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Michăel bis Michaelsorden (Bd. 6, Sp. 757 bis 760)
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Artikelverweis Michăel, Name mehrerer griech. Kaiser:
   1) M. I., Rhangabe, Schwiegersohn des Kaisers Nikephoros, stürzte nach dessen Tode dessen schwerverwundeten Sohn Staurakios und bestieg 2. Okt. 811 selbst den Thron. Er begünstigte die Bilderverehrer und ließ sich ganz von den Häuptern derselben leiten, erbitterte aber dadurch und durch seine kriegerische Untüchtigkeit das Heer gegen sich. Nach der Niederlage durch die Bulgaren bei Adrianopel (22. Juni 813), wurde er von Leo dem Armenier gestürzt und starb 843 im Kloster.
   2) M. II., der Stammler, von niederer Geburt, schwang sich durch seine kriegerische Tüchtigkeit zu den höchsten Feldherrenstellen empor, wurde aber von Leo V. wegen freimütiger Äußerungen zum Tode verurteilt. Eine Verschwörung gegen Leo (Weihnachten 820) befreite ihn, und noch mit Ketten belastet wurde er zum Kaiser ausgerufen. Nachdem er den kirchlichen Frieden vergeblich herzustellen versucht hatte, wandte er sich den Ikonoklasten zu; doch verfuhr er gegen die Ikonodulen gemäßigter als sein Vorgänger. Drei Jahre lang hatte er mit einem in Antiochia zum Kaiser ausgerufenen Usurpator, Thomas, zu kämpfen. Nachdem er diesen 823 gefangen und grausam getötet hatte, gab er sich dem Genuß und dem Vergnügen hin und ließ es geschehen, daß sich die Araber Kretas bemächtigten und sich auf Sizilien festzusetzen begannen. Er starb 1. Okt. 829.
   3) M. III., Enkel des vorigen, geb. 839, gelangte bereits 842 nach dem frühen Tode seines Vaters Theophilos auf den Thron. Seine tatkräftige Mutter Theodora regierte für ihn und stellte 853 den Bilderdienst wieder her, sie mußte sich aber 856 zurückziehen, und seitdem führte ihr Bruder Bardas in sehr gewalttätiger Weise die Regierung, während M. sich in unsinniger Weise dem Genuß und den Ausschweifungen hingab. Er entsetzte 857 den Patriarchen Ignatios

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und erhob Photios zu dessen Nachfolger. Von seinem Günstling Basilios gegen Bardas aufgereizt, ließ er es geschehen, daß jener 866 denselben ermordete, und erhob Basilios zum Mitkaiser, wurde aber von diesem (24. Sept. 867), als er trunken im Bette lag, ermordet.
   4) M. IV., der Paphlagonier, wurde unter Romanos III. von seinem Bruder, dem Eunuchen Johannes, an den Hof gebracht und gewann die Liebe der Kaiserin Zoe. Nach dem Tode des Romanos (11. April 1034) reichte dieselbe M. ihre Hand und proklamierte ihn als Kaiser. Da er aber kränklich war, überließ er die Regierung ganz seinem Bruder Johannes, ermannte sich aber 1040 bei einem Aufstand der Bulgaren und unterdrückte denselben, starb aber 10. Dez. 1041.
   5) M. V., Kalaphates, Neffe des vorigen, ward nach dessen Tode (Dezember 1041) auf Veranlassung seines Oheims Johannes von Zoe adoptiert und zum Kaiser erhoben, wurde aber schon im April 1042, nachdem er Zoe ins Kloster geschickt hatte, durch einen Aufstand des darüber erbitterten Volkes gestürzt.
   6) M. VI., Stratiotikos, wurde von der Kaiserin Theodora zu ihrem Nachfolger erwählt und bestieg den Thron 30. Aug. 1056, wurde aber bereits 31. Aug. 1057 von Isaak Komnenos gestürzt und zog sich in ein Kloster zurück.
   7) M. VII., Dukas Parapinakes, Sohn des Konstantin X. Dukas, nach dessen Tode (1067) unter der Vormundschaft seiner Mutter Eudokia und des zweiten Gemahls derselben, Romanos Diogenes, wurde nach der Niederlage und Gefangennahme des letztern durch die Türken 1071 von seinem Oheim Johannes auf den Thron erhoben, stand anfangs unter der Leitung desselben sowie des berühmten Gelehrten Michael Psellos, überließ aber, nachdem Johannes 1073 Mönch geworden, unwürdigen Günstlingen die Leitung des Staates, während er selbst sich gelehrten Studien hingab. Die Empörung der beiden Feldherren Nikephoros Bryennios und Nikephoros Botaniates veranlaßte ihn 1078, dem Throne zu entsagen und Geistlicher zu werden.
   8) M. VIII., Paläologos, Kaiser von Nicäa, dann von Konstantinopel, geb. 1224, durch seine Mutter Irene Enkel des Kaisers Alexios Angelos, stürzte 1259 den Vormund des jungen Kaisers Johannes IV. Laskaris, Muzalon, und ließ sich zum Mitkaiser ausrufen und nebst Johannes krönen (1. Jan. 1259). Er entriß den Franken (25. Juli 1261) Konstantinopel und stürzte das lateinische Kaisertum, und nachdem er zu Ende d. J. seinen jungen Mitkaiser hatte blenden lassen, wurde er Alleinherrscher. Er regierte mit Klugheit und Kraft und wies die Angriffe des Königs Karl von Neapel und der Venezianer, denen gegenüber er die Genuesen begünstigte, siegreich zurück. Seine Versuche, die griechische Kirche wieder mit der römischen zu vereinigen, waren ohne dauernden Erfolg. Er starb 11. Dez. 1282.
   9) M. IX., Paläologos, Enkel des vorigen, geb. 1277, wurde von seinem Vater Andronikos 11. 1295 zum Mitregenten erhoben, starb aber noch vor demselben, 12. Okt. 1320.
 
