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Jupitersfink bis Jura, fränkischer und schwäbischer (Bd. 6, Sp. 381 bis 385)
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Artikelverweis Jupitersfink, soviel wie Stieglitz.
 
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Jupitersfisch, s. Meyers Finnfische.
 
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Jupon (franz., spr. schüpóng), ursprünglich ein kurzes Wams; jetzt ein kurzer Frauenunterrock.
 
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Jur., bei Insektennamen Abkürzung für Ludwig Jurine (spr. schürīn'), geb. 6. Febr. 1751 in Genf, gest. daselbst 20. Okt. 1819 als Professor der Anatomie und Chirurgie.
 
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Jura (lat.), Mehrzahl von Meyers Jus (s. d.), »die Rechte«, Meyers Rechtswissenschaft (s. d.); daher der Ausdruck »J. studieren« (vgl. Juris utriusque doctor).
 
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Jura (spr. dschúră), eine der südlichen Hebriden, zur schottischen Grafschaft Argyll gehörig, 378 qkm (6,9 QM.) groß mit (1891) 619 Einw., ist gebirgig, steigt in den Paps of J. bis 784 manu. wird durch den von W. eindringenden Loch Tarbert fast ganz zerteilt. 7 Proz. der Oberfläche sind angebaut. Zwischen ihr und der nördlich gelegenen Insel Scarba der gefährliche Strudel Corrievreckan.
 
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Jura (brauner, schwarzer, weißer J.), soviel wie Meyers Juraformation (s. d.).
 
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Jura, zentraleuropäisches Gebirgssystem, das von den Alpen durch die schweizerisch-schwäbische Hochebene

[Bd. 6, Sp. 382]


