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Bierbaum bis Bierstadt (Bd. 2, Sp. 849 bis 850)
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Artikelverweis Bierbaum, Otto Julius, Schriftsteller, geb. 28. Juni 1865 zu Grünberg in Schlesien, studierte in Zürich, Leipzig, München und Berlin, widmete sich jedoch bald der literarischen Tätigkeit. Der modernen Kunsttheorie huldigend, übernahm er 1892 in Berlin die Redaktion der »Freien Bühne«, der er den Namen »Neue deutsche Rundschau« gab, gründete hierauf mit Julius Meier-Graefe die Kunstzeitschrift »Pan«, die er bis 1895 leitete, und lebt jetzt als Mitherausgeber der »Insel« in Berlin. Vorübergehend gehörte er der Überbrettlbewegung an. Außer den Monographien »Detlev von Liliencron« (Leipz. 1892), »Fritz von Uhde« (Münch. 1893), »F. Stuck« (das. 1893, Text zu Reproduktionen Stuckscher Werke) und dem Band »Stuck« in Knackfuß' Künstler-Monographien (Bielef. 1899) u. a. veröffentlichte er »Erlebte Gedichte« (Berl. 1892) und einen zweiten Band Lyrik: »Nemt, Frouwe, disen Kranz« (1894); ferner die Novellen: »Studentenbeichten« (1893, 4. Aufl. 1899; 2. Reihe 1897), »Die Schlangendame« (2. Aufl. 1897), »Kaktus und andre Künstlergeschichten« (3. Aufl. 1898); die Romane: »Die Freiersfahrten und Freiersmeinungen des weiberfeindlichen Herrn Pankrazius Graunzer« (1896 u. ö.), »Stilpe« (2. Aufl. 1897), »Das schöne Mädchen von Pao« (1899); gesammelte Essays, Gedichte, Sprüche, u. d. T.: »Der bunte Vogel von 1897, ein Kalenderbuch« (1896) und »von 1899« (1898); Dramatisches: »Lobetanz, ein Singspiel« (1895), »Gugeline, ein Bühnenspiel« (1899), »Pan im Busch«, Tanzspiel (mit Musik von F. Mottl, 1900), sämtlich in Berlin erschienen, und »Irrgarten der Liebe«, Lieder, Gedichte und Sprüche aus den Jahren 18851900 (Leipz. 1901). Auch gab B. den »Modernen Musenalmanach« (Münch. 1891, 1893, 1894) und »Deutsche Chansons (Brettl-Lieder)« (Berl. 1901) heraus.
 
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Bierdruckapparat, Vorrichtung, die verhindert, daß das Bier im Faß während des Ausschenkens zuviel Kohlensäure und damit seinen frischen Geschmack verliert. Den einfachsten B. zeigt Fig. 1 (S. 850). In das Spundloch ist ein Anstecher (Stechhahn) eingesetzt, durch dessen hohlen Körper ein verzinntes Messingrohr bis zum Boden des Fasses führt. Wird nun komprimierte Luft oder besser Kohlensäure durch das seitliche Rückschlagventil auf die Oberfläche des Bieres geleitet, so steigt dies in dem Messingrohr auf und

[Bd. 2, Sp. 850]


kann durch den obern Hahn abgelassen werden. Bei Fig. 1 ist eine Luftpumpe (Faßpumpe) mit dem Anstecher verbunden, bei größerm Betriebe wird Preßluft mittels einer Luftpumpe oder eines Wasserdruckapparates in einen eisernen Kessel gepumpt und aus diesem in die Fässer geleitet. Dabei kann das Faß im Keller stehen und ein an das Messingrohr sich anschließendes Zinnrohr bis auf den Schenktisch verlängert werden, wo es in Schenksäulen mit einem oder mehreren Hähnen mündet. Der Kessel besitzt meist ein Manometer, das den Druck (11,5 Atmosphäre) anzeigt. In die Zinnrohrleitung kann man kurz vor dem Schenkhahn einen unter Eis liegenden Kühler einschalten. Die Kohlensäure kommt in flüssiger Form in Stahlflaschen in den Handel, in denen sie einen Druck von 5075 Atmosphären ausübt. Da solchem Druck die Fässer nicht gewachsen sind, schaltet man zwischen Stahlflasche und Faß ein Reduzierventil mit Manometer (Bierdruckautomat) ein (Fig. 2), das den Druck beliebig reduziert (selbst bis auf 0,1 Atmosphäre) und konstant erhält. Mit Hilfe eines einzigen Reduzierventils kann man aus beliebig vielen Fässern gleichzeitig zapfen. Die Apparate können bei Anwendung von Kohlensäure ebenso angeordnet werden wie bei Anwendung von Preßluft. Die Bierdruckapparate unterliegen fast überall polizeilichen Vorschriften in Bezug auf Sauberkeit und Betriebssicherheit.
 
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Biere, Dorf im preuß. Regbez. Magdeburg, Kreis Kalbe a. S., hat eine evang. Kirche, eine Zuckerfabrik, Braunkohlenbergbau und (1900) 2532 Einw.
 
