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Schiermonnikoog bis Schießinstruktion (Bd. 6, Sp. 757 bis 761)
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Artikelverweis Schiermonnikoog (spr. ß-chiermonnikoog), Insel an der Nordküste der niederländ. Provinz Friesland, hat 31,2 qkm Areal, ein Seebad, einen Leuchtturm und (1904) 679 Einw. S. Karte »Niederlande«.
 
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Schiers, Ort, s. Meyers Prätigau.
 
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Schierstein, Dorf im preuß. Regbez. und Landkreis Wiesbaden, am Rhein, an der Staatsbahnlinie Hochheim a. M.-Horchheim und der elektrischen Straßenbahn S.-Mainz, 98 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Winterhafen, eine Schaumweinfabrik, eine chemische Fabrik, vortrefflichen Wein- und Obstbau, Weinhandel und (1905) 4430 Einw.
 
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Schiertuch, leichteres Segeltuch, s. Meyers Leinwand.
 
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Schießarbeit (Sprengarbeit), s. Meyers Bergbau (Gewinnung), S. 663.
 
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Schießbaumwolle (Schießwolle, Pyroxylin, Nitrozellulose, Hexanitrozellulose, Zellulosenitrat) entsteht bei Einwirkung starker Salpetersäure HNO3 auf Zellulose (Baumwolle) C12H20O10 nach der Gleichung: C12H20O10+6HNO3 = C12H14(NO2)6O10+6H2O. Das bei dieser Reaktion entstehende Wasser würde die Wirkung der Salpetersäure sehr bald schwächen, und man setzt deshalb konzentrierte Schwefelsäure zu, die das Wasser bindet. Zur Darstellung wird durch Sodalauge gereinigte Baumwolle (besonders Spinnereiabfälle) ausgelesen und auf Maschinen (Öffnern, Schlag- und Reismaschinen) gelockert, bei 100° scharf getrocknet und in verschließbare Blechbüchsen gefüllt. Zum Nitrieren taucht man 1 Teil Baumwolle 56 Minuten in 50 Teile eines Gemisches von 1 Teil Salpetersäure (mit mindestens 93 Proz. HNO3) und 3 Teilen Schwefelsäure (mit 9596 Proz. H2SO4) und benutzt dabei von außen zu kühlende Gefäße von 1213 Lit. Inhalt. Dann bringt man die Baumwolle oft noch

