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bis Saal (Bd. 6, Sp. 345 bis 347)
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Artikelverweis S (es), s, s, lat. S, 8, der gewöhnliche dentale Reibelaut (Zischlaut), der wie alle Dentalen auf verschiedene Arten hervorgebracht werden kann (s. Meyers Lautlehre). Das stimmhafte (tönende) s findet sich in Deutschland besonders im Inlaut zwischen Vokalen, nach norddeutscher Aussprache auch im Anlaut, z. B. in Sohn, sein; die süddeutsche Aussprache kennt nur das tonlose s. Meyers Eine orthographische Schwierigkeit entsteht für die heutige deutsche Schriftsprache durch das Nebeneinander der vier Zeichen f, ß, ff, s, von denen nur s mit einiger Konsequenz das tonlose s am Schluß der Wörter und Silben, f das tönende s zwischen Vokalen und im Anlaut (nach der norddeutschen Aussprache) bezeichnet. Ursprünglich war das ß ein von unserm jetzigen s ganz verschiedener Laut, der sich im Hochdeutschen im In- und Auslaut aus älterm t, das sich noch jetzt im Niederdeutschen zeigt, entwickelt hatte, vgl. dat und daß, biten und beißen. Schon vom 13. Jahrh. av kam jedoch der Unterschied zwischen dem ß und dem alten, auch in den andern germanischen und indogermanischen Sprachen vorhandenen s (z. B. in ist, engl. is, sanskrit. asti, lat. est) in Vergessenheit, bis J. Grimm und seine Schule zur Bezeichnung des aus t entstandenen s in mittelhochdeutschen Texten das Zeichen a einführten. Bei den Griechen hieß der Buchstabe s Sigma, er war entstanden aus dem phönikischen Samech. Die romanischen, teilweise auch die slawischen Sprachen bezeichnen das stimmhafte s durch z, worauf die Unterscheidung der beiden Aussprachsweisen in der heutigen wissenschaftlichen Lautlehre beruht, die s nur für den stimmlosen, z für den stimmhaften Zischlaut gebraucht. S. = Sankt (San), Seite, Südeu; s. = siehe. Auf Münzen, Denkmälern, in Handschriften etc. S oder s = Sacer, Salutem, Senatus, Sextus, signavit, sive oder seu; auf Rezepten = sumatur (man nehme) oder signetur (man bezeichne); als chemisches Zeichen S = Sulfur, Zeichen für 1 Atom Schwefel; in der Färberei (z. B. Fuchsin S., Naphtholgelb S.) Bezeichnung einer bestimmten Marke; auf der Stellscheibe englischer Uhren = slow (langsam; Gegensatz F(ast), geschwind); in England allgemein s = shilling. Als Körpermaß s = Ster. In der Musik ist S. Abkürzung für segno (s. d.).
   s. a., bei Büchertiteln = sine anno (lat.), ohne Jahreszahl.
   S. A., auf römischen Münzen = Securitas oder Spes Augusti; in Frankreich = Son Altesse, Seine (Ihre) Hoheit oder Durchlaucht.
   S. A. I. und S. A. R. = Son Altesse Impériale, Royale (franz.), Seine (Ihre) kaiserliche, königliche Hoheit.
   S. A. P. R., Inschrift des russ. Andreasordens (s. d.).
   s. Br. = südliche Breite.
   S. c. = Senatus consultum.
   S. C. = Seniorenkonvent; in Amerika = Südcarolina.
   s/c. = suo conto, seine Rechnung.
   S. C. L., in England = Student of the Civil Law (Studiosus juris).
   S. C. M. = Sacra Caesarea Majestas (lat.), kaiserliche Majestät.
   S. D. (ex S. D.) = ex Senatus Decreto (lat.), laut Senatsbeschluß.
   S. D. G. = Soli Deo Gloria (lat.), Gott allein die Ehre!
   S. E. = South East (engl.) oder Sud-Est (franz.), Südost; vor Personenname = Son Éminence (Titel der Kardinäle) oder Son Excellence. In der Elektrotechnik = Siemens-Einheit (s. Meyers Elektrische Maßeinheiten, S. 641).
   s. e. c. = salvo errore calculi (lat.), mit Vorbehalt eines Rechnungsfehlers.
   S. E. e. O. = salvo errore et omissione (s. d.).
   S. G. = Solicitor general (s. d.).
   S. G. D. G., auf Waren, die in Frankreich patentiert sind (meist hinter dem Worte déposé oder breveté) = sans garantie du gouvernement; s. Meyers Breveté.
   s. h. v. = sub hac voce (lat.), unter diesem Worte (nachzuschlagen).
   S. J. = Societas Jesu (lat.), »Gesellschaft, Jesu«, Jesuittenorden.
   S. J. C., in England = Supreme Judicial Court.
   S. K. = Schnellfeuerkanone.
   s. l. = suo loco (lat.), an seinem Orte; auch = sine loco, ohne Druckort; s. l. & a. = sine loco et anno, ohne Druckort und Jahreszahl (bei Büchertiteln).
   S. L. = Solicitor at Law.
   s. m. = salvo meliore (lat.), des Bessern unbeschadet; oder = sinistra mano (ital.), mit der linken Hand.
   S. M. = Seine Majestät.
   S. M. S. = Seiner Majestät Schiff. S. M. Y = Seiner Majestät Yacht (vgl. »H. M. S.«, Bd. 8, S. 571).
   SO. = Südosten.
   S. O. = salvis omissis, unter Vorbehalt von Auslassungen.
   s. p. (et s. p.) = et sic porro (lat.), und so fort.
   S. P. C. K. = Society for Promoting Christian Knowledge in London.
   s. p. d. = sub praesidio divino, unter göttlichem Schutz; oder = salutem plurimam dicit, sagt besten Gruß.
   S. P. G. = Society for the Propagation of the Cospel (engl.), Gesellschaft zur Ausbreitung des Evangeliums.
   S. P. Q. R. = Senatus Populusque Romanus (s. d.).
   s. p. r. = sub petito remissionis (lat.), mit dem Ersuchen um Rücksendung.
   s. q., auf Rezepten = sufficiens quantitas (lat.), hinreichende Menge.

