Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Abbrand bis Abchasen (Bd. 1, Sp. 16 bis 17)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Abbrand, beim Erhitzen von Eisen, Kupfer an der Luft sich bildendes Oxyd (Hammerschlag); der Verlust, den das Metall hierbei erleidet.
 
Artikelverweis 
Abbrände, s. Meyers Kiesabbrände.
 
Artikelverweis 
Abbrechen, Übergang aus einer breitern in eine schmale Front in der Weise, daß die kleinern Abteilungen sich hinter eine die ursprüngliche Marschrichtung beibehaltende Abteilung setzen. A. eines Gefechts, das Abstehen von der Erreichung des Gefechtszwecks vor der Entscheidung oder nach erreichter Absicht unter Beibehaltung der Gefechtsbereitschaft. Das A. der diplomatischen Beziehungen zwischen zwei Staaten ist gewöhnlich das Vorspiel zum Krieg und tritt in der Regel erst dann ein, wenn eine Ausgleichung der Gegensätze auf anderm Wege nicht mehr möglich erscheint. Heute wird es vielfach als moralischer Druck benutzt, um einen Staat zum Nachgeben zu veranlassen. Der Abbruch erfolgt in der Weise, daß der Gesandte seine Pässe von dem Minister des Auswärtigen zurückverlangt, oder daß dieser ohne solches Verlangen sie dem Gesandten zustellt, meistens unter Einräumung einer Frist, innerhalb welcher der Gesandte, bei Verlust der gesandtschaftlichen Vorrechte, das Staatsgebiet zu verlassen hat (s. Meyers Kriegserklärung). A. in der Reitkunst, s. Meyers Abbiegen.
 
Artikelverweis 
Abbrennen, s. Meyers Abbeizen; A. des Messings, s. Meyers Gelbbrennen; vgl. auch Bodenmelioration.
 
Artikelverweis 
Abbreviatoren (lat.), Beamte der päpstlichen Kanzlei, welche die Entwürfe zu den Bullen fertigen.
 
Artikelverweis 
Abbreviaturen (lat.), Abkürzungen von Wörtern oder Silben in der Schrift. Die besonders häufigen Abkürzungen der mittelalterlichen Handschriften beruhen auf den Siglen (litterae singulares) und den notae Tironianae des römischen Altertums. Die ältesten Siglen bestanden aus dem ersten Buchstaben des betreffenden Wortes; als sich die Notwendigkeit stärkerer Abkürzung, namentlich in den Rechtshandschriften, geltend machte, stellte man die Siglen durch die zwei oder drei ersten Buchstaben eines Wortes her oder nahm wohl auch neben dem oder den ersten Buchstaben des Wortes noch solche aus der Mitte, vor allem solche, mit denen eine Silbe begann. Die aus dem Altertum stammenden Siglen hat Th. Mommsen bei Keil, »Grammatici latini«, Bd. 4 (Leipz. 1864, S. 265352), herausgegeben. Auf die Bildung dieser jüngern Siglen wirkten bereits die Tironischen Noten ein. Sie sollen von dem römischen Dichter Ennius erfunden sein. Der Freigelassene des Cicero Tullius Tiro (s. Meyers Tiro), hat sie vervollkommt, in ein System gebracht und erläutert; endlich hat Seneca eine systematische Sammlung von 5000 Stück hergestellt. Sie dienten hauptsächlich zum Nachschreiben von Reden oder Diktaten. Die Schreiber, die in dieser Geschwindschrift geübt wurden, hießen Notarii (davon unser »Notar«). Wie schnell man damit schreiben konnte, ist z. B. aus einer Angabe des Dichters Martial zu entnehmen, nach der sich berechnen läßt, daß sein Abschreiber in der Minute neun Verse schrieb

[Bd. 1, Sp. 17]


Lexica Tironiana, d. h. Sammlungen der Tironischen Noten, sind aus dem Mittelalter in ziemlicher Anzahl erhalten; die in ihnen abgebildeten A. gehen in ihrer Mehrzahl gewiß auf das Altertum zurück. Von neuern Arbeiten über diesen Gegenstand set nur W. Schmitz, »Beiträge zur lateinischen Sprach- und Literaturkunde« (Leipz. 1877) erwähnt. Bei der Bildung der einzelnen Note verfuhr man so, daß man aus den Majuskelbuchstaben, mit denen das betreffende Wort geschrieben wurde, charakteristische Teile entlehnte und diese dann möglichst miteinander zu einem Zuge verband. So gewann man für die Wurzel jedes Wortes oder für den Stamm der zusammengesetzten Wörter ein Zeichen, dem wiederum zur Bezeichnung der Endungen Hilfszeichen, seien es Punkte, seien es verkleinerte Buchstabennoten, beigegeben werden konnten. Tironische Noten finden sich meist nur vereinzelt in Büchern; bisweilen sind aber auch ganze Codices in solchen geschrieben. Nach der Form, die den Abkürzungen gegeben ist, kann man unterscheiden solche, die durch Suspension (man setzt den ersten Buchstaben und einen oder mehrere diesem folgende, und darüber den Abkürzungsstrich, z. B. an = ante), oder die durch Kontraktion (man setzt stets den ersten und den letzten Buchstaben des Wortes, nimmt auch wohl aus der Mitte des Wortes noch besonders kennzeichnende Buchstaben, und darüber den Abkürzungsstrich, z. B. dno = domino) entstanden sind. Die beste Sammlung mittelalterlicher lateinischer Abkürzungen findet sich in Walthers »Lexicon diplomaticum« (Götting. 1747); Chassant, »Dictionnaire des abbreviations latines et françaises du moyen-âge« (5. Aufl., Par. 1884) und Cappelli, »Lexicon abbreviaturarum« (Leipz. 1901). In den mittelalterlichen Handschriften, die Werke in den