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Mannhardt bis Manning (Bd. 6, Sp. 235 bis 237)
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Artikelverweis Mannhardt, 1) Johann, Mechaniker, geb. 1798 in Tegernsee, gest. 25. Aug. 1878 in München, erlernte die Uhrmacherei, baute 1826 für den Turm in Egern eine Uhr mit eigenartigem Triebwerk, siedelte 1844 nach München über, konstruierte eine neue Plombiermaschine und Ölmühle sowie die eisernen Oberlichtdachstühle für die Pinakothek; auch baute er Bohr-, Hobel- und Räderschneidmaschinen, Drehbänke, Torfpressen, Hechelmaschinen, Kraftstühle etc., die, wie seine Werkzeuge, verbesserten Schraubstöcke etc., weite Verbreitung fanden. Namentlich lieferte er Turmuhren für fast alle europäischen Staaten und Amerika. Seine freie Hemmung bewährte sich vorzüglich, und für den Rathausturm in Berlin baute er ein Werk mit freier Pendelbewegung und nur zwei Rädern. Auch stellte er eine Uhr her, die zugleich mit der Schärfe eines Thermometers arbeitet und schon bei 2° Temperaturunterschied den 100. Teil einer Linie als Schwingungsdifferenz abzulesen gestattet. Seine Verbesserungen bezeichnen den Beginn einer neuen Periode für genaue Zeitmessung.
   2) Wilhelm, Forscher auf dem Gebiete der germanischen Myth alogie, geb. 26. März 1831 zu Friedrichstadt in Schleswig, Sohn eines mennonitischen Predigers, gest. 26. Dez. 1880 in Danzig, wohin sein Vater bereits 1836 übergesiedelt war, studierte 185154 in Berlin und Tübingen und übernahm dann 1855, in Berlin sich niederlassend, die Herausgabe der »Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde«. Nachdem er sich 1858 als Privatdozent in Berlin habilitiert, veröffentlichte er: »Germanische Mythen, Forschungen« (Berl. 1858); das populäre Werk »Die Götter der deutschen und nordischen Völker« (das. 1860) und »Weihnachtsblüten in Sittte und Sage« (das. 1864). Aus Gesundheitsrücksichten zog er sich 1863 nach Danzig zurück und widmete sich hier nach Abfassung einer größern Denkschrift: »Die Wehrfreiheit der altpreußischen Mennoniten« (Marienb. 1863), gänzlich dem Plan, zur Grundlegung des wissenschaftlichen Aufbaues der germanischen Mythologie ein Urkundenbuch der Volksüberlieferung ins Leben zu rufen. Früchte dieser Bemühungen sind die Schriften: »Roggenwolf und Roggenhund« (Danz. 1865, 2. Aufl. 1866); »Die Korndämonen« (Berl. 1868); »Lasitii de diis Somagitorum libellus« (Mitau 1868); »Wald- und Feldkulte« (Berl. 18751877, 2 Bde.; 2. Aufl., besorgt von W. Heuschkel, 1904 bis 1905); »Klytia« (das. 1876) u. a. Nach seinem Tod erschienen: »Gedichte« (Danz. 1881, mit Biographie) und »Mythologische Forschungen« (hrsg. von Patzig, Straßb. 1884).
 
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Mannhaus, der Teil der Kirche, in dem sich die Männer, getrennt von den Frauen, aufhalten; da dafür meist die Empore bestimmt ist, auch soviel wie diese.
 
