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bis Iamos (Bd. 6, Sp. 721 bis 723)
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Artikelverweis I, i, lat. I, i, Vokal, im griech. Alphabet Jota genannt. Das phönikische Zeichen, von dem I abstammt, drückte den Halbvokal i aus; aber die Griechen, die diesen Laut in ihrer Sprache nicht besaßen, nahmen ihr Jota als Zeichen für den Vokal i und gaben ihm in ihrem Alphabet die neunte Stelle, die er auch im lateinischen und deutschen Alphabet behauptet hat. Im englischen Alphabet ist i wie ai zu sprechen, doch hat das englische kurze i, z. B. in mill, den Laut des unsrigen. S. Meyers Lautlehre. Geschichtlich betrachtet ist i im Deutschen gewöhnlich entweder ursprüngliches i, z. B. Witwe = lat. vidua, oder aus e hervorgegangen, z. B. ist = lat. est. Als Zahlzeichen ist im Griechischen I = 9, i = 900, im Lateinischen I = 1, woraus alle größern Ziffern bis zu einem höhern Zahlzeichen entstehen. Steht I vor C oder M, so drückt es so viele Hunderte, Tausende aus, z. B. IIC = 200, IIIM = 3000. In Inschriften steht I häufig für Imperator. Als Münzzeichen bedeutet I (oder J) auf ältern französischen Münzen die Stadt Limoges, auf den neuen deutschen Reichsmünzen Hambnrg.
   I. C. = Julius Cäsar, häufiger = Jesus Christus, z. B. I. C. D. = Jesu Christo Duce, »unter Leitung Jesu Christi«; I. C. T. = Jesu Christo Tutore, »unter dem Schutze Jesu Christi«.
   I. C. N. = in Christi nomine (lat.), »in Christi Namen«.
   I. C. S., in England = Indian Civil Service.
   I. D. A. = Immortalis Dei auspicio oder auxilio, »unter dem Schutze (mit Hilfe) des unsterblichen Gottes«.
   i. e. = id est, »das ist, das heißt«.
   I. E. = Immunisierungseinheit (s. d.).
   i. f. = ipse fecit (lat.), »er selbst hat es gemacht«.
   I. H. S. (für das griech. ? ? S), die drei ersten Buchstaben des Namens Jesus, besonders als Inschrift an den Profeßhäusern der Jesuiten, mit mehrfachen Umdeutungen, z. B.: Jesus Hominum Salvator (»Jesus, der Menschen Heiland«), oder: Jesus Hortator Sanctorum (»Jesus, Ermahner der Heiligen«) oder: In Hoc Salus (»in Ihm ist Heil«).
   i. L. = »im Lichten« (s. d.).
   I. L. F., in England = Indian Local Forces; desgl. I. M. D. (oder S.) = Indian Medical Department (oder

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Service); I. M. E. = Institution of Mechanical Engineers; I. N. = Indian Navy.
   I. N. D. (C.) = in nomine Dei oder Domini (Christi), »im Name Gottes« oder »des Herrn (Christi)«.
   I. N. J. = in nomine Jesu (lat.), »in Jesu Namen«.
   I. N. R. I. = Jesus Nazarenus Rex Judaeorum (s. d.). Auch als Losung der Carbonari: Justum necare reges Italiae (»recht ist's, Italiens Könige zu töten«).
   I. N. S. T. = in nomine Sanctae Trinitatis (lat.), »im Namen der heiligen Dreieinigkeit«.
   I. O. O. F. = Independent Order of Odd Fellows (s. Meyers Odd Fellows).
   i. p. i. = in partibus infidelium (s. In partibus).
   i. q. = id quod (lat.), »das oder dasselbe was«; i. q. e. d. = id quod erat demonstrandum, »was zu beweisen war«.
   I. R., nach dem Namen des deutschen Kaisers = Imperator Rex, »Kaiser (und) König«.
   I. R. O. in England = Inland Revenue Office, »Steueramt«.
   I. U. D. = Juris utriusque Doctor (s. d.).
 
Artikelverweis 
Ia., Abkürzung von Iowa (Staat).
 
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Iakchos, Name des Dionysos (s. d.) in den Eleusinischen Mysterien, in denen er als Sohn oder Gemahl der Demeter oder Sohn der Persephone galt.
 
