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Ludwig Amadēus von Savoyen bis Ludwigshöhe (Bd. 6, Sp. 793 bis 794)
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Artikelverweis Ludwig Amadēus von Savoyen, Herzog der Abruzzen, Sohn des Prinzen Amadeus von Aosta, ehemaligen Königs von Spanien (s. Amadeus 6), geb. 29. Jan. 1873 in Madrid, kurz vor der Thronentsagung seines Vaters, trat in die italienische Marine und machte 1893/94 als Leutnant zur See seine erste größere Fahrt nach der italienischen Kolonie Erythräa. Nach der Rückkehr zum Senator ernannt, trat er 1894 an Bord des Cristoforo Colombo eine zweijährige Reise um die Welt an. Durch zahlreiche Hochtouren in den piemontesischen Alpen zu einem tüchtigen Bergsteiger ausgebildet, unternahm er 1897 eine Expedition zur Ersteigung des Eliasberges in Alaska. Mit seinem Adjutanten Cagni, den Alpinisten Sella und Gonella, dem Arzt Filippo de' Filippi und fünf Alpenführern landete er 23. Juni 1897 an der Nordwestküste Amerikas in der Jakutatbai, brach 1. Juli auf und erreichte nach 30tägiger Wanderung über Schnee und Eis und nach Überschreitung des Malaspina-, Seward-, Agassiz- und Newton-Gletschers 31. Juli mit Sella und zwei Führern den Gipfel, dessen Höhe er zu 5514 m bestimmte. Nach dieser glücklich ausgeführten Expedition faßte er den Plan zu einer Nordpolfahrt, kaufte einen norwegischen Dampfwaler, der zweckmäßig umgebaut und Stella Polare getauft wurde, und brach 12. Juni 1899 mit Cagni, dem Leutnant zur See Guerini, dem Schiffsarzt Cavalli, 3 Alpenführern, 2 italienischen und 10 norwegischen Seeleuten von Christiania auf. Nachdem L. in Archangel 120 Schlittenhunde an Bord genommen hatte, fuhr er nach Franz Joseph-Land, wo er in der Teplitzbai, an der Westseite von Kronprinz Rudolf-Land, unter 81°55´ nördl. Br. den Winter 1899/1900 verbrachte. Die Führung der für das Frühjahr geplanten Schlittenexkursion mußte er, selbst durch schweren Frostschaden an der Teilnahme verhindert, an Cagni übertragen, der mit drei Begleitern bis zu 86°34´, der höchsten je von Menschen erreichten Breite, vordrang (vgl. Nordpolexpeditionen). Am 17. Aug. 1900 trat die Stella Polare die Heimfahrt an und erreichte 5. Sept. Hammerfest. L. schrieb: »La Stella Polare nel mare artico 18991900« (Mail. 1903; deutsch u. d. T.: »Die Stella Polare im Eismeer«, Leipz. 1903), dazu: »Osservazioni scientifiche eseguite durante la spedizione polare di Luigi Amedeo di Savoia, Duca degli Abruzzi, 18991900« (Mail. 1903). Über die Expedition nach dem Eliasberg veröffentlichte sein Reisegefährte Filippo de' Filippi: »La spedizione di sua Altezza Reale il principe Luigi Amedeo di Savoia al monte Sant' Elia (Alaska) 1897« (Mail. 1900; deutsch, Leipz. 1900).
 
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Ludwig Philipp, König der Franzosen, s. Meyers Ludwig 39).
 
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Ludwig von Granada, s. Meyers Luis de Granada.
 
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Ludwigīt, Mineral, ein Magnesiumeisenborat, das sich in feinfaserigen bis dünnstängeligen Aggregaten von dunkelgrüner Farbe, Härte 5, spez. Gew 4,0, zu Moravicza im Banat zusammen mit Magneteisen findet.
 
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Ludwigsbad, Mineralbad, s. Meyers Wipfeld.
 
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Ludwigsbrunnen, Mineralquelle in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg, bei Großkarben, an der Staatsbahnlinie Frankfurt a. M.-Niederwalgern. Das Wasser gehört zu den kräftigsten erdigsalinischen Säuerlingen und wird jährlich in mehreren Millionen Krügen versandt.
 
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Ludwigsburg, zweite Residenzstadt des Königreichs Württemberg, Hauptstadt des Neckarkreises, 2 km vom Neckar, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Bretten-Friedrichshafen und L.-Heutingsheim, 292 m ü. M., ist im Geschmack des 17. Jahrh. gebaut, hat schöne Plätze (auf dem Wilhelmsplatz ein Denkmal Schillers, von Hofer), 2 evangelische und 2 kath. Kirchen (darunter die neue Garnisonkirche), Synagoge, 8 Tore und anmutige Spaziergänge und Alleen. Das königliche Schloß (mit Park), ein umfangreicher Prachtbau, enthält viele Säle, eine Hof- und Ordenskapelle, die Fürstengruft, eine Galerie württembergischer Regenten und eine Gemäldegalerie. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1900) mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 121, ein Dragonerregiment Nr. 25, ein Ulanenregiment Nr. 20, 2 Feldartillerieregimenter Nr. 29 und 65 und ein Trainbataillon Nr. 13) auf 19,436 Seelen, davon 2319 Katholiken und 243 Juden. Die Industrie beschränkt sich auf Fabrikation von Metall-, Eisen- und Drahtwaren, Korsetten und Zichorie, auf Woll-, Baumwoll- und Leinweberei, Orgel- und Pianofortebau, Ziegelfabrikation, Bierbrauerei etc. L. ist Sitz einer Regierung, eines Oberamtes, eines Amtsgerichts, des Stabes der 26. Artillerie- und der 52. Infanteriebrigade, eines Generalsuperintendenten und hat ein Gymnasium, eine Realschule, Handelsschule, ein Stift für verwahrloste Kinder, Augenheilanstalt, Kinderheilanstalt etc. In der Umgebung liegen die Lustschlösser Monrepos und Favorite. Herzog Eberhard Ludwig ließ hier 1704 ein Jagdschloß bauen, dem er später ein Hauptgebäude hinzufügte, und bald erweiterte sich diese Anlage zu einer Stadt, als die Geliebte desselben Herzogs, Fräulein v. Grävenitz, diesen bewog, die Residenz nach L. zu verlegen (1724). L. ist Geburtsort des Schriftstellers David Friedr. Strauß, der Dichter Justinius Kerner und Ed. Mörike und des Ästhetikers Fr. Vischer. Vgl. Hänle, Württembergische Lustschlösser, Teil 1 (Würzb. 1846);

