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Abdominālplethora bis Abdullah II (Bd. 1, Sp. 21 bis 23)
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Artikelverweis Abdominālplethora, übermäßige Füllung der venösen Gefäße der Bauchhöhle, findet sich bei Lebererkrankungen, die wie die Cirrhose zu einer Behinderung des Pfortaderkreislaufes führen, ferner bei starker Fettleibigkeit, bei Erschlaffung der Bauchdecken. Gewöhnlich sind Hämorrhoiden die Folge.
 
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Abdominālporen, Öffnungen, die bei Rundmäulern und Haifischen neben dem After aus der Leibeshöhle direkt nach außen führen.
 
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Abdominālschwangerschaft, Bauchhöhlenschwangerschaft, s. Meyers Schwangerschaft.
 
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Abdomināltyphus, s. Meyers Typhus.
 
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Abdruck, ein Gebilde, das durch Druck hervorgebracht wird und ein Abbild des drückenden oder gedrückten Körpers darstellt, z. B. die Erzeugnisse der Buchdruckerei, Kupferstecherkunst, des Meyers Naturselbstdrucks (s. d.) etc., Abdrücke in Relief sind vertieft oder erhaben. Unmittelbare Abdrücke liefern ein verkehrtes Bild und dienen meist nur als Matrizen, von denen man durch abermaligen A. oder durch Meyers Abguß (s. d.) die verlangte Form erhält. Vgl. auch Galvanoplastik. Natürliche Abdrücke von Pflanzen und Tieren findet man in vielen geschichteten Steinen; bei ihnen

[Bd. 1, Sp. 22]


ist die Substanz des organischen Körpers vollständig verschwunden. Abdrücke des innern Hohlraums von Schneckenschalen, Muscheln etc. nennt man Steinkerne (vgl. Petrefakten). Im Zeitungs- und Zeitschriftenwesen ist der A. einzelner Artikel, das sind selbständige Darlegungen, die an sich geeignet sind, als Schriftwerke ein Urheberrecht zu begründen, aus Zeitungen unter deutlicher Quellenangabe zwar zulässig, soweit die Artikel nicht mit einem Vorbehalt der Rechte versehen sind und der Sinn nicht entstellt wird. Dagegen ist der A. von Ausarbeitungen wissenschaftlichen, technischen oder unterhaltenden Inhalts unzulässig, auch wenn ein Vorbehalt der Rechte fehlt. Vermischte Nachrichten tatsächlichen Inhalts und Tagesneuigkeiten dürfen aus Zeitungen und Zeitschriften stets abgedruckt werden (Urheberrechtsgesetz vom 19. Juni 1901, § 18). Rein tatsächliche Mitteilungen, bei denen auch keine Selbständigkeit der Form und Einkleidung vorliegt, sind überhaupt nicht Gegenstand des Meyers Urheberrechts (s. d.). Vgl. auch Meyers Berner Übereinkunft (s. d.), Art. 7, in der durch die Pariser Zusatzakte (Art. 1, Ziff. IV) abgeänderten Fassung.
 
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Abdūcens (Nervus a.), äußerer Augenmuskelnerv, s. Meyers Auge.
 
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Abduktōren (lat., Abziehmuskeln) dienen zur Fortbewegung eines Gliedes von einem andern ihm naheliegenden oder von der Achse des Körpers.
 
