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Hinkender Jambus bis Hinsbeck (Bd. 6, Sp. 351 bis 353)
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Artikelverweis Hinkender Jambus, s. Skazon.
 
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Hinkende Teufel, der (Le Diable boiteux), berühmter Roman von Meyers Lesage (s. d.).
 
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Hinkmar, Erzbischof von Reims, einer der hervorragendsten Kirchenfürsten und Staatsmänner seiner Zeit, geb. um 806, erhielt im Kloster St.-Denis bei Paris durch Abt Hilduin seine Bildung und folgte seinem Lehrer 830 freiwillig ins Exil nach Korvei. 845 Erzbischof von Reims und Primas der westfränkischen Geistlichkeit, wachte H. eifrig über der Reinheit der Lehre (s. Meyers Gottschalk 1), trat mit Entschiedenheit gegen des Königs Lothar II. von Lothringen Ehescheidung und zweite Vermählung auf und wußte den Streit zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen zur Erhöhung der Autorität der Kirche zu benutzen. Papst Nikolaus I. gegenüber versuchte er seine Selbständigkeit vergeblich zu wahren. Größern Erfolg hatte er unter Hadrian II., gegen den er sich 870 weigerte, König Karl wegen der Besetzung Lothringens zu bannen, und das Recht der fränkischen Kirche, den Bischof H. von Laon, seinen eignen Neffen, abzusetzen, unter Zurückweisung der pseudoisidorischen Dekretalen mit Glück verteidigte. Er starb auf der Flucht vor den Normannen 21. Dez. 882 in Epernay. Seine Schriften, teils Abhandlungen dogmatischen Inhalts, wie die Schrift gegen Gottschalk: »De praedestinatione Dei«, teils Briefe und Gutachten, gab am vollständigsten Sirmond (Par. 1645. 2 Bde.) heraus. Am wichtigsten sind die Briefe als Hauptquelle für die Geschichte der karolingischen Periode. Die »Reichsannalen« (»Annales Bertiniani«, in Pertz' »Monumenta«, Bd. 1) hat H. von 881882 fortgesetzt. Vgl. v. Noorden, Erzbischof H. von Reims (Bonn 1863); Sdralek, Hinkmars von Reims kanonistisches Gutachten über die Ehescheidung Lothars II. (Freiburg 1881); Schrörs, H., Erzbischof von Reims (das. 1884).
 
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Hinlopen, Stadt, s. Meyers Hindeloopen.
 
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Hinlopenstraße, Meerenge in der Spitzbergengruppe, zwischen Westspitzbergen und dem Nordostland, mit der Lommebai im W. und der Wahlenbergbucht im O., bespült im südlichen Teil die Süd-Waygatsinseln, die Wilhelminsel und die Bastianinseln Die H. ist meist den ganzen Sommer hindurch durch Eis versperrt.
 
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Hinnenburg, Bergschloß, s. Meyers Brakel.
 
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Hinojōsa del Duque (spr. dūke), Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Cordoba, in dem weiten Tal Los Pedroches in der Sierra Morena gelegen, mit Getreide-, Wein- und Ölbau, Fabrikation von Tonkrügen und (1900) 10,673 Einw.
 
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Hinoki, s. Chamaecyparis.
 
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Hinrichs, 1) Johann Konrad, Buchhändler, geb. 30. Okt. 1763 in Harburg, gest. 8. Sept. 1813 in Leipzig, trat 1796 als Teilhaber in die von seinem Schwager Aug. Leberecht Reinicke (geb. 1764, gest. 1834) 1791 in Leipzig gegründete Buchhandlung und wurde 1801 deren alleiniger Besitzer. Nach seinem Tode führte die Witwe das Geschäft fort, seit 1819 mit ihrem Neffen Christian Friedr. Ad. Rost (geb. 1790, gest. 1856), der 1840 alleiniger Besitzer wurde, und dessen Enkel: C. F. Adolf R oft (geb. 5. Aug. 1858) und J. F. David Rost (geb. 27. Jan. 1865), Teilhaber seit 1887, bez. 1891, die gegenwärtigen Besitzer sind. Die »J. C. Hinrichssche Buchhandlung« in Leipzig ist besonders verdient um die deutsche Bibliographie durch Herausgabe von »H.' Halbjahrskatalog der im deutschen Buchhandel erschienenen Bücher, Zeitschriften, Landkarten etc.« (seit 1798), dem sich das »Wöchentliche Verzeichnis etc.« (seit 1842) und der »Fünfjahrskatalog« (seit 1856, die Literatur seit 1851 umfassend) anschließen. Außerdem pflegt der Verlag besonders Theologie, Assyriologie und Ägyptologie (Herzogs »Realenzyklopädie für die protestantische Theologie und Kirche«; »Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur«; »Griechisch-christliche Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte«; »Theologische Literaturzeitung«, seit 1876; »Assyriologische Bibliothek«, 1881 ff.; »Beiträge für Assyriologie«, 1889 ff.; »Zeitschrift für ägyptische Sprache«, 1863 ff.; Inschriftenwerke von Brugsch, Dümichen, Mariette u. a.).
   2) Hermann Friedrich Wilhelm, Philosoph, geb. 22. April 1794 zu Karlseck in Oldenburg, gest. 17. Sept. 1861 in Friedrichroda, am Gymnasium in Jever gebildet, studierte in Straßburg Theologie, dann in Heidelberg Philosophie unter Hegel, der seine

