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Curāre bis Curcŭma (Bd. 4, Sp. 375 bis 376)
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Artikelverweis Curāre (Urari, Voorari), das bei den Indianern vom Orinoko und Amazonenstrom übliche Pfeilgift, ein unter Zusatz andrer Gewächse aus der Familie der Apocynazeen bereitetes Extrakt des Splintes und der Rinde verschiedener Strychnos-Arten, ist braun, opiumähnlich, bitter, von eigentümlichem, schwach aromatischem Geruch, in Wasser größtenteils löslich und kommt in Bambusröhren (Tubos) nach Europa; es enthält neben Curin, einem Herzgift, 34 Proz. Curarin C19H21NO4, das amorph, gelb, in Wasser und Alkohol, nicht in Äther löslich ist, alkalisch reagiert und mit Säuren kristallisierbare Salze bildet. C. wirkt sehr schwach vom Magen aus, sehr schnell aber, wenn es in eine Wunde gelangt, und am heftigsten beim Einspritzen in eine Vene. Es lähmt die motorischen Nerven, so daß bei erhaltenem Bewußtsein alle willkürlichen Bewegungen unmöglich werden, und tötet durch Lähmung der Brustmuskeln und daraus folgende Aufhebung der Atmung. Bei

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starken Dosen werden auch die Nervenapparate des Herzens gelähmt. Durch künstliche Unterhaltung der Atmung können nicht zu starke Dosen überwunden werden, zumal sämtliche Wirkungen wegen schneller Ausscheidung des Curarins rasch vorübergehen. Es wirkt dem Strychnin entgegen und kann als Gegengift desselben betrachtet werden. C. ist auch ein Protoplasmagift; es setzt die Bewegung der Amöben und der weißen Blutkörperchen herab, ohne sie jedoch zu lähmen. Man benutzt es zur symptomatischen Herabsetzung allgemeiner Krämpfe und zum Lähmen (Curarisieren) der Tiere bei Vivisektionen. Vgl. Steiner, Das amerikanische Pfeilgift C. (Leipz. 1877); Böhm, Das südamerikanische Pfeilgift C. (das. 1895 bis 1897, 2 Tle., in den Abhandlungen der königlich-sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften).
 
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Curassāo, Likör aus den Schalen einer besonders auf Curassao wachsenden Varietät der Pomeranze (Citrus aurantium curassaviensis).
 
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Curassāo (Curaçao), niederländ. Insel im Karibischen Meer, 70 km von der Nordküste von Venezuela, 550 qkm groß, mit deutschem Konsulat und (1899) 29,718 Einw., meist Farbigen und Katholiken, nur 2000 Reformierten und 900 Juden. Die Insel erreicht im Christoffelsberg 376 m und ist teils aus altem Eruptivgestein (Diorit), teils aus Korallenkalk gebildet. Das Klima ist sehr trocken (89 Monate Trockenzeit), es gibt aber auch furchtbare Regenfluten. Hauptprodukte sind Mais, Agaven, Maniok, Orangen, Dividivi, Rotholz, Salz und Phosphat. Aus der Pomeranze bereitet man einen nach der Insel benannten Likör. Der Viehstand ist zurückgegangen und weist nur noch 35,635 Ziegen und 20,994 Schafe auf. Es liefen 1899: 1204 Schiffe von 1,231,000 cbm ein, und die Einfuhr betrug 1,922,000 Gulden. Hauptort ist Willemstad (s. d.), an schönem Naturhafen, in Dampferverbindung mit Liverpool, Hamburg, Southampton, Havre, New York, Maracaibo. Das Gouvernement C., zu dem die benachbarten Inseln Klein-C., Bonaire und Aruba sowie die Inseln Saba, St. Eustatius nebst einem Teil von St. Martin gehören, umfaßt 1130 qkm mit (1899) 51,877 Einw., einschließlich 263 Mann Besatzung. Die Einnahmen der Kolonie betrugen 1899: 507,836, die Ausgaben 702,459 Gulden. In 28 Regierungsschulen werden 5081 Kinder unterrichtet. Umgangssprache ist das aus Spanisch, Englisch, Holländisch und Karibisch gemischte »Papiamento«. C. ward 1526 von den Spaniern besetzt, 1634 von den Holländern erobert und im Westfälischen Frieden ihnen abgetreten. Die Engländer nahmen es 1807, gaben es aber 1814 nach dem Pariser Frieden den Holländern zurück. S. Karte »Westindien«.
 
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Curassaophosphāt, graues, sehr klein kristallinisches Gestein, findet sich auf Curassao, enthält 85, meist über 87 Proz. basisches Kalkphosphat, 67 Proz. Kalkkarbonat, 1 Proz. Kalksulfat, 13 Proz. Magnesiaphosphat und wenig Eisenoxyd. Es wird auf Superphosphat verarbeitet.
 
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Curāti (lat.), s. Kuratgeistliche.
 
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Curātor (lat.), s. Kurator. C. bonorum, Güterpfleger (s. d.); im frühern Konkursverfahren wurde auch der Konkursverwalter so genannt (s. Meyers Konkurs). C. massae, s. Meyers Konkurs und Meyers Konkursverwalter.
 
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Curcasöl, s. Jatropha.
 