[Bd. 6, Sp. 794]


Schanzeubach, Alt-Ludwigsburg (Ludwigsburg 1897); Belschner, L. in zwei Jahrhunderten (das. 1904). Von 17581824 bestand in L. eine zuerst auf Rechnung des Herzogs Karl Eugen geführte, später von seinen Nachfolgern übernommene Porzellanfabrik, die Figuren, Vasen, Prachtservice, Spielereien etc. in Rokokogeschmack und später auch im Empirestil erzeugte. Charakteristisch für dieses in Prachtstücken seltene Ludwigsburger Porzellan ist seine Dekoration mit Vögeln, Käfern, Schmetterlingen und Blumengirlanden in Relief und Malerei. Die bis 1806 geführte Fabrikmarke s. Abbildung. Bis 1818 folgte FR und unter Wilhelm I.: WR. Nach der Krone hieß das Ludwigsburger Porzellan im Handel Kronenburger. Vgl. Jäger, Rokokomalereien auf Ludwigsburger Porzellan (10 Tafeln, Stuttg. 1893).
 
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Ludwigsdor, bad. Goldmünze, das Fünftalerstück von 1828 zu 500 Kreuzer, 65/72 fein = 14,4368 Mk.
 
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Ludwigshafen, 1) (L. am Rhein) Bezirksamtsstadt im bayr. Regbez. Pfalz, am linken Ufer des Rheins, Mannheim gegenüber (s. den Stadtplan von Mannheim in Bd. 13), mit dem es durch eine feste Eisenbahnbrücke und eine Dampffähre verbunden ist, 90 m ü. M., hat 4 evangelische und 4 kath. Kirchen, eine Synagoge, 2 Monumentalbrunnen (Luitpoldbrunnen und Jubiläumsbrunnen) und (1900) 61,914 (1840: 90) Einw., davon 29,370 Evangelische, 31,198 Katholiken und 505 Juden. Der außerordentliche Aufschwung der Stadt, der sich auch in der beispiellosen Zunahme der Bevölkerung zeigt, ist der Industrie und dem Handel zu verdanken. L. hat bedeutende chemische Fabriken, darunter eine große Anilin- und Sodafabrik (6000 Arbeiter), Fabrikation von Kunstwolle, Maschinen, Schamotte- und Tonwaren, Kochherden, Büfett- und Eisschränken, künstlichem Dünger, Leim, eine Trikotweberei, Bierbrauerei, eine Kunstmühle, ein Dampfsägewerk etc. Der Handel wird durch eine Handels- und Gewerbekammer, eine Reichsbanknebenstelle, die Pfälzische Bank, eine Filiale der Königlichen Bank und andre Geldinstitute, durch ein italienisches u. ein serbisches Konsulat, durch die Schiffahrt etc. unterstützt und ist besonders ansehnlich in Eisen, Holz, Steinkohlen und Landesprodukten. Dem Verkehr in der Stadt und mit Mannheim dient eine elektrische Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist L. Knotenpunkt der Linien Neunkirchen-Worms, L.-Großkarlbach und L.-Dannstadt der Pfälzischen Eisenbahn mit Anschluß an die Badische Staatsbahn in Mannheim. L. hat ein Gymnasium, eine Realschule und ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Hauptzollamts. L. war früher als »Rheinschanze« der Brückenkopf von Mannheim. Als Ort erst 1843 von König Ludwig I. angelegt, ward L. 1853 eine selbständige Gemeinde und 1859 Stadt. Hier 15. Juni 1849 Gefecht zwischen Preußen und Badenern. Vgl. Esselborn, Geschichte der Stadt L. (Ludwigsh. 1888); »Geschichte der Stadt L. 18531903« (das. 1903). 2) Dorf im bad. Kreis Konstanz, Amt Stockach, am Überlinger See und an der Staatsbahnlinie Radolfzell-Friedrichshafen, hat eine kath. Kirche, eine orthopädische Heilanstalt, ein Sanatorium für Nervenkranke, Dampfschiffahrt und (1900) 875 Einw. Dabei im See Reste von Pfahlbauten. L. hieß bis 1826 Sernatingen.
 
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Ludwigshall, Saline, s. Meyers Wimpfen.
 
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Ludwigshöhe, königl. Villa bei Meyers Edenkoben (s. d.).