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Mannheim (hierzu der Stadtplan Meyers »Mannheim-Ludwigshafen«, mit Registerblatt), größte Stadt und zweite Hauptstadt des Großherzogtums Baden, zugleich Hauptort des gleichnamigen Kreises, der 468 qkm (8,32 QM.) mit (1900) 225,508 Einwohnern (120,095 Evangelische, 95,710 Katholiken und 6433 Juden) umfaßt, liegt am Einfluß des Neckar in den Rhein, 96 m ü. M., in fruchtbarer Gegend, und hat erst im 18. Jahrh. als damalige Landeshauptstadt, besonders aber im 19. Jahrh. infolge ihrer günstigen Lage als Rheinhafen einen ungemein raschen Aufschwung genommen. In der innern, in Kreisform angelegten Stadt münden die unter rechtem Winkel sich schneidenden Straßen sämtlich auf den die Stadt umschließenden Ringdamm, der in einen Boulevard umgebaut ist. Zur Stadt gehören noch die Vorstädte: Neckar- und Schwetzinger-Vorstadt, der Lindenhof, Jungbusch, Mühlau und die einverleibten Vororte Käferthal, Waldhof und Neckarau. Unter den 14 freien Plätzen der Stadt sind zu erwähnen: der Paradeplatz und Marktplatz, beide mit allegorischen Monumenten aus dem 18. Jahrh. geschmückt, der Schloßplatz mit dem von Professor Eberlein modellierten Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. und zwei Monumentalbrunnen, der Theater- oder Schillerplatz mit den auf Granitpiedestalen aufgestellten Kolossalstatuen Ifflands und Dalbergs (beide von Widnmann) und Schillers (von K. Cauer), vor allem der nach den Entwürfen von Bruno Schmitz ausgeführte großartige Friedrichsplatz. Außer den genannten Denkmälern besitzt M. ein Krieger-, ein Bismarck-, ein Moltke- und ein Lamey-Denkmal. Von den 16 vorhandenen Kirchen (9 katholischen und 7 evangelischen) sind bemerkenswert die Kirche des ehemaligen Jesuitenkollegiums (173760 erbaut, im Innern prachtvoll mit Marmor dekoriert und die Decke mit Freskomalereien geschmückt), die Konkordienkirche mit hübschem, 1894 vollendetem Turm und die Schloßkirche mit geschmackvoller innerer Einrichtung. Die Israeliten haben eine im maurischen Stil erbaute Synagoge. Das große ehemalige kurfürstliche Residenzschloß (172059 erbaut) nimmt mit seinen Höfen, Stallungen, Remisen

