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Lucĭfer bis Luck (Bd. 6, Sp. 767 bis 768)
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Artikelverweis Lucĭfer (Luzifer), lat. Übersetzung des griechischen Phosphoros, »Lichtbringer«, der Abend- und Morgenstern; bei den Kirchenvätern auf Grund der Stellen Jes. 14, 12 und Luk. 10, 18 der Fürst der Finsternis, da man dort eine Hindeutung auf den Fall des Satans aus dem Himmel fand, während unter dem Morgenstern einfach der gestürzte König von Babylon zu verstehen ist.
 
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Lucĭfer, Bischof von Calaris (Cagliari) auf Sardinien, weigerte sich als Anhänger des nicäischen Glaubens auf dem Konzil zu Mailand (355), die Verdammung des Athanasius zu unterschreiben, wurde deshalb ins Exil geschickt, später zurückgerufen und trennte sich von der herrschenden Kirche, als diese gegen reuige Arianer und Semiarianer Milde walten ließ. Er starb 371 und wird in Sardinien als Heiliger verehrt. Seine Anhänger, die sich bis nach Spanien, Italien, Gallien und Afrika verbreiteten, hießen Luciferianer. Vgl. Krüger, L., Bischof von Calaris (Leipz. 1886).
 
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Luciferase, Luciferin, s. Phosphoreszenz.
 
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Lucilĭus, 1) Gajus, röm. Dichter, geb. um 180 v. Chr. zu Suessa Aurunca in Kampanien, gest. 103 in Neapel, aus begütertem latinischem Rittergeschlecht, lebte in Rom in vertrautestem Verkehr mit dem jüngern Scipio, den er auch in den Numantinischen Krieg begleitete, und Lälius. Durch ihn hat die römische Satire die Form erhalten, unter der sie später von Horaz, Persius und Juvenal ausgebildet worden ist. Wie die Fragmente seiner von Zeitgenossen und Spätern trotz mancher Nachlässigkeiten in der Form hochgeschätzten 30 Bücher Satiren zeigen, waren seine Gedichte in verschiedenen Metren, überwiegend aber in Hexametern abgefaßt und behandelten alle Erscheinungen des politischen, sozialen und wissenschaftlichen Lebens wie eigne Erlebnisse in ungezwungenster Weise mit größtem Freimut und oft derbem, aber gesundem Humor, nicht selten mit rücksichtslosem Spott der herrschenden Verkehrtheiten. Sammlung der Fragmente von L. Müller (Leipz. 1872), Lachmann (Berl. 1876) und Marx (Leipz. 1905). Vgl. L. Müller, Leben und Werke des L. (Leipz. 1876).
   2) L. junior, Freund des Philosophen Seneca, gilt, wiewohl ohne sichern Grund, für den Verfasser eines didaktischen Gedichts: »Aetna«, in 645 Hexametern über den Ätna und seine vulkanischen Erscheinungen, das vor dem Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr. geschrieben ist. Ausgaben von Munro (Cambridge 1867), Haupt (in der 2. Ausg. des Vergil, Leipz. 1873), Sudhaus (das. 1898).
 
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Lucīna (lat.), Beiname der römischen Licht- und Geburtsgöttinnen Juno und Meyers Diana (s. d.).
 
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Lucĭoperca, der Zander.
 
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Lucipara, niederländisch-ostind. Insel, s. Meyers Banka.
 
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Lucĭus, ein angeblich unter Bischof Eleutherus von Rom (174189) Christ gewordener britischer König. Vermutlich liegt eine Verwechselung mit Lucius Abgar IX. von Edessa vor. Vgl. Harnack, Der Brief des britischen Königs Lucius an den Papst Eleutherus (in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie, 1904).
 
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Lucĭus, Name dreier Päpste: 1) L. I., Heiliger, bestieg im Juni 253 den päpstlichen Stuhl, starb aber schon im März 254 in der Verbannung.
   2) L. II., Gherardo Caccianamici, aus Bologna, wurde unter Honorius II. zum Kardinal, unter Innozenz II. 1142 zum Kanzler der römischen Kirche

[Bd. 6, Sp. 768]


und nach Cölestins II. Tod 12. Mai 1144 zum Papst geweiht. Beim Versuch, einen Aufstand der Römer zu unterdrücken, soll er durch einen Steinwurf verwundet worden sein und starb 15. Febr. 1145.
   3) L. III., früher Ubaldo Allucingoli, aus Lucca, ward 1140 Kardinalpriester von St. Praxedis, 1158 Kardinalbischof von Ostia und 1. Sept. 1181 zum Papst erwählt. Von den Römern vertrieben, residierte er in Verona, wo er den Bann über die Waldenser und andre Ketzer aussprach, und starb hier 25. Nov. 1185.
 
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Lucĭus, Robert, Freiherr von, deutscher Staatsmann, geb. 20. Dez. 1835 in Erfurt, studierte 185458 Medizin, bewirtschaftete sodann seine bei Erfurt gelegenen Güter Klein- und Großballhausen und Stödten, machte 1860 den spanischen Feldzug gegen Marokko, 186062 die preußische Expedition nach Ostasien als Gesandtschaftsarzt sowie die Feldzüge 1864, 1866 und 1870 als Landwehrkavallerieoffizier mit und wurde 1888 unter dem Namen L. von Ballhausen in den Freiherrenstand erhoben. 1870 bis 1881 dem Reichstag und 187093 dem preußischen Abgeordnetenhaus angehörig, hielt er sich zur deutschen Reichs- (freikonservativen) Partei, war einer ihrer Führer und mit Bismarck eng befreundet, spielte auch oft den Vermittler zwischen ihm und den parlamentarischen Parteien. Im Februar 1879 zum zweiten Vizepräsidenten des Reichstags gewählt, war er vom 14. Juli bis 1890 als Friedenthals Nachfolger Minister der landwirtschaftlichen Angelegenheiten und wurde 1895 Mitglied des preußischen Herrenhauses.
 
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Luck, Stadt, s. Meyers Luzk.