[Bd. 6, Sp. 346]



   s. r. = salva ratificatione (oder remissione), vorbehaltlich der Genehmigung (oder Rücksendung); auch = sub rubro, unter der Rubrik.
   S. R. I. = Sanctum Romanum Imperium (lat.), Heiliges Römisches Reich.
   S. R. S., in England = Societatis Regiae Socius (lat.), Fellow of the Royal Society.
   S. S. = Sacra Scriptura (tat.), Heilige Schrift; oder = Sua Sanctitas (franz. Sa Sainteté), Seine Heiligkeit (der Papst); oder = Sancta Sedes (franz. Saint-Siège), der Heilige (päpstliche) Stuhl.
   S. S. C. = Solicitor before the Supreme Courts (Scotland).
   S. S. G. G., Losung der Wissenden beim Femgericht, s. Meyers Femgerichte, S. 412.
   s. st., bei naturwissenschaftl. Namen = sensu stricto, im engern Sinn.
   s. t., studentische Abkürzung für sine tempore, »ohne Zeit(-Zugabe)«, d. h. genau, präzis (Gegensatz: »c. t.«, cum tempore, »mit Zeit«, d. h. ungefähr).
   S. T. = sine titulo (lat.), ohne Titel, oder = salvo titulo (s. d.), als Überschrift von Zirkularen u. dgl., wie »P. P.« etc.
   S. T. T L., auf Grabsteinen = sit tibi terra levis (lat.), sei dir die Erde leicht!
   s. v. = sub voce (lat.), unter dem Wort (in Wörterbüchern); auch = sala venia (s. d.).
   s. v. p. (im Telegrammverkehr: svp) = s'il vous plait (franz.), wenn's Ihnen beliebt, gefälligst.
   s. v. r. = sub voto remissionis (lat.), mit dem Wnusch um Rücksendnng.
   s. v. v. = sit venia verbo (lat.), es sei erlaubt, dies Wort zu brauchen.
   SW. = Südwesten.
 
Artikelverweis 
Sa, chemisches Zeichen für 1 Atom Samarium.
 
Artikelverweis 
Sa, (lat.), Abkürzung für Summa, Summe.
 
Artikelverweis 
Sa, Stadt im Haussastaat Gando, s. Meyers Say.
 