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Michăel, 1) eigentlich M. Thomas Koributh Wisniowiecki, König von Polen, geb. 1638, gest. 10. Nov. 1673 in Lemberg, Sohn des als Krieger berühmten, von den Jagellonen abstammenden Woiwoden von Reußen, Jeremias Wisniowiecki, ward 1669 nach dem Rücktritt Johann Kasimirs von dem polnischen Reichstag, der sich über einen der fremden Bewerber nicht einigen konnte, auf Antrieb des niedern Adels nach einem siebenmonatigen Interregnum zum König von Polen erwählt und 29. Sept. zu Krakau gekrönt, wußte aber weder dem hohen Adel noch den auswärtigen Feinden gegenüber Ansehen zu gewinnen. Die Kosaken empörten sich und fanden bei den Tataren sowie dem Sultan Mohammed IV. Beistand, und dieser zwang M. durch einen Einfall in Polen, im Frieden von Buczacz (18. Sept. 1672) Podolien an die Türkei, die Ukraine aber an den Kosakenhetman abzutreten und einen jährlichen Tribut von 22,000 Dukaten zu zahlen. Aber der polnische Reichstag genehmigte den Frieden nicht. Vermählt war M. mit Eleonore, Tochter des Kaisers Leopold I.
   2) (Michail) Großfürst von Rußland, geb. 25. Okt. 1832, vierter Sohn des Kaisers Nikolaus, trat in die Artillerie ein, ward General der Artillerie und Generalfeldzeugmeister, dann Statthalter im Kaukasus und erhielt dann auch im türkischen Kriege 1877 den Oberbefehl über die in Armenien eindringende Armee, trat aber neben seinen Unterfeldherren nicht besonders hervor. Nach dem Frieden wurde er zum Generalfeldmarschall und zum Statthalter Kaukasiens ernannt, 1881 aber abberufen und Präsident des Reichsrats. Er war seit 1857 mit der badischen Prinzessin Olga Feodorowna (gest. 13. April 1891) vermählt. Seine Söhne sind: Nikolai, geb. 26. April 1859; Michael, geb. 16. Okt. 1861, seit 1891 mit der Gräfin Sophie von Merenberg (jetzt Torby), Tochter des Prinzen Nikolaus von Nassau, vermählt; Georg, geb. 23. Aug. 1863; Alexander, geb. 13. April 1866, seit 10. Aug. 1894 mit der Großfürstin Xenia, Tochter Alexanders III., vermählt; Sergei, geb. 7. Okt. 1869; Alexei, geb. 28. Dez. 1875, gest. 3. März 1895 in San Remo; die Tochter Anastasia, geb. 28. Juli 1860, wurde 1879 vermählt mit dem Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin.
   3) Alexandrowitsch, russ. Großfürst, geb. 4. Dez. 1878 in St. Petersburg als dritter Sohn des Zaren Alexander III. und seiner Gemahlin Maria, gebornen Prinzessin Dagmar von Dänemark, rückte nach dem Tode seines ältern Bruders, Georg (gest. 10. Juli 1899), zum Thronerben auf, bis seinem ältesten Bruder, dem gegenwärtigen Zaren Nikolaus II., 12. Aug. 1904 ein Sohn (Alexej) geboren war.
 
