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Abdeichen bis Abdomināles (Bd. 1, Sp. 20 bis 21)
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Artikelverweis Abdeichen, tief gelegene Landstriche durch Deiche vor Hochwasser schützen.
 
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Abd el Kader (über die Bedeutung des Namens s. Meyers Abd), Sidi el Hadschi Abdel Ka der Uled Mahiddin, Araberhäuptling, geb. 1807 in der Ghetna bei Mascara, gest. 26. Mai 1883 zu Damaskus. Als Sprößling einer Priesterfamilie (Marabuts), die ihren Stamm bis zu den Fatimiden zurückführte, ward A. von seinem Vater Sidi el Mahiddin zum Priester gebildet, wanderte aber, vom Dei von Algier bedroht, nach Kairo aus und wurde Hadschi durch eine Pilgerfahrt nach Mekka. Nach dem Sturz des Dei 1830 zurückgekehrt und von aufständischen arabischen Stämmen bei Mascara zum Emir gewählt, führte er 183247 den Kampf gegen die Franzosen. 183233 unterwarf er die Stämme zwischen Mascara und dem Meer und nötigte den französischen General Desmichels zu dem Frieden vom 26. Febr. 1834. Bald erneuerte er den Krieg gegen die Franzosen, siegte 28. Juni 1835 über General Trézel an der Makta und 25. April 1836 über d'Arlanges an der Tafna und führte den Kleinkrieg so glücklich, daß er seine Herrschaft über Titeri und einen Teil der Provinz Algier ausdehnte. Bugeaud befreite zwar die an der Mündung der Tafna eingeschlossenen Franzosen und brachte A. (6. Juli) am Sikak eine Schlappe bei; doch schlossen die Franzosen 30. Mai 1837 den Vertrag an der Tafna, worin A. die Verwaltung der Provinzen Oran, Titeri und Algier erhielt, mit Ausnahme der Hauptstädte und der Mitidscha von Algier. Als er aber 1839 den Krieg erneuerte, mußte er schließlich beim Sultan von Marokko Zuflucht suchen. Nach der Niederlage seiner Truppen am Isly (14. Aug. 1844) schloß der auch von der Seeseite durch den Prinzen von Joinville eingeschüchterte Sultan Frieden mit Frankreich und drängte A. 1847 über die französische Grenze; hier ward er von den Franzosen 22. De;. gefangen. A. wurde erst in das Touloner Fort Lamalgue, Ende April 1848 in das Schloß zu Pau in Béarn und endlich nach Amboise gebracht. Im Oktober 1852 in Freiheit gesetzt, ließ sich A. zu Brussa in Kleinasien und nach dem Erdbeben von 1855 zu Damaskus nieder; hier nahm er sich bei der Christenverfolgung im Sommer 1860 der Verfolgten an. Er lebte von einer französischen Pension von 100,000 Frank und schrieb ein religiös-philosophisches Buch, das von Dugat aus dem Arabischen übersetzt wurde unter dem Titel »Rappel à l'intelligent, avis à l'indifferent« (Par. 1858). Seine Söhne nahmen teils eine französische Pension an, teils traten sie in den Dienst der Türkei. Vgl. Bellemare, A., sa vie politique et militaire (Par. 1863); Churchill, Life of A. (Lond. 1867); Pichon, A. 18071883 (Par. 1899).
 
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Abd el Latîf, arab. Gelehrter, geb. 1160 in Bagdad, gest. daselbst 9. Nov. 1231, schrieb zahlreiche Schriften theologischen, juristischen, logischen und medizinischen Inhalts, worunter ein Werk über Ägypten zu erwähnen, herausgegeben und übersetzt von White (»Abdollatiphi historiae Aegypti compendium«, Oxf. 1800) und bearbeitet von de Sacy (»Relation de l'Égypte«, Par. 1810).

[Bd. 1, Sp. 21]



 
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Abd el Malik, fünfter Kalif der Omaijaden, Sohn Merwans I., regierte 685705. A. war ein bedeutender Herrscher (s. Meyers Kalifen).
 
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Abdēra, Stadt im alten Thrakien, östlich von der Mündung des Nestos an der Küste, 541 v. Chr. von Teos aus gegründet, kam später unter die Herrschaft Philipps von Makedonien, zuletzt unter die der Römer. Ruinen auf dem heutigen Kap Bulustra. Ihre Einwohner standen im Ruf der Einfältigkeit, so daß der Name Abderit zum Spottnamen wurde, obschon Männer wie Demokritos, Protagoras und Anaxarchos aus A. stammten. Bei uns ward der Name Abderas populär besonders durch Wielands Roman »Geschichte der Abderiten«, worin er in ergötzlicher Weise die Stadt als den Typus aller Kleinstädterei darstellt. Daher Abderitismus: Schildbürgertum, Kleinstädterei.
 