getrennt ist. Es erstreckt sich von Voiron nordwestlich von Grenoble in Frankreich auf etwa 700 km durch den Westen und Nordwesten der Schweiz über Schwaben und Bayern bis zum Fichtelgebirge. In dieser Ausdehnung ist der J. mehr ein geognostischer als orographisch einheitlicher Begriff. Denn wenn auch in dem weithin sich erstreckenden Gürtel dieselben Abteilungen der Juraformation herrschen, so ist doch in den beiden Strecken, in die man den J. einteilt, der Gebirgsbau wesentlich verschieden. In der Tat ist auch erst nach der Erkenntnis der Identität der geologischen Formationsglieder der Name J. auf diejenigen Gebirgsstrecken ausgedehnt worden, die nordöstlich vom Rheinwinkel (bei Basel) sich erstrecken.
   Der J. zerfällt in zwei Hauptteile: 1) den französisch-schweizerischen J. (Mons Jurassus, vom keltischen Jor oder Joria = Wald) oder J. im engern und eigentlichen Sinn, ein Faltengebirge, das sich als nördliche und nordwestliche Abzweigung der Westalpen von Grenoble bis zur Lägern bei Zürich und in einer schmalen Zone von Tafelbergen bis zum Rhein bei Basel und Schaffhausen hinzieht; 2) den deutschen oder schwäbisch-fränkischen J. (s. unten, S. 383), der sich als Tafeljura vom Randen (Kanton Schaffhausen) bis zum Fichtelgebirge erstreckt.
   Der französisch-schweizerische Jura (s. Karte »Schweiz« und die »Geologische Karte der Alpen«) umfaßt ein vorherrschend aus Kalkstein bestehendes Gebiet, das im W. und N. etwa begrenzt wird durch die Orte Lons-le-Saunier, Dôle (Burgund), Montbéliard, Basel und Schaffhausen (Randen). Tektonisch zerfällt es wie der ganze J. in zwei scharf getrennte Teile: 1) den Ketten- oder Faltenjura, ein von Voiron bei Grenoble über Neuenburg zur Meyers Lägern (s. d.) bei Zürich hinziehendes, steileres, etwa 360 km langes und gegen das schweizerische Mittelland konkaves, nach NW. und N. über Lons-le-Saunier-Besançon, den Blauen und Hauenstein bei Basel hin konvexes Gebirge; 2) den Tafeljura oder Plateaujura, außerhalb dieses konvexen Bogens gegen die Saône, im Baselland, Aargau und dem Randen (Schaffhausen) aus Tafelbergen bestehend.
   Geologisches. Die Hauptmasse des Faltenjura, von dem hier allein die Rede ist, bilden die Glieder der Juraformation, Kalke, Mergel von Lias, Dogger und Malm; nur in den Nordketten und im äußersten Westen (Besançon, Salins) tritt insular die tiefere Trias mit Gips und Steinsalz führendem Keuper und Muschelkalk auf. Unter dem reich entwickelten obern oder weißen J. (Malm) lagern vom Bielersee nach W. Neokom, Urgon und Gault. Jüngere Kreide und Nummulitengesteine fehlen überall. Dagegen finden sich durch das ganze Gebirge als lokale Verwitterungsprodukte alttertiäre Bohnerze, ferner mitteltertiäre Meeres- und Süßwasserablagerungen als Teile der großen Molassedecke des schweizerischen Mittellandes. Darüber breiten sich, besonders in den Tälern, vorherrschend alpine erratische Schuttmassen der Eiszeiten aus, in Höhen von mehr als 1000 m nebst Ablagerungen lokaler Juragletscher.