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in verschließbare Steintöpfe, die in Kühlbassins stehen, und schleudert nach 24 Stunden (Nachnitrierung) die Säure auf Zentrifugen ab. Man wendet auch Zentrifugen an, die zunächst als Nitriergefäß dienen und nach Vollendung des Prozesses unmittelbar das Abschleudern der Säure ermöglichen. Die S. muß nun sehr schnell mit großen Mengen Wasser behandelt werden und wird dann in Waschmaschinen gewaschen, bis sie Lackmuspapier nicht mehr rötet, und zu weiterer Entsäuerung mit 2proz. Sodalösung, zuletzt mit reinem Wasser gekocht. Solche S. enthält oft noch Säure in den hohlen Baumwollenfasern und verfällt bisweilen einer gefährlichen Selbstzersetzung. Die S. wird daher jetzt auf Holländern zerkleinert, dabei mit Wasser gewaschen und dann anhaltend mit Wasser gekocht (Stabilisierung), im Waschholländer gewaschen und auf Zentrifugen entwässert, um mit etwa 30 Proz. Wasser in mit Zink ausgeschlagenen, dicht schließenden Kisten aufbewahrt zu werden. In solchen verlöteten Kisten wird die feuchte S. stark zusammengepreßt auch versendet. Für manche Zwecke wird die S. auch in Vakuumtrockenapparaten getrocknet. Höheres spezifisches Gewicht, regelmäßigere Fortpflanzung der Explosion innerhalb der Ladung, größere Wirkung im gegebenen Raum und leichtere Handhabung erreicht man dadurch, daß man die nasse S. durch Druck in eine pappartige Masse verwandelt und aus dieser durch stärkern Druck regelmäßig geformte Körper mit 20 Proz. Feuchtigkeitsgehalt bildet. Die gepreßten Körper sind für manche Zwecke (Ingenieur- und Bergwerkspatronen) gebrauchsfertig, für andre Zwecke wird ihre Form durch Hobeln, Schaben, Sägen, Bohren verändert, wobei die zu bearbeitende Fläche beständig mit Wasser bespült werden muß. Für manche Zwecke werden die gepreßten Körper vorsichtig getrocknet und dann in geschmolzenes Paraffin getaucht, auch behandelt man die Schießwollkörper mit Lösungsmitteln (Essigäther, Nitrobenzol etc.), um ihnen eine schützende Hülle zu geben. Für die meisten Zwecke muß ein bestimmter Wassergehalt der S. zum Teil aus Sicherheitsrücksichten dauernd erhalten werden. S. mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 30 Proz. ist nämlich durch Flamme oder glühenden Körper unentzündlich und gefahrlos in der Aufbewahrung, bei der sie nicht an Güte verliert. Dagegen explodiert diese S. durch kräftige explosive Zündmittel oder bei Einschaltung einer geringern Menge trockener S. zwischen der feuchten S. und dem Zündmittel ebenso leicht wie diese. Da auch die nasse S. nicht unempfindlich gegen Schlag und Stoß ist, so ist ihre Anwendung in Geschossen nur unbedenklich bei Geschützen, die mit kleinen Ladungen feuern (Mörsern) oder solchen, bei denen langsam verbrennliche Pulversorten angewendet werden und ein sanfter Eintritt des Geschosses in die Züge stattfindet. In neuerer Zeit ist die S. in ihrer Anwendung, namentlich bei Sprengladung der Geschosse, durch die neuen Pikrinsäure-Sprengstoffe, wie Melinit etc., teilweise verdrängt worden.
   Lösliche S. oder Kollodiumwolle, ein Gemisch von Di-, Tri-, Tetra- und Pentanitrozellulose, wird in derselben Weise wie S. dargestellt, aber mit einem Säuregemisch aus gleichen Teilen Salpetersäure (mit 75 Proz. HNO3) und Schwefelsäure (mit 96 Proz. H2SO4), das bei 40° etwa 111/2 Stunde auf die Baumwolle einwirken muß. Zur Herstellung detonierender Zündschnur stellt man auch Nitrohydrozellulose dar und gewinnt die Hydrozellulose C12H22O14, indem man Baumwolle einige Minuten in Wasser mit 3 Proz. Schwefelsäure oder Salzsäure taucht, ausschleudert, an freier Luft trocknet, dann 10 Stunden auf 40° erwärmt und auswäscht.
   S. gleicht selbst unter dem Mikroskop der unveränderten Baumwolle, sie fühlt sich aber rauher an, knirscht beim Zusammendrücken, ist nicht elastisch und wird beim Reiben elektrisch. Sie ist geruch- und geschmacklos, vom spez. Gew. 1,634, unlöslich in Wasser, Alkohol und Äther, löslich in Aceton, Essigäther, Benzol, Nitrobenzol, auch in Nitroglyzerin bei Gegenwart von Aceton. Kollodiumwolle löst sich in einer Mischung aus 2 Teilen Äther und 1 Teil Alkohol, in Aceton, Essigäther, Benzol, Nitrobenzol und in Nitroglyzerin bei mehr als 50°. Alkalien zersetzen S. besonders bei Gegenwart von Alkohol unter Bildung von Nitraten und Zellulose. Schwefelsäure scheidet die Salpetersäure aus der S. ab unter Bildung von Zelluloseschwefelsäure. Zinnoxydulnatron, Kaliumsulfhydrat etc. regenerieren Zellulose, und auch andre Reaktionen sprechen dafür, daß die S. als Salpetersäureester der Zellulose aufzufassen ist. Unreine S. unterliegt einer baldigen Selbstzersetzung, während reine S. auch durch Sonnenlicht nicht zersetzt wird, wohl aber in wenigen Stunden beim Erhitzen auf 90°. Temperaturen von 4550° werden nur von der besten S. monatelang ertragen. Zum Schutz vor Zersetzung hat man 2 Proz. kohlensauren Kalk, auch Anilin, zugesetzt, am sichersten ist die Aufbewahrung der S. im feuchten Zustand. Im freien Raume verbrennt S. mit großer gelber Flamme so schnell, daß sie Schießpulver nicht entzündet. Gute S. explodiert bei raschem Erhitzen bei 180184°, auch durch kräftigen Schlag zwischen harten Körpern explodiert sie, aber meist nur die direkt getroffenen Teilchen. 1 g S. liefert bei der Verbrennung 588 (483) ccm Gas, bei Explosion unter hohem Druck 755 ccm. Die Gase bestehen bei Explosion unter hohem Druck aus: 28,95 Kohlenoxyd, 20,82 Kohlensäure, 7,24 Methan, 12,67 Stickstoff, 25,34 Wasserdampf und 3,16 Wasserstoff. Der Rückstand von etwa 2 Proz. besteht aus Kohlenstoff. Die Verbrennungsgase sind brennbar und durch Gehalt von Kohlenoxyd giftig. Die gewöhnliche Explosion der S. im geschlossenen Raum durch Reibung und Stoß ist zu unterscheiden von der detonierenden, die auch ohne feste Einschließung stattfindet, wenn S. durch die Explosion einer kleinen Menge Knallquecksilber oder eines ähnlichen Präparats entzündet wird. Selbst nasse, ja vollständig unter Wasser getauchte S. kann durch ein starkes Zündhütchen und ca. 300 g trockene S. oder durch Nitroglyzerin, resp. Dynamit zur Explosion gebracht werden. Dagegen ist die nasse S. absolut unentzündlich und unexplodierbar durch Berührung mit Flamme oder glühenden Körpern. Auf glühende Platten geworfen, zersetzt sie sich langsam. Schießbaumwollmagazine mit nasser S., in Brand gesteckt, brennen langsam unter ruhiger Zersetzung der S. ab.
   Man benutzt S. in der Sprengtechnik, zur Füllung von Sprenggeschossen, Seeminen und Torpedos, zur Herstellung detonierender Zündschnüre, zu Feuerwerkszwecken, wobei man sie mit Salzen tränkt, welche die Flamme färben, zum Filtrieren von Säuren, Alkalien, übermangansaurem Kali, als Isolierungsmaterial bei elektrischen Versuchen und, mit Kaliumpermanganat getränkt, als Verbandmaterial für übelriechende Wunden. Di- und Trinitrozellulose dienen zur Herstellung von rauchschwachem Pulver, Zelluloid, Kollodium, künstlicher Seide. Nachdem Braconnot 1832, später auch Pelouze und Dumas explosive Substanzen aus Stärkemehl, Holzfaser, Papier