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etc. einen Flächeninhalt von 6 Hektar ein und ist bei einer Frontlänge von 530 m mit seinen 1500 Fenstern das größte Deutschlands. Es enthält die prächtig ausgeschmückten großherzoglichen Gemächer, eine Bibliothek, Kirche, Gemäldegalerie, Altertümer- und Naturaliensammlung. An das Schloß reiht sich der umfangreiche, dem Publikum geöffnete Schloßgarten mit seinen herrlichen Baumgruppen an. Von alten öffentlichen Bauwerken sind noch erwähnenswert: die Sternwarte, das Theater, Kaufhaus mit prächtiger Sandsteinfassade in feinstem Barockstil (jetzt Sitz der Stadtverwaltung), Rathaus, das Zeughaus, von neuern namentlich die von Bruno Schmitz erbaute großartige städtische Festhalle Rosengarten, deren Säle zu den schönsten und größten ihrer Art gehören.
   Die Zahl der Einwohner beträgt (1900) mit der Garnison (2 Bataillone Grenadiere Nr. 110) 141,131 Seelen, davon 71,494 Evangelische, 62,212 Katholiken und 5478 Juden. M. ist der wichtigste Handels- und einer der größten Industrieplätze Süddeutschlands. In der Industrie stehen voran die Metallverarbeitung, Maschinenindustrie und Eisengießerei mit über 100 Betrieben und 10,000 Arbeitern, darunter die Lanzsche Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen mit 3600 Arbeitern, eine Gasmotoren-, eine Armaturenfabrik mit 900 Arbeitern, zwei Schiffswerften, eine Fabrik für Herstellung von elektrischen Maschinen, Kabeln, Eisenbahnbedarf, Brauereiartikeln, Drahtwaren, Öfen, Kranen etc., ein Stahlwerk, drei sonstige Maschinenfabriken, 6 chemische Fabriken mit 1500 Arbeitern, eine Ölfabrik mit 200 Arbeitern, 5 Gummi- u. Zelluloidfabriken (darunter eine mit 2600 Arbeitern), 6 Hobelwerke, 8 Möbel-, Faß- und Bürstenfabriken, 4 Brikettfabriken, eine Spiegelfabrik mit 400 Arbeitern, eine Tapetenfabrik mit 200 Arbeitern, eine Korsettfabrik mit 400 Arbeitern, eine Zuckerraffinerie, bedeutende Bierbrauerei, Preßhefe-, Zigarren- und Bettfedernfabrikation, große Getreidemühlen, polygraphische Großbetriebe etc. Auch die Industrie der nähern Umgebung ist bedeutend, insbes. die chemische Großindustrie, sodann die Süddeutsche Juteindustriefabrik mit 900 Arbeitern, eine Zellstoffabrik mit ca. 2000 Arbeitern, eine Steinzeugwarenfabrik mit 600 Arbeitern etc. Der Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer, durch 22 Konsulate fremder Länder, eine Reichsbankhauptstelle (Umsatz 1904: 5579,1 Mill. Mk.), die Badische Bank, die Rheinische Kreditbank, Oberrheinische Bank, Mannheimer Bank, Rheinische Hypothekenbank, Süddeutsche Bank, Süddeutsche Diskontogesellschaft, Mannheimer Gewerbebank, Filialen der Dresdener und der Pfälzischen Bank und andre Bankinstitute sowie durch das besonders entwickelte Versicherungsgewerbe. Der Eisenbahnverkehr und die Schiffahrt auf dem Rhein und Neckar sind sehr bedeutend. M. ist der größte Warenumschlagsplatz Süddeutschlands, von dem aus die zu Schiff angekommenen Waren hauptsächlich nach Süddeutschland, der Schweiz und Österreich weitergehen. Handelsartikel sind vorzugsweise: Getreide, Mühlenfabrikate, Wein, Hopfen, Kolonialwaren, Steinkohlen, Eisen und Eisenwaren, Drogen, Holz, Lack, Farben, besonders auch Petroleum. Der Schiffsverkehr wird gefördert durch umfangreiche Hafenanlagen (Staatshafen mit dem großen Mühlauhafenbecken zwischen Neckar und Rhein, städtischer Industriehafen am Altrhein und Rheinauhafen am Rhein, zusammen mit 223 Hektar Flächeninhalt), die mit einem Kostenaufwand von 50 Mill. Mk. erbaut worden sind und als