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bis Baar (Bd. 2, Sp. 215 bis 218)
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Artikelverweis B (be), b, lat. B, b, der weiche oder stimmhafte labiale Verschlußlaut (s. Meyers Lautlehre). Sprachgeschichtlich betrachtet, ist das deutsche b durch die sogen. Meyers Lautverschiebung (s. d.) teils aus ursprünglichem aspirierten b entstanden (z. B. Bruder = sanskr. bhrātā), teils aus ursprünglichem p (z. B. heben = lat. capere). Der Name des B ist im Phönikischen Beth, d. h. Haus, Zelt, nach der ursprünglichen Gestalt des Buchstabens; daher griechisch Beta. B oder b: auf römischen Inschriften, Münzen etc. = Balbus, bene, bixit, (altertümlich statt vixit), Brutus etc.; in christlichen Inschriften beatus, beata. Als Münzzeichen bedeutet B: auf den deutschen Reichsmünzen Hannover; früher auf preußischen 17501822 Breslau, seit 1866 Hannover; auf österreichischen Kremnitz, auf ältern französischen Rouen (Bb Straßburg). In deutschen Kurszetteln steht B für »Brief«, d. h. das betreffende Wertpapier ist zum beistehenden Preis angeboten, zu haben (Gegensatz: G, »Geld«). Auf Wertpapieren mit Beifügung von Serie und Littera bedeutet B eine zweite Emission oder den zweithöchsten Nominalbetrag einer in verschiedenen Stücken ausgegebenen Anleihe. In der Musik steht B für Basso; b die um einen halben, bb die um einen ganzen Ton erniedrigende Vorzeichnung. In der Chemie ist B Zeichen für 1 Atom Bor; bei Aräometerangaben bedeutet B. Baumé; in der Heraldik bedeutet b = Blau. In England ist B. die gebräuchliche Abkürzung für Bachelor (s. Bakkalaureus).
   B B B B Abkürzung für den Titel der byzant. Kaiser: basileús basiléon basileúon basileúsi, König der Könige, herrschend über Könige.
   B. A. = Baccalaureus artium, in England Bachelor of Arts, dort der erste (unterste) akademische Grad; in England auch = British America, oder = British Association (for the advancement of science); dann auch = bonis auspiciis oder avibus (lat.), unter guten Vorbedeutungen.
   B. B. (Independent Order of B. B.) = B'ne-B'rith (s. d.).
   B. C. = Meyers Basso continuo (s. d.).
   B. C. L. = Bachelor of Civil Law, in England der erste akademische Grad in der juristischen Fakultät.
   B. D. = Bonner Durchmusterung (vlg. Durchmusterung).
   B. D. = Bachelor of Divinity, in England etwa soviel wie Kandidat der Theologie.
   B. D. C. = Binger Deputierten-Konvent (s. Studentenverbindungen).
   B. G. B. = Bürgerliches Gesetzbuch.
   B. L. = Baccalaureus Legum, engl. Bachelor of Laws, in England einer der untern akademischen Grade der juristischen Fakultät; dann auch = benevole lector! (lat.), geneigter Leser.
   B. L. S. = benevolo lectori salutem! (lat.), dem geneigten Leser Heil oder Gruß!
   b. m. = brevi manu (s. d.); auch = beatae memoriae, seligen Andenkens, und bene misceatur, es werde wohl gemischt (auf Rezepten).
   B. M. = Baccalaureus Medicinae oder Bachelor of Medicine, in England unterster akademischer Grad der medizinischen Fakultät.
   B. M. V. = Beata Maria Virgo (gebenedeite Jungfrau Maria).
   B. P. D. = bono publico datum, zum Staatsnutzen geschenkt.
   B. Sc. = Baccalaureus Scientiae oder Bachelor of Science, in England der unterste für Naturwissenschaften erteilte akademische Grad.
   B. S. G. D. G. = breveté sans garantie du gouvernement (Formel der Patenterteilung in Frankreich).
   b. v. = bene vale, lebe wohl; bonus vir, guter Mann; beata virgo, gebenedeite Jungfrau (Maria); balneum vaporis, Dampfbad (auf Rezepten).
   B. V., s. Meyers (le Maître au).
 
