Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis Fabeltiere (Bd. 6, Sp. 240 bis 241)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis F (ef), f, lat. F, f, Konsonant, der sechste Buchstabe unsers Alphabets. Das deutsche f ist ein labialer, genauer labiodentaler tonloser Reibelaut, s. Meyers Lautlehre. Es ist in der Regel durch Lautverschiebung (s. d.) entstanden und zwar teils aus ursprünglichem p, z. B. in »Fuß« (got. fōtus) = lat. pes, teils aus ursprünglichem b, z. B. in »Dorf« (niederländ. dorp) = lit. trobà (Gebäude). Der Buchstabe f (F) ist das herübergenommene lat. F, dieses aber war eine Abkürzung des Doppelzeichens FH, womit die Griechen, und nachweislich auch die Römer selbst in der ältesten Zeit, den labialen Reibelaut darstellten. In römischen Inschriften, in Handschriften und auf Münzen ist F. oder f. = filius, fecit etc.; dann = folio. entweder mit Bezug auf irgend eine Seite eines Buches oder auf die Größe des Druckbogens. Jm Maßwesen ist F. Abkürzung für Fuß, in der Elektrotechnik für Farad. Auf deutschen Reichsmünzen bedeutet F die Münzstätte Stuttgart, auf ältern französischen Münzen Angers, auf ältern preußischen Magdeburg und ältern österreichischen Hall in Tirol, auf britischen Münzen FD für fidei desensor, »Verteidiger des Glaubens«, ein vom Papst dem König verlichener Ehrentitel. Auf der Stellscheibe englischer Uhren ist F = faster (geschwinder, Gegensatz: S., d. h. slowly. langsam); bei Thermometerangaben = Fahrenheit. In den Notenstimmen ist f = forte (stark), ff = fortissimo (sehr stark); daher »aus dem ff.«, soviel wie in hohem Grade. Im Handel ist f. = fein, ff. = fein-fein oder sehr fein. In der Chemie ist F oder Fl Zeichen für 1 Atom Fluor. Aus Rezepten steht f. für fiat, z. B f. emulsio, es werde eine Emulsion gemacht. In England ist F. allgemein gebräuchliche Abkürzung für Fellow, Mitglied, z. B.:
   F. L. S. = Fellow of the Linnean Society.
   F. R. A. S. = F. of the Royal Astronomical Soc.
   F. R. C. P. oder C. S. = Fellow of the Royal College of Physicians oder of Surgeons.
   F. R. G. S. = F. of the Royal Geographical Soc.
   F. R. S. (E.) = F. of the Royal Society (Edinburgh).
   F. R. S. L. = F. of the Royal Soc. of Literature.
   F. S. A. = Fellow of the Society of Antiquaries.
   F. Z. S. = Fellow of the Zoological Society.
   f., vor lat. Pflanzennamen = forma (Form einer Art).
   F., bei Pflanzennamen Abkürzung für E. M. Fries (s. d.).
   F. E. Sch., bei Tiernamen Abkürzung für Franz Eilhard Schulze (s. d.).
   F. et M. (auch Fisch. et. Mey.), bei Pflanzennamen Abkürzung für F E. L. von Fischer, geb. 1782 in Halberstadt, gest. als Professor der Botanik in Petersburg 1854. Russische nnd nordamerikanische Pflanzen. - Mey., s. d.
   F. G. = freiwillige Gerichtsbarkeit.
   f. l. a., auf Rezepten = fiat lege artis, es werde kunstgemäß bereitet.
   F. M., in Osterreich = Feldmarschall.
   F. M. L., in Osterreich = Feldmarschalleutnant.
   fob = free on board (engl.), frachtfrei an Bord. F. S., in der internationalen Telegraphie = faire suivre! nachzusenden!
   F. S. Leuck., bei Tiernamen s. »Leuck.«
   F. Z. M., in Österreich = Feldzeugmeister.
 