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Michael, mit dem Beinamen Psellos (der »Stotterer«), Philosoph, geb. 1020 in Konstantinopel, wo er als Lehrer der Philosophie wirkte. Er hat außer andern philosophischen Werken und Kommentaren zu Porphyrios und Aristoteles auch das im spätern Mittelalter einflußreiche logische Kompendium »Synopsis in Aristotelis logicam« (griech. u. lat., hrsg. von Ehinger, Augsb. 1597) verfaßt, das die Quelle der »Summulae logicales« des Meyers Petrus Hispanus (s. d.) ist, und in dem die technischen Memorialwörter für Urteilsformen und Schlußfiguren zuerst vorkommen. Auch eine Abhandlung über die Musik hat er geschrieben (zuerst gedruckt von Arsenius im »Opus in quatuor mathematicas disciplinas«, 1532; deutsch in Mitzlers »Musikalischer Bibliothek«, Bd. 3) sowie eine über Rhythmik (hrsg. von Morelli mit den Fragmenten des Aristoxenos 1785).
 
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Michael-Artillerie-Akademie, s. Meyers Russisches Reich (Heerwesen).
 
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Michael Attaliátes, griech. Jurist und Historiker in der zweiten Hälfte des 11. Jahrh., aus Attalia, hinterließ ein Lehrbuch für den Rechtsunterricht und ein Geschichtswerk über die Ereignisse seiner Zeit (103479), herausgegeben von Bekker (Bonn 1853).
 
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Michael Cärularĭus, s. Cärularius.

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Michael Iovanović (spr. jowānowitsch), Metropolit von Serbien, geb. 1826 in Alexinatz von armen Eltern, gest. 18. Febr. 1898, studierte als Stipendiat des Bischofs von Negotin Theologie in Serbien, erhielt dann in Rußland eine theologische und juristische Ausbildung und trat 1853 als Mönch in die Lawra zu Kiew ein. 1854 wurde er Archimandrit des serbischen Klosters Studeniza und Bischof von Schabaz, 1859 Metropolit von Serbien. Er vertrat die Einheit der orthodoxen Kirchen, deren Schwerpunkt er in Rußland sah, und erlangte ein großes Ansehen im rechtgläubigen Slawentum. Da er sich der österreich freundlichen Politik des Königs Milan widersetzte und dessen Ehe mit der Königin Natalie zu lösen sich weigerte, wurde er 1888 abgesetzt und ging freiwillig nach Rußland, wo er hoch geehrt wurde. Nach Milans Abdankung setzte ihn die Regentschaft 1889 in seine Würde wieder ein, und er übte fortan einen herrschenden Einfluß in Serbien aus.
 
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Michael Obrenović III., Fürst von Serbien, geb. 4. Sept. 1823 in Kragujevac, gest. 29. Juni 1868 im Koschutniak (Wildpark) von Topischider, jüngerer Soyn des Fürsten Milosch, ward nach seines ältern Bruders, Milan, Tod (8. Juli 1839) von der Pforte zum Fürsten Serbiens ernannt, rief aber durch seine Vorliebe für Rußland und harte Besteuerung schon 1842 einen Aufstand hervor, infolgedessen er 7. Sept. nach Semlin flüchtete. Von der serbischen Nationalversammlung samt seiner Familie verbannt, lebte er erst in Wien und Berlin, 184450 auf Reisen, sodann auf seinen Gütern in der Walachei und kehrte im Dezember 1858 mit seinem Vater heim, dem er 26. Sept. 1860 als Fürst von Serbien folgte. M. war gebildet, edeln Charakters, wohlwollend und anspruchslos. Er führte die Steuer- und Militärreform durch und erreichte von der Türkei die Räumung der serbischen Festungen. Von Gliedern der Familie Radavanovich, die nicht (vgl. Leop. Rankes »Serbische Revolution«, 3. Aufl.) durch Anhänger des Fürsten Alexander Karageorgević angestiftet waren, wurde M. erschossen. Ihm folgte sein Vetter Milan Obrenović IV. (s. d.).
 