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Abd ul Asis (über die Bedeutung des Namens s. Meyers Abd), 1) der 32. Sultan der Osmanen, geb. 9. Febr. 1830, gest. 4. Juni 1876, folgte seinem ältern Bruder Abd ul Medschid, der ihn gegen das osmanische Hausgesetz verschont hatte, 26. Juni 1861 auf dem Thron. Anfangs wollte er sich mit Einer Frau begnügen, schien durch die Bestätigung des Hattischerifs von Gülhane und des Hattihumajuns von 1856 in vorurteilslose Bahnen einzulenken und setzte seine Zivilliste von 75 auf 12 Mill. Piaster herab. Doch blieben alle Reformen oberflächlich. Was Heer und Marine von den verschiedenen Anleihen übrigließen, diente zur Verschönerung der Hauptstadt, zu Reisen und Jagdvergnügungen des Herrschers. Verschwendung und Haremswirtschaft wirkten bald ebenso verderblich wie früher. Dabei hatte seine Regierung fortwährend mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wie mit dem Aufstand Kretas 186769, dem Verlangen Rumäniens und Serbiens nach völliger Selbständigkeit, endlich mit dem mohammedanischen Fanatismus. Nachdem er die verständigen Minister Fuad und Aali in den höchsten Staatsämtern belassen und 1867 eine Reise nach Westeuropa unternommen hatte, ernannte er 1871 Mahmud Nedim Pascha zum Großwesir, betrieb den Plan, anstatt seines Neffen Murad, den die osmanische Ordnung bestimmte, seinen Sohn Jussuf Izzedin zum Thronerben ernennen zu lassen, und ließ sich deshalb in Verhandlungen über einen Staatsstreich mit russischer Hilfe ein. Während er die Hilfskräfte des Staates vergeudete und sich 1875 vom russischen Botschafter Ignatiew sogar verleiten ließ, den Staatsbankrott zu erklären, lockerte er den Verband der Provinzen und ließ die russischen Agitationen gewähren, die 1875 zu Aufständen in Bosnien, der Herzegowina und Bulgarien führten. Endlich kam es 11. Mai 1876 zu einem von den Softas in Konstantinopel geleiteten Aufstand gegen Mahmud Nedim. A. entließ diesen, wurde aber in der Nacht vom 29. zum 30. Mai 1876 von Hussein Avni, Midhat, Mehemid Rüschdi, Sulaiman u. a. zur Abdankung gezwungen und 4. Juni im Palast Tscheragan ermordet. 1881 wurden die noch lebenden Paschas Midhat, Nuri und Mahmud wegen der Ermordung A. ' zum Tode verurteilt und in die Verbannung nach Taif in Arabien geschickt, wo sie alle drei, schwerlich eines natürlichen Todes, 1884 starben. Vgl. Millingen (Osman Seify Bei), La Turquie sous le règne d'A., 18621867 (Brüssel 1868).
   2) Sultan von Marokko, geb. 1878, Lieblingssohn des Sultans Mulei Hasan, dem er 6. Juni 1894 unter großen Schwierigkeiten auf dem Throne folgte. In den Beziehungen zu den europäischen Mächten bereitete ihm seit 1900 namentlich Frankreichs Sudânpolitik schwere Sorgen, weil wegen des südafrikanischen Krieges auf Englands Hilfe nicht zu rechnen war.
 