   Da die Molasse die Muldentäler konkordant erfüllt, muß die Faltung postmiocän sein, und weil die ältesten Ablagerungen der Gletscherzeit (Deckenschotter) diskordant auf den Falten ruhen (vgl. Lägern), präglazial, d. h. im Pliocän, stattgefunden haben. Noch läßt das junge Faltengebirge deutlich eine Scharung von Mulden (Synklinalen) und Gewölben (Antiklinalen) erkennen, von welch letztern tektonisch zwischen Biel und Delle etwa 20 nachweisbar sind. Die Zahl der orographischen Ketten ist eine größere, weil viele Gewölbe zerrissen, in Antiklinaltäler und Kämme zerlegt worden sind. Im N., an der Grenze gegen den Tafeljura, etwa vom Paßwang (1207 m) südlich von Basel bis zur Lagern, stauten sich die Falten. Es kam zu Überschiebungen, zur Schuppenstruktur, die in zahlreichen Pultbergen zum Ausdruck kommt. Ein altes Antlitz zeigen die Freiberge (Franches-Montagnes) im Berner und Neuenburger J., eine durch Alpenflüsse präglazial zugehobelte Rumpfebene (Peneplain); später hob sich der ganze Südostrand des Kettenjura zu den höchsten Erhebungen, die der J. aufweist.
   Wie alle Kalkgebirge zeigt der J. eine ausgiebige unterirdische Entwässerung. Das Wasser versiegt in zahlreichen Spalten und Löchern (Entonnoirs, Emposieux, Fondrières), weitet Höhlen (grottes, baumes) aus, veranlaßt die Bildung von Dolinen (z. T. mit Seen, z. B. Lac de Taillères im Kanton Neuenburg) und tritt in Stromquellen (Sources vauclusiennes) zutage, wie die Aubonne, Venoge, Orbe, Doux, Loue, Serrières etc. Die Zahl der Bäche und Flüsse ist daher klein, z. B. Doubs, Ain, Loue, Areuse, Birs. Im Gegensatz zu den tektonisch und uniform angelegten, meist blinden Muldentälern, von denen einzelne relativ breit (Delémont, Val de Ruz), andre hoch gelegen sind (La Brévine, La Chaux-de-Fonds, Les Ponts, Jouxtal 1000 m), haben die oberirdischen Gewässer epigenetische und offenbar antezedente Täler herausgeschnitten, woraus sich die Bildung der bisweilen fast kraterförmigen Quertäler oder Clusen (z. B. Court-Moutier längs der Birs, Underverlier, St.-Sulpice u. a.) erklärt. Flankentälchen werden von Ruz durchflossen, und kleine Isoklinaltäler heißen heute noch im provenzalischen Dialekt Combes.
   Der südliche oder französisch-waadtländische J. enthält neben den niedrigsten südlichen Anfängen die höchsten Gipfelhöhen (Crêt de la Neige 1723 m, Mont Tendre in der Waadt 1680 m, Dôle 1678 m), weist aber den einfachsten Gebirgsbau und die ausgedehntesten Ketten und Längstäler (Jouxtal) auf. Im Kanton Neuenburg und in der Franche-Comté besitzt der J. seine größte Breite und Massenerhebung, während seine Gipfelhöhen um etwa 100 m hinter den südlichen zurückbleiben. Der Mont Chasseron erhebt sich zu 1611 m, die Tête de Rang zu 1423, der Chasseral oder Gestler zu 1609 m. Es liegen Môtiers im Val Travers 740, Le Locle 925, La Chaux-de-Fonds sogar 992 m hoch, während der Paß von Les Loges, zwischen diesem Ort und Neuenburg, 1286 m Höhe erreicht. Im nördlichen Teil, dem Berner, Baseler und Aargauer J., sind die Höhen immer noch bedeutend, darunter berühmte Aussichtspunkte: der Kurort Weißenstein (1284 m), die Hasenmatt (1449), die Röthifluh (1398 m), die Gislifluh (774 m). Es ist dies der verwickeltste und am tiefsten aufgerissene Teil des J. Der Gebirgsbau des J. macht ihn zu einer mächtigen Schutzmauer gegen sein westliches Nachbarland: die wenigen das Gebirge überschreitenden Straßen führen alle durch leicht zu verteidigende Felsengen (Cluses). Die Cluses von Balsthal, Moutier und die Pierre Pertuis verteidigen die Zugänge von N. und NW., die über Basel und Porrentruy in die innere Schweiz führen; durch die von Vuiteboeuf führt der Weg aus Burgund nach Grandson. Das Fort Les Rousses, das drei Straßen aus Burgund nach der Schweiz beherrscht, die durch das Jouxtal, die über den Paß von St.-Cergues nach Nyon und die durch das Dappental nach Genf