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etc. erhalten hatten, stellte Schönbein 1845 und Böttger 1846 die S. dar, an die sich alsbald weitgehende Erwartungen hinsichtlich der Verwendbarkeit für Kriegszwecke knüpften. Aber obwohl die Darstellung der S. wesentlich verbessert wurde, erhielt man doch kein haltbares Präparat. Erst Lenk erzielte bessere Resultate, in Hirtenberg bei Wien wurde 1853 eine Schießbaumwollfabrik angelegt, aber nach zwei Explosionen von Magazinen wurden 1865 die österreichischen Versuche wieder aufgegeben. Praktische Verwertbarkeit erlangte die S. erst durch den englischen Chemiker Abel, der in der Zerkleinerung der S. das Mittel zu ihrer vollständigen Reinigung, welche die Haltbarkeit bedingt, entdeckte, und 1874 wurde das englische Verfahren auf Anlaß der deutschen Regierung durch Hertz, der in Oberschlesien eine Fabrik errichtete, in Deutschland eingeführt. Vgl. v. Förster, Versuche mit komprimierter Schießwolle (Berl. 1883), Komprimierte Schießwolle für militärischen Gebrauch (das. 1886) und Schießwolle in ihrer militärischen Verwendung unter besonderer Berücksichtigung der Schießwollgranaten (das. 1888); Abel, Untersuchungen über S. (deutsch, Berl. 1907); Plach, Die gepreßte Schießwolle (Pola 1891); Will, Mitteilungen aus der Zentralstelle für wissenschaftlichtechnische Untersuchungen, Heft 2,3,4 (1900, 1902, 1904), und Literatur bei Artikel »Schießpulver«.
 