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Abd ul Hamid, 1) A. 1., 27. Sultan der Osmanen, geb. 20. Mai 1725, gest. 7. April 1789, Sohn Ahmeds III., folgte 21. Jan. 1774 seinem Bruder Mustafa III. zu einer Zeit, wo das hinfällige Reich in der größten Verwirrung war. Die Statthalter von Syrien, Ägypten und Georgien waren fast unabhängig, und mit Rußland war die Pforte in einen unglücklichen Krieg verwickelt. Der am 21. Juli 1774 zu Kütschük Kainardschi abgeschlossene Friede verschaffte Rußland bedeutende Gebietserweiterungen am Schwarzen Meer. Die Krim, für unabhängig erklärt, wurde 1783 von Rußland genommen, und die Pforte mußte dies 1784 bestätigen. Auch mehrere Paschas empörten sich; doch wurde Scheich Tahir 1775 in Syrien getötet und die aufrührerischen Mameluckenbeis in Ägypten 1786 vorübergehend gebändigt. Gegen das mit Österreich verbündete Rußland erklärte 1787 A., der sein Heer durch französische Offiziere hatte reorganisieren lassen, den Krieg; dieser begann mit den Niederlagen der türkischen Flotte auf der Höhe von Kinburn (7. und 17. Juni 1788) und der Eroberung von Otschakow durch Potemkin (17. Dez.). 1784 soll A. die ihm vom Dei von Algier geschenkte, vorher durch Seeräuber bei ihrer Heimkehr aus Nantes geraubte Aimée Dubuc de Rivery aus Martinique heimgeführt haben (s. Meyers Mahmud II.); sein Nachfolger war sein Neffe Selim III. Vgl. Aßim Tarichi, A history of Abdul Hamed and Selim III. (Konstantin. 1867, 2 Bde.).
   2) A. II., der 34. türk. Sultan, zweiter Sohn Abdul Medschids, geb. 22. Sept. 1842, ward 31. Aug. 1876, nachdem sein älterer Bruder, Sultan Murad V., als wahnsinnig abgesetzt worden war, auf den Thron erhoben. Anfangs unter dem Einfluß der Reformpartei Midhat Paschas, gab A. 23. Dez. 1876 dem osmanischen Reich eine konstitutionelle Verfassung nach dem Entwurfe vom 1. Juni, lehnte aber die Einmischung der Großmächte in die türkischen Verhältnisse ab. Nach Midhats Entlassung (5. Febr. 1877) verfiel A. in den Fehler seiner Vorgänger, die Regierung nach Laune oder den Eingebungen mächtiger Günstlinge, wie seines Schwagers Mahmud Damad Pascha, zu leiten. Die Folgen waren während des Krieges mit Rußland (187778) öfterer Wechsel der Feldherren und des Kriegsplans und willkürliches Eingreifen des Palastes in die Kriegsoperationen, danach fortwährendes Schwanken in der Politik und wiederholte Ministerwechsel, wodurch weitere Verluste außer den im Berliner Frieden der Türkei auferlegten Abtretungen verursacht, im Innern die Finanznot und die Zerrüttung sehr gesteigert wurden. Erst 1881 begann A., von dem Einfluß der Günstlinge befreit, mit Hilfe deutscher Beamten die Reform der Finanzen und nahm selbst die Leitung der auswärtigen Politik in die Hand, um seinen Einfluß als Kalif in Westasien und Nordafrika zu vergrößern. Dabei erlitt er eigentlich nur 1882 in Ägypten eine

[Bd. 1, Sp. 23]


Niederlage. Vgl. Le Jeune, Comment on sauve un empire. Le sultan A. et son œuvre (2. Aufl., Par. 1894); Frémont, A. et son règne (das. 1895); Hecquard, La Turquie sous A. II (Brüssel 1900); Dorys, A. intime (Par. 1901; deutsch, Münch. 1902); B. Stern, A. II. (Budapest 1901).
 
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Abd ul Kerim Pascha, türk. General, geb. 1807, gest. im Februar 1885 auf Lesbos, machte den Militärkursus in Wien unter dem spätern Feldzeugmeister v. Hauslab durch, diente in Mesopotamien und Armenien, ward 1850 Muschir, befehligte im Krimkrieg die anatolische Armee, nahm 1862 unter Omer Pascha am Feldzuge gegen Montenegro teil, kommandierte während des kretischen Aufstandes 186768 das Observationskorps in Thessalien, war dann wiederholt bald Polizei-, bald Kriegsminister und machte sich mit Hussein Avni Pascha um die Reorganisation der Armee verdient, indem er eine reguläre Reserve und eine Landwehr schuf, die Armee neu und gleichmäßig bewaffnete, europäische Reglements bei den Truppen einführte und Kriegsschulen gründete. 1876 im Krieg mit Serbien ward er zum Serdar ekrem (Oberbefehlshaber) ernannt. Früh gealtert, ließ er, 1877 mit dem Befehl über die Donauarmee betraut, ruhig die Russen an verschiedenen Stellen die Donau überschreiten und selbst über den Balkan vordringen; deshalb 23. Juli 1877 vom Kommando abberufen, wurde er trotz der schriftlich eingereichten Verteidigung auf der Insel Lemnos, später auf Rhodos festgehalten.
 
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Abdullah II., Chan von Bochara, s. Meyers Abdallah 3).