[Bd. 6, Sp. 383]


führende, ist in französischen Händen, ebenso der durch das Fort L'Ecluse verteidigte Zugang auf der Lyon-Genfer Straße. Mehrere Eisenbahnen überschreiten jetzt den J.: im Paß von Jougne, im Val de Travers, Val aux Loges und im Mont Sagne, in der Pierre Pertuis, Solothurn-Weißenstein-Rausschlucht-Münster, in den Pässen von La Croix und Glovelier, im untern Hauenstein und im Bözberg sowie am Rhein entlang. Längs seines ganzen Ostfußes führt eine Eisenbahn nach Genf.
   Klimatisch kann man folgende Höhenregionen unterscheiden: 1) Zone des Acker- und Weinbaues (mit Nußbäumen, Buchsbaum, vereinzelt echten Kastanien) in 400500 m Höhe; 2) Buchenzone, 450900 m hoch; 3) Bergregion oder Zone des Tannenwaldes, 700 (900)-1300 m hoch, enthält unten vorherrschend Weißtanne, oben Rottanne, mit zahlreichen Torfmooren in den Synklinalen, und Weiden; 4) von 1300 m die oberste oder subalpine Region mit Baumgrenze in etwa 1400 m, zahlreichen »Sennbergen« und einer subalpinen bis alpinen Flora (Edelweiß an der Dôle). In den Hochtälern (9001000 m) mit großen Schneemassen, spätem Frühling, kühlen Sommertagen und sonnenreichen Wintern, in denen das Thermometer bis -40° fällt, werden noch Roggen, Hafer, Gerste, Kartoffeln und etwas Gemüse gepflanzt. Die Kargheit des Bodens und Ungunst des Klimas über der Ackerbauzone bedingte eine relativ geringe Siedelung und Armut der Bevölkerung, die im schweizerischen Anteil im NO. Deutsch, im übrigen großen Teil Französisch spricht und mit Ausnahme des Gebietes des ehemaligen Bistums Basel verherrschend zur reformierten Kirche gehört.
   Die einst weitverbreitete Eisenindustrie hat fremder Konkurrenz weichen müssen, und nur wenige Eisenwerke verhütten noch das tertiäre Bohnerz des J. in der Schweiz, so im Birstal (s. Meyers Delémont). Von Salinen sind nur am Westfuß in Frankreich die alten von Salins und Lons-le-Saunier und die schweizerischen »Rheinsalinen« (s. Meyers Rheinfelden und Meyers Schweizerhalle) zu bemerken. Im Val Travers und zu Seyssel (an der Rhone) gibt es Asphaltgruben. Unter den Industriezweigen ist vor allem die Fabrikation von Uhren und Spieldosen ausgedehnt, mit Zentren in La Chaux-de-Fonds, Le Locle, Ste.-Croix, Moutier, Biel. Vgl. Thurmann, Esquisses orographiques de la chaîne du J., Teil 1: Porrentruy (Bern 1852); »Livret-guide géologique dans le J. et les Alpes de la Suisse« (Internationaler geologischer Kongreß, Lausanne 1894).
 