Artikelverweis 
Saâ (Sah, Saâh, v. arab. saa, »messen«), Trockenmaß, in Marokko ursprünglich die kastilische Fanega zu 4 Mud = 55,5 Lit., aber auch 57,548 L.; gehäuft in Algerien 5/11 Caffiso = 58,1 L. und mehr; in Tunis 1/12 Uiba = 2,583 L., hier auch für Öl, Essig und Milch 1/3 Kollē = 1,26 L.
 
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Saadani, Ansiedelung im Stationsbezirk Iringa (der 60,000 Eingeborne zählt) in Deutsch-Ostafrika.
 
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Saadi (eigentlich Sa'dî), Scheich Moslih ud Dîn, der berühmteste didaktische Dichter der Perser, geb. 1184 oder 1189 in Schiraz (daher Schîrâsî genannt), gest. 1291, studierte auf Kosten des Atabek Sa'd b. Zengi (dem zu Ehren er sich Sa'dî nannte) in Bagdad, machte 122455 große Reisen, auf denen er vorübergehend in Tripolis in die Gefangenschaft fränkischer Kreuzfahrer geriet, und lebte dann in einer kleinen Zelle bei Schiraz als Sufi. Außer einem »Diwan«, aus dem Graf in der »Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft« (Bd. 9 bis 18) und Rückert in »Aus Saadis Diwan« (hrsg. von Bayer, Leipz. 1893) sehr reizende und geschmackvolle Proben gegeben, Rückert auch die »Politischen Gedichte« (gleichfalls hrsg. von Bayer, Berl. 1894) übersetzt hat, besitzen wir von ihm: den »Gulistân« (»Rosengarten«, im Abendland öfter, im Orient weit über hundertmal gedruckt; am besten hrsg. von Sprenger, Kalkutta 1851, von Johnson, Hertford 1863, und von Platts, Lond. 1871; deutsch von Olearius, Schlesw. 1654; neue Aufl., Wittenb. 1775; von Graf, Leipz. 1846, und von Nesselmann, Berl. 1864; franz. von Defrémery, Par. 1858; engl. von Eastwick, Herfort 1852, und von Roß, Lond. o. J.), ein moralisierendes, teils erzählendes, teils reflektierendes Werk in Prosa mit zahlreichen Versen; den »Bostân« (»Baumgarten«, hrsg. mit Kommentar von Graf, Wien 1858; von Rogers, Lond. 1891; deutsch von Graf, Jena 1850, und von Rückert, Leipz. 1882, auszugsweise von Schlechta-Wssehrd, Wien 1852; engl. von Davie, Lond. 1883; franz. von Barbier de Meynard, Par. 1880), ein ähnliches, aber ganz in Versen geschriebenes Werk; das »Pend-nâme« (»Buch des Rats«, vielfach im Orient gedruckt; pers. und engl. von Gladwin im »Persian moonshee«, Kalkutta 1801, und in Rousseaus »Flowers of Persian literature«, Lond. 1801; franz. von Garcin de Tassy, Par. 1822, wieder abgedruckt in dessen »Allégories, récits poétiques et chants populaires«, 2. Ausg., das. 1876); die »Sâhibîja«, für den Wesir des Hulâgu, Schems ud Dîn Dschuweini, verfaßt (daraus: »Sa'dis Aphorismen und Sinngedichte«, hrsg. und übersetzt von Bacher, Straßb. 1879), und viele andre kleine Erzählungen, Fabeln und Abhandlungen, sämtlich in reiner, zierlicher und dabei einfacher Sprache abgefaßt. Saadis sämtliche Werke wurden von Harington (Kalkutta 179195, 2 Bde.) und wiederholt im Orient herausgegeben. Vgl. Bacher, S. Studien (in der »Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft«, Bd. 30); Graf, Die Moral des S. (in Reuß und Cunitz' »Beiträgen zu den theologischen Wissenschaften«, Bd. 3, Jena 1851); ferner die literarhistorischen Werke von Ethé, Horn, Pizzi und die Kataloge von Rieu, Pertsch u. a. S. Meyers Persische Literatur, S. 620, 1. Spalte.
 