die größten derartigen Anlagen im Binnenlande gelten. Auf dem Rhein kamen 1904 an zu Berg: 9030 Schiffe mit 3,852,000 Ton. Ladung; zu Tal: 2537 Schiffe mit 127,000 T. Ladung, außerdem 6500 T. Floßholz. Der Talverkehr ist geringer und besteht besonders aus Holz und Salz, das neckarabwärts kommt (zu Tal auf dem Neckar 1904: 151,000 T.). Das Hafengebiet ist mit Lagerungs-, Löschungs- und Verkehrseinrichtungen aller Art aufs reichlichste ausgestattet; die Silospeicher allein fassen über 1 Mill. dz Getreide, die Tanks für amerikanisches, russisches und galizisches Petroleum rund 50 Mill. Liter. M. ist Sitz mehrerer der größten rheinischen Schiffahrtsgesellschaften. Der Verkehr in der Stadt und mit den Orten der Umgegend wird durch eine elektrische und mehrere Dampfstraßenbahnen vermittelt. Für den Eisenbahnverkehr ist M. mit 6 Bahnhöfen Knotenpunkt der badischen Staatsbahnlinien M.-Konstanz. M.-Schwetzingen und M.-Friedrichsfeld, der preußisch-hessischen Staatsbahnlinie Biblis-M., der Linie M.-Ludwigshafen sowie der Eisenbahnen M.-Weinheim und Heidelberg-M.
   An Bildungsinstituten und ähnlichen Anstalten besitzt M. ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule mit Handelsabteilung, eine Reformschule, eine Gewerbeschule, eine Schiffer- und eine Ingenieurschule, eine öffentliche Bibliothek, mehrere wissenschaftliche Vereine, ein großherzogliches Hof- und Nationaltheater (Weiteres s. unten), eine Hochschule und ein Konservatorium für Musik, Kunstsammlungen im Schloß, eine städtische Gemäldegalerie. stadtgeschichtlich es Museum, Naturalienkabinett, einen Kunstverein etc., ferner ein Waisenhaus, 2 Rettungshäuser, ein Blindenheim, mehrere große Krankenhäuser, viele Armenstiftungen und Wohltätigkeitsinstitute etc. Es erscheinen hier täglich 6 Zeitungen. Von Behörden haben in M. ihren Sitz: ein großherzogliches Landeskommissariat für die Kreise M., Heidelberg und Mosbach, ein Bezirksamt, die Zentralkommission für die Rheinschiffahrt, ein Forstamt, ein Hauptsteueramt, ein Hauptzollamt und ein Landgericht mit drei Kammern für Handelsfachen. Die städtischen Behörden zählen 27 Stadtratsmitglieder und 96 Stadtverordnete. In der nächsten Umgegend ist der Friedhof, jenseit des Neckar, bemerkenswert. Auf ihm befinden sich schöne Denkmäler, die Gräber Dalbergs, Kotzebues, K. L. Sands, der hier verstorbenen Krieger von 1870/71, der 1849 standrechtlich Erschossenen etc. Zum Landgerichtsbezirk M. gehören die drei Amtsgerichte zu M., Schwetzingen und Weinheim.
   Geschichte. M. erscheint zuerst 766 in Urkunden des Klosters Lorsch als Dorf und gehörte späterhin zeitweise zur Burg Rheinhausen. 1606 legte Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz den Grund zu den Festungswerken Mannheims (Friedrichsburg), und seitdem der Ort 1607 Stadtrecht erhalten hatte, gewann er durch zahlreiche Zuwanderungen, besonders aus den Niederlanden, rasch an Ausdehnung. 1622 eroberte die bayrisch-kaiserliche Armee unter Tilly M. nach längerer Belagerung; 1631 bemächtigte sich Bernhard von Weimar der Stadt. 1635 ward sie wieder von den Kaiserlichen, 1644 von den Franzosen besetzt, fiel aber nach einem blutigen Kampf in die Hände der Bayern, die erst 1649 wieder abzogen. Kurfürst Karl Ludwig baute die zerstörte Stadt und Festung wieder auf und erweiterte 1652 die Privilegien Mannheims durch namhafte Rechte und freiheitliche Bestimmungen; es wurde jetzt ein beliebter Ansiedelungsort für wallonische und hugenottische Auswanderer, die den Grund zu seinem neuen Aufblühen