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Schießbedarf, s. Meyers Munition.
 
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Schießdienst, die Friedensausbildung des Heeres im Schießen, angesichts der großen Wirkung der modernen Feuerwaffen ein sehr wichtiger Dienstzweig. Den S. der Infanterie regelt die Schießvorschrift vom 2. Nov. 1905 (Entwurf) nebst Anhang I für Jäger und Schützen, Anhang II für Pioniere, Eisenbahn- und Telegraphentruppen und Anhang III für Maschinengewehrabteilungen für das Schießen mit dem Karabiner. Die Schießausbildung beginnt mit den vorbereitenden Übungen, und zwar Erklärung des Vorgangs in der Waffe beim Schuß, der Visiereinrichtung, der Meyers Scheiben (s. d.), Übungen im Zielen und Abkrümmen und in den verschiedenen Anschlagsarten. Daneben werden entsprechende gymnastische Übungen betrieben. Es folgen Schießen mit Platzpatronen und mit Zielmunition (kleine Schrotpatrone, aus einem äußerlich dem Dienstgewehr gleichenden Gewehr verschossen), und wenn hiernach in allen Tätigkeiten genügende Sicherheit erreicht ist, das Schießen mit scharfen Patronen, und zwar zuerst als Schulschießen auf Entfernungen von 150400 m. Die jüngste Jahresklasse und die noch nicht ausgebildeten Leute der ältern bilden die zweite, die ausgebildeten Leute die erste Schießklasse; Offiziere, Unteroffiziere und Kapitulanten, die alle Bedingungen der ersten Klasse zweimal erfüllt haben, bilden die besondere Schießklasse. Außer dem Kompaniechef sind alle Angehörigen der Kompanie zum Schulschießen verpflichtet. Die Vorübungen jeder Klasse, zu 3 Schuß, werden in Mütze ohne Gepäck, die Hauptübungen, zu 5 Schuß, in Helm mit Gepäck erledigt. Bei jeder Übung ist eine Bedingung zu erfüllen (es wird eine Mindestleistung jedes einzelnen Schusses oder eine Gesamtleistung aller Schüsse verlangt), widrigenfalls die Übung zu wiederholen ist. Für besonders gute Leistungen sind Auszeichnungen vorgesehen (vgl. Schützenabzeichen). Das Schulschießen bildet im Verein mit den durch das Exerzierreglement vom 29. Mai 1906 für die Gefechtsausbildung vorgeschriebenen Übungen die Vorbereitung für das gefechtsmäßige Schießen, d. h. Schießen mit scharfer Munition gegen Scheiben unter Verhältnissen, die dem Ernstfall möglichst nahekommen. Auch hier gehen sorgfältige Übungen des einzelnen Mannes, der Rotte, der Gruppe, des Zuges und größerer Abteilungen dem wirklichen Schießen voraus; jeder Mann muß, entsprechend der im modernen Feuerkampf so wichtigen Selbständigkeit des einzelnen über die Feuerwirkung und die Grundsätze der Feuerleitung und der Feuerdisziplin Bescheid wissen. Übungen im Entfernungsschätzen, die trotz der Vervollkommnung der Entfernungsmesser nicht zu entbehren sind, werden von Beginn der Ausbildungszeit an ununterbrochen betrieben. Das gefechtsmäßige Schießen wird abgehalten: zuerst als Vorbereitungsschießen (einzelne Leute oder Rotten), Gruppenschießen (besonders auch zur Schulung der Gruppenführer), Zugschießen und Schießen in größern Abteilungen (Kompanie). Zuletzt erfolgt alljährlich ein gefechtsmäßiges Prüfungsschießen jeder Kompanie durch den Regimentskommandeur, worüber Bericht an den Kriegsherrn erfolgt. Beim Belehrungsschießen wird die Durchschlagskraft des einzelnen Geschosses sowie gefechtsmäßig die Wirkung des Abteilungsfeuers unter bestimmten Verhältnissen des Feld- und Festungskrieges und bei Dunkelheit gezeigt. Radfahrer schießen wie die übrigen Leute. Für die Jäger und Schützen sind zahlreichere und schwierige Schulübungen vorgesehen, als für die Infanterie. Mit dem Revolver werden die nicht Gewehrtragenden ausgebildet; es wird nach entsprechenden Vorübungen auf 20 m gegen Figurscheibe geschossen.
   Der S. der Maschinengewehrabteilungen regelt sich nach der Schießvorschrift für Maschinengewehrabteilungen vom 1. Sept. 1904. Nach den vorbereitenden Übungen, die sinngemäß wie bei der Infanterie stattfinden, wird zum Schulschießen in zwei Schießklassen wie bei der Infanterie, dann zum Gefechtsschießen mit dem einzelnen Maschinengewehr, im Zug und in der Abteilung übergegangen; ebenso findet Belehrungsschießen und Prüfungsschießen zum gleichen Zweck wie bei der Infanterie statt. Es werden, wie bei der Feldartillerie (s. unten), zwei Preisrichten abgehalten.
   Der S. der Kavallerie erfolgt nach der Schießvorschrift für die Kavallerie vom 5. Sept. 1906 nach denselben Grundsätzen wie bei der Infanterie, doch sind die Anforderungen etwas geringer. Der längern Dienstzeit entsprechend sind drei Schießklassen vorhanden.
   Für den S. der Feldartillerie ist die Schießvorschrift für die Feldartillerie vom 10. Aug. 1899 maßgebend. Da genaues Richten die Grundlage des Erfolges der Artillerie im Gefecht bildet, so wird die Auswahl der Richtkanoniere und der Ausbildung in den verschiedenen Meyers Richtmethoden (s. d.) die größte Wichtigkeit beigelegt. Nach den für alle Rekruten gleichen Vorübungen findet besondere Ausbildung der Richtkanoniere statt, auch gegen verdeckte oder sich bewegende Ziele und bei Dunkelheit. Beim Exerzieren werden diese Übungen fortgesetzt, ebenso wie bei der Infanterie dauernd Entfernungsschätzen geübt. Alljährlich finden zwei Preisrichten statt, die besten Leistungen dabei werden durch Richtabzeichen, die besten Leistungen beim Scharfschießen durch Schießauszeichnungen belohnt. Das Scharfschießen gegen Scheiben wird auf den Truppenübungsplätzen (s. d.), bez. Artillerieschießplätzen, und im Gelände als Schulschießen und gefechtsmäßiges Schießen erledigt. Ersteres leitet der Batteriechef,

