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Jusufzai bis Jutroschin (Bd. 6, Sp. 399 bis 400)
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Artikelverweis Jusufzai, ein zu den Iraniern (Unterabteilung der Afghanen) gehöriger Volksstamm im nordöstlichsten Winkel Afghanistans in den Tälern des Pandschschar bis zum Swat an ihm und am Kabul bis nach Peschawar (Britisch-Indien), die zahlreichste Gruppe der großen Familie der Berdurani (etwa 700,000). Man hat die J. (»Söhne des Moses«) oft mit den alten Israeliten verglichen und irrtümlich als Nachkommen der in die babylonische Gefangenschaft geführten Juden betrachtet. Früher Nomaden, jetzt seßhafte Ackerbauer, aber immer Krieger, liegen sie oft in blutigem Streit und Blutrache miteinander. Die J. sind fanatische Sunniten und haben keine Städte, nur Dörfer.
 
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Jus utrumque (lat., »das zwiefache Recht«), das von der weltlichen Macht (dem Kaiser) einerseits und von der Kirche anderseits ausgehende Recht, insbes. römisches und kanonisches Recht. S. Juris utriusque doctor.
 
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Jus vocandi oder vocationis (lat.), Berufungs-, Appellationsrecht.
 
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Jute (spr. dschūte, Paathanf, Bengalhanf, Kalkuttahanf, Judhanf, Indian grass, Gunny fibre), die Bastfaser mehrerer Corchorus-Arten, besonders von Corchorus capsularis (s. Tafel Meyers »Faserpflanzen I«, Fig. 3, mit Text) und C. olitorius, die hauptsächlich in Indien, Ostasien (besonders China), Algerien, Guayana und andern Ländern Amerikas kultiviert werden. Die geschnittenen oder aus dem Boden gezogenen, von Blättern und Seitentrieben befreiten Pflanzen läßt man in Bündeln 34 Tage im Felde stehen und bringt sie dann in Gruben, in denen sie etwa 10 cm unter Wasser, mit Steinen beschwert und vor Sonnenlicht geschützt, 330 Tage liegen bleiben. Nach Vollendung der Röste wird die Faser ihrer ganzen Länge nach vom Stengel abgezogen, gewaschen, ausgerungen und getrocknet. Durch die Röste wird nicht nur der Bast vom übrigen Gewebe abgelöst, sondern das Bastbündel zerfällt auch, und die gewonnene Faser ist so rein wie gehechelter Flachs oder Hanf Sie wird in 24 m langen Risten auf den Markt gebracht. Frische J. ist weiß, gelblichweiß, silbergrau, seidig glänzend, weich und sein. Die mittels Schnippmaschinen abgetrennten untern Enden (roots) sind, wie die minderwertige J., dunkler gefärbt. Aber auch die Mehrzahl der guten Sorten von J. färbt sich unter dem Einfluß von Luft und besonders von Feuchtigkeit dunkler bis tiefbraun. Je glänzender die J. ist, um so größer ist auch ihre Festigkeit. Frische J. enthält im lufttrocknen Zustand 68 Proz., in mäßig feuchter Luft 14 Proz. Wasser und nimmt im mit Wasserdampf gesättigten Raum über 34 Proz. Wasser auf. Das spezifische Gewicht der J. mit 7 Proz. Wasser beträgt 1,436, wasserfreie J. enthält 0,91,75 Proz. Asche. J. kommt in der Festigkeit dem Flachs und der Baumwolle nahe, wird aber vom Hanf übertroffen. J. riecht nicht so intensiv und unangenehm wie Hanf, der Geruch von Garnen und Geweben rührt von dem Robbentran (Petroleum) her, mit dem die Faser beim Spinnen eingefettet wird. J. enthält 62 Proz. Zellulose und außerdem Gerbstoffreste (Bastose). Die Faser besteht aus 1,52 mm langen, stark verholzten Zellen, die an den Enden spitz auslaufen und im Querschnitt polygonal, fünf- bis sechsseitig mit auffällig ungleichen Hohlräumen erscheinen. In Indien unterscheidet man folgende Hauptsorten in absteigender Reihe: Uttariyá (nördliche J.), Dacca (Narejganje), Daisee, Dowra, Rejektions und Cuttings (Fußenden, auch roots, runners).