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Jura, franz. Departement, aus dem südlichen Teil der Franche-Comté gebildet, wird vom südlichen Teil des französisch-schweizerischen Jura durchzogen und ist danach benannt, grenzt östlich an die Schweiz (Kanton Waadt), nordöstlich an das Depart. Doubs, nördlich an Obersaône, westlich an Côte d'Or und Saône-et-Loire, südlich an Ain u. hat ein Areal von 5054 qkm (91,8 QM.) mit (1901) 261,288 Einw. (51 auf 1 qkm). Das Departement zerfällt in vier Arrondissements (Dôle, Lons-le-Saunier, Poligny, St.-Claude) und hat Lons-le-Saunier zur Hauptstadt. Vgl. Ogérien, Histoire naturelle du. J. (Lons-le-Saunier 18631865, 3 Bde.); Melcot, Le Jura. Dictionnaire historique, géographique et statistique (das. 1885).
 
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Jura, deutscher, Scheidegebirge zwischen der schwäbisch-bayrischen Hochebene und dem schwäbisch-fränkischen Terrassenland, bildet die nordöstliche Fortsetzung des französisch-schweizerischen Jura (s. S. 382), beginnt in der Gegend der Aaremündung rechts vom Rhein, steht hier mit dem Schwarzwald in Verbindung und zieht sich als Plateau mit nahezu horizontaler Schichtenlagerung in einer Länge von etwa 435 km zuerst bis an das Nördlinger Becken (Ries) und an die Wörnitz als schwäbischer Jura nach NO. und dann als fränkischer Jura im allgemeinen von S. nach N. bis an den Main.
   Der schwäbische Jura, 210 km lang, zwischen Rhein und Donau 1520, dann 3540 km breit, besteht aus den Bergen des Klettgaues und Hegaues, der Schwäbischen Alb, dem Albuch und Härdtsfeld (s. Karte »Württemberg«). Die Berge des Klettgaues bleiben in ihrem Hauptteil, dem ausgedehnten Meyers Hohen Randen (s. d.), zwischen Donau und Rhein im Kanton Schaffhausen und erreichen eine Höhe von 927 m. Die Berge des Hegaues, östlich davon, sind ein Gebiet vulkanischer Kegelberge, von denen die Basaltkegel des Hohenhöwen (846 m), des Neuhöwen (867 m) im Rande des Jura oder auf der Höhe desselben, der Basaltkegel des Hohenstoffeln (846 m) und mehrere Phonolithkegel (Hohentwiel 689 m, Mägdeberg 666 m, Hohenkrähen 645 m) aus den Tertiärschichten der vorgelagerten Ebene des alten Hegaues hervortreten.
   Die Schwäbische Alb, zwischen dem Durchbruchtal der Donau und dem Nördlinger Becken (Ries), fällt an der Nordseite steil gegen Neckar und Rems zu ab, während die Südseite allmählich gegen die Donau zu sich senkt und in die oberschwäbische Hochebene übergeht. Die Albhochfläche ist ein wellenförmiges Tafelland mit sanft gewölbten Kuppen. Man unterscheidet drei große Gruppen:
   Die südwestliche Alb, der höchste und durch Täler sehr gegliederte Teil, von der Baar bis zur Eyach reichend. Teilgebiete dieser sind: die Baaralb, durch das Tal Tuttlingen-Spaichingen vom Hauptteil der Alb getrennt, mit dem Lupfen (976 m) und Hohenkarpfen (909 m); der Heuberg mit dem höchsten Punkt des deutschen Jura, dem Lemberg (1015 m), Oberhohenberg (1011 m), Plettenberg (1002 m), Dreifaltigkeitsberg (983 m) und den gewaltigen Lochenbergen sowie einigen über 900 m hoch gelegenen Dörfern (Böttingen, Bubsheim); die Hardt, östlich vom vorigen, eine Gebirgsplatte von fast gleicher Höhe mit dem höchstgelegenen Dorfe der Alb, Heinstetten (914 m).
   Die mittlere Alb, der eigentliche Höhlenjura und breiteste Teil des deutschen Jura, vom Eyach- bis zum Filstal reichend, von deren höchsten Kuppen man oft schöne Aussichten auf die Alpen hat, und die wieder in einzelne Teile zerfällt. Auf der Nordseite (Neckarseite) die Hohenzollernalb, zwischen den Quertälern der Eyach und Starzel, mit der »Burg« bei Tailfingen (974 m) und dem Hohenzollern (856 m) bei Hechingen; das Heufeld (Köbele 901 m, Kornbühl 887 m); die Tübinger Alb (Bolberg 881 m, Roßberg 869 m); die Reutlinger Alb (Wackerstein 823 m, Schloß Lichtenstein 817 m [Glanzpunkt der Alb], Achalm 701 m, die Nebelhöhle bei Oberhausen und die Karlshöhle bei Erpfingen); die Hintere Alb, zwischen Echaz und Erms (Grüner Fels 803 m, Höhe von St. Johann 784 m); die Vordere Alb, zwischen Erms und Lauter (Hohenneussen 743 m); die Rauhe Alb, zwischen Erms u. Wiesensteig (Römerstein 884 m, Teck bei Owen 775 m, das ehemals vulkanische Randecker Maar); daran südlich anschließend die Münsinger Alb mit dem württembergischen Truppenübungsplatz Hardt (Achenbuch 861 m). An der Südseite (Donauseite) die Zwiefalter Alb, zwischen Lauchert und Großer Lauter (Augstberg 849 m), das Teutschbuch,

[Bd. 6, Sp. 384]