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Curci (spr. kurtschi), Carlo Maria, ital. Jesuit, geb. 4. Sept. 1809, gest. 9. Juni 1891, trat 1826 in den Orden Jesu und schrieb zu dessen Verteidigung: »Fatti ed argomenti« gegen die Angriffe Giobertis. Auf die weitern Angriffe, die dieser in seinem »Gesuita moderno« gegen ihn schleuderte, antwortete er von Paris aus in einem zweibändigen Werk. 1850 gehörte er zu den Begründern der Zeitschrift »Civiltà cattolica«, die zuerst in Neapel erschien, nach einiger Zeit aber nach Rom übersiedelte. Als Kanzelredner sehr populär geworden, trat C. 1870 für die weltliche Herrschaft des Papstes ein, änderte aber in der Vorrede zu seinen »Lezioni esegetiche e morali sopra i quattro Evangeli« (Flor. 187476, 5 Bde.; 2. Aufl. seit 1887) seine Ruhtung und legte dem Papst die Aussöhnung mit dem Königreich Italien nahe. Als er den gleichen Gedanken, der den Verzicht auf die weltliche Herrschaft des Papstes zur Voraussetzung hatte, noch entschiedener in einem Brief an Pius IX. und in dem Buch »Il moderno dissidio tra la Chiesa e l'Italia« (Flor. 1877) vertrat, wurde er 1877 aus dem Jesuitenorden ausgestoßen, unterwarf sich zwar 1879 Leo XIII, kehrte aber bereits 1881 mit dem Werk »La nuova ltalia ed i vecchi zelanti« (deutsch. Leipz. 1882) zu seinen frühern Ansichten zurück. Dies Werk sowie die noch kühnere Schrift: »Il Vaticano regio, tarlo superstite della Chiesa cattolica« (Flor. 1883) wurden auf den Index gesetzt und C. durch Kirchenstrafen 1884 zum Widerruf gezwungen. Andre Schriften von ihm sind: »La questione romana nell' Assemblea francese« (Par. 1849), »La demagogia italiana ed il Papa-Re« (das. 1849), »La natura e la grazia« (1865, 2 Bde.), »Lezioni sopra il libro di Tobia« (1877), »Di un socialismo cristiano« (1885) u. a. Auch hat er das Neue Testament und die Psalmen ins Italienische übersetzt. Vgl. »Memorie di padre C. M. C.« (Flor. 1891).
 
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Curculigo Gärtn, (Rüssellilie), Gattung der Amaryllidazeen, ausdauernde Pflanzen mit oft sehr großen, längsfaltigen Blättern, unscheinbaren Blüten in gedrängten Trauben oder Ähren und wenigsamigen Beeren. Zwölf Arten. Von C. orchioides Roxb., in Ostindien, mit zahlreichen gelben, langgestielten Blumen, wird die aromatische Wurzel gegessen; C. recurvata Dryand. und C. sumatrana Roxb. (s. Tafel Meyers »Blattpflanzen II«, Fig. 5), im tropischen Sudostasien und Nordaustralien, mit langen, lanzettlichen, tief gerippten hellgrünen Blättern und gelben Blumen, werden als schöne, auch fürs Zimmer geeignete Blattpflanzen kultiviert.
 
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Curculĭo, Rüsselkäfer (s. d.); Curculionidae (Rüsselkäfer), Familie aus der Ordnung der Käfer.
 
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Curcŭma L., Gattung der Zingiberazeen, ausdauernde Kräuter mit fleischigen, geringelten Wurzelstöcken, zweizeiligen, großen, langgestielten Blättern, seiten- oder endständigen, dichten, zapfenähnlichen Blütenständen und kugelförmigen Kapseln mit wenigen Samen; 30 Arten im tropischen Asien, Afrika und Australien. C. longa L. (Gelbwurz, Gilbwurz, gelber Ingwer), mit grundständigen, breit lanzettförmigen, langgestielten Blättern und gelben Blüten, stammt wohl aus Südasien, ist aber in wildem Zustand nicht bekannt. Sie wird in China, Indien und auf den südasiatischen Inseln angebaut und liefert die Gelbwurz (Gilbwurz, Kurkuma, Gurgemei, gelber Ingwer, Tumerikwurzel, Rhizoma Curcumae). Diese ist sehr dicht und schwer,! hornartig spröde, außen grau, gelb bestäubt, innen gelbrot, wachsglänzend, riecht aromatisch, schmeckt feurig gewürzhaft und enthält ätherisches Öl und Kurkumin (Kurkumagelb). Sie ist in ihrer Heimat als Gewürz und Arznei seit dem höchsten Altertum sehr beliebt; früher wurde sie auch in Europa

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arzneilich und in der Färberei benutzt, jetzt dient sie nur noch zum Färben von Gebäck, Käse, Öl, Firnis, Salben etc. (vgl. Kurkumagelb); in der englischen Küche bildet die Kurkumawurzel einen Hauptbestandteil des Curry-powder. C. Zedoaria Rosc. (C. Zerumbet Roxb.), mit grundständigen, kurzgestielten, lanzettlichen, in der Mitte purpurfarbig wolkigen Blättern und seitenständiger, vor den Blättern erscheinender, langer Blütenähre mit roten Deckblättern, ist im wilden Zustand nicht bekannt, wird in Indien angebaut und liefert in ihrem Wurzelstock die Zitwerwurzel (Rhizoma Zedoariae). Diese ist außen gräulichweiß, innen grau, riecht und schmeckt milder, mehr kampferartig und bitter. Sie enthält ätherisches Öl, Harz und viel Stärkemehl, wurde im Mittelalter durch die Araber in Europa eingeführt und war um 1150 in Deutschland wohlbekannt. Man benutzt sie zu gewürzigen Tinkturen und Magenlikören. Von C. angustifolia Roxb., in Tikor, und C. leucorrhiza Roxb., in Ostindien, liefern die Wurzelstöcke ostindisches Arrowroot (s. d.). Auch C. rubescens Roxb. liefert Stärkemehl und bildet in Travankur einen großen Teil der Nahrung der Eingebornen. Mehrere Arten werden als Zierpflanzen im Warmhaus kultiviert.