   Die größte Menge J. wird über Kalkutta in den Handel gebracht, sehr viel J. wird in Indien auf Gunnysäcke (Gunnybags, Gunnycloth) verarbeitet, die namentlich zur Verpackung der amerikanischen Baumwolle und des javanischen Kaffees benutzt werden. In Europa und Nordamerika wird J. fast nur ungebleicht versponnen, und zwar zu groben Geweben für Säcke (Sackings, Baggins, die feinern Hessians). Gebleichte J. besitzt starken, fast seidenartigen Glanz und läßt sich gut färben. Bessere Jutegespinste werden zu Teppichen, Läufern, Tischdecken, Vorhängen und andern Dekorationsstoffen verarbeitet, auch als Kette mit Baumwolle, Wolle, Flachs verwebt und zu Hosenstoffen, Möbelrips, zu Gurten, Dochten, Posamentierapparaten etc. benutzt. Mit Baumwolle als Grundgewebe stellt man sehr effektvolle Juteplüsche dar. Man benutzt J. auch zu Zündern, zum Umwinden unterseeischer Telegraphenkabel, mit Karbolsäure, Salizylsäure etc. imprägniert in der Chirurgie als Verbandmaterial, minderwertige Sorten und Abfälle in der Papierfabrikation.
   J. wird seit alter Zeit unter den verschiedensten Namen in Indien versponnen und verwebt. In Europa ist J. seit 1795 bekannt. Die ersten Versuche zum Verspinnen der J. in Europa datieren von 1832; aber erst der Krimkrieg, durch welchen den englischen und schottischen Spinnereien der russische Flachs und Hanf entzogen wurde, verschaffte der J. größere Geltung, und seitdem hat sich namentlich in und bei Dundee, London und Glasgow eine bedeutende Juteindustrie entwickelt. 1828 wurden aus Ostindien 364 Ztr., 1856 bereits 700,000 Ztr. roher J. ausgeführt. 1890/91 betrug die Ausfuhr 11,985,967 Ztr., im folgenden Jahr aber nur 8,532,430 Ztr. und 1900/01: 11,486,000 Ztr. Dazu ist auch die Juteindustrie in Indien selbst außerordentlich gestiegen, die großen Fabriken allein verarbeiten mehr als 4 Mill. Ztr. Die Hauptabnehmer für rohe J. sind Großbritannien und Irland, die Vereinigten Staaten von Nordamerika (Massachusetts, Rhode-Island), Deutschland, Frankreich, Österreich und Belgien. Jutesäcke werden außerdem nach Australien, Ostasien, Südafrika, Ägypten und Südamerika ausgeführt. Vgl. Pfuhl, Physikalische Eigenschaften der J. (Berl. 1888) und Die J. und ihre Verarbeitung (das. 188891, 3 Bde.); Leggatt, Theory and practice of jute-spinning etc. (Dundee 1893); Ernst, Anleitung zur Bleicherei und Druckerei von Jutestoffen (Leipz. 1886).
 
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Jute von Madras, s. Meyers Gambohanf.
 
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Jüten, die alten Bewohner Jütlands, beteiligten sich mit den Meyers Angeln (s. d.) und Meyers Sachsen (s. d.) an dem großen Seezug, der um 450 die Unterwerfung Englands zur Folge hatte. Der Name J. ist gleichbedeutend mit »Goten«; vgl. A. Erdmann in der »Antiqvarisk Tidskrift for Sverige«, 1891.
 