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Abd er Rahmān, 1) ibn Abdallah, arab. Feldherr in Spanien, drang 732 mit ungeheurer Heeresmacht in Aquitanien ein, ging über die Garonne und Dordogne, vernichtete das Heer des Herzogs Eudo von Aquitanien, ward aber von Karl Martell, Majordomus der Franken, zwischen Tours und Poitiers geschlagen und fiel im Kampf.
   2) A. I., Sohn Muawijas und Enkel des Kalifen Hischam aus dem Geschlechte der Omaijaden, entging beim Sturz dieser Dynastie 750 (s. Meyers Kalifen) dem Mordstahl der Abbasiden und entkam unter vielen Gefahren nach Spanien, wo er sich rasch Anhänger erwarb, den ihm widerstrebenden Emir Jusuf und dessen Feldherrn Someil 756 bei Mosara besiegte und das Emirat von Cordoba begründete. Trotzdem er bis an sein Lebensende gefährliche Empörungen niederzuwerfen hatte, vernachlässigte er nicht die Werke des Friedens und begründete die große Moschee in Cordoba. Er starb 788. Er war ein hervorragend begabter und tapferer, wenn auch rücksichtsloser und hinterlistiger Herrscher.
   3) A. III. en Nâßir (»der Helfer«), Nachkomme des vorigen. Im Alter von 22 Jahren zur Regierung gekommen (912), wußte er die Bürgerkriege zwischen Arabern, Berbern und Spaniern, die seit langer Zeit Andalusien verwüsteten, durch eine ebenso feste wie versöhnliche Politik zu beendigen, die Grenzen des Reiches gegen die Leonesen, Kastilier und Navarresen zu erweitern und den Einfluß Cordobas in Nordafrika zu vermehren. 929 nahm er den Kalifentitel an. Den materiellen und geistigen Fortschritt des Landes förderte er auf jede Weise, so daß unter ihm und seinen nächsten Nachfolgern das muslimische Spanien das zivilisierteste und bestregierte Land der Welt war. A. starb 961.
   4) Sultan von Marokko, geb. 28. Nov. 1778, gest. im August 1859, folgte 1823 seinem Oheim Mulei Soliman. Wegen der Zahlung des Tributs für den Schutz gegen Seeräuberei geriet er mit europäischen Mächten in Streit, zuerst mit Österreich, das ihn 1828 zum Verzicht auf den Tribut zwang. 1844 zog er mit 15,000 Mann Meyers Abd el Kader (s. d.) gegen Algerien zu Hilfe. Aber seine Reiter wurden durch Marschall Bugeaud am Isly (14. Aug. 1844) zersprengt, Tanger und Mogador durch den Prinzen von Joinville beschossen. Obwohl darauf unter englischer Vermittelung mit Frankreich Friede geschlossen ward, so dauerte doch die innere Unruhe fort, bis A. 1847 die Kabylen über die Grenze drängte. Sein Nachfolger war sein Sohn Sidi Mohammed.
   5) Emir von Afghanistan, Sohn Afsal Chans und Enkel Dost Mohammeds, geb. um 1830 (oder erst 1845), gest. 3. Okt. 1901, kämpfte unter seinem Vater und seinem Oheim Azim Chan mit Glück gegen den rechtmäßigen Emir, Afsals und Azims Bruder Schir Ali, und eroberte 1866 Kabul, wo Afsal die Herrschaft übernahm. Als nach des letztern Tode (1867) Azim von Schir Ali 1868 vertrieben wurde, mußte 1869 auch A. flüchten, von Schir Alis Sohn Jakub Chan geschlagen. Rußland gewährte ihm eine Pension von 25,000 Rubel und wies ihm Samarkand als Wohnsitz an. Als nach Schir Alis Sturz und Tod (1879) der von den Engländern eingesetzte Jakub Chan sich unzuverlässig erwies, rief 22. Juli 1880 Lord Roberts zu Kabul A. zum Emir aus. Obwohl Feind der Engländer, nahm er seit 1880 bedeutende Jahreszahlungen (1,5, nach andern sogar 3,2 Mill. Mk.) aus ihren Händen an und zeigte sich insofern treu, als er Rußlands Gelüsten stets Riegel vorschob. Ejjub Chan, den Sohn Schir Alis, der sich gegen ihn zu erheben versuchte, schlug A. 22. Sept. 1881 und hielt ihn nieder, bis sich Ejjub 1887 den Engländern ergab. Auch Ishak Chan, der von einer kleinen russischen Pension zu Samarkand lebt, und dessen Sohn Ismail Chan hatten mit ihren 188890 gemachten und im Herbst 1899 wiederholten Versuchen, ihren Bruder und Oheim A. zu stürzen, keinen Erfolg. A. galt in seinen letzten Jahren als ein Förderer der panislamischen. Bewegung und hat unter Mitarbeit des gelehrten Radschputen Sultan Mohammed Chan, der als Hofmeister 1895 Nasr Ullah nach England begleitete, eine Selbstbiographie verfaßt (pers. Originalhandschrift im Britischen Museum; engl., Lond. 1900. 2 Bde.). Bei seinem Tode hinterließ A. fünf Söhne. Habib Ullah, der sofort die Regierung antrat, Nasr Ullah, Fath Ullah, den zwölfjährigen Mohammed Omar und einen dreijährigen Knaben. Vgl. Wheeler, The ameer Abdur Rahman (Lond. 1895).
 
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Abdést (pers.), Name der religiösen Waschungen der Muslims bei Türken und Persern (s. Islam).
 
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Abdias, angeblich einer der 70 Jünger Christi und fingierter erster Bischof von Babylon.
 
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Abdikation (lat.), Meyers Abdankung (s. d.); abdizieren, abdanken.
 
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Abdōmen (lat.), Unterleib (s. Meyers Bauch), der Hinterleib der Meyers Gliederfüßer (s. d.); abdominal, auf den Unterleib bezüglich.
 
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Abdomināles (Bauchflosser), Unterordnung der Knochenfische, s. Meyers Fische.