Artikelverweis 
F, in der Musik Buchstabenname eines der sieben Stammtöne unsers Musiksystems (vgl. A), zugleich der älteste, der als Schlüssel (clavis signata) vor eine Notenlinie gesetzt wurde (der Baßschlüssel, ursprünglich ein wirkliches F). Das Schlüssel-F ist das der kleinen Oktave. Die F-Linie wurde besonders in den Notierungen des Gregorianischen Chorals lange Zeit mit roter Farbe (minium) gezogen und die C-Linie mit gelber (crocum). In Italien, Frankreich etc. heißt der bei uns F genannte Ton Fa (vgl. Solmisation). Die Schallöcher der Streichinstrumente werden nach ihrer Gestalt oft als die F-Löcher bezeichnet.
 
Artikelverweis 
Faaborg (spr. fō-), Hafenstadt auf der Südküste der dän. Insel Fünen, Amt Svendborg, an einer Bucht des Kleinen Belt und an der Südfünenschen Eisenbahn, Sitz eines deutschen Konsularagenten, hat ein Hospital, Eisengießereien, Spinnereien, Tabakfabriken etc. und (1901) 4218 Einw.
 
Artikelverweis 
Faaker See, s. Meyers Villach.
 
Artikelverweis 
Faamtee (Fahamtee), s. Angrecum.
 
Artikelverweis 
Faassen, Jacobus Pieter (Rosier), holländ. Schauspieler und Dramendichter, geb. 9. Sept. 1833 im Haag, gest. daselbst 1903, war nacheinander auf den Bühnen zu Amsterdam und im Haag tätig, seit 1875 in Rotterdam, wo auch die hauptsächlichsten seiner Stücke ausgeführt wurden. Auf seine kleinern dramatischen Werke: »De werkstaking« (»Der Streik«, 1872), »Manus de snorder« (»Manus der Kutscher«,1878), »De ledige wieg« (»Die leere Wiege«, 1878) u. a., folgten die größern Schauspiele: »Annemie« (»Anne Marie«, 1878), das in einem internationalen Wettbewerb den Preis erhielt und 1881 auch in London gespielt wurde, »Zonder naam« (»Ohne Namen«, 1882), »Zwarte Griet« (»Die schwarze Gret«, 1882), »Hannes« (1883) und »Platijnen Co.« (1885). Gesammelt erschienen seine Werke in 2 Bänden (Sneek 1884). F. ist in seiner volkstümlichen Art ein Strebensgenosse von Justus van Maurik (s. d.), seine Dramen gelten trotz ihrer von den Franzosen herübergenommenen Form als die getreuesten Spiegelbilder des holländischen Volkslebens, dessen gründlicher Kenner er ist Wie das ältere Volksstück überhaupt, suchen auch die

[Bd. 6, Sp. 241]


seinen veredelnd zu wirken, in ihrer Unmittelbarkeit bereiteten sie das moderne realistische Drama vor.
 
Artikelverweis 
Fab., O. Fabr., bei Pflanzennamen Abkürzung für Otho Fabricius, geb. 1744 in Rudkjöbing, Pfarrer in Grönland, gest. 1822 als Bischof in Kopenhagen; schrieb: »Fauna groenlandica« (1780).
 
Artikelverweis 
Faba (lat.), Bohne; Fabae albae, weiße Bohnen; F. calabarica, Kalabarbohne; F. de Tonca, Tonkabohne; F. Ignatii (F. indica, F. febrifuga), Ignatiusbohne; F. Pichurim, Pichurimbohne.
 
