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Kalĭum bis Kaliumchlorāt (Bd. 6, Sp. 473 bis 474)
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Artikelverweis Kalĭum K, Alkalimetall, findet sich nicht gediegen in der Natur, aber weitverbreitet in zahlreichen Verbindungen. K. ist das Metall der Pottasche, des Salpeters, überhaupt aller Meyers Kalisalze (s. d.) und wird dargestellt, indem man ein sehr inniges Gemisch von kohlensaurem

[Bd. 6, Sp. 474]


Kali mit Kohle in einem eisernen Destillationsapparat sehr stark erhitzt. Die Kohle entzieht der Kohlensäure und dem Kali Sauerstoff, und es entweichen Kohlenoxyd und K., welch letzteres in einer Vorlage sich verdichtet und unter sauerstofffreiem Erdöl aufgefangen wird. Bei diesem Verfahren entsteht leicht Kohlenoxydkalium C6O6K3, das an feuchter Luft zu heftigen Explosionen Veranlassung gibt. Man reduziert deshalb Kaliumhydroxyd oder Schwefelkalium durch Erhitzen mit Aluminium, Magnesium, Eisen, Eisenkarbid oder Kohle oder unterwirft Ätzkali, Cyankalium oder Chlorkalium im Schmelzfluß der Elektrolyse. Bei Anwendung von Chlorkalium muß der Schmelzpunkt durch Zusatz von viel Chlorcalcium herabgedrückt werden, weil sonst das K. mit Chlorkalium ein Subchlorür bildet. K. ist silberweiß, metallisch glänzend, kristallisiert in Oktaedern, das Atomgewicht ist 39,15, das spez. Gew. 0,865. Bei 15° ist K. knetbar, in der Kälte spröde, es schmilzt bei 62,5°, siedet bei 667°, verdampft bei Rotglut und bildet einen grünen (violetten) Dampf, der an der Luft mit violetter Flamme verbrennt. An der Luft läuft es sofort an, indem sich Kaliumhydroxyd, bez. kohlensaures Kali bildet. Es entzieht den meisten Sauerstoffverbindungen den Sauerstoff, um Kaliumoxyd zu bilden, während letzteres bei genügend hoher Temperatur sogar durch Eisen zersetzt wird. K. verbrennt in Kohlendioxyd- und Stickstoffoxydgas. Auf Wasser rotiert K., indem es dasselbe lebhaft zersetzt und sich oxydiert. Der dabei entwickelte Wasserstoff entzündet sich und verbrennt mit durch K. violett gefärbter Flamme. Wegen dieser großen Affinität zum Sauerstoff muß K. beständig unter Erdöl aufbewahrt werden. Es verbindet sich auch direkt mit Chlor, Schwefel und Phosphor, ist einwertig und bildet mit Sauerstoff drei Oxyde, von denen das Kaliumoxyd (Kali) K2O weitaus am wichtigsten ist. Wegen seines hohen Preises findet K. wenig Verwendung; im Laboratorium dient es zum Nachweis von Stickstoff in organischen Verbindungen. K. wurde zuerst von Davy 1807 dargestellt.
 
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Kalium, Kalium; K. aceticum, essigsaures Kali; K. bicarbonicum, saures oder doppeltkohlensaures Kali; K. bitartaricum, saures weinsaures Kali, Weinstein; K. bromatum, Kaliumbromid; K. carbonicum, kohlensaures Kali; K. carbonicum crudum, rohes kohlensaures Kali, rohe Pottasche; K. carbonicum depuratum. K. carbonicum e cineribus clavellatis, gereinigtes kohlensaures Kali; K. carbonicum e tartaro, reines kohlensaures Kali; K. chloricum s. muriaticum oxygenatum, chlorsaures Kali; K. cyanatum, Kaliumcyanid; K. dichromicum, bichromicum, saures oder rotes chromsaures Kali; K. jodatum, Kaliumjodid; K. nitricum, salpetersaures Kali, Salpeter; K. permanganicum seu K. hypermanganicum, übermangansaures Kali; K. sulfuratum, Kaliumsulfid, Schwefelleber; K. sulfuricum, schwefelsaures Kali; K. tartaricum, weinsaures Kali.
 
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Kaliumacetāt, s. Meyers Essigsaures Kali.
 
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Kaliumaurāt, goldsaures Kali, s. Meyers Goldoxyd.
 
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Kaliumbichromāt, Kaliumdichromat, s. Meyers Chromsaures Kali.
 
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Kaliumbikarbonāt, s. Meyers Kohlensaures Kali.
 
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Kaliumbisulfãt, s. Meyers Schwefelsaures Kali.
 
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Kaliumbitartrāt, s. Meyers Weinstein.
 
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Kaliumbromāt, bromsaures Kali (s. Meyers Brom).
 
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Kaliumbromīd (Bromkalium) KBr wird wie Kaliumjodid (s. d.) dargestellt, im großen aber durch Zersetzung einer konzentrierten kochenden Pottaschen- oder Kaliumsulfatlösung mit Eisenbromürbromid. Es bildet farblose, luftbeständige Kristalle vom spez. Gew. 2,76, schmeckt scharf salzig und löst sich leicht in Wasser. 100 Teile Wasser lösen bei

K. löst sich schwer in Alkohol, schmilzt bei 745° und verdampft bei höherer Temperatur. Feuchtes K. wird durch Chlor leicht, trocknes nur sehr langsam und bei hoher Temperatur in Chlorkalium übergeführt. Man benutzt es in der Photographie, besonders aber als Arzneimittel gegen Epilepsie, Veitstanz, Nervosität, Neurasthenie, Krampfzustände bei Infektionskrankheiten, Keuchhusten (als Inhalation) etc.; es wirkt antaphroditisch und erzeugt Anästhesie der Schleimhäute, besonders im Schlunde. Fortgesetzter Gebrauch von K. kann Hautausschläge, Schleimhautkatarrhe, Ernährungsstörungen, auch bedenkliche Depression des Nervensystems und des Herzens, Kräfteverfall, Gedächtnisschwäche herbeiführen.
 
Artikelverweis 
Kaliumchlorāt, chlorsaures Kali.