiche gilt für Handlungsreisende, die den meistbegünstigten Staaten angehören. Sonstige ausländische Handlungsreisende bedürfen eines Wandergewerbescheins

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für Ausländer. Als Ausländer gilt hierbei ein H. dann, wenn das Geschäft, für das er reist, im Ausland ist. Die genannten Legitimationspapiere berechtigen den Handlungsgehilfen jedoch nur zur Aufsuchung von Warenbestellungen und zum Aufkauf von Waren, das Mitführen von Waren zur sofortigen Abgabe an die Besteller ist strafbar. Ebenso wird der Handlungsreisende bestraft, der Bestellungen auf Waren, mit Ausnahme von Druckschriften und Bildwerken, Leinen- und Wäschefabrikaten, Nähmaschinen, überwebte Holzrouleaux und Traubenwein, ohne vorhergegangener ausdrücklicher Aufforderung bei andern Personen als Kaufleuten und solchen Personen aufsucht, die zu ihrem Geschäftsbetrieb derartige Waren brauchen. Unter Stadt- oder Platzreisenden versteht man Angestellte eines Geschäftes, die nur an dessen Sitz Geschäfte abzuschließen suchen. Sie unterliegen den genannten Beschränkungen nicht, es sei denn, daß die höhere Verwaltungsbehörde ihnen gewisse Beschränkungen auferlegt hat.
 
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Handlungsunkosten (Handlungsspesen), alle Auslagen, die durch Führung und Ausübung eines kaufmännischen Geschäfts veranlaßt werden, wie für Reisen, Gehalt, Porto, Schreibmaterialien etc. Sie werden im Handlungsunkostenkonto verbucht.
 
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Handlungsvollmacht ist die Ermächtigung seitens des Inhabers eines Handelsgeschäftes (Prinzipals) oder seines gesetzlichen Vertreters, in dessen Namen und für dessen Rechnung gewisse Handelsgeschäfte vorzunehmen. Das Handelsgesetzbuch kennt eine unabänderliche und eine abänderliche Vollmacht. Die erstere heißt Prokura (s. d.), zu der letztern gehört die General-, Art- und Spezialvollmacht (s. Meyers Handlungsbevollmächtigter).
 
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Handmarken, s. Meyers Fingerabdrücke.
 
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Handmesse, s. Meyers Messe.
 
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Handmörser, ein kleiner Mörser, der eine 63/4 Pfd. schwere Hohlkugel vom Durchmesser einer zwölfpfündigen Vollkugel unter 45° Erhöhungswinkel warf.
 
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Handmühlen, kleine Mühlen zum Schroten des Getreides, ähnlich den Kaffeemühlen.
 
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Hand muß Hand wahren. Dieses Rechtssprichwort drückt den deutschrechtlichen Grundsatz aus, daß der Eigentümer seine bewegliche Habe, die er einem andern überlassen oder anvertraut hatte, nur von diesem, nicht aber vom dritten Besitzer zurückverlangen kann. Im Gegensatz hierzu konnte nach römischem Rechte der Eigentümer einer Sache diese überall und von jedem Besitzer klagend fordern (»Ubi rem meam invenio, ibi vindico«). Die Formel H. m. H. w. findet sich im Sachsenspiegel und andern Rechtsquellen des Mittelalters. Denselben Sinn drücken die Sprichwörter aus: »Habe hat kein Geleit«, »Wo einer seinen Glauben gelassen hat, muß er ihn wiedersuchen«, »Les meubles n'ont point de suite«. Mit dem römischen Recht kam im gemeinen deutschen Rechte der römisch-rechtliche Grundsatz zur Geltung, während der Satz H. m. H. w. mit mancherlei Abweichungen in einzelnen Gegenden sich erhielt und auch in neuere Gesetzgebungen, insbes. den Code civil und das österreichische bürgerliche Gesetzbuch Eingang fand. Das Bürgerliche Gesetzbuch ist wieder zu dem deutschrechtlichen Grundsatz zurückgekehrt, indem es prinzipiell den schützt, der entgeltlich oder unentgeltlich durch ein Rechtsgeschäft etwas erworben hat, es sei denn, daß der Erwerber hierbei nicht in gutem Glauben war, d. h. wenn ihm bekannt oder infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt war, daß die Sache nicht dem Veräußerer gehörte (§ 932), oder daß es sich um Sachen handelt, die dem Eigentümer, bez. seinem unmittelbaren Besitzer (s. Meyers Besitz) gestohlen, verloren gegangen oder sonst abhanden gekommen waren (§ 935). Geld und Meyers Inhaberpapiere (s. d.) sowie Sachen, die im Weg öffentlicher Versteigerung veräußert werden, können jedoch auch, wenn sie gestohlen oder verloren wurden, erworben werden (§ 935, Abs. 2). Da der »gute Meyers Glaube« (s. d.) vom Gesetz als vorliegend angenommen wird, muß der Eigentümer dem Erwerber nach weisen, daß er nicht gutgläubig war, oder daß die Sachen gestohlen wurden.
 
Artikelverweis 
Handnervig, s. Meyers Blatt, S. 26.

 

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Artikel 61 bis 70 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
61) Güll
 ... neue Ausg., Gütersloh 1876; 6. Aufl. 1889; Auswahl, das. 1901); »Weihnachtsbilder« (Berl. 1840); »Neue Bilder für Kinder« (mit Zeichnungen von Tony
 
62) Handlungsgehilfe
 ... Beschäftigung sie nicht daran hindert, gestattet werden muß. Am ersten Weihnachts - , Oster - und Pfingstfeiertag dürfen Handlungsgehilfen überhaupt nicht,
 
63) Hans
 ... dramatisch bearbeitet. Als Fuhrmann des Christkindes tritt H. in zahlreichen Weihnachtsspielen des 17. und 18. Jahrh. als lustige Person auf. Vgl.
 
64) Heiberg
 ... la Barca «. Als er 1816 in seiner berühmten Komödie »Weihnachtsscherze und Neujahrsspäße« im Stil der deutschen Romantiker die Tränenseligkeit Ingemanns
 
65) Heilige
 ... Heilige Nacht , soviel wie Weihnachten (s. d.); in der Malerei Bezeichnung für die Darstellung
 
66) Heilige
 ... daß ganze Schiffsladungen des in Frankreich noch häufigern Schmarotzers zu Weihnachten nach England gehen. Die Kelten hielten außerdem eine Anzahl niederer
 ... heute in Frankreich und England, woselbst die Mistel bei den Weihnachts - und Neujahrszeremonien dient, so daß ganze Schiffsladungen des in
 
67) Heiliger
 ... Feier zu begehen pflegte; insbes. aber der Abend vor dem Weihnachts - , Neujahrs - und Dreikönigstag, namentlich der erstere. Ein
 ... den sog. Christmetten am Vorabend oder am Morgen des Weihnachtstags erhalten.
 
68) Heiliger
 ... Heiliger Christ , s. Weihnachten .
 
69) Heinrich
 ... Der Anschlag wurde entdeckt, H. in Ingelheim gefangen gehalten, zu Weihnachten 941 in Frankfurt a. M. nach reuevoller Buße begnadigt und
 
70) Hellebŏrus
 ... niger L . ( schwarze Nieswurz, Christwurz, Christblume, Christrose, Weihnachts - , Winter - oder Schneerose , s.
 ... als Abortivmittel. Die Blüten benutzt man zu Totenkränzen und als Weihnachtsschmuck. Der H. melas des Hippokrates, der bei den Alten
 
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