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Michaēlis, 1) Johann David, einer der gelehrtesten Theologen des 18. Jahrh., geb. 27. Febr. 1717 in Halle, wo sein Vater Christian Benedikt (geb. 26. Jan. 1680 in Ellrich, gest. 22. Febr. 1764), ebenfalls als Theolog und Oriental ist bekannt, Professor war, ward 1745 Privatdozent, 1746 Professor der Philosophie, 1750 auch der orientalischen Sprachen in Göttingen. Für die Akademie in Göttingen entwarf er bei deren Begründung 1751 mit Haller die Grundgesetze und leitete erst als Sekretär, dann als Direktor eine Zeitlang ihre Geschäfte. Er starb 22. Aug. 1791. Seine Hauptwerke sind: »Hebräische Grammatik« (3. Aufl., Götting. 1778); »Einleitung in die göttlichen Schriften des Neuen Bundes« (4. Aufl., das. 1788, 2 Bde.); »Mosaisches Recht« (2. Aufl., das. 177680, 5 Bde.); »Orientalische und exegetische Bibliothek« (das. 177189, 24 Bde.); »Neue orientalische und exegetische Bibliothek« (das. 178693, 9 Bde.); »Moral« (hrsg. von Stäudlin, das. 179293, 3 Bde.). Seine Selbstbiographie wurde herausgegeben von Hassencamp (Rinteln 1793). Vgl. R. Smend, Johann David M. (Festrede, Götting. 1898).
   2) Johann Benjamin, Dichter, geb. 31. Dez. 1746 in Zittau, gest. 30. Sept. 1772 in Halberstadt, studierte in Leipzig Medizin, gab hier eine Sammlung von Fabeln, Liedern und Satiren heraus und übernahm 1770 die Redaktion des »Hamburger Korrespondenten«. Bald aber fesselte ihn das Theater mehr als seine Zeitung, und er zog als Theaterdichter mit der Seylerschen Truppe umher. 1771 zog ihn Gleim, in dessen Kreise M. ' dichterische Begabung sehr überschätzt wurde, nach Halberstadt. M. verfaßte lyrische und satirische Gedichte, Episteln, Theaterreden, Operettentexte etc. Seine »Poetischen Werke« wurden herausgegeben von Schmid (Gieß. 1780); seine »Sämtlichen Werke« erschienen Wien 1791, 4 Bde. Eine von ihm hinterlassene Selbstbiographie veröffentlichte Wilisch im »Neuen Lausitzischen Magazin«, Bd. 56 (Görl. 1880). Vgl. Reclam, Johann Benjamin M. (Leipz. 1904).
   3) Otto, Volkswirt, geb. 12. Sept. 1826 zu Lübbecke in Westfalen, gest. 8. Dez. 1890 in Berlin, studierte in Bonn und Berlin Rechts- und Staatswissenschaft und trat 1847 als Auskultator bei dem Oberlandesgericht in Paderborn ein. 1849 wegen Preßvergehen angeklagt, wurde er zwar freigesprochen, allein auf dem Disziplinarweg aus dem Staatsdienst entfernt. Er siedelte bald darauf nach Berlin über und trat 1851 in die Redaktion des volkswirtschaftlichen Teils der »Nationalzeitung« ein. An der Begründung des Kongresses deutscher Volkswirte (1858) nahm er hervorragenden Anteil und rief 1863 in Verbindung mit J. Faucher die »Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft und Kulturgeschichte« ins Leben. 1861 wurde er in das Abgeordnetenhaus, 1867 in den Reichstag gewählt. Bei Errichtung des Reichskanzleramtes wurde er als vortragender Rat in dasselbe berufen, übernahm aber 1879 bei Begründung der neuen, von ihm nicht gebilligten Wirtschaftspolitik das Präsidium der Verwaltung des Reichsinvalidenfonds. Mehrere wirtschaftliche Gesetze des Reiches (Gewerbeordnung, Münzgesetz, Bankgesetz etc.) sind von ihm ausgearbeitet und verteidigt worden. Seine »Volkswirtschaftlichen Schriften« erschienen gesammelt in 2 Bänden (Berl. 1873).
   4) Adolf, Archäolog, geb. 22. Juni 1835 in Kiel, studierte seit 1853 in Leipzig, Berlin und Kiel, verweilte 185761 in Italien und Griechenland, London und Paris, habilitierte sich dann an der Universität seiner Vaterstadt, wurde 1862 außerordentlicher Professor in Greifswald, 1865 ordentlicher Professor der klassischen Philologie und Archäologie in Tübingen, 1872 Professor der Archäologie an der Universität Straßburg. Seit 1874 ist er Mitglied der Zentraldirektion des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, dessen Geschichte er schrieb (Berl. 1879). M.' Hauptwerk ist die zusammenfassende große Monographie »Der Parthenon« (Leipz. 1871). Außerdem veröffentlichte er »Straßburger Antiken« (Straßb. 1901) und zahlreiche Arbeiten in Zeitschriften, besorgte eine kritische Ausgabe von Tacitus' »Dialogus de oratoribus« (Leipz. 1868), vollendete O. Jahns hinterlassenes Werk »Griechische Bilderchroniken« (Bonn 1873) und besorgte die neuern Auflagen von dessen Ausgaben von Sophokles' »Elektra«, von Apulejus' »Psyche et Cupido«, von Pausanias' »Descriptio arcis Athenarum« (s. Meyers Jahn 3). Auch verfaßte er einen Katalog der in England in Privatbesitz zerstreuten antiken Bildwerke (»Ancient marbles in Great Britain«, übersetzt von Fennell, Cambridge 1882) und bearbeitete nach A. Springers Tode den 1. Band von dessen »Handbuch der Kunstgeschichte« (7. Aufl., Leipz. 1903).
   5) Sophus, dän. Dichter, geb. 14. Mai 1865 in Odense, wohin sein Vater als Schneider aus Hannover eingewandert war, durfte, unterstützt von Gönnern,