zwischen Biber und Zwiefalter Ach, das Landgericht und die Lutherischen Berge, beide letztern zwischen Großer Lauter und Schmiech, die Blaubeurer Alb, zwischen Schmiech und Kleiner Lauter, das Hochsträß, zwischen Blau und Donau, und nordöstlich die Ulmer Alb.
   Die dritte und niederste Gruppe ist die Ostalb, von der Fils bis zum Nördlinger Becken (Ries) sich erstreckend. Ihre einzelnen Teile sind: zwischen Fils und Rems die Kaiserberge (Stuifen 767 m, Hohenrechberg 707 m, Hohenstaufen 684 m) und das Rehgebirge; an der Nordseite weiter der Albuch, zwischen letztern beiden und dem obern Kocher (Bernhardus 775 m, Volkmarsberg 743 m, Rosenstein 721 m); das Härdtsfeld, vom obern Kocher und der Brenz bis zum Ries (Wellerstein 727 m, Braunenberg 685 m, Ipf 668 m). An der Südseite der Ostalp liegen die Stubersheimer Alb, die Niedere Alb und die Heidenheimer Alb (Charlottenhöhle bei Hürben, größte Höhle der Alb, 510 m lang), von der Geislinger Steig und dem Lonetal bis zur Brenz.
   Reizende Täler mit üppiger Vegetation und vorzüglichem Obstbau befinden sich zwischen den sehr verzweigten, oft 200300 m (relativ) senkrecht abfallenden Höhen des Nordrandes, dem eine Reihe von Bergkegeln, teils isoliert, teils durch schmale Grate mit dem Hauptteil verbunden, meist schöne Ruinen tragend, vorgelagert sind. Die Südseite ist, weil allmählich zur Donau fallend, einförmiger. Die zwischen Nord- und Südseite liegende Hochfläche der Schwäbischen Alb ist nicht, wie vielfach irrtümlich verbreitet, ödes, unfruchtbares Land, eine »Rauhe Al b«, sondern zum großen Teil gut angebautes Ackerland und zählt zu den Kornkammern Württembergs, zum andern Teil ist sie Waldgebiet und Schafweide.
   Ein sehr großer Übelstand war der Wassermangel in fast sämtlichen auf der Alb liegenden Orten. Die Bewohner waren auf das in Zisternen oder in mit Lehm ausgeschlagenen Vertiefungen (Hühlen) aufgesammelte Wasser ihrer Dachtraufen angewiesen, das indessen bei längerm Stehen in den trocknen Monaten September, Oktober und Januar ekelerregend, ungesund und kaum zu genießen war. Zwar versorgte man sich in dieser Zeit möglichst durch Wasserzufuhr aus den Tälern, doch war das wegen der steil aufsteigenden Wege sehr beschwerlich, unter allen Umständen aber kostspielig. Auf Befehl der württembergischen Regierung arbeitete der Oberbaurat v. Ehmann in Stuttgart 1867 ein Projekt zur Wasserversorgung der Alb aus, und 1870 wurde mit der Ausführung desselben begonnen. Mit Benutzung der Wasserkraft der in den Tälern fließenden Bäche wurden in verschiedenen Gegenden des Nordwest- und Südostrandes Pumpstationen errichtet, die das Wasser aus diesen in Hochreservoirs führen; von ihnen aus werden die einzelnen 14 Leitungen gespeist, die 217 Orte auf einer Fläche von 2600 qkm (etwa 43 QM.) mit etwa 74,000 Einw. mit gutem Wasser versorgen. Neue Anschlüsse stehen bevor (Steinlachtal). Die Kosten des Baues betrugen etwa 9,5 Mill. Mk. (vgl. v. Ehmann, Die Versorgung der wasserarmen Alb, Stuttg. 1881). Die Tiefregion bis ungefähr 400 m aufwärts besteht fast ausschließlich aus Kulturland; in den Wäldern herrscht die Buche vor, neben zahlreichen andern Laubhölzern, besonders der Eiche; Fichte und Tanne sind selten. Die untere Bergregion, bis 950 m reichend, ist besonders charakterisiert durch die in fast reinen Beständen vorherrschenden Buchenwälder, in denen auch verhältnismäßig häufig der Bergahorn auftritt; montane Pflanzengenossenschaften sind reich vertreten und im größten Teil des Gebietes Relikten von alpinen und voralpinen Genossenschaften. In der obern Bergregion, von 950 m an, herrscht der Nadelwald mit Fichte und Tanne vor, und die alpine und voralpine Reliktenflora ist stark vertreten. Vgl. G. Schwab, Die Schwäbische Alb (2. Aufl. von Paulus, Stuttg. 