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Bieresel, der Pirol.
 
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Biergalle, s. Meyers Bier, S. 844.
 
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Bierkahmpilz, s. Mycoderma.
 
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Bierley (North B., spr. bīrlī), Fabrikort im Westbezirk von Yorkshire (England), südwestlich von Bradford, mit Kohlengruben, Eisenwerken und (1901) 22,151 Einwohnern.
 
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Biermann, 1) Karl Eduard, Maler, geb. 26. Juli 1803 in Berlin, gest. daselbst 16. Juni 1892, war erst Porzellanmaler und dann bei den von Schinkel geleiteten Dekorationsmalereien beschäftigt. bis er sich der Landschaftsmalerei zuwendete. Die Alpenwelt regte ihn zu seinen Hauptproduktionen an. 1834 stellte er eine Aussicht auf Florenz aus, der eine Ansicht des Domes von Mailand und 1836 eine Darstellung von Tassos Eiche folgten. Den größten Erfolg hatte sein Bild: ein Abend auf der Hochalp. Im Neuen Museum zu Berlin malte B. mehrere Wandbilder, wie die Insel Philä, den Vorhof des Tempels von Edfu, den Tempelhof zu Karnak etc. 1853 stellte er 16 Aquarelle aus Dalmatien aus, die große Frische, aber phantastische Auffassung und Durchführung zeigten. B., dessen Arbeiten eine glänzende Technik zeigen, dabei aber meist ein etwas dekoratives Gepräge tragen, war einer der ersten Vertreter der landschaftlichen Aquarellmalerei in Berlin.
   2) Gottlieb, Maler, geb. 13. Okt. 1824 in Berlin, bildete sich auf der dortigen Akademie und unter Wach, ging dann nach Paris zu Cogniet, wo er ein Jahr verweilte, und von da nach Italien. 1853 nach Berlin zurückgekehrt, malte er einige Geschichts- und Genrebilder, unter denen Gustav Adolfs Tod und eine Episode aus der Schlacht bei Kunersdorf hervorzuheben sind, wendete sich aber dann mit Vorliebe dem Porträt zu. Im Anschluß an die venezianischen und niederländischen Meister erlangte er eine große koloristische Gewandtheit, die ihn namentlich für das weibliche Bildnis mit der Folie reicher Toilettenpracht und einer üppigen Umgebung befähigte. Gelegentlich schuf er auch ideale Einzelfiguren (Zigeunerkönigin 1877, Esther 1880, Verklungene Akkorde) und mythologische Szenen (Bacchantin).
 
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Biernacki (spr. -nátzki), Aloys Prosper, poln. Landwirt und Staatsmann, geb. 1778 bei Kalisch, gest. im September 1854 in Paris, studierte zu Frankfurt a. O., reiste und gründete dann in Sulislawice bei Kalisch eine Musterwirtschaft und eine Schule des gegenseitigen Unterrichts für Agronomie, Gartenkunde, Naturwissenschaft u. Mathematik. Auch schrieb er für die Ablösung der Fronen. 1820 wurde er Mitglied des Generalkonseils im Palatinat Kalisch. 1829 wieder gewählt, unterzeichnete B. die Adresse, die gegen die russischen Verletzungen der polnischen Konstitution protestierte. Nach Ausbruch des Aufstandes übernahm er in der Nationalregierung im Januar 1831 auf kurze Zeit das Ministerium der Finanzen. Als nach dem Falle von Warschau sich in Zakroczin eine neue Regierung bildete, wurde B. abermals Finanzminister. Nach der Niederschlagung des Aufstandes lebte er in Frankreich.
 
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Biernatzki, Johann Christoph, Schriftsteller, geb. 17. Okt. 1795 zu Elmshorn in Holstein, gest. 11. Mai 1840 in Friedrichstadt, studierte in Jena und Kiel Theologie und orientalische Sprachen und wurde 1821 Pfarrer auf der Hallig Nordstrandischmoor. Nachdem er hier die furchtbare Sturmflut im Februar 1825 überstanden hatte, wurde er noch in demselben Jahr als Pfarrer nach Friedrichstadt versetzt. Seine »Gedichte« (2. Aufl., Leipz. 1852) und Novellen vertreten eine aus Pietistische streifende religiöse Gesinnung. Am bekanntesten wurden die den unmittelbaren Erlebnissen des Verfassers entnommene, wiederholt ausgelegte Erzählung »Die Hallig, oder die Schiffbrüchigen auf dem Eiland in der Nordsee« (Altona 1836) und die Novelle »Der braune Knabe« (das. 1839, beide in »Meyers Volksbüchern« abgedruckt). Biernatzkis »Gesammelte Schriften« erschienen in 8 Bänden (2. Aufl., Altona 1850). Seine Biographie lieferte sein Sohn Karl Bernhard B. (2. Aufl., Leipz 1852).
 
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Bierstadt, Dorf im preuß. Regbez. und Landkreis Wiesbaden, hat eine evang. Kirche, Synagoge, Ziegelbrennerei, Biskuitfabrik und (1900) 3127 Einw.