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B, in der Musik, eigentlich der zweite Ton der Grundskala, d. h. der mit den sieben ersten Buchstaben benannten sieben Stammtöne A, B, C, D, E, F, G; durch ein eigentümliches Mißverständnis (Verwechselung von h mit der eckigen Form des B = ) ist er aber durch H ersetzt und selbst zum Versetzungszeichen (♭) geworden. In Holland und England hat B noch heute die Bedeutung des Ganztons über A, d. h. unsers H, während wir unter B das um einen Halbton erniedrigte H verstehen. B quadratum (durum) bedeutet in alten Schriften unser H (♮) sowie dessen Gebrauch als Auflösungszeichen, B rotundum (molle) dagegen unser B (♭) und dessen Gebrauch als Erniedrigungszeichen; B cancellatum, das gegitterte B = , ist ursprünglich mit ♮ identisch, seit Anfang des 16. Jahrh. davon unterschieden. Der alte Solmisationsname des B ist B fa mi, d. h. entweder B fa (= ♭) oder B mi (= h); in Italien, Frankreich etc. heißt der Ton jetzt si ♭ (si bémol). Vgl. Solmisation.
 
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Ba, in der Chemie Zeichen für 1 Atom Baryum.
 
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Baader, 1) Joseph von, Ingenieur, geb. 30. Sept. 1763 in München, gest. daselbst 20. Nov. 1835, studierte in Göttingen Mathematik und Mechanik, ward 1798 Direktor des Bergbaues und des Maschinenwesens in Bayern, 1808 Mitglied der Generaldirektion des Bergbaues und der Salinen und später Professor zu München. Er machte verschiedene Erfindungen in der Mechanik, erwarb sich große Verdienste um das Eisenbahnwesen und schrieb: »Beschreibung eines neu erfundenen Gebläses« (Götting. 1794); »Theorie der Saug- und Hebepumpen etc.« (Bayreuth 1797; 2. Aufl., Hof 1820); »Neue Vorschläge und Erfindungen zur Verbesserung der Wasserkünste beim Bergbau und dem Salinenwesen« (1800; 2. Aufl., das. 1820); »Über ein neues System der fortschaffenden Mechanik« (Münch. 1823); »Huskisson und die Eisenbahnen« (das. 1830).
   2) Franz Xaver von, Philosoph und Theolog, Bruder des vorigen, geb. 27. März 1765 in München, gest. daselbst 23. Mai 1841, studierte seit 1781 in Ingolstadt und Wien Medizin, ließ sich in seiner Vaterstadt als Arzt nieder, ging aber schließlich zum Bergwesen über. Nach einem dreijährigen Aufenthalt auf der Bergakademie zu Freiberg und längern Reisen wurde er 1797 kurfürstlicher Münz- und Bergrat, 1800 Oberbergmeister, 1807 Oberbergrat; seit Verlegung der Landshuter Universität nach München (1826) hielt er an ihr als Honorarprofessor bis zu seinem Tode Vorlesungen über spekulative Dogmatik. B. bezeichnet als das Endziel seiner Spekulation die Vereinigung der (katholischen) Theologie mit der Philosophie; er nimmt zu seinen Vorbildern den Mystiker Jakob Böhme, den er als den tiefsten deutschen Denker ansah, und dessen Lehre er mit der Schellingschen Naturphilosophie zu vereinigen suchte, und Böhmes Anhänger Louis Claude Saint-Martin. B. wollte nach seinem eignen Ausdruck kein System, sondern nur »Anregungen zum Erkennen« (fermenta cognitionis) geben und tat dies in einer geistreichen, aber wunderlichen Form. Das menschliche Wissen ist nach ihm ein Mitwissen mit Gottes Wissen, und das Bewußtsein ist ein Wissen des Bewußtseins von Gott: cogitor, ergo cogito et sum. Weder theoretisch noch praktisch sind wir spontan tätig, sondern nur rezeptiv, bedürfen fortwährend eines Höhern. Rein theosophisch entwickelt B. seine Trinitätslehre und Christologie; nicht ohne Bedeutung ist seine Sozietätswissenschaft. Seine zahlreichen

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Schriften, die ihn als einen reichen und vielseitigen Geist sowie durchaus edlen Charakter zeigen, sind meist subjektive Ergüsse, Briefe, Kritiken, Gelegenheitsschriften. Am bekanntesten sind die »Fermenta cognitionis« (Berl. u. Leipz. 182225, 6 Hefte). 1827 veröffentlichte er seine Vorlesungen an der Münchener Universität: »Über religiöse Philosophie«. Hierauf folgten seine »Philosophischen Schriften und Aufsätze« (Münst. 183132, 2 Bde.) und seine »Vorlesungen über spekulative Dogmatik« (Heft 1, Stuttg. 1828; Heft 25, Münst. 183038) u. a. Eine Gesamtausgabe seiner Werke besorgten Franz Hoffmann, ein eifriger Vorkämpfer Baaders, und andere (Leipz. 185060, 16 Bde.), mit wertvollen Einleitungen, der Biographie und dem Briefwechsel des Verfassers. Vgl. Reichel, »Die Sozietätsphilosophie Frz. v. Baaders« (Tübing. 1901). Einen Auszug aus Schriften Baaders gab I. Claassen heraus (»F. v. Baaders Leben und theosophische Werke als Inbegriff christlicher Philosophie«, Stuttg. 188687, 2 Bde.).
 
