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Kannushi bis Kanōnen (Bd. 6, Sp. 564 bis 566)
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Artikelverweis Kannushi, Name der Schinto-Priester in Japan.
 
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Káno, Provinz des Negerreichs Sokoto in Nordwestafrika, jetzt zur brit. Kolonie Nordnigeria gehörig, einer der fruchtbarsten (»Garten des Sudâns«) und bevölkertsten Teile des ganzen Sudân, 27,530 qkm groß mit 300,000 Einw. (Fulbe, das herrschende Volk, Araber, Bornuaner, Mandinka u. a.), die viel Baumwolle, Getreide, Tabak, Indigo, Butterbäume, Tamarisken und Melonen bauen. Die gleichnamige Hauptstadt, im Treffpunkt der Karawanenstraßen von Tripolis, Marokko und der Sahara, vom Tsadsee, Wadai und Salaga, liegt am Fuß eines 40 m hohen, steilen Felsens, ist mit einer Lehmmauer, durch die 14 Tore führen, umgeben und hat 35,000 Einw., die fast den ganzen Sudân mit blauen Baumwollenstoffen versorgen und Schuhe, Sandalen (s.

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Tafel Meyers »Afrikanische Kultur II«, Fig. 14), gestickte lederne Taschen (Dschebair), Dolche, Waffen etc. anfertigen. Der Markt ist reichlich versehen mit Gurunüssen, Goldstaub, Elfenbein, Salz, Natron, Baumwolle, Lederwaren und Indigo, wie auch europäischen Fabrikaten. Arabische Händler kommen hierher von Tripolis und Ägypten, um Elfenbein und Straußfedern einzuhandeln. Die Hauptquelle des Wohlstandes der Stadt ist aber nicht der Handel, sondern die eigne Textilindustrie. S. Karte bei »Guinea«. Je mehr sich nach der französisch-englischen Aufteilung des Westsudâns (5. Aug. 1890) die tatsächliche Besetzung des England zugesprochenen Gebietes nordwärts bewegte, war ein Zusammenstoß mit dem Fulbesultan von Sokoto und den von diesem locker abhängigen Emiren von Gando, K. und Jola (s. den Art. »Haussaländer«) vorauszusehen. Solange die von der britischen Regierung mit einem Freibrief vom 10. Juli 1886 ausgestattete Royal Niger Company den Handel auf dem Niger monopolisierte, gestaltete sich das Verhältnis der Engländer zu den Fulbefürsten, die sich Jahresgelder zahlen ließen (Sokoto und Gando seit 1885, Jola seit 1893), leidlich. Kritischer wurde jedoch die Lage, als unterm 1. Jan. 1900 die britische Regierung die Ländereien der Royal Niger Company selbst übernahm (Protektorate Süd- und Nordnigeria). Der Oberkommissar von Nordnigeria, General Sir Frederick Lugard, beschloß im Dezember 1902, als der Emir von K. den englischen Residenten in Saria mit Feindseligkeiten bedrohte, eine größere Expedition (600 Mann) unter Oberst Morland gegen K. (und wenn sich dies in der Folge als nötig herausstellen sollte, auch gegen Sokoto) zu senden; am 3. Febr. 1903 fiel die Stadt K., der Hauptplatz des Sklavenhandels, in die Hände der Briten, und der Emir floh nach Sokoto. Vgl. »Mitteilungen des Seminars für orientalische Sprachen zu Berlin«, 1903 und 1904.
 
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Kanōbos (Canobus), im Altertum Stadt in Unterägypten, an einer nach ihr benannten Nilmündung, nordöstlich von Alexandria, durch ein Heiligtum des Serapis (mit Orakel) berühmt; die Alexandriner pflegten in K. wüste Orgien zu feiern. Die griechische Sage läßt in K. den Piloten des Menelaos K. begraben sein. Ruinen westlich bei Abukir. Wichtig für die ägyptologische Wissenschaft wurde das sogen. Dekret von K., eine von den 239 v. Chr. in K. versammelten ägyptischen Priestern zu Ehren des Ptolemäos Euergetes verfaßte dreisprachige Inschrift, von der Lepsius ein Exemplar 1866 auf dem Trümmerfeld von Tanis entdeckte (s. Hieroglyphen, S. 315).
 
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Kanōbus (Kanopus), Stern, s. Canopus.
 
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Kanoe, Boot, s. Kanu.
 
