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Junĭus, Briefe des bis Junktūr (Bd. 6, Sp. 377 bis 378)
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Artikelverweis Junĭus, Briefe des, eine Reihe von Briefen, die unter dem Pseudonym Junius im »Public Advertiser« in London zuerst 21. Nov. 1768 und in fortlaufender Folge vom 21. Jan. 1769 bis zum 12. Mai 1772 erschienen und König, Minister, Parlament, Gerichtshöfe und Staatsbeamte, die Umtriebe und Kämpfe der Whigs und Tories mit schonungsloser Satire, aber mit Geist, Sachkenntnis und Beredsamkeit geißelten; ihre Hauptangriffe sind gegen den Herzog von Grafton und Lord North gerichtet. Übrigens atmen sie ganz den monarchischen Geist der britischen Verfassung und machen sich nicht selten der Parteilichkeit wie des Mangels an Freisinnigkeit schuldig. Die Schreibart, bei der tiefe, aus getäuschten Hoffnungen entstandene Bitterkeit die Feder geführt zu haben scheint, ist gedrängt, oft epigrammatisch, aber immer klar und präzis im Ausdruck und reiht den Verfasser unter die ersten Prosaisten Englands. Die Briefe wurden bald nach ihrem Abdruck im »Public Advertiser« von dessen Verleger, Woodfall, in Buchform publiziert (Lond. 1772). Ein Prozeß, den die Regierung 1770 der Briefe wegen gegen Woodfall anhängig machte, wurde niedergeschlagen und gab zu der Bestimmung Veranlassung, daß in Kriminalprozessen wegen eines Libells nur ein Geschwornengericht zuständig sei. Die wichtigsten Ausgaben der Briefe sind die Londoner von 1783 und 181214 und die von Wade (Lond. 1849, 2 Bde.; neue Aufl.: Bd. 1, 1873; Bd. 2, 1869). Eine französische Übersetzung erschien in Paris 1791, eine deutsche von Arnold Ruge (3. Aufl., Leipz. 1867). Über den Verfasser erschöpfte man sich bald nach dem Erscheinen der Briefe in Mutmaßungen aller Art; mehr als 30 verschiedene Personen hatte man im Verdacht, darunter den General Lee, Grattan, Burke, den Dichter Richard Glover, den Herzog von Portland, Lord Temple u. a. Auch in neuester Zeit hat der Streit darüber fortgedauert. Coventry (»Critical inquiry into the letters of Junius«, Lond. 1825) und später Jacques (»History of Junius and his works«, das. 1843) suchen ihn in dem aus dem Siebenjährigen Kriege bekannten Lord Sackville. Sir David Brewster glaubte an die Autorschaft eines gewissen Laughlin Maclean, der 1773 Generalkriegskommissar war und 1777 bei der Rückkehr aus Westindien verunglückte, fand aber damit wenig Anklang. W. Cramp (»Junius and his works«, Lond. 1851) erklärte den bekannten Lord Chesterfield, die »Quarterly Review« 1852 den berüchtigten Wüstling Lord Thomas Lyttleton (gest. 1779 durch Selbstmord) für den Verfasser der Juniusbriefe. Weiter sprachen sich J. Britton (»The authorship of the letters of Junius elucidated«, Lond. 1848) für den Obersten Barré und Symons (»William Burke, the author of Junius«, das. 1859) für den Bruder des bekannten Edmund Burke aus. Am meisten Wahrscheinlichkeit hatte von vornherein die 1816 von Taylor (»Junius identified«, Lond. 1816) aufgestellte Ansicht, daß Sir Philip Meyers Francis (s. d.) Junius sei; ihr schlossen sich 1841 Macaulay, 1850 Sir F. Dwaris an. Sie wurde durch die von dem Schreibverständigen Chabot vorgenommene Untersuchung der hinterlassenen Briefe von Francis sowie der Korrespondenz zwischen Junius und Woodfall und der im Britischen Museum erhaltenen Korrekturbogen der Juniusbriefe in dem Prachtwerk »The handwriting of Junius professionally investigated« (Lond. 1873, mit einem Vorwort von Edw. Twisleton) überzeugend begründet. Vgl. auch F. Brockhaus, Die Briefe des J. (Leipz. 1875); G. H. R. Francis, Junius revealed by his surviving grandson (Lond. 1894).
 
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Junius Brutus, Pseudonym, s. Meyers Languet.
 
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Junkaginazeen (Dreizackpflanzen), monokotyle, sumpfbewohnende, etwa 14 Arten umfassende Familie der warmen und gemäßigten Zone aus der Ordnung der Helobien, mit schmalen, zweizeiligen scheidigen Blättern und drei- bis vierzähligen Blüten, die meist aus zwei kelchartigen Kreisen, zwei Staubblatt- und zwei Fruchtblattkreisen bestehen. Wichtige Gattungen sind Scheuchzeria und Triglochin.
 