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Schrift »Die Religion im innern Verhältnis zur Wissenschaft« (Heidelb. 1822) mit einer Vorrede einleitete. Nachdem sich H. 1819 in Heidelberg habilitiert hatte, wurde er 1822 außerordentlicher Professor in Breslau, 1824 ordentlicher Professor der Philosophie in Halle, wo er durch seine »Grundlinien der Philosophie der Logik« (Halle 1826) und die »Genesis des Wissens« (Heidelb. 1835, Bd. 1) ein Hauptvertreter der orthodox-hegelschen Richtung ward. In seinen schwer lesbaren ästhetischen Schriften: »Vorlesungen über Goethes Faust« (Halle 1825) und »Schillers Dichtungen nach ihrem historischen Zusammenhang« (Leipz. 183739, 2 Bde.) hat H. zuerst den Inhalt klassischer Dichtungen nach Hegelschen Kategorien abgehandelt. Er schrieb noch »Geschichte der Rechts- und Staatsprinzipien seit der Reformation bis auf die Gegenwart« (Leipz. 184852, 3 Bde.) und »Die Könige« (2. Aufl., das. 1853).
   3) Maria, Komponistin, Tochter des vorigen, Gattin von Robert Franz (s. Meyers Franz 3, S. 905).
 
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Hinrichtung (Exekution) ist die Vollstreckung des von einem Gerichtshof oder Machthaber gefällten Todesurteils (s. Meyers Todesstrafe) an der des Lebens verlustig erklärten Person. Mit den Anschauungen der Zeiten und der Ausbildung der Strafrechtspflege hat das Werk des Nachrichters sehr verschiedene Formen angenommen, und im Anfang der Kulturentwickelung fehlte ein solches Amt ganz und gar, sofern der Strafvollzug verschiedenen Personen, Kriegsknechten, Gefangenwärtern, Opferpriestern etc., zufiel. Im Anschluß an die bei Naturvölkern weitverbreitete Sitte der Verbrechensermittelung durch Gifte (s. Ordalien) fand auch die H. vielfach durch Gift statt. Bekannt ist der Schierlingstrank in Athen, ebenso bewahrte der Timarch von Massilia das Schierlingspräparat, mit dem daselbst die Verbrecher hingerichtet wurden. Als Verschärfungen sind aus dem orientalischen Altertum besonders Kreuzigung, Steinigung, Scheiterhaufen, Hungertod, Pfählung, Lebendigbegraben bekannt, oft, namentlich an Kriegsgefangenen, wurde die H. durch Erdolchen und Verbrennen in Gestalt einer Opferung an die Götter vollzogen. Bei den Römern kam das Verhungernlassen und Erdrosseln im Mamertinischen Kerker, das Herabstürzen vom Tarpejischen Felsen oder von Brücken, vor allem aber das Zerfleischenlassen von wilden Tieren des Zirkus in Aufnahme, wobei die H. als Schauspiel diente. Cäsar und Strabon gedenken außerdem noch des Pfeiltodes, der Pfählung und Kreuzigung bei den Galliern; auch schreibt man ihnen außer der Giftstrafe eine Massenverbrennung in geflochtenen Käfigen bei bestimmten Festen zu. Auch der Norden kannte sehr grausame Todesstrafen, wie das Versenken in Sumpf, das Zerreißen und Vierteilen durch angetriebene Pferde, das Herauswinden der Därme bei Baumfrevlern, das Zersägen bei lebendigem Leibe etc. Im besondern erfinderisch im Ausklügeln qualvoller Hinrichtungsformen war aber das Mittelalter, das den Tod an sich nicht als genügende Sühne ansah, sondern ihn zugleich im Sinne der Abschreckungstheorie durch vorausgehende Qualen zu verschärfen suchte. Nach dem Strafsystem der peinlichen Gerichtsordnung Karls V. waren als solche verschärfte Todesstrafen der Feuertod, das Pfählen, das Rad, das Vierteilen und das Säcken oder Ertränken in Übung, während die Strafe des Stranges und des Schwertes sowie des Erschießens als die leichtern und schonendern galten; dies bezeichnet die oft wiederkehrende Wendung, jemand, der das Rad etc. verdient hätte, sei zum Strang oder Schwert begnadigt worden. Namentlich waren so schreckliche Strafen üblich gegen Rebellen und Gotteslästerer. Seit einigen Jahrhunderten kam der Galgen oder Strang zur allgemeinern Anwendung (Halsgerichtsordnung), und noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts fand sich vor den Toren der meisten Städte der Galgenberg, auch wurden die Verschärfungen (Vierteilen, Auf das Rad flechten, Ausstreuen der Asche in alle vier Winde etc.) erst nach erfolgter H. hinzugefügt. Der Feuertod blieb den religiösen Verbrechen und den dafür gehaltenen (Ketzerei, Hetzerei, Sodomie etc.) vorbehalten, angeblich weil die geistlichen Richter das Blutvergießen scheuten.