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Kanoldt, Edmund, Maler, geb. 13. März 1845 in Großrudestedt bei Weimar, gest. 28. Juli 1904 im Bad Nauheim, war 41/2 Jahre lang Schüler F. Prellers in Weimar und ging 1869 nach Rom, wo er sich unter Drebers Einfluß der stilisierten heroischen Landschaft widmete. Er blieb dort bis 1872, kehrte aber 1874 nach Italien zurück, um Zeichnungen für das Engelhornsche Prachtwerk über Italien anzufertigen. Später nahm er seinen Wohnsitz in Karlsruhe, wo er sich koloristisch nach F. Keller weiterbildete, der auch seine Landschaften bisweilen mit Figuren staffierte. Seine stimmungsvollen, poetisch komponierten und durch reiches, saftiges Kolorit ausgezeichneten Hauptwerke sind: Canossa, der Kyffhäuser, Hünengrab auf Rügen, Odysseus auf der Ziegenjagd (Museum in Weimar), Iphigenie am Meer, Sappho, Landschaft mit Hero (Kunsthalle in Karlsruhe), The. tis und Achilles, Dido und Äneas auf der Jagd, Antigone an der Leiche des Eteokles (Galerie in Magdeburg), Kassandra, Landschaft mit Penelope (in der Berliner Nationalgalerie). Für ein Leipziger Privathaus malte er die Geschichte von Amor und Psyche in acht Bildern, und mit Grot-Johann illustrierte er Eichendorffs »Aus dem Leben eines Taugenichts« (Leipz. 1886), Storms »Immensee« (das. 1888) und Shakespeares »Sommernachtstraum« (das. 1890). Er war großherzoglich sächsischer Professor.
 
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Kānon (griech.), im allgemeinen soviel wie Maßstab, Richtschnur; Regel, Vorschrift; bedeutet in der Musik die strengste Form der Nachahmung, bei der zwei oder mehr Stimmen dieselbe Melodie ausführen, aber nicht gleichzeitig, sondern in kurzen Abständen nacheinander, so daß ein mehrstimmiger Satz entsteht, der doch durch die Bewegung einer einzigen Stimme gegeben ist und durch eine einzige Notenreihe ausgedrückt werden kann mit Andeutung in der Notierung, bei welcher Note und in welchem Intervall eine neue Stimme einzusetzen hat, z. B. (Zarlino): Diese Vorschrift war es, die von den Kontrapunktisten des 16. Jahrh. K. (Richtschnur) genannt wurde; besonders beliebt waren damals rätselhafte Anweisungen für die Auflösung des Kanons (Rätselkanon). Allmählich ging dann der Name K. auf die Komposition selbst über, deren alter Name Fuga (s. Meyers Fuge) oder Conseguenza war. Je nach dem Intervall, in dem die zweite Stimme folgt, unterscheidet man den K. im Einklang (bei dem die Stimmen tatsächlich dieselben Töne vortragen) vom K. in der Oktave (bei dem die zweite Stimme die Melodie eine Oktave höher oder tiefer bringt), oder in der Unterquinte, Oberquinte, Quarte, Ober- und Untersekunde etc. Der drei- oder mehrstimmige K. verbindet in der Regel mehrere der genannten Arten. Weitere Arten des Kanons entstehen durch Verlängerung oder Verkürzung der Notenwerte in der nachahmenden Stimme (Canon per augmentationem oder per diminutionem) oder durch Umkehrung aller Intervalle (al inverso, per motum contrarium), so daß, was dort stieg, hier fällt, oder gar so, daß die zweite Stimme die Melodie von hinten anfängt (Canon cancricans, Krebskanon). Der K. läuft entweder in den Anfang zurück, in welchem Fall er oft in Kreisform notiert wird (Kreiskanon, Fuga circularis, Canon infinitus), oder er kann zwar repetiert werden, hat aber durch Fermaten angedeutete Schlußnoten oder einen angehängten freien Schluß (Coda). Der Doppelkanon ist die kontrapunktische Verbindung zweier Kanons. Seine höchste Blüte feierte der K. in den Meisterwerken der niederländischen Kontrapunktisten des 15. und 16. Jahrh.; doch hat er bis in die neueste Zeit hinein noch eingehende Pflege gefunden und wird neben der Fuge vor Abschluß der Kontrapunktstudien von der Schule tunlichst berücksichtigt. Von Bach haben wir 9 Kanons in den »30 Variationen«, eine Reihe andrer in der »Kunst der Fuge«, von Mozart 23, von Weber 8 Kanons; außerdem seien genannt Klengels »48 Kanons und Fugen«, Kiels »15 Kanons im Kammerstil«, Weitzmanns »Musikalische Rätsel«, die Kanonsammlung in Spohrs Autobiographie und die kanonischen Kompositionen von Otto Grimm und S. Jadassohn. Die Lehre vom

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K. findet sich meist in denselben Büchern abgehandelt wie die des doppelten Kontrapunktes und der Meyers Fuge (s. d.). Vgl. Klauwell, Der K. in seiner geschichtlichen Entwickelung (Leipz. 1877). Die Alten nannten das Monochord K., weil vermittelst desselben die mathematischen Intervallbestimmungen (Oktave = 1/2 der Saitenlänge etc.) bestimmt wurden; deshalb wurden auch die Pythagoreer, deren musikalische Theorie auf dem K. fußte, Kanoniker genannt, im Gegensatz zu den Harmonikern (Aristoxenos und seine Schule), die von der Mathematik in der Musik nicht viel hielten.
 
