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Cuzzōni bis Cyanāte (Bd. 4, Sp. 384 bis 385)
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Artikelverweis Cuzzōni, Francesca, Opernsängerin, geb. 1700 in Parma, gest. 1772 in Bologna, ward, nachdem sie auf mehreren Bühnen Italiens gesungen, 1722 von Händel mit enormer Gage für seine Italienische Oper in London engagiert, wo sie 4 Jahre lang einen unbeschreiblichen Enthusiasmus erregte. Als die berühmte Faustina Bordoni, die Gattin Hasses, neben ihr in London auftrat, bildeten sich für beide

[Bd. 4, Sp. 385]


Sängerinnen Parteien, die oft das Theater zum Schauplatz ihrer Streitigkeiten machten und Händel in nicht geringe Verlegenheit brachten. Die C. mußte endlich weichen und begab sich, nachdem sie sich 1726 mit dem Komponisten G. Sandoni verheiratet hatte, nach Wien, später nach Holland und 1748 abermals nach London, von wo sie jedoch noch in demselben Jahre nach Italien zurückkehrte. Ihr Glanz war dahin, und durch unsinnigen Aufwand war sie so tief in Schulden geraten, daß sie sich in Bologna zuletzt mit Handarbeiten ernähren mußte.
 
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C. V., bei naturwissenschaftlichen Namen für Cuvier und Valenciennes (s. diese Artikel).
 
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Cwms (spr. kums), in Wales Benennung für tiefe, schluchtenartige, meist Seen enthaltende Täler, z. B. Cwm-y-Clogwyn am Snowdon, Cwm-Bychan bei Harlech u. a.
 
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Cwt., Abkürzung für engl. Centweight (s. d.).
 
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Cy, in der Chemie Zeichen für 1 Atom Cyan.
 
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Cyamelīd, s. Meyers Cyansäure.
 
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Cyamĭdae, s. Meyers Walfischläuse.
 
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Cyān (Dicyan, Oxalsäurenitril, Äthandinitril) CN. CN oder Cy, eine Verbindung von Kohlenstoff mit Stickstoff, in der Stickstoff mit drei Affinitäten an den vierwertigen Kohlenstoff gebunden ist, findet sich nicht in der Natur und entsieht beim Zusammentreffen seiner Elemente nur, wenn ein Körper zugegen ist, der eine feste Cyanverbindung zu bilden vermag. Bei Einwirkung von Kohlensäure und Ammoniak auf erhitztes Kalium entsteht Cyankalium, ebenso bei Einwirkung von Ammoniak auf eine glühende Mischung von kohlensaurem Kali und Kohle, und wenn man stickstoffhaltige Körper, wie Fleischfaser, Leder, Horn, oder die Kohle aus derartigen Substanzen, die immer noch Stickstoff enthalten, mit kohlensaurem Kali erhitzt. Ammoniak bildet mit glühender Holzkohle C., das sich mit unzersetztem Ammoniak zu Cyanammonium verbindet. Strömt Luft über glühende Kohlen, so entsteht ein Gemisch von Kohlenoxyd und Stickstoff, und wenn dies über kohlehaltiges kohlensaures Kali oder Baryt geleitet wird, so bildet sich Cyankalium, resp. Cyanbaryum. So entsteht viel C. in Hochöfen und in Koksöfen. C. entsteht auch beim Überspringen von Induktionsfunken zwischen Kohlenspitzen in Stickstoff, beim Erhitzen von Kupfersulfatlösung mit Cyankalium. Oxalsaures Ammoniak zerfällt beim Erhitzen in C. und Wasser. Aus dem im Pflanzenreich natürlich vorkommenden Amygdalin entsteht Cyanwasserstoff durch einen Spaltungsprozeß (s. Meyers Blausäure). Reines C. erhält man beim Erhitzen von trocknem Cyanquecksilber oder Cyansilber oder von Cyangold mit Quecksilberchlorid. Das frei werdende C. verhält sich wie das Chloratom, von dem sich zwei zu einem Molekül Chlor verbinden. Freies C. ist daher Dicyan (CN)2. Dies ist ein farbloses, giftiges Gas vom spez. Gew. 1,8, das unter dem Druck von 5 Atmosphären oder beim Abkühlen auf -25° zu einer farblosen Flüssigkeit von 0,866 spez. Gew. verdichtet wird, die bei -34° zu einer kristallinischen Masse erstarrt und bei -21° siedet. Es riecht eigentümlich heftig, reizt Augen und Nase sehr stark und verbrennt mit eigentümlicher bläulicher, purpurrot gesäumter Flamme zu Kohlensäure und Stickstoff. Wasser löst sein 41/2-, Alkohol sein 251aches Volumen C.; die Lösungen riechen wie C., schmecken stechend und zersetzen sich, wenn nicht eine geringe Menge einer Mineralsäure zugegen ist, unter Abscheidung einer braunen Substanz (Azulmsäure) in oxalsaures Ammonik, ameisensaures Ammoniak, Cyanwasserstoff und Harnstoff. Mit Kalilauge bildet es Cyankalium und isocyansaures Kali. Bei Gegenwart einer geringen Menge Aldehyd entsteht in wässeriger Cyanlösung Oxamid, bei Gegenwart von Mineralsäure entsteht Oxalsäure und Ammoniak, beim Erhitzen mit Jodwasserstoff entsteht Glykokoll. C. erträgt hohe Temperaturen, durch glühendes Eisen wird es aber in Kohlenstoff und Stickstoff zerlegt. Es verhält sich wie ein einwertiges Element und geht mit Metallen Verbindungen ein, die vielfach den Chlormetallen gleichen, und bildet mit Wasserstoff eine Säure (Cyanwasserstoffsäure oder Blausäure). Die Cyanverbindungen organischer Radikale, wie Äthylcyanid, sind die Nitrile (s. d.). Cyanverbindungen sind schon lange bekannt. Scheele entdeckte 1782 die Cyanwasserstoffsäure und Gay Lussac 1815 das C., das seinen Namen (v. griech. kyánĕos, dunkelblau) der blauen Verbindung verdankt, die es mit Eisen bildet (Berlinerblau). Beim Erhitzen von Quecksilbercyanid hinterbleibt eine amorphe dunkle Substanz, Paracyan (C2N2)n das bei starkem Erhitzen sich in Cyan verwandelt.
 
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Cyanamīd CNNH2, das Nitril der Karbaminsäure, entsteht aus Cyanchlorid und Ammoniak, beim Behandeln von Thioharnstoff mit Bleihydroxyd bei Gegenwart von Alkalien. Es bildet farblose, zerfließliche Kristalle, schmilzt bei 40°, bildet in wässeriger saurer Lösung leicht Harnstoff, mit Ammoniak Guanidin. Beim Erhitzen polymerisiert es sich zu Dicyandiamid und Tricyantriamid. In C. können beide Atome Wasserstoff durch Metalle, Alkohol- und Säureradikale ersetzt werden.
 
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Cyanamine, Teerfarbstoffe, die bei Einwirkung primärer oder sekundärer Amine auf das Meldolasche Naphtholblau entstehen. Anilin bildet mit Naphtholblau phenyliertes Nilblau, Dimethylanilin bildet Neumethylenblau (vermutlich ein dimethyliertes Nilblau), das auf Seide und tannierter Baumwolle ähnliche Färbungen wie Nilblau erzeugt. Cyanamin entsteht beim Behandeln von Naphtholblau mit Alkalilauge oder Dimethylparaphenylendiamin.
 
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Cyanāte, Cyansäuresalze, z. B. Kaliumcyanat, cyansaures Kali.