   Die moderne Strafgesetzgebung kennt nur die einfache Todesstrafe, die in den meisten Staaten, namentlich auch nach dem deutschen Strafgesetzbuch, durch Enthauptung mit dem Beile, an dessen Stelle schon seit dem 15. Jahrh. vielfach ein Fallbeil (Guillotine, s. d.) getreten war, herbeigeführt wird. Nach dem deutschen Militärstrafgesetzbuch (§ 14) ist die Todesstrafe im Frieden durch Erschießen zu vollstrecken, wenn sie wegen eines militärischen Verbrechens, im Feld auch dann, wenn sie wegen eines nichtmilitärischen Verbrechens erkannt worden ist. Übrigens bedroht das Militärstrafgesetzbuch von den im Frieden verübten militärischen Straftaten keine mit Todesstrafe. In England, Österreich und Amerika fand bis in die neuere Zeit die H. durch Erwürgen am Galgen statt, indem dem am Hals aufgeknüpften Delinquenten das Brett unter den Füßen weggezogen wird; ähnlich ist das in Spanien übliche Erwürgen durch Zusammenschnüren (Garotte). In New York ist seit 1889 die elektrische H. in Gebrauch gekommen, bei welcher der gefesselte Delinquent in einen Stuhl gesetzt und mittels eines elektrischen Stromes, den man durch seinen Körper gehen läßt, getötet wird. Vgl. auch Todesstrafe.
   Die Frage über die Schnelligkeit des Todeseintritts bei der H. hat seit länger als 100 Jahren viele Gelehrten beschäftigt. Die Erzählungen von den abgeschnittenen Köpfen, die auf lauten Zuruf ins Ohr Augen und Mund geöffnet haben sollen, gehören dem Gebiete der Fabel an; daß Kopf und Rumpf auf elektrische Reizungen reagieren, ist bei der galvanischen Erregbarkeit der Muskelfasern frisch getöteter Tiere selbstverständlich, jedenfalls hört mit der Unterbrechung des Blutumlaufs und dem Stillstand des Herzens das Bewußtsein auf, und der Tod erfolgt wahrscheinlich bei allen rationellen Hinrichtungsarten schon, bevor der durch die H. erzeugte Schmerz zum Bewußtsein kommen könnte. Natürlich sind alle solche Verfahren zu verwerfen, die eine schnelle und sichere Exekution in Frage stellen und ein Wiedererwachen ermöglichen.
   Mit dem Aufgeben der Abschreckungstheorie ist auch die Öffentlichkeit des Verfahrens, die manche Mißbräuche im Gefolge hatte, ziemlich allgemein aufgegeben worden. In den meisten Ländern wird die H. regelmäßig in einem umschlossenen Raume vor den Gerichtspersonen und wenigen geladenen Zeugen vollzogen (sogen. Intramuranhinrichtung), so seit 1869 auch in England. Nach der deutschen Strafprozeßordnung müssen dazu zwei Gerichtspersonen, ein Beamter der Staatsanwaltschaft, ein Gerichtsschreiber und ein Gefängnisbeamter zugezogen werden. Der Ortsvorstand des Hinrichtungsortes hat

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zwölf Personen aus den Vertretern oder aus andern achtbaren Mitgliedern der Gemeinde abzuordnen, um der H. beizuwohnen. Außerdem ist einem Geistlichen von dem Religionsbekenntnis des Verurteilten und dem Verteidiger sowie nach dem Ermessen des ausführenden Beamten-auch andern Personen der Zutritt zu gestatten. Über den Hergang der H. ist ein Protokoll aufzunehmen (Strafprozeßordnung, § 486). Der Leichnam des Hingerichteten ist dessen Angehörigen (früher kam er auf den Schindanger oder wurde an der Gerichtsstätte verscharrt) auf ihr Verlangen zur einfachen, ohne Feierlichkeit vorzunehmenden Beerdigung zu verabfolgen. An schwangern oder geisteskranken Personen darf eine H. nicht vollstreckt werden. Ihr Vollzug ist überhaupt nur zulässig, nachdem die Entschließung des Staatsoberhaupts ergangen ist, von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch machen zu wollen.
 
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Hinsbeck, 1) Dorf im preuß. Regbez. Düsseldorf, Kreis Geldern, hat eine kath. Kirche und (1900) 2991 Einw. 2) Früher eine der sieben Honnschaften im Kreis Essen, an der Ruhr, 1875 mit Rodberg zur Gemeinde Kupferdreh vereinigt.