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die Lateinschule besuchen und seit 1884 an der Kopenhagener Universität Kunstgeschichte und neuere Sprachen studieren. Seitdem hat er viele und weite Reisen unternommen und redigiert gegenwärtig, ein Schüler Julius Langes, die Zeitschrift »Kunst«. Von Georg Brandes wurde M. für die Literatur gewonnen und veröffentlichte 1888 eine Sammlung »Gedichte«, schönheitstrunken, wohlklingend, manchmal etwas zu zierlich. Es folgten die Sammlungen: »Sonnenblumen« (1893, neue Prachtausgabe 1901); »Sirenen« (1898); »Das Fest des Lebens« (1900); »Die Palmen« (1904). Nach den weniger erfolgreichen Novellen »Sünde« (1891) und »Gewohnheitsmenschen« (1892) machte der frische, kraftvolle, mittelalterliche Roman »Aebelö« (1895; deutsch, Wien 1900) großen Eindruck. Ebenso erfolgreich war »Der Totentanz« (1900), Prosagedichte, und »Giovanna«, eine Geschichte aus San Gimignano (1901; deutsch, Frankf. a. M. 1905). Seine Werke zeugen sowohl von einem kräftigen, geschmeidigen Talent als von vielseitig seiner Bildung. M. ist auch in Deutschland vorteilhaft bekannt, und seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt. Vgl. C. E. Jensen, Vore dages digtere (Kopenh. 1898).
   6) Karin, geborne Bech-Bröndum, seit 1895 Gattin des vorigen, geb. 20. März 1872 in Randers, gab ihre Musikstudien auf, um sich der Literatur zu widmen und veröffentlichte die Novellen und Romane: »Hohes Spiel« (1898), »Geistig Arme« (1901; deutsch, Berl. 1903), »Der Richter« (1901; deutsch, Stuttg. 1903), »Das Kind« (1902; deutsch, 2. Aufl., das. 1905), »Das Schicksal der Ulla Fangel« (»Lillemor«, 1902; deutsch, Berl. 1903), »Der Sohn« (1903; deutsch, das. 1904), »Gyda« und »Backfische« (1904; deutsch, Leipz. 1905). Ihre Arbeiten sind in viele Sprachen übersetzt; man schätzt an ihnen den Duft und die Farbe des Stils, die Naivität und Wärme des Gefühls und die Kühnheit, restlos alles zu verwerten, was die Phantasie ihr zuführt.
   7) Karoline, s. Meyers Schelling 2).
   8) Karoline, Romanistin, s. Meyers Vasconcellos.
 
Artikelverweis 
Michaelisfest, s. Meyers Michael (Erzengel), S. 757.
 