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Junkazeen (Simsen, Simsenlilien, Binsengewächse), monokotyle Familie aus der Ordnung der Glumifloren, grasartige Pflanzen mit unscheinbaren, zu Köpfchen oder hochblatttragenden Fächeln oder Sicheln angeordneten, dreizähligen Blüten (s. Abbildung), die sich von denen der Liliazeen hauptsächlich durch das spelzenartige Perigon unterscheiden. Die Familie zerfällt in acht Gattungen, deren wichtigste und artenreichste Luzula und Juncus sind, und enthält etwa 250 Arten, von denen die meisten den gemäßigten und kältern Zonen der nördlichen Halbkugel angehören; einige sind kosmopolitisch. Sie wachsen teils an feuchten und sumpfigen Stellen des Meeresstrandes oder des Binnenlandes, teils auf den Gebirgen. Die J. sind wegen ihrer Härte und Zähigkeit schlechte Futterkräuter, werden aber wegen dieser

[Bd. 6, Sp. 378]


Eigenschaften z. T. zu Flechtwerken verwendet. Fossil sind nur einige Juncus-Arten aus Tertiärschichten bekannt. Vgl. Buchenau, Monographia Juncaecarum in Englers »Jahrbüchern für Systematik« (Bd. 12, 1890).
 
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Junke (Dschunke), s. Meyers Dschonke.
 
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Junker (vom mittelhochd. junc-hêrre, »junger Herr«), ehedem Name der jüngern Prinzen regierender Herren; in der Verkehrssprache junge Edelleute, namentlich Landedelleute, ohne sonstigen Titel. J. (Fahnenjunker) ist die Bezeichnung für Offiziersaspiranten und Vorstufe für die Dienststellung des Fähnrichs. In Rußland werden die J. in besondern Junkerschulen (s. Meyers Kadettenhäuser) ausgebildet. Junkerpartei, Junkertum war in Preußen in den 1850er Jahren die halb verspottende Bezeichnung der reaktionären Adelspartei.
 
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Junker, Wilhelm, Forschungsreisender, geb. 6. April 1840 in Moskau, gest. 13. Febr. 1892 in Petersburg, lebte als Knabe in Göttingen, besuchte in Petersburg das deutsche Gymnasium, studierte Medizin in Göttingen, Berlin und Prag und bereiste 1869 Island. Nach kürzern Ausflügen nach Tunesien 1874 und Unterägypten 1875 ging er von Suakin 1876 durch das Chor Baraka nach Kassala und Chartum, befuhr den Blauen Nil und den untern Sobat und machte ausgedehnte Reisen in den Gebieten des Bahr el Gazal und des obern Uëlle. 1878 nach Europa zurückgekehrt, unternahm er schon 1879 eine neue Forschungsreise in das Gebiet der Niam-Niam und Monbuttu zur Erforschung des Uëlle und des Nepoko, welch letztern er als den Oberlauf des Aruwimi erkannte. Im Begriff, Ende 1883 nach Europa zurückzukehren, wurde er durch den Aufstand des Mahdi gezwungen, bei Emin Pascha in Lado eine Zuflucht zu suchen. Die von seinem Bruder 1885 zu seiner Befreiung gesandten Expeditionen unter G. A. Meyers Fischer (s. d. 15) und unter Oskar Meyers Lenz (s. d.) vermochten ihn nicht zu erreichen, doch glückte es J., mit Umgehung von Uganda durch Karagwe Ende 1886 nach Sansibar zu gelangen, von wo er über Kairo nach Europa zurückkehrte. Hier veröffentlichte er die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reisen in den Ergänzungsheften zu »Petermanns Mitteilungen« (Gotha 1888 und 1889) und »Reisen in Afrika 18751886« (Wien 188991, 3 Bde.). Vgl. Hevesi, Wilhelm J., Lebensbild eines Afrikaforschers (Berl. 1896).
 
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Junkerhof, s. Meyers Artushof.
 
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Junkermann, August, Schauspieler und Vorleser, geb. 15. Dez. 1832 in Bielefeld, trat bei der Artillerie ein, um Offizier zu werden, ging aber 1853 zur Bühne über und begann seine theatralische Laufbahn in Trier. Nach mehreren Engagements in Berlin, Bremen, Wien, Weimar u. a. O. wurde er 1871 Mitglied des Hoftheaters in Stuttgart, dem er bis 1884 angehörte. Seitdem hat er allein und mit von ihm zusammengestellten Gesellschaften Gastspielreisen in Deutschland und Nordamerika gemacht. Er spielt komische Rollen mit großem Erfolg; sein Hauptverdienst aber liegt in der Darstellung der Gestalten Fritz Reuters, dessen Werke fast sämtlich teils von ihm selbst, teils von andern für ihn dramatisiert worden sind. Auch als Vorleser der Werke Reuters, dem er besonders in Süddeutschland und Wien neue Verehrer gewann, hat er sich einen Namen gemacht. Er veröffentlichte: »Memoiren eines Hofschauspielers« (Stuttg. 1889) und »Humoristikum, eine Sammlung heiterer Vortragsstücke« (5. Aufl., das. 1899; neue Folge, 2. Aufl. 1900).
 
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Junkerschulen, s. Meyers Junker und Meyers Kadettenhäuser.
 
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Junktūr (lat.), Verbindung, Fuge, Gelenk; auch soviel wie Konjunktur.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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