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legten. 1688 von dem französischen General Vauban nach 17tägiger Belagerung genommen, wurde M. nebst elf andern Städten der Unterpfalz im März 1689 niedergebrannt. Beim Wiederaufbau (1699) ließ es Kurfürst Johann Wilhelm nach den Plänen des niederländischen Festungsbaumeisters Coehoorn befestigen. Kurfürst Karl Philipp verlegte 1720 seine Residenz von Heidelberg nach M. und erbaute ein Schloß von gewaltigen Dimensionen. Die Glanzperiode kann aber für M. erst unter dem Kurfürsten Karl Theodor, der außerordentlich viel für die Pflege von Kunst und Wissenschaft tat; namentlich blühte damals unter dem trefflichen Intendanten v. Meyers Dalberg (s. d. 3) das Theater, das Iffland, Beil, Beck u. a. zum ersten Deutschlands erhoben. Ein schwerer Schlag war es für M., als 1778 Karl Theodor infolge der bayrischen Erbschaft mit seinem ganzen Hofe nach München übersiedelte. Im Revolutionskrieg nahmen die Franzosen im Dezember 1794 die Rheinschanze, und 20. Sept. 1795 ergab sich ihnen die Stadt. Indessen erschienen schon 18. Okt. die Österreich er unter Wurmser vor M., dessen französische Besatzung nach einem heftigen Bombardement 23. Nov. kapitulierte. Infolge der durch den Lüneviller Frieden veranlaßten Entschädigungsverträge kam M. durch den Reichsdeputationshauptschluß 1803 an Baden, das alles tat, um der tief daniederliegenden Stadt wieder emporzuhelfen. Am 23. März 1819 wurde hier Kotzebue von Sand ermordet. Die politische Bewegung der 1830er und 40er Jahre fand hier lebhaften Widerhall. Während der badischen Revolution (1849) war M. längere Zeit in den Händen der Volkstruppen. Infolgedessen ward M. von den Preußen beschossen, bis 22. Juni durch eine in der Stadt eingetretene Konterrevolution die Übergabe Mannheims an die Preußen erfolgte. Das 19. Jahrhundert machte aus M. ein wichtiges Handelsemporium, und seine neueste Entwickelung führt zur industriellen Großstadt. Vgl. Feder, Geschichte der Stadt M. (Mannh. 187577, 2 Bde.; neubearbeitet von Öser, 1903); Pichler, Chronik des Hof- und Nationaltheaters in M. (das. 1879); Landgraf, M. und Ludwigshafen (Zürich 1890); Walter, Geschichte des Theaters und der Musik am kurpfälzischen Hofe (Leipz. 1898, in den »Forschungen zur Geschichte Mannheims und der Pfalz«, hrsg. vom Mannheimer Altertumsverein); Öser, Aus der Kunststadt Karl Theodors (Mannh. 1901); »Die wirtschaftliche Bedeutung Mannheims« (von der Handelskammer, das. 1905); »Chronik der Hauptstadt M.« (seit 1901, jährlich); »Mannheimer Geschichtsblätter« (1900 ff.).
 