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Baaken, s. Meyers Baken.
 
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Baal (»Herr«) hieß bei den Kanaanäern ursprünglich jeder Gott, den man an einem bestimmten Orte wohnend und wirkend dachte und demgemäß ebendort verehrte. Jeder Ort, jeder Berg hatte seinen B., daher die vielen phönikisch-kanaanäischen geographischen Namen, wie B.-Lebanon, B.-Chermon, B.-Peor u. a.: der Gott ist der »Herr« des betreffenden Ortes. Auch jeder Stamm hatte seinen besondern B. Daneben gab es aber auch einen Gott, welcher »der Herr« in hervorragendem Sinne des Wortes hieß, der Allherr, das im Sonnenball verkörperte männliche, zeugende Prinzip, dessen Ergänzung Meyers Astarte (s. d.) ist. Im Alten Testament heißt »der B.« (habbaal) der Stadtgott von Tyrus, worin die allgemeine Bedeutung des Wortes B., »Herr« (vgl. Melkart, »Stadtkönig«), und die spezielle, »Sonnengott«, zur Einheit verschmolzen sind (s. Meyers Melkart); soz. B. 1. Kön. 16,31 f., wo erzählt ist, daß der König Ahab den Kultus seiner phönikischen Gemahlin Izebel in das Reich Israel verpflanzt und »dem B.« einen Tempel in Samarien gebaut habe mit einem Baalsaltar, bedient von Hunderten von Priestern. Der Ausdruck Baalspfaffe (für einen heuchlerischen Priester) wurzelt in der Erzählung 1. Kön. 18,19 ff. vom Propheten Elias und den Propheten des B. Grundverschieden von dem kanaanäischen B. ist der babylonische Bel; s. Meyers Merodach.
 