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Ialĕmos (griech.), Sohn des Apollon und der Muse Kalliope, Erfinder der Trauergesänge, auch das Klagelied selbst.
 
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Iambe, die thrakische Magd des Keleos zu Eleusis, auch Tochter des Pan und der Echo genannt, welche die um ihre Tochter Persephone trauernde Göttin Demeter durch lustige Possen zu erheitern und zum Genuß von Speise und Trank zu bewegen vermochte. Auf sie führte man den Brauch improvisierter Spott- und Scherzreden (iambos) bei den ländlichen Demeterfesten zurück (vgl. Jambendichtung).
 
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Iambelegos, in der antiken Metrik aus einem iambischen Metrum und einem daktylischen Penthemimeres (s. d.) bestehender Vers, wie bei Horaz' 13. Epode: die Umkehrung heißt Elegiambos.
 
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Iambendichtung (iambische Poesie), in der griech. Literatur eine der Übergangsstufen vom Epos zur Lyrik, ging hervor aus den improvisierten Scherz- und Spottreden der Demeterfeste (s. Jambe) und erhielt ihre Ausbildung durch Archilochos, Simonides von Amorgos und Hipponax. Ihrem Ursprung gemäß war sie hauptsächlich Spott- und Streitgedicht, daher auch Solon Jamben zur Abwehr politischer Gegner dichtete. Ihre Hauptformen sind der iambische Trimeter und der trochäische Tetrameter und deren Abart, der Choliambus (s. Skazon), der später von Herodas für seine Lebensbilder (Mimiamben, s. Meyers Mimus) und neben dem Trimeter als metrische Form der Äsopischen Fabel verwendet wurde. Bei den Römern fand die J. seit Mitte des 1. Jahrh. Eingang und Ausbildung namentlich durch Catull und Horaz.
 
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Iamblĭchos, 1) griech. Schriftsteller des 2. Jahrh. n. Chr., aus Syrien, verfaßte einen »Babylonische Geschichten« betitelten Roman von der Liebesgeschichte des Rhodanes und der Sinonis, voller seltsamer Abenteuer, in denen Magie eine bedeutende Rolle spielte. Erhalten ist nur von einem Teil ein Auszug des Photios (in Herchers »Scriptores erotici graeci«, Bd. 1, Leipz. 1858).
   2) Neuplatonischer Philosoph, gest. um 333, aus Chalkis in Cölesyrien, wurde von seinen Lehrern Anatolios und Porphyrios in die Philosophie eingeführt, die sich bei ihm theoretisch zur Dämonologie, praktisch zur Theurgie gestaltete. Jene enthielt die Lehre von dem Wesen und den Klassen der Geister sowie von der Art und Weise ihres Erscheinens und Wirkens, indem der Aberglaube spekulativ begründet werden sollte, diese die Mittel, sich durch geheimnisvolle Handlungen und Symbole ihres Einflusses zu bemächtigen. Um dieser magischen Kunst willen wurde J. für einen Wundertäter gehalten und von seinen Schülern als »göttlicher und wundervoller Lehrer« verehrt. Sein Hauptwerk in 10 Büchern, von denen 5 erhalten sind (das erste, über das Leben des Pythagoras, hrsg. von Nauck, Leipz. 1884; das zweite, »Ermahnungsrede zur Philosophie«, hrsg. von Kießling, das. 1813, und von Pistelli, »Iamblichi Protrecticus«, das. 1888; das dritte, über das gemeine mathematische Wissen, hrsg. von Villoison, Kopenh. 1790; das vierte, über des Nikomachos arithmetische Einleitung, hrsg. von Tennullius, Arnh. 1668; das siebente, die Theologumena der Arithmetik, hrsg. von Ast, Leipz. 1817), behandelt die Pythagoreische Lehre, mit der er die neuplatonische zu verschmelzen suchte. Zugeschrieben wird ihm eine dem ägyptischen Priester Abammon in den Mund gelegte Antwort auf ein Schreiben des Porphyrios an dessen Schüler Anebon: »De mysteriis Aegyptiorum« (hrsg. von Parthey, Berl. 1857), worin die Übervernünftigkeit aller Götter überhaupt gelehrt und eine »drastische Homose« gepriesen wird, d. h. eine innige Vereinigung des menschlichen mit dem göttlichen Wesen, die nicht auf dem Wege der Vernunft, sondern nur mittels mystischer Wörter und Symbole zu erlangen sei.
 
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Iambographen, Bezeichnung für die Vertreter der Jambendichtung (s. d.).
 
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Iambus (griech.), aus einer kurzen und langen Silbe () bestehender Versfuß, bei den Griechen ursprünglich Grundelement der volkstümlichen Spott- und Streitgedichte (daher I. auch soviel wie Schmähgedicht; s. Jambendichtung). Von den verschiedenen iambischen Versgattungen, in denen unter gewissen Bedingungen Ersatz des I. durch Spondeen und Anapäste statthaft ist, verwendeten die griechischen und nach ihnen die römischen Dramatiker für den Dialog den sechsfüßigen I., den sogen. Trimeter oder Senar (s. d.; über den französischen iambischen Sechsfüßler s. Meyers Alexandriner), die Komödiendichter außerdem den achtfüßigen I. oder Tetrameter (s. d.). Der I. spielt namentlich im Deutschen in allen Zweigen der Dichtkunst eine Hauptrolle. Vielseitige Verwendung hat der drei- und vierfüßige I., katalektisch und hyperkatalektisch:

oder beide vereinigt:

Die Verbindung des drei- und vierfüßigen I. mit wechselnden männlichen und weiblichen Reimen eignet sich vorzugsweise für das sangbare Lied wie für ruhige Reflexion, wie zahlreiche Sinnsprüche von Schiller, Rückert, Bodenstedt u. a. beweisen. Auch in Balladen haben sich Goethe, Schiller u. a. sowie Neuere zu größern epischen Dichtungen vielfach des vierfüßigen I. bedient. Durch Beimischung von Anapästen erhält er bewegtern Charakter. Gleichmäßig geeignet ist der fünffüßige I. für lyrisch-didaktische Dichtung, Epos und Drama. Lebendigkeit und Energie, dazu bei richtiger Behandlung hinlängliche Elastizität, um nicht durch Einförmigkeit zu ermüden, befähigen ihn vorzugsweise zum Ausdruck des dramatischen Affekts. Die Deutschen haben den reimlosen Fünffüßler von den englischen Dramatikern und Epikern überkommen (s. Meyers Blank verse); eingebürgert hat ihn im Drama Lessing, der ihn zuerst in seinem dramatischen

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Fragment »Kleonnis« (1758) anwandte, und der auch Brawe, E. v. Kleist und Ch. F. Weiße veranlaßte, sich seiner zu bedienen, ehe er ihn selbst durch den »Nathan« (1779) zu allgemeinerer Geltung brachte. Die Behandlung des fünffüßigen I. seitens unsrer Klassiker ist verschieden (vgl. Zarncke, Über den fünffüßigen I. mit besonderer Berücksichtigung auf seine Behandlung durch Lessing, Schiller und Goethe, 1865; abgedruckt in Zarnckes »Goethe-Schriften«, Leipz. 1897). Er verträgt nicht nur, sondern erfordert geradezu häufige Enjambements und Umlegung des Rhythmus; auch ist freiester Wechsel der Zäsuren, selbst Zäsurlosigkeit erlaubt. In Verbindung mit dem Reim bildet er die Grundlage der mannigfachen italienischen Strophenbildungen, die sich mit ihren wohllautenden Formen auch in der deutschen Dichtkunst eingebürgert haben: Sonett, Ottave Rime (Stanze), Terzine, Kanzone etc. Vgl. Sauer, Über den fünffüßigen I. vor Lessings Nathan (Wien 1878); Minor, Neuhochdeutsche Metrik (2. Aufl., Straßb. 1902). Die Franzosen nennen Iambes (spr. ĭāngb') die abwechselnde Verbindung eines Alexandriners mit einem achtsilbigen Vers. Die ersten Gedichte dieser Form rühren von André Chénier, die berühmtesten von Ang. Barbier her.
 
Artikelverweis 
Iamos, Sohn des Apollon und der Poseidontochter Euadne, nach seiner Aussetzung von zwei Schlangen mit Honig genährt, mythischer Stammvater der Jamiden, einer Weissagerfamilie zu Olympia.