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Mannheimer Gold (Semilor), Legierung aus 7 Kupfer, 3 Messing, 1,5 Zinn oder aus 70 Kupfer, 30 Messing, 0,6 Zinn.
 
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Mannhut, der Dampfdom der Dampfkessel.
 
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Mannid, s. Mannit.
 
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Mannigfaltigkeit (Menge, franz. Ensemble), im weitern Sinn jede Vielheit von Dingen, die irgendwie zu einem Ganzen verbunden sind, z. B. ein Wald als Zusammenfassung einer Vielheit von Bäumen. Die einzelnen Dinge, aus denen die M. besteht, heißen ihre Elemente oder Glieder. Die M. heißt diskret, wenn ihre Glieder in eine Reihe angeordnet und gezählt werden können, gleichgültig, ob die Zählung zu Ende geführt werden kann oder nicht, d. h. ob die Zahl der Glieder endlich ist oder nicht. Im letztern Falle hat die M. dieselbe Meyers Mächtigkeit (s. d.) wie die M. der natürlichen Zahlen 1, 2, 3 etc. Eine M. heißt stetig oder kontinuierlich, sobald zwischen je zweien ihrer Glieder immer noch beliebig viele Glieder angebbar sind, die ebenfalls der M. angehören. Dieser Art ist z. B. der Inbegriff aller Punkte einer Strecke, die M. aller Zahlen etc. Unser Raum als Gesamtheit der in ihm enthaltenen Punkte erscheint auch als ein besonderer Fall des allgemeinen Begriffs einer stetigen M.; man nennt ihn eine M. von drei Dimensionen, weil man durch Einführung von Koordinaten (s. d.) jedem Punkte drei Zahlen x, y, z derart zuordnen kann, daß durch Angabe dieser Zahlen die Lage des Punktes vollkommen bestimmt ist, und daß auch umgekehrt zu je drei Zahlen x, y, z ein und nur ein Punkt gehört. Indem man sich nun Mannigfaltigkeiten dachte, bei denen jedes einzelne Element durch n solcher Zahlen x1... xn bestimmt ist, unter n eine beliebige ganze Zahl verstanden, erhielt man den Begriff einer stetigen M. von n Dimensionen oder eines Raumes von n Dimensionen, eine Redeweise, die man nur eingeführt hat, um die Sprache zu erleichtern und die Ausdrücke der gewöhnlichen Geometrie auch auf solche Mannigfaltigkeiten anwenden zu können. In diesem Sinn ist durch Graßmann (1844), Riemann (Habilitationsrede 1854) und Helmholtz (»Über die tatsächlichen Grundlagen der Geometrie«, Heidelberger Jahrbücher 1868) der Begriff des n-fach ausgedehnten Raumes in die Mathematik eingeführt worden. Neuerdings hat G. Cantor den allgemeinen Begriff der M. weiter ausgebaut und ist durch Einführung des Begriffs der Meyers Mächtigkeit (s. d.) zu dem merkwürdigen Ergebnis gelangt, daß man im wesentlichen nur nötig hat, sich mit Mannigfaltigkeiten von einer Dimension, also mit solchen, die durch Punkte einer Strecke dargestellt werden, zu beschäftigen, denn z. B. die M. aller Punkte eines Quadrats läßt sich eindeutig kehrbar auf die M. aller Punkte einer Strecke abbilden, so daß jedem Punkte des Quadrats ein Punkt der Strecke entspricht und umgekehrt, die beiden Mannigfaltigkeiten haben also im Cantorschen Sinne gleiche Mächtigkeit, obgleich ihre Dimensionen verschieden sind. Die Cantorsche Theorie der Punktmannigfaltigkeiten ist von großer Bedeutung für die ganze höhere Analysis, namentlich für die Lehre von den bestimmten Integralen und für die Funktionentheorie. Vgl. G. Cantor, Grundlagen einer allgemeinen Mannigfaltigkeitslehre (Leipz. 1883); Dini, Grundlagen für eine Theorie der Funktionen etc. (deutsch von Lüroth und Schepp, das. 1892); Borel, Exposé de la théorie des ensembles (Par. 1898); Schoenflies, Entwickelung der Lehre von den Punktmannigfaltigkeiten (im »Jahresbericht der deutschen Mathematikervereinigung«, Leipz. 1900).
 
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Mann im Mond, nach der deutschen Sage ein Holzdieb, der während des Gottesdienstes Waldfrevel verübte und zur Strafe in den Mond verwünscht wurde, wo man ihn mit seinem Reisigbündel noch sehen kann. Ähnliche Anekdoten, die durch die Mondflecken veranlaßt sind, finden sich bei den verschiedensten Völkern (auch in der prosaischen Edda: Gylfaginning, Kapitel 11).
 
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Mannin, Insel, s. Meyers Man.
 
Artikelverweis Manning, Küstenfluß in Neusüdwales (Australien), im Unterlauf für Ozeandampfer schiffbar.
 
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Manning (spr. männ-), 1) Henry Edward, Kardinal und Erzbischof von Westminster, geb. 15. Juli 1808 zu Totteridge in Hertfordshire, gest. 14. Jan. 1892, Sohn eines protestantischen Kaufmanns, wurde 1830 Geistlicher in der Hochkirche, schloß sich seit 1840 der puseyitischen Bewegung an, trat zur römischen Kirche über und wurde 1851 zum Priester geweiht. Seinem ausgesprochenen hierarchischen Talent eröffnete sich jetzt eine glänzende Laufbahn: er wurde