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es soll Offiziere, Unteroffiziere und Leute in ihren Vorrichtungen üben und das gefechtsmäßige Schießen vorbereiten; dieses erfolgt unter dem Ernstfall möglichst gleichenden Verhältnissen in Batterien, Abteilungen oder Regimentern.
   Für die Fußartillerie ist die Schießanleitung für die Fußartillerie vom 9. Juli 1900 für das Schießen aus Geschützen maßgebend, außerdem, ebenso wie für Küsten- und Schiffsartillerie, dem verschiedenen Material entsprechend, verschiedene detaillierte Schieß- etc. Anleitungen.
   Im Ausland wird der S., wenigstens was die Infanterie betrifft, zum Teil nach wesentlich andern Grundsätzen betrieben als bei uns; am nächsten kommt den deutschen Grundsätzen vielleicht Österreich-Ungarn und Japan. Ersteres hat für die Infanterie die Schießinstruktion für die Infanterie- und Jägertruppe, deren Grundsätze sind: Einfachheit, aber größte Sorgfalt der Ausbildung des Mannes im Schießen und Distanzschätzen, Einteilung in zwei Schießklassen im Hinblick auf die bevorstehende zweijährige Dienstzeit, der Wirklichkeit entsprechende Form, Größe und Farbe der Scheiben (worin schon früher ein hoher Grad der Vollendung erreicht war), hohe Wertschätzung des gefechtsmäßigen Schießens. Die japanischen, den S. regelnden Dienstvorschriften waren vor dem Kriege gegen Rußland den deutschen sehr ähnlich. In Frankreich hat man durch die Schießvorschrift vom 31. Aug. 1905 dem Kompanieführer volle Freiheit in der Wahl der Mittel zur Ausbildung und in der Verwendung der Munition gelassen; die angegebenen Übungen gelten nur als allgemeiner Anhalt. Zweifellos ist diese Freiheit zu weitgehend. Bemerkenswert ist die Betonung der engen Beziehungen zwischen taktischer und Schießausbildung, die ganz unsern Anschauungen entspricht. Rußland hat sich, durch seine Kriegserfahrungen veranlaßt, schon während des Krieges gegen Japan modernen Ausbildungsgrundsätzen zugewandt, soz. B. die von ihm noch immer auch im Gefecht gegen Infanterie verwandte Salve abgeschafft. In Großbritannien hat man keine Bedingungen beim Schulschießen, sucht vielmehr unter starker Betonung des Gefechtsschießens durch sehr reichlichen Aufwand an Munition, deren Verwendung in hohem Grade dem Kompanieführer überlassen ist, Erfolg zu erzielen; das Fehlen von Bedingungen ist erzieherisch und psychologisch nicht zu rechtfertigen. Vgl. außer den oben genannten Vorschriften v. Loebells »Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen« (Berl.); v. Brunn, Taschenbuch für den Schießlehrer (6. Aufl., das. 1902; Auszug daraus: »Kleine Schießvorschrift«, 13. Aufl. 1906) und Das Entfernungsschätzen (das. 1901); Krause, Die Gestaltung der Geschoßgarbe der Infanterie beim gefechtsmäßigen Schießen unter Anwendung der Wahrscheinlichkeitslehre und Behandlung verschiedener schießtaktischer Fragen (das. 1904); v. Meerscheidt-Hüllessem, Die Ausbildung der Infanterie (das. 1904, 3 Tle.); v. Falkenhausen, Ausbildung für den Krieg (das. 190204, 2 Tle.); Weigelt, Handbuch für den Einjährig-Freiwilligen etc. der Fußartillerie (4. Aufl., das. 1905); Wernigk, Handbuch für den Einjährig-Freiwilligen etc. der Feldartillerie (10. Aufl, das. 1906); Reisner v. Lichtenstern, Schießausbildung und Feuer der Infanterie im Gefecht (3. Aufl., das. 1900); Minarelli-Fitzgerald, Das moderne Schießwesen (Wien 1901); Kovařik, Das kriegsmäßige Infanterieschießen (Leipz. 1903).
 