1878); F. Vogt, Die Schwäbische Alb (das. 1854); Frölich, Die Schwäbische Alb (das. 1872); Engel, Die Schwabenalb und ihr geologischer Aufbau (2. Aufl., Tübing. 1905); Reiseführer von Hochstetter (Stuttg. 1896), Engel (Ulm 1900), Wais (Stuttg. 1903), Ströhmfeld (das. 1904) und »Europäische Wanderbilder«, Nr. 223 u. 229233 (Zürich); »Blätter des schwäbischen Albvereins« (Tübingen, seit 1881); Gradmann, Das Pflanzenleben der Schwäbischen Alb (2. Aufl., das. 1900); die »Generalkarte der Schwäbischen Alb«, herausgegeben vom königlich württembergischen statistischen Landesamt, 1: 150,000 (bisher 11 Blätter, Stuttg. 18941904); »Umgebungskarte der Schwäbischen Alb«, desgleichen, 1: 50,000 in 21 Blättern (bisher 10 Blätter, das. 18911904).
   Der fränkische Jura (s. Karte »Bayern, nördlicher Teil«) zieht sich in einer Länge von 225 km und einer mittlern Breite von 3540 km durch Bayern hin, zuerst bis in die Gegend von Regensburg nach O., nachher bis zur Eisenbahnlinie Hersbruck-Amberg nach N., zuletzt nach NW. Der östliche Zug wird auf der Südseite noch von der Donau begleitet und von der Altmühl durchbrochen. Seine bedeutendsten Höhen steigen aus dem braunen Jura nördlich vom Nördlinger Ries (Hesselberg 689 m) an der Wörnitz hervor; östlich davon erstreckt sich der Hahnenkamm (im Dürrenberg 647 m) fast bis zur Altmühl, wo im weißen Jura bei Solnhofen die an wohlerhaltenen Versteinerungen reichen, berühmten lithographischen Steine gebrochen werden. Der mittlere Zug erreicht im Friedelberg westlich von Amberg noch eine Höhe von 677 m, ist auf seiner Westseite, wo der Ludwigskanal durch ein ansehnliches Tal im Lias und Keuper zieht, sehr zerklüftet und wird im O. durch das vorzugsweise mit Kreidebildungen angefüllte Becken von Bodenwöhr von dem kristallinischen Gestein des Böhmisch-Bayrischen Waldgebirges getrennt. Der letzte Zug endlich, Fränkische Schweiz genannt, der sich von der Eisenbahnlinie Nürnberg-Amberg fast nordwestlich bis an den Main bei Lichtenfels und in seinen Lias- und Doggerbildungen nach N. hin noch über diesen Fluß hinaus bis in die Gegend von Koburg zieht, ist der interessanteste Teil des fränkischen Jura. Auf beiden Seiten, sowohl gegen die Keuperebene an der Regnitz als auch gegen die Keupermulde von Bayreuth (auf der Scheide gegen das Fichtelgebirge), sind die Steilhöhen des weißen Jura (Staffelberg über Staffelstein 539 m, Kordigast nahe dem Main 535 m) von braunem Jura und Lias eingefaßt; auf der Platte selbst ist der Kalvarienberg (642 m) bei Thurndorf der höchste Gipfel. Die tief eingegrabenen Täler der Pegnitz und Wiesent durchziehen die Fränkische Schweiz, die ihren Ruf den in den Dolomiten des weißen Jura sich zahlreich findenden Höhlen verdankt. Die berühmtesten dieser Höhlen sind die Rosenmüllershöhle bei Muggendorf, die Gailenreuther Höhle nicht weit von Gößweinstein und die Sophienhöhle bei Rabenstein. Schöne Versteinerungen aus dem Jura sind zu Schloß Meyers Banz (s. d.), auf einer Doggerhöhe rechts vom Main, aufgestellt. In der