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Doktor der Theologie, apostolischer Protonotar, päpstlicher Hausprälat, nach dem Tode des Kardinals Wiseman 1865 katholischer Erzbischof von Westminster und Primas von England, dann 1875 Kardinal, nachdem er sich auf dem vatikanischen Konzil als unbedingter Anhänger der Politik des Papstes bewährt hatte. Er schrieb, abgesehen von seinen Jugendarbeiten aus der protestantischen Zeit und einer großen Zahl in Zeitschriften verstreuter Aufsätze, unter anderm: »Lectures on the grounds of faith« (1856); »On the temporal power of the pope« (1866); »The Vatican decrees« (1875; gegen Gladstone); »True story of the Vatican Council« (1877; deutsch, Berl. 1879); »Miscellanies« (1877, 2 Bde.); »The independence of the Holy See« (2. Aufl. 1887). Seine »Sermons on ecclesiastical subjects« erschienen gesammelt in 3 Bänden (186373); Auszüge aus seinen Werken (»Characteristics«) gab Lilly heraus (1885). Vgl. Hutton, Cardinal M. (Lond. 1892 u. ö.); Bellesheim, Henry Edw. M. (Mainz 1892); Pressensé, Le cardinal M. (Par. 1896); Roamer, Cardinal M. as represented in his own letters and notes (Lond. 1896); Purcell, Life of cardinal M. (das. 1896); Bryce, Studies in contemporary biography (das. 1903); de Marolles, Le cardinal M. (Par. 1905).
   2) Sir William Henry, brit. General, geb. 19. Juli 1863, trat 1886 ins Heer, wurde seit 1888 in Indien verwandt, wo er 1891 die Barma-, Samana- und Hazara-Expeditionen mitmachte, und avancierte 189398 zum Major und Oberstleutnant in Zentralafrika. 189798 und 190001 war er Kommissar für Britisch-Zentralafrika, bis er 1902 das Kommando über die (verunglückte) Somalland-Expedition gegen den »tollen Mullah« (s. Meyers Mohammed ben-Abdullah) erhielt.

 

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101) Lügde
 ... ( Villa Ludihi ) feierte Karl d. Gr. 784 das Weihnachtsfest.
 
102) Lyra
 ... als Pastor prim . in Gehrden (Hannover), komponierte eine Weihnachtskantate, liturgische Altarweisen und Lieder (gesammelt als »Deutsche Weisen«, 5 Hefte),
 
103) Mannhardt
 ... »Die Götter der deutschen und nordischen Völker« (das. 1860) und »Weihnachtsblüten in Sittte und Sage« (das. 1864). Aus Gesundheitsrücksichten zog er
 
104) Matutinum
 ... rezitiert werden. Im Volksmund heißt die vor der Mitternachtsmesse zu Weihnacht feierlich gesungene Matutin Christmette , die ebenfalls feierlicher abgehaltene
 
105) Menzel
 ... den ersten Rang ein, die M. als Transparentbilder für die Weihnachtsausstellungen im Berliner Akademiegebäude malte: Christus unter den Schriftgelehrten (1851, existiert
 
106) Messe
 ... Erlaubnis an einem Tage nur eine M. lesen, nur am Weihnachtsfest (25. Dez.) sind ihm drei Messen erlaubt. Nach den bestimmten
 
107) Meyer
 ... aus dem Familienleben: das Jubiläum eines hessischen Pfarrers (1843), der Weihnachtsabend, die Wochenstube, die Heimkehr des Kriegers, die Überschwemmung (1846), die
 
108) Michăel
 ... wegen freimütiger Äußerungen zum Tode verurteilt. Eine Verschwörung gegen Leo (Weihnachten 820) befreite ihn, und noch mit Ketten belastet wurde er
 
109) Mysterĭen
 ... auf Straßen und öffentlichen Plätzen, besonders zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Geschichtlich kann man die M. auf kirchliche Zeremonien des 8.
 
110) Narrenfest
 ... innocentium , Dezemberfreiheit ), im Mittelalter ein Volksfest um Weihnachten, besonders 28. Dez., 1. und 6. Jan., wahrscheinlich ein Rest
 
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