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Schießen, allgemein das Forttreiben von Geschossen mit Hilfe einer bewegenden Kraft, seit dem 15. Jahrh. vornehmlich der Explosivkraft des Schießpulvers. Die Bahn des Geschosses (s. Meyers Flugbahn) ist von so vielen Verhältnissen abhängig, daß man nicht von Gewißheit, sondern nur von Wahrscheinlichkeit des Treffens sprechen kann. Die Umstände, welche die Treffähigkeit beeinflußen, sind etwa: 1) Veränderungen an der Waffe, besonders der Seele und Visiereinrichtungen, die beim S. eintreten und nicht konstant bleiben; 2) ungleiche Beschaffenheit des Pulvers und des Geschosses; 3) ungleiche Bedienung beim Laden, Richten, Abfeuern und Reinigen der Waffe; 4) Temperatur, Luftdichtigkeit, Windstärke und -Richtung; 5) Festigkeit des Geschützstandes; 6) Art und Beweglichkeit des Zieles. Je mehr sich diese Einflüsse im Laufe des Schießens gleichbleiben, um so mehr können die daraus hervorgehenden Fehler unschädlich gemacht werden. Soweit letztere in der Waffe liegen, werden sie durch das Einschießen derselben festgestellt und beseitigt. Das richtige Schätzen der Entfernung vom Ziel fördert zwar die Treffwahrscheinlichkeit; da aber die ablenkenden Einflüsse hierbei außer Rechnung bleiben und stets wechseln, so ist die erschossene Entfernung der wirklichen nicht immer gleich, woraus der bedingte Wert der Entfernungsmesser für das S. hervorgeht, von denen man heute in allen Arten des Krieges Gebrauch macht, da sie sehr handlich konstruiert sind; trotzdem ist das Schätzen der Entfernung mit dem Auge oder das Abmessen von Karten nicht zu entbehren. Ebenso bedarf es bei jedem S. der andauernden Beobachtung der Wirkung. Bei der Artillerie wird jeder einzelne Schuß nach der Lage der Sprengwolke des Geschosses zum Ziel beobachtet und zunächst derart geschossen, daß ein Schuß davor und einer dahinter liegt (Gabelschießen), worauf nach einfachen in den betreffenden Schießvorschriften enthaltenen Schießregeln die Schüsse durch Änderung der Aufsatzstellung nach und nach dem Ziel genähert werden. Die Leistungen der Geschütze zeigen die in den Schießvorschriften enthaltenen Schußtafeln. Beim S. der Infanterie ist die Wirkung nur selten durch Geschoßaufschläge im Ziel zu erkennen, vielmehr muß der Gegner dauernd mit dem Fernglas beobachtet werden, auch ist die feindliche Feuerwirkung ein Anhalt für die eigne. S. Meyers Richtmethoden, Meyers Flugbahn. Vgl. Berlin, Handbuch der Waffenlehre (Berl. 1904); Wille, Waffenlehre (3. Aufl., das. 1905, 3 Bde.); Korzen und Kühn, Waffenlehre (Wien 1904 ff.); Groß, Die Berechnung der Schußtafeln (Leipz. 1901); Brandeis, Der Schuß (das. 1896); Rohne, Schießlehre für Infanterie (2. Aufl., Berl. 1906); Sabudski, Die Wahrscheinlichkeitsrechnung, ihre Anwendung auf das S. und auf die Theorie des Einschießens (deutsch, Stuttg. 1906), sowie die Literatur bei den Artikeln »Geschütz, Handfeuerwaffen, Maschinengewehr und Jagdgewehre«.
 
