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Hippomachīe bis Hippophaë (Bd. 6, Sp. 361)
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Artikelverweis Hippomachīe (griech.), Kampf zu Pferde.
 
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Hippomān (griech.), leidenschaftlicher Pferdeliebhaber, Pferdenarr; Hippomanie, übertriebene Pferdeliebhaberei.
 
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Hippomane L. (Manzanillabaum, Manschinellenbaum, Manschenillbaum), Gattung der Euphorbiazeen, mit der einzigen Art Il. Mancinella L., ein milchsaftreicher, ansehnlicher Baum mit zahlreichen abstehenden Ästen, wechselständigen, langgestielten, eiförmig-spitzigen, sein gesägten, kahlen Blättern, ährenförmigen, terminalen Blütenständen mit dicker Achse, kleinen, unscheinbaren Blütchen und großen, kugeligen, gelben und roten Steinfrüchten, findet sich in Mittelamerika, Westindien und Kolumbien, ist jedoch fast überall ausgerottet, da man dem Baum allgemein höchst schädliche Wirkungen zuschreibt und fälschlich selbst behauptet hat, sein Schatten könne dem darin Ruhenden verderblich werden. In Meyerbeers »Afrikanerin« wurde er auf die Bühne gebracht. Der in allen Teilen des Baumes vorkommende Milchsaft ist sehr ätzend, erzeugt auf der Haut Blasen und mag innerlich wohl sehr verderblich wirken. Die Frucht ist selbst für Tiere ungenießbar; aber daß Pferde durch ihren Genuß wütend, brünstig geworden seien (daher der lateinische Name des Baumes), dürfte Fabel sein. Mit dem Milchsaft vergiften die Eingebornen ihre Pfeile, ein Extrakt der Blätter wird arzneilich benutzt. Das Holz ist weiß, weich und wenig dauerhaft. Beim Fällen des Baumes verkohlt man zunächst die Rinde, um nicht durch heraus spritzenden Milchsaft beschädigt zu werden.
 
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Hippomanes, ein in der erotischen Dichtung der Alten eine große Rolle spielendes Liebesmittel (vgl. Philtron), nach der gewöhnlichen Auffassung ein die Stirn neugeborner Füllen bekleidender und der Meyers Glückshaube (s. d.) ähnlicher Körper, den die Stute alsbald verzehrt, oder die sogen. Füllenmilz (Füllenbrot), rudimentäre Teile der äußern Fruchthüllen; nach andern der Ausfluß rossiger Stuten aus der Scheide; auch eine zu Liebesmitteln dienende Pflanze. Den Hauptinhalt der großen ältern Literatur über das H. hat Bayle in einer Abhandlung (am Ende seines kritisch-historischen Wörterbuches) gesammelt.
 
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Hippomantīe (griech.), Wahrsagung aus dem Wiehern und Schreiten der Pferde; vgl. Mantik.
 
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Hippomedon, im griech. Mythus Sohn des Aristomachos aus Argos, einer der Sieben vor Theben.
 
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Hippomenes, der Liebhaber der Atalante (s. d.).
 
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Hipponáktrische Strophe, nach Hipponax (s. d.) benannt und von Horaz Od. II, 18 angewendet, besteht aus einem trochäischen katalektischen Dimeter und einem iambischen katalektischen Trimeter:


 
Artikelverweis Hippōnax, griech. Jambendichter aus Ephesos, flüchtete 542 v. Chr. vor dem Tyrannen seiner Vaterstadt nach Klazomenä, wo er in Armut lebte. Als ihn hier zwei Bildhauer, Bupalos und Athenis, durch ein Karikaturbild seiner häßlichen Gestalt dem öffentlichen Gelächter preisgaben, verfolgte er sie mit so beißenden Jamben, daß sie sich, wie Lykambes (s. Archilochos), erhängt haben sollen. Dem oft burlesken Charakter seiner in der ionischen Umgangssprache verfaßten Gedichte entsprach das von ihm angeblich erfundene und vorzugsweise angewendete Metrum der sogen. Hink-Jamben (s. Skazon). Sammlung der Bruchstücke in Bergks »Poetae lyrici graeci«, Bd. 2.
 
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Hippopathologie (Hipponosologie, griech.) Lehre von den Pferdekrankheiten.
 
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Hippophaë L. (Sanddorn), Gattung der Eläagnazeen, weidenähnliche Sträucher oder kleine Bäume mit abwechselnden, schmalen, durch Schelferschuppen weißlichgrauen Blättern, vor diesen erscheinenden Blüten in kurzen Ähren, deren Achse meist in einen Laubzweig auswächst oder sich zu einem Dorn

[Bd. 6, Sp. 362]


umbildet, und nußartiger Steinfrucht. H. rhamnoides L. (Seedorn, Seekreuzdorn, Weidendorn, Rheindorn), ein 2,53 m hoher Strauch mit gespreizten, dornigen Ästen und zahlreichen, unter dem Boden weit umherkriechenden Wurzelausläufern. Die Blätter sind fast linienförmig, 55,5 cm lang, die Blüten klein, gelb, von schuppenförmigen, braunschelferigen, hinfälligen Deckblättchen gestützt; die Frucht ist erbsengroß, gelb und bleibt den Winter über hängen. Der Strauch wächst an den Küsten Europas von der Ostsee bis zum Mittelmeer, an Flußufern, besonders am Rhein, auch in den Steppen Westasiens, im Kaukasus, Ural, Altai. Er bildet fast undurchdringliche Hecken und Zäune und wird auch zur Bindung des Flugsandes und der Dünen, in Parkanlagen zur Zierde angepflanzt. Das Holz, das sich schön beizen läßt, dient zu Drechslerarbeiten. In Finnland, Lappland und der Mongolei gebraucht man die herbsauren Früchte als Zusatz an manche Speisen. Die zweite Art, H. salicifolium Don., wächst im Himalaja.