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Baalbek (griech. Heliopolis, »Sonnenstadt«), einst eine der prachtvollsten Städte Syriens, jetzt ein Ort von 2000 Einw., Sitz eines Kaimakams, 1150 m ü. M., in der Talebene El Bekaa (dem alten Kölesyrien), am Fuße des Antilibanos gelegen und berühmt durch die noch vorhandenen Trümmer der alten Stadt. Diese bestehen in drei größern, westlich vom heutigen Dorf B. auf der etwas erhöhten Akropolis gelegenen Ruinen dreier Tempel. Man unterscheidet drei Altersperioden der Ruinen. Aus der ersten rühren die Substruktionen der Plattform her, auf der die Tempel stehen; aus der zweiten die eigentlichen Tempelruinen; aus der dritten die Bauten der Araber, die namentlich die alten Mauern durch Zutaten in Befestigungen umgewandelt haben. Der erwähnte Unterbau, 325 m lang, 97 m breit, besteht aus ungeheuern behauenen Kalk- oder Marmorblöcken, darunter die drei kolossalsten an der Westseite von über 19 m Länge, 4 m Höhe und wahrscheinlich 4 m Dicke, und enthält mächtige gewölbte, 97160 m lange Gänge, durch die Gemächerreihen verbunden sind, und zu denen Marmortreppen hinabführen. Auf diesem Unterbau erheben sich die genannten Tempel, die Antoninus Pius errichtet hat. Der Haupteingang des großen Tempels war auf der Ostseite, wo eine breite, nicht mehr vorhandene Treppe zur Plattform der Propyläen führte; er wurde später von den Arabern durch eine dicke Mauer verbaut. Der äußere Portikus war von 12 Säulen gebildet; zur Rechten wie zur Linken derselben standen prachtvolle, mit korinthischen Pilastern verzierte Pavillons, von denen der rechts noch ziemlich gut erhalten ist; darauf folgte ein sechseckiger, jenseit desselben ein viereckiger Hof, 134 m lang, 113 m breit und auf der Süd- und Nordseite von reichverzierten Gebäuden (Exedrä) eingefaßt, die Nischen für Statuen enthielten; dann abermals Stufen, die unter doppeltem Säulengang zum innern Portikus des eigentlichen Tempels führten, der 89 m lang und 49 m breit war und 10 zu 19 Säulen (im ganzen 54) enthielt. Vorhanden sind davon nur noch 6 ungeheure stehende Säulen auf einer mächtigen Mauer, die der Südseite angehörte. Ihre Entfernung voneinander beträgt 2,6 m; sie sind nicht kanneliert, tragen aber auf ihren korinthischen Kapitellen ein Gebälk mit reichverziertem Fries und Karnies und haben einschließlich dieses 23 m Höhe bei fast 7 m Umfang. In der Nordmauer finden sich noch 4 auf ihren Sockeln stehende Säulen eingefügt, die hier das Ende des Tempels andeuten. Von der Cella ist nichts mehr vorhanden, von der Tempelvorhalle (Pronaos) nur noch eine Andeutung. Im S. des großen Tempels und des viereckigen Hofes steht, etwas tiefer, der sogen. Sonnentempel, ein nicht minder großartiger und künstlerisch bedeutender Bau. Er hatte 15 zu 8 Säulen, im ganzen 42; sie waren ebenfalls nicht kanneliert, aber mit korinthischen Kapitellen versehen. Der Vorhof an der Ostseite hatte außerdem in einer zweiten Reihe 6 kannelierte Säulen. Die Höhe derselben nebst Basis und Kapitell betrug 19,8 m, der Durchmesser 1,7 m. Noch ganz vorhanden ist die im reichsten korinthischen Stil ausgeführte Cella; im übrigen stehen auf der Südseite noch 4 Säulen des Peristyls, auf der Westseite 2 ganze Säulen, die einen schönen Fries tragen, auf der Nordseite noch 9 Säulen mit herrlichem Fries und Karnies aufrecht. Auch der die Kolonnade mit der Cella verbindende Plafond ist hier noch fast ganz erhalten, vortrefflich skulptiert und in Felder geteilt, die mit Hautreliefs versehen sind. Von dem an der Ostseite befindlichen Vorhof (Pronaos) endlich stehen noch 2 kannelierte Säulen, die mit den nicht kannelierten des Peristyls auf der Südseite einen Fries und ein Stück des skulptierten Plafonds tragen. Der eigentliche Eingang, ein korinthisch reichverziertes Tor von 6,2 m Breite, ist auch hier durch eine von den Arabern ausgeführte Mauer versperrt; zur Seite desselben stehen 2 große Pylonen mit Palmenkapitellen, welche Treppen enthalten, die auf den Tempel hinausführen. Der runde Tempel, etwa 290 m vom Sonnentempel gelegen, ist ein im ganzen schwerfälliges Bauwerk, hat aber ebenfalls einen fast übermäßigen Reichtum an verzierten Friesen. Von 5 Säulen des Peristyls stehen noch 4. Dieser Tempel ist in eine griechische Kirche umgewandelt gewesen. 1900 begannen hier deutsche Ausgrabungen, über deren Ergebnisse bisher aber nichts verlautete. Die Stadt B. ist sehr alt und wird schon in ägyptischen und assyrischen Kriegsberichten (Balbiki, d. h. Baal-Beka'a oder Baal des Tales; wahrscheinlich mit Tunip identisch) genannt. In der griechisch-römischen Zeit hieß sie Heliopolis (»Sonnenstadt«), nach dem Kultus des Sonnengottes,

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und blühte als Handelsstadt, die Augustus zur römischen Kolonie erhob. Aus der Zeit der Antoniue stammen die prachtvollen Tempelbauten. Abu Obeida, der Feldherr des Kalifen Omar, eroberte B. 636. Im 11. Jahrh. fiel B. in die Hände der Sultane von Aleppo. Während der Kreuzzüge war B. viel umkämpft. 1130 eroberte es Zenki, der Nedschm ed-din Ayub (Ejub). den Vater Saladins, als Statthalter einsetzte. 1157 wurde B. von Nur ed-din erobert, 1170 durch ein Erdbeben verwüstet, 1260 durch den Mongolen Hulagu und 1401 von Timur eingenommen. Mitte des 16. Jahrh. wurden die Ruinen Baalbeks von Europäern wieder entdeckt; seitdem litten sie durch Erdbeben, besonders 1759, noch stark. Vgl. Wood und Dawkins, The ruins of B. (Lond. 1757, neue Ausg. 1827); Renan, Mission de Phénicie (Par. 1864); Frauberger, Die Akropolis von B. (Frankf. 1891, mit 22 Tafeln); Alouf, Geschichte Baalbeks (a. d. Franz., Prag 1896).
 
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Baalspfaffe, s. Meyers Baal.
 
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Baaltis, Göttin, s. Meyers Astarte.
 
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Baar, Baargeld etc., s. Meyers Bar.
 
Artikelverweis 
Baar, Gewicht in Asien, s. Meyers Bahar.