Artikelverweis 
Fabel (lat. fabula) ist einerseits die Bezeichnung für die poetische Handlung einer erzählenden oder dramatischen Dichtung und bildet in diesem Sinne den Gegensatz zu den Charakteren, anderseits die Bezeichnung für eine bestimmte in Urzeiten zurückreichende Gattung der Poesie, in der das erzählende und didaktische Element in engster Verbindung erscheinen. Die echte F. ist, wie Mythus und Märchen, ein Erzeugnis des Gesamtbewußtseins und reicht in Zeiten zurück, in denen eine primitiv volkstümliche Auffassungsweise herrscht und eine Trennung verschiedener Bildungsschichten noch nicht eingetreten ist. In der F. macht sich die-beseelende oder personifizierende Apperzeption (s. Meyers Ästhetische Apperzeptionsformen) geltend, die in dem primitiven Bewußtsein vorwaltet, und sie erstreckt sich insbes. auf die Tiere, die als Menschen oder menschengleiche Wesen angesehen werden. So ist die ursprüngliche F. Tierfabel; sie wird nach ihrem vermeintlichen Erfinder Äsopos auch die Äsopische F. genannt. Das didaktisch-reflektierende Element kommt in der Tierfabel um so leichter und deutlicher zum Ausdruck, als wir hergebrachtermaßen jedem Tier eine bestimmte hervorstechende Eigenschaft beilegen. Erzählung und Moral sind in der F. noch unlösbar verbunden, und es ist nicht notwendig, aber schon seit alter Zeit beliebt, daß die letztere am Schluß (hier und da auch schon zu Anfang) in einer besondern Formel zusammengefaßt wird. In der modernen F. sind das erzählende und reflektierende Element in der Regel deutlicher voneinander geschieden, und die Erzählung dient nur zur überraschenden Darlegung einer bestimmten Wahrheit. Die Entstehung der F. ist ebenso wie die des Mythus und des Märchens in der Urgeschichte aller Völker vorauszusetzen; zunächst nachweisbar ist sie im Orient, und von hier aus hat die F. die Wanderung durch alle Kulturländer angetreten. Berühmt sind die indischen Fabeln, die man gewöhnlich dem Bidpai beilegt (s. Meyers Pantschatantra), und die Fabeln des Arabers Lokman. Auch die Entstehung der F. in der griechischen Literatur weist nach dem Orient: Äsopos war ein Sklave aus Phrygien. Durch die Griechen wurde sie den Römern bekannt, Phädrus übertrug die griechischen Fabeln ins Lateinische. Als die alte Literatur unterging, erhielt sich das Andenken an die Äsopischen Fabeln bei Spaniern und Franzosen (im »Maître Pathelin«). Im Mittelalter interessierten sich vorzüglich die Deutschen dafür; deutsche Fabeln aus der Zeit der Minnesinger gab Bodmer heraus (Zürich 1757). Der älteste deutsche Fabeldichter scheint Stricker (um die Mitte des 13. Jahrh.) zu sein; Boner (zu Anfang des 14. Jahrh.) ist als treuherziger Fabeldichter durch seinen »Edelstein« bekannt. Italiener und Spanier beschäftigten sich am wenigsten mit dieser Gattung. Bei den Franzosen hat Lafontaine durch das äußerst gelungene Streben nach Witz und Eleganz den kindlichen Ton der F. etwas verwischt. Die besten englischen Fabulisten sind Gay und Moore. Die deutsche Nation nahm sich auch ferner mit Liebe dieser Dichtungsart an. Im 16. Jahrh. lebte der treffliche Fabulist Burkhardt Waldis. Hagedorn erzählte Fabeln in der Manier des Phädrus und in der Lafontaines; Gellerts Fabeln wurden mit Enthusiasmus aufgenommen. Gleim, Lichtwer, Willamov folgten. Lessings Fabeln sind in Prosa, geistvoll, kurz, treffend, ohne poetische Ausschmückung und beziehen sich zum Teil auf literarische Verhältnisse. Pfeffels Fabeln sind teils satirisch, teils sentimental. In neuer Zeit ward die F. wenig angebaut, nur der Schweizer Fröhlich verdient Erwähnung; trefflich für das Kindesalter sind Heys Fabeln (mit O. Speckters Zeichnungen). Eine »Fabellese« gab Ramler heraus (Leipz. 178390, 3 Bde.).
 