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Jüterbog (Jüterbogk), Hauptstadt des Kreises J.-Luckenwalde im preuß. Regbez. Potsdam, in einem Tale des Fläming, an der Nuthe, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Berlin-Weißenfels, J.-Röderau

[Bd. 6, Sp. 400]


u. a., noch von einer Ringmauer mit drei Toren umgeben, hat 2 evang. Kirchen (darunter die Nikolaikirche, eine dreischiffige Hallenkirche aus dem 14. und 15. Jahrh., mit einem 6 m hohen Sakramentshäuschen aus Sandstein von 1507 und Tezels Ablaßkasten), eine kath. Kirche, ein altes Rathaus, eine Realschule, ein Mädchenrettungshaus, Amtsgericht, Tuch-, Wollwaren- und Zigarrenfabrikation, Weinbau, besuchte Viehmärkte und (1900) mit der Garnison (Mannschaften der Artillerieschießschulen) 7407 Einw., darunter 282 Katholiken und 12 Juden. Dicht dabei die beiden Dörfer Damm und Neumarkt und in der Nähe ein großer Artillerieschießplatz. Die Gegend von J. kam um 1160 in den Besitz des Erzstifts Magdeburg; der Ort J. erhielt 1174 Magdeburger Stadtrecht. Im Vertrag von J. (21. März 1611) verzichtete Sachsen auf die Jülichschen Erbansprüche. 1648 fiel J. an Kursachsen, gehörte 16481746 der Nebenlinie Sachsen-Weißenfels und fiel 1815 an Preußen. Am 23. Nov. (3. Dez.) 1644 bei J. Sieg der Schweden unter Torstensson über die Kaiserlichen unter Gallas. In der Nähe das Schlachtfeld von Meyers Dennewitz (s. d.).
 
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Juthĭa, hinterind. Stadt, s. Meyers Ajuthja.
 
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Juthungen, german. Volksstamm, zu den Alemannen gehörig.
 
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Jütland (dän. Jylland), dän. Provinz (s. Karte »Dänemark«), nach Größe und natürlicher Beschaffenheit das Hauptland der Monarchie, umfaßt den nördlichen Teil der Cimbrischen oder Dänischen Halbinsel von der Königsau und dem Koldingfjord bis zur Nordspitze Skagen nebst den Inseln Läsö, Anholt und Endelave im Kattegat und hat ein Areal von 25,291 qkm (459,31 QM.). Auf der Westseite von der Nordsee (Westsee), auf der Ostseite von der Ostsee umflossen, wird J. gegen O. durch das Kattegat von Schweden und gegen NW. durch das Skagerrak von Norwegen getrennt; im S. stößt es an Schleswig. Über die Beschaffenheit des Bodens, der Küsten, Fjorde, Flüsse und Kanäle, Seen, Klima, Produkte, Eisenbahnen etc. s. Meyers Dänemark. Nur verdient bemerkt zu werden, daß in J. der Geschiebesand nicht allein Hügel, sondern auch ebene Heideflächen bildet, die man nach ihrem meist aus rötlichbraunem, eisenhaltigem Sandstein (Ahl) bestehenden Boden Ahlheide nennt. Die Zahl der Einwohner ist (1901) 1,063,792 (42 auf 1 qkm). Ein Hauptplatz des Verkehrs auf der Ostsee und Ausgangspunkt mehrerer Eisenbahnen ist Aarhus; Hafenorte sind außerdem Aalborg, Frederikshavn, Randers, Veile und an der Nordsee Esbjerg. Fast im Mittelpunkte des Landes liegt die Stadt Viborg, die den Knotenpunkt der Straßen Jütlands bildet. Die Provinz zerfällt in neun Ämter: Aalborg, Aarhus, Hjörring, Randers, Ribe, Ringkjöbing, Thisted, Veile und Viborg. In ältester Zeit angeblich von den Meyers Cimbern (s. d.) bewohnt (daher die Bezeichnung Chersonesus cimbrica, Cimbrische Halbinsel), später von den Meyers Jüten (s. d.) besetzt, ist J. seit etwa 900 ein Bestandteil Dänemarks. Vgl. E. v. Wittken, Studien über J. (Berl. 1865); »Samlinger til jydsk Historie og Topografi« (Aalborg 1866 ff.); Ed. Erslev, Jylland. Studier og Skildringer (Kopenh. 1886); L. Mylius-Erichsen, Den jydske Hede för og nu (das. 1901 ff.).
 
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Jutroschin, Stadt im preuß. Regbez. Posen, Kreis Rawitsch, an der Orla und der Eisenbahn Liegnitz-Kobylin, hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen, Synagoge, Amtsgericht und (1900) 1906 meist kath. Einwohner. J. erhielt 1642 Stadtrecht.