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Kānon (griech.) bezeichnet in der Kirchensprache teils das Verzeichnis der biblischen Bücher, die für inspiriert gelten und in den gottesdienstlichen Versammlungen gelesen werden, im Gegensatz zu den Apokryphen (s. Kanonische Bücher), teils jede kirchliche Vorschrift und Regel, daher später besonders gebraucht im Gegensatz zum bürgerlichen Gesetz (kanonisches Recht); ferner die Gebetsformel der römischen und griechisch-katholischen Kirche vor, bei und nach der Konsekration in der Messe (Meßkanon) sowie ein bestimmter Kirchengesang der griechischen Kirche; endlich das Verzeichnis der von der Kirche anerkannten Heiligen. In der Philosophie ist unter K. ein methodologischer Grundsatz, eine Vorschrift für den richtigen Gebrauch des Erkenntnisvermögens zu verstehen. In diesem Sinne ist eine Schrift Epikurs über die obersten Grundsätze des Denkens kurz als K. betitelt und spricht Kant von dem K. der reinen Vernunft. In der Mathematik, vorzüglich in der Algebra, ist K. eine allgemeine Formel, die bei Lösung einer Aufgabe herauskommt, und nach der man alle Beispiele ausrechnen kann, die besondere Fälle der allgemeinen Aufgabe sind. Kanonische Form (Normalform), eine durch besonders einfache Eigenschaften ausgezeichnete Form, auf die man einen gegebenen Ausdruck oder eine gegebene Gleichung bringen kann. In der bildenden Kunst bezeichnet das Wort K. Statuen, die als Muster gelten, vorzüglich in Hinsicht auf die Verhältnisse des menschlichen Körpers (s. Meyers Proportion). Die Bezeichnung rührt von einem berühmten Werk des griechischen Bildhauers Polyklet, der Statue eines Speerträgers (s. Meyers Doryphoren), her, die ihrer den Künstlern als Vorbild dienenden Proportionen wegen den Beinamen K. erhielt (vgl. Friederichs, Der Doryphoros des Polyklet, Berl. 1863). Auch die Künstler des alten Ägypten hatten in späterer Zeit, als die Kunst schon erstarrt war, ihren K., eine feststehende Regel der Verhältnisse des menschlichen Körpers. Sie pflegten nach bestimmt proportionierten Modellen zu arbeiten, die sie in ein Netz von Quadraten einzeichneten, um so für jeden Punkt die entsprechende Lage festzuhalten. Für die menschliche Gestalt bildete die Einheit dieses Kanons nach einigen die Länge des Fußes, nach andern des mittlern Fingers. Nach Diodor hätten die Ägypter den Körper vom Scheitel bis zur Sohle in 211/4 Teile zerlegt. Aber die mancherlei Zeichnungen und Skulpturen, die noch unvollendet und mit solchen Quadratierungen versehen erhalten sind, weichen in der Zahl der Quadrate, die auf die Körperlänge kommen, zwischen 15 und 23 so erheblich voneinander ab, daß von einem einheitlich befolgten K. nicht die Rede sein kann, und man zwei oder drei verschiedene Proportionsregeln angenommen hat. In der Philologie versteht man unter K. das von den alexandrinischen Grammatikern herrührende kritische Verzeichnis der alten Schriftsteller. In der Chronologie nennt man K. Zeit tafeln bestimmter Art, z. B. die der sogen. Goldenen Zahl, der Epakten, der Ostern; in der Astronomie Tafeln für die Bewegungen der Himmelskörper, Zusammenstellungen sämtlicher Sonnen- und Mondfinsternisse etc. In der Rechtssprache ist K. Bezeichnung für eine jährliche Geldabgabe von Grundstücken, Häusern, also soviel wie Erb-, Grundzins, Gült etc. In der Buchdruckerkunst versteht man unter K. eine große Letternart, mit der früher die Meßkanons gedruckt wurden, die jetzt aber gewöhnlich nur auf Titeln, Anschlagzetteln etc. Anwendung findet; kleine K. hält 36, grobe K. 40 bis 48 typographische Punkte (vgl. Schriftarten).
 
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Kanonāde, andauerndes Artilleriefeuer.
 
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Kanōne (v. lat. canna. »Röhre«, oder dem ital. cannone, »großes Rohr«), Geschützrohr von größerer Länge als die Haubitzen oder Mörser gleichen Kalibers. Die K. schießt mit größtmöglicher Ladung, während Steilbahngeschütze auch verschiedene kleinere Ladungen anwenden. Die Länge der K. wird in der Regel in Kalibern (s. d.) abgekürzt bezeichnet. Vgl. Geschütz.
 
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Kanōnen, bis über das Knie hinausreichende Reiterstiefel, namentlich der Studenten, angeblich nach den Kanonikern benannt.