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Magister bis Magister popŭli (Bd. 6, Sp. 75 bis 76)
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Artikelverweis Magister (lat.), Vorgesetzter, Vorsteher, Aufseher; bei den Römern Titel für die verschiedensten Staats- und Gemeindeämter, Korporationen etc., z. B. M. admissionum, kaiserlicher Zeremonienmeister; M. aeris, Kassierer; M. census, Vorsteher des Steuer- und Schätzungswesens, Finanzminister; M. cubiculariorum, Oberkämmerer; M. scriniorum, Chef des kaiserlichen Kanzleibureaus. Auch am päpstlichen Hof (M. sacri palatii, ein vom Papst zur Prüfung aller neu erscheinenden Bücher aufgestellter Dominikaner) und in den Klöstern war M. der Titel für verschiedene Beamte der Zucht- und Kirchenordnung sowie des Gottesdienstes und Lehrer. M. artium liberalium, Meister der freien Künste, früher eine akademische Würde, in England heute noch als master of arts. Seit der zweiten Hälfte des Mittelalters bezeichnet M. die Würde eines zum akademischen Unterricht befähigten Gelehrten. Wer diese Würde erlangen wollte, mußte zuvor Bakkalarius (Bakkalaureus, s. d.) und Lizentiat in seiner Wissenschaft geworden sein. Schon im 12. Jahrh. legte man dem Prädikat M., namentlich in Frankreich, hohen Wert bei. Zwischen Doktor und M. unterschied man in der ältesten Zeit des Universitätswesens nicht. Nachdem das Fakultätswesen zu seiner heutigen Form entwickelt war, büßte die nun auf die Artisten- oder philosophische Fakultät beschränkte Magisterwürde einen Teil ihres Ansehens ein. Manche philosophische Fakultäten verliehen das Prädikat M. artium liberalium (Meister der freien Künste) zugleich mit dem Doktortitel, während es anderwärts nur denen erteilt ward, die nach öffentlicher Disputation die Erlaubnis erhalten hatten, Vorlesungen zu halten (M. legens). Gegenwärtig hat das Magisterium an deutschen Universitäten jede selbständige Bedeutung verloren, indem es als bloßer, in der Anrede ungebräuchlicher Nebentitel mit dem Doktorat der Philosophie zusammenfällt. Überdies berechtigt auch die Doktorwürde, obwohl im feierlichen akademischen Stil als »höchster Ehrenrang der Fakultät« bezeichnet, nicht mehr ohne weiteres zum akademischen Lehrvortrag.
 
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Magister bibendi (lat.), Zechkönig, s. Meyers Comissatio.
 
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Magister equĭtum (»Befehlshaber der Reiter«), in Rom der Gehilfe und Stellvertreter des Diktators

[Bd. 6, Sp. 76]


(s. d.), der ihn ernannte. Er hatte die sella curulis, die toga praetexta und sechs Liktoren.
 
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Magisterĭum (lat.), Würde eines Meyers Magisters (s. d.); dann soviel wie Meisterstück, namentlich bei den Alchimisten gewisse Zubereitungen, deren Darstellung nur den Adepten gelingen konnte. Danach veraltete Bezeichnung für gewisse chemische Präparate, z. V. M. bismuti, soviel wie basisch salpetersaures Wismut; M. opii, soviel wie unreines Morphium, etc.
 
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Magister janitōrum (lat.), das Oberhaupt der Leibwache der alten ungarischen Könige.
 
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Magister mathesĕos (lat., »Meister der Mathematik«), soviel wie Pythagoreischer Lehrsatz.
 
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Magister milĭtum (M. militiae oder armorum, lat.), im 3. Jahrh. der römischen Kaiserzeit Titel der mit der höchsten militärischen Macht innerhalb eines bestimmten Bezirks betrauten Generale. Konstantin ernannte zwei zu Chefs der ganzen Militärverwaltung; sie gehörten zur ersten Rangklasse.
 
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Magister mōrum (lat., »Sittenmeister«), soviel wie Zensor.
 
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Magister navis (lat., »Schiffskapitän«), bei den Römern eine privatrechtlich besonders wichtige Stellung; denn für die Schulden, die ein solcher für Schiffahrtszwecke kontrahiert hatte, mußte der Schiffseigentümer (exercitor) voll aufkommen. Diese konnte von den Gläubigern des m. n. mit der actio exercitoria verklagt werden.
 
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Magister officiōrum oder Magister aulae (lat.), in dem durch Konstantin eingerichteten Hofstaat der Hofmarschall und Minister des kaiserlichen Hauses.
 
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Magister popŭli (lat.), soviel wie Diktator.