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Saadia (Saadja Gaon) ben Joseph, arabisch Saïd ibn Jakub al-Fajjumi, berühmter Rabbi, geb. 892 in Dilaz (Oberägypten), gest. 942 in Sura (Babylonien). Im Mai 928 berief ihn der Exilfürst David ben Sakkai zum Rektor der Akademie in Sura, die er zu neuer Blüte brachte. Aber schon 930 gab er seine Stellung auf und zog sich nach Bagdad zurück, um ausschließlich der Wissenschaft zu leben. Saadias vielseitige literarische Tätigkeit umfaßt die Gebiete der jüdischen Gesetzeskunde, Polemik (vorwiegend gegen die Karäer), Dogmatik, Philosophie, Sprachkunde und Bibelexegese. Unter anderm übersetzte er das Alte Testament ins Arabische. Die Religionsgesetze brachte er in übersichtliches System, kommentierte das kabbalistische Buch »Sefer Jezira« (s. Meyers Jezirah), stellte eine Gebetordnung fest und verfaßte Hymnen, Gebete und Rechtsgutachten. Sein bedeutendstes, arabisch geschriebenes Werk ist »Kitab Amanat wal-I'tikadat« (Religionen und Dogmen), das von Juda ibn Tibbon in der Provence u. d. T. »Emnnot w'deot« übersetzt und wiederholt gedruckt worden ist (Konstant. 1562, Amsterd. 1647, Berl. 1789, Leipz. 1859 u. ö.). Ein großer Teil seiner Arbeiten ist handschriftlich vorhanden. Zum tausendjährigen Jubiläum des Geburtstags Saadias hat Joseph Meyers Derenbourg (s. d.) eine Ausgabe sämtlicher Schriften Saadias unternommen, von denen 1893 bis 1897 mehrere Bände erschienen sind. Vgl. Harkavy, Leben und Werke S. Gaons (in »Studien und Mitteilungen«, Berl. 1891); Steinschneider, Die arabische Literatur der Juden, S. 4669 (Frankf. 1902); Guttmann, Die Religionsphilosophie des S. (Götting. 1882); »Jewish Encyclopedia«, Bd. 10, S. 579 (New York 1905).
 
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Saadullah Pascha, türk. Staatsmann, geb. i. Juli 1838 in Erzerum als Sohn Essad Paschas, der sich auch als türkischer Dichter bekannt gemacht hat, gest. 18. Jan. 1891 in Wien, ward 1855 im Übersetzungsbureau angestellt, 1869 Sekretär des Staatsrats, 1871 Großdragoman des Diwans und Direktor des Preßbureaus, 1873 Unterstaatssekretär im Unterrichtsministerium, 1874 Minister der Archive und Präsident des Kassationshofs, dann Handelsminister, 1876 erster Sekretär Murads V., im Mai

[Bd. 6, Sp. 347]


1877 Botschafter in Berlin, 1878 Bevollmächtigter bei den Friedensverhandlungen in Santo Stefano und beim Berliner Kongreß, 1883 Botschafter in Wien.
 
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Saal, Raum von Größenverhältnissen, die über die eines Zimmers hinausgehen; in manchen Gegenden, z. B. in Thüringen, auch soviel wie Flur, Diele; dann auch Vorsaal, Saalstube genannt. Besonders große Säle aus frühern Jahrhunderten besitzen die Hofburg in Wien (Winterreitschule, 62,80: 23 m), die sogen. Basilika in Vicenza (54: 22 m), der Gürzenich in Köln (53,40: 22 m), das Schloß zu Königsberg i. Pr. (Moskowitersaal, 70,60: 17,60 m), das Augsburger Rathaus (Goldener S., 36: 19 m). Neuere große Säle besitzen die Festhalle zu Karlsruhe i. B. (60: 29 m), das Musikvereinsgebäude in Wien (47,23: 29 m), der Wintergarten im Zentralhotel zu Berlin (74,75: 22,66 m), der S. im Palmenhaus zu Frankfurt a. M. (54: 23 m), der S. der Concordia in Hamburg (50,5: 25 m), der S. der Tivolibrauerei in Berlin (78,8: 15,7 m) u. a.
 
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Saal, Flecken im bayr. Regbez. Unterfranken, Bezirksamt Königshofen, an der Mündung der Milz in die Fränkische Saale und an der Staatsbahnlinie Neustadt a. S.-Königshofen i. Grabfeld, hat eine kath. Kirche, Papiermühle, Vieh- und Schweinemärkte und (1905) 950 Einw.