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Vegetation ist die Hauptformation der Buchenwald; er bedeckt alle Hänge und ist nur auf der Hochfläche häufiger mit Nadelhölzern untermengt; dagegen herrschen auf dem von S. nach N. verlaufenden Teil, südwärts noch über die Altmühl herübergreifend, Kiefer und Fichte fast ausschließlich; erst gegen die Wiesent hin in der Fränkischen Schweiz gewinnt die Buche wieder die Oberhand. Die südlichen Halden und Felsgehänge sind von dürrer Steppenheide bedeckt, während die Nordseite eine Bergwaldflora beherbergt; auf der Hochfläche wechseln üppige Fruchtfelder mit magern, steinübersäten Äckern. Die alpinen und voralpinen Genossenschaften, die noch im schwäbischen Jura eine Rolle spielen. sind hier nur durch Draba aizoides und Arabis alpina vertreten, während die pontischen Arten hier viel reicher entwickelt sind als dort. Vgl. Gümbel, Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Kassel 1891); L. v. Aminon, Kleiner geologischer Führer durch einige Teile der Fränkischen Alb (Münch. 1899); Neischl, Die Höhlen der fränkischen Schweiz (Nürnb. 1904); Kollbach, Wanderungen durch die deutschen Gebirge, Bd. 3 (Bonn 1899); »Führer durch die fränkische Schweiz« von Brückner (Wunsiedel 1904), Bläsing (5. Aufl., Erlang. 1903) und Raw (Nürnb. 1901).
   Geologisches, Kultur. Zusammengesetzt ist der Jura aus den verschiedenen Abteilungen der Juraformation; aus oberm oder weißem Jura (Malm) besteht die breite Hochfläche, die allmählich längs der südöstlichen Seite sich zu den Tertiär- und Diluvialbildungen der Donauebene senkt, während sie mit hohem und zerklüftetem Steilrand auf der entgegengesetzten Seite abfällt, hier sowie im N. mit mittlerm oder braunem Jura (Dogger, bei Aalen reich an guten Brauneisensteinen) eingefaßt ist, dem wieder unterer oder schwarzer Jura (Lias) im flachen Hügelland vorlagert. Zahlreiche (über 120) Durchbrüche von basaltischen Gesteinen, meist von sehr geringer Ausdehnung, sind bezeichnend für das Gebiet der Schwäbischen Alb in der Umgebung von Urach und für das Nördlinger Ries. Als Wasserscheide ist der Jura nur in seinem höchsten Teil, der Schwäbischen Alb, zwischen Donau und Neckar, wichtig. Die größern Flüsse (Donau, Wörnitz, Altmühl) durchbrechen ihn; die kleinern entstehen oft hart an dem einen Rande, durchströmen alsdann in tiefen Tälern fast die ganze Breite und treten auf der andern Seite aus (Pegnitz, Wiesent). Burgruinen in Menge schmücken die Ränder, vorzüglich die oft halbinselartig hervortretenden Steilabfälle der Nordseite in Württemberg. Die Höhe nimmt von SW. nach NO. ab. In Württemberg gibt es noch zahlreiche Dörfer in der Meereshöhe von 900,800 und 700 m, in Bayern sind die über 600 m hoch gelegenen schon sehr vereinzelt. Der württembergische Anteil hat zum großen Teil trefflichen, wenn auch steinigen Ackerboden, auch blüht die Viehzucht; Schafe werden besonders auf der Alb im S. von Kirchheim im Sommer geweidet, dauerhafte Pferde in der Münsinger Hardt gezogen. Zahlreich sind die Straßen; ebenso durchschneiden mehrere Eisenbahnen den Jura, darunter die Linien Tübingen-Sigmaringen, Reutlingen-Klein-Engstingen-Münsingen-Schelklingen u. Klein-Engstingen-Gammertingen-Sigmaringen, Stuttgart-Ulm, Nürnberg-Regensburg, Nürnberg-Amberg, Nürnberg-Bayreuth etc. Vgl. Fricker, Pässe und Straßen der Schwäbischen Alb (Tübing. 1902) und die Literatur bei Artikel »Juraformation«.
 
Artikelverweis 
Jura, fränkischer und schwäbischer, s. Meyers Jura, deutscher.