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Schießhütte (Lauer-, Luderhütte), eine Hütte, aus der man Füchse oder Wölfe erlegt. Man gräbt an einem freien, ruhigen Ort eine etwa 2,5 m im Quadrat große und tiefe Grube, schalt sie mit Holz aus und errichtet darüber ein Dach, dem man durch Plaggen und Moos das Ansehen eines natürlichen Hügels gibt. Nach der Mittagsseite hin bringt man ein Schießloch, an der Mitternachtsseite eine Treppe nebst Tür an. In einer Entfernung von 2530 Schritt vom Schießloch wird der Kadaver eines gefallenen Stückes Vieh so hingelegt, daß der Bauch der Hütte zugekehrt ist, weil die Füchse gern in das Luder

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hineinkriechen. Man erlegt die Raubtiere aus der S. bei hellem Mondschein. Zur Erlegung von Raubvögeln errichtet man die S. (Krähenhütte, Aufhütte) auf einem hoch gelegenen Punkt im freien Felde, setzt an den Seiten auf etwa 30 Schritt Entfernung einige mit Ästen versehene trockene Bäume (Fallbäume) und bringt vor der Hütte auf einem etwa 1 m hohen Ständer, der oben mit einem Teller versehen ist, einen Uhu (»Auf«) an, den man mit Lang- und Kurzfessel an diesen ankettet. Sobald vorüberziehende Krähen und Raubvögel den Uhu gewahren, stoßen sie auf ihn oder haken auf den Fallbäumen ein, von denen sie durch die in den Wänden der Hütte angebrachten Schießlöcher herabgeschossen werden. Um auch im Flug die auf den Uhu stoßenden Vögel erlegen zu können, bringt man auf der nach diesem gerichteten Seite ein größeres Schießloch an. Der Besuch der Krähenhütte ist besonders im Frühjahr und Herbst lohnend, wo die Raubvögel ziehen. Vgl. Wacquant-Geozelles, Die Hüttenjagd (Berl. 1896); Quensell, Die Hüttenjagd auf Raubzeug (2. Aufl., Münch. 1904); Otterfels, Die Hüttenjagd (Klagenfurt 1902).
 
Artikelverweis 
Schießinstruktion (Schießvorschrift), s. Meyers Schießdienst.