Artikelverweis 
Michaelsorden, königlich bayr. Verdienstorden, gestiftet 29. Sept. 1693 von Kurfürst Jos. Klemens von Köln, Herzog von Bayern, zur Aufrechthaltung des katholischen Glaubens, 1721 mit Statuten versehen, 1808 von König Max Joseph bestätigt und 1837 in einen Verdienstorden für Vaterlandsliebe und nützliches Wirken verwandelt, 1853 in fünf, im Dezember 1887 in vier, resp. sechs Klassen eingeteilt und durch ein Verdienstkreuz und eine silberne und bronzene Medaille erweitert. Die erste und zweite Klasse zerfallen je in zwei Abteilungen, und zwar die erste in Großkreuze und erste Klasse, die zweite in solche mit und ohne Stern, dazu dritte und vierte Klasse. Das Ordenszeichen der drei ersten Klassen ist ein goldenes, dunkelblau emailliertes achteckiges Kreuz mit Krone, dessen Mittelavers den heil. Michael mit einem die Aufschrift »Quis ut Deus« (»Wer ist wie Gott«; vgl. Michael [Erzengel]) tragenden Schild, bei den beiden ersten Klassen von goldenen Strahlen umgeben, und dessen Revers das Wort »Virtuti« zeigt, während die vier Kreuzbalken die Buchstaben »P. F. F. P.« (»Principi Fidelis Favere Patriae«, »Dem Fürsten treu, dem Vaterland dienstbar sein«) tragen. Die Dekoration der vierten Klasse besteht ganz aus Silber. Das Verdienstkreuz besteht aus einem silbernen Kreuz mit dem heil. Michael auf dem Avers und »Virtuti« auf dem Revers. Die Medaille zeigt vorn das Ordenskreuz, hinten »Virtuti« mit Eichenkranz. Der Orden (s. Tafel Meyers »Orden I«, Fig. 33) wird an dunkelblauem, rosa eingefaßtem Bande, Verdienstkreuz und Medaille an aus drei dunkelblauen und zwei rosa Streifen zusammengesetztem Band getragen. Kreuze und Sterne sind je nach dem Grade in der Größe abgestuft. Die silbernen Sterne, auf denen das Kreuz ruht, tragen die Devise »Quis ut Deus« auf dem Mittelschild. Vgl. Trost, Geschichte des St. Michaelsordens in Bayern (Münch. 1888).

 

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101) Lügde
 ... ( Villa Ludihi ) feierte Karl d. Gr. 784 das Weihnachtsfest.
 
102) Lyra
 ... als Pastor prim . in Gehrden (Hannover), komponierte eine Weihnachtskantate, liturgische Altarweisen und Lieder (gesammelt als »Deutsche Weisen«, 5 Hefte),
 
103) Mannhardt
 ... »Die Götter der deutschen und nordischen Völker« (das. 1860) und »Weihnachtsblüten in Sittte und Sage« (das. 1864). Aus Gesundheitsrücksichten zog er
 
104) Matutinum
 ... rezitiert werden. Im Volksmund heißt die vor der Mitternachtsmesse zu Weihnacht feierlich gesungene Matutin Christmette , die ebenfalls feierlicher abgehaltene
 
105) Menzel
 ... den ersten Rang ein, die M. als Transparentbilder für die Weihnachtsausstellungen im Berliner Akademiegebäude malte: Christus unter den Schriftgelehrten (1851, existiert
 
106) Messe
 ... Erlaubnis an einem Tage nur eine M. lesen, nur am Weihnachtsfest (25. Dez.) sind ihm drei Messen erlaubt. Nach den bestimmten
 
107) Meyer
 ... aus dem Familienleben: das Jubiläum eines hessischen Pfarrers (1843), der Weihnachtsabend, die Wochenstube, die Heimkehr des Kriegers, die Überschwemmung (1846), die
 
108) Michăel
 ... wegen freimütiger Äußerungen zum Tode verurteilt. Eine Verschwörung gegen Leo (Weihnachten 820) befreite ihn, und noch mit Ketten belastet wurde er
 
109) Mysterĭen
 ... auf Straßen und öffentlichen Plätzen, besonders zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Geschichtlich kann man die M. auf kirchliche Zeremonien des 8.
 
110) Narrenfest
 ... innocentium , Dezemberfreiheit ), im Mittelalter ein Volksfest um Weihnachten, besonders 28. Dez., 1. und 6. Jan., wahrscheinlich ein Rest
 
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