Artikelverweis 
Fabelepopöe, scherzhaftes Heldengedicht, in dem die Tiere die Stelle der Menschen und diese die Stelle höherer Wesen einnehmen, z. B. die angeblich von Homer herrührende »Batrachomyomachie«, »Reineke Fuchs«, Rollenhagens »Froschmäusler« u. a. S. Meyers Epische Dichtung.
 
Artikelverweis 
Fabeltiere, Geschöpfe der Phantasie der Völker, die in Mythus und Volksdichtung eine große Rolle spielen, vielfach auch an tatsächliche Befunde anknüpfen, aber meist durch Übertreibung und Mißdeutung lebender und ausgestorbener Formen entstanden sind. Sehr viele F. knüpfen an Fossilfunde an, namentlich die Drachen- und Lindwurmsagen. Obwohl die fossilen Wirbeltierreste im klassischen Altertume meist auf die Leiber menschlicher Riesen bezogen wurden, galten sie doch in China von jeher als Drachenknochen (Kung-lu), auch mehrere deutsche Lokalsagen von Drachenkämpfen, wie z. B. die von Klagenfurt, knüpfen direkt an solche Fossilfunde an. Schon Quenstedt hat auf die Ähnlichkeiten des Drachenbildes der Tübinger Stadtkirche mit den am Neckar häufig gefundenen Resten der schwäbischen Lindwürmer und Krokodile (Zanclodon und Belodon) aufmerksam gemacht. Ähnliches gilt von den Einhorn- und Greifensagen, die meist auf den Fund sogen. Greifenklauen, den Hörnern von Rhinozerontiden, zurückgehen. Der Asbest sollte das Haar eines im Feuer unverbrennlichen unterirdisch lebenden Tieres, des Salamanders, die Mammutknochen diejenigen einer riesenhaften Eisratte (s. d.) sein. Die Basiliskensage geht auf Erdgase zurück, die Bergleute und Brunnenmacher plötzlich töten und zu einem Tier personifiziert wurden, das durch den bloßen Anhauch oder Anblick tötet. Seefahrersagen sind die von großen Seeschlangen, Meerskolopendern, Riesenkraken, Meermönchen, Meerbischöfen, Sirenen etc., die z. T. auf den Anblick großer Kephalopoden und Seekühe zurückgehen, Händlersagen diejenigen vom vegetabilischen Lamm oder Baranetz (s. d.), welche die Herkunft des Krimmers verschleiern sollte. Aus ganz heterogenen Elementen gemischt, erscheinen die F. der Religionssysteme, denen man auf altägyptischen, assyrischen und indischen Tempelbildern begegnet, wie die Chimära, in der sich Löwenkörper, Vogelflügel und feuerspeiender Ziegenkopf zu einem Symbol für einen lykischen Gasvulkan mischen; die Martichora, ein fürchterliches Raubtier mit Menschenantlitz, Löwenkörper, Hirschsüßen, Adlerflügeln und Skorpionsschwanz; die Leucocrotta, von der seit Ktesias als einem unverwundbaren Mischwesen aus Krokodil und Esel, Löwe und Hirsch gefabelt wird, das den Menschen durch Nachahmung seiner Stimme anlocken sollte. Es ist merkwürdig, daß noch den Lindwürmern der mittelalterlichen Sagen stets Eselsohren beigelegt wurden, während doch kein Reptil äußere Ohren besitzt. Auch der Stiermensch (Minotaurus, Menotyrannus)

[Bd. 6, Sp. 242]


gehört mit den Kentauren zu diesen Mischwesen, die mehr der Theologie und Mystik als der Volkssage ihre Entstehung verdanken; den Ursprung der Kentauren suchen andre in dem ersten Anblick skythischer Reitervölker, die mit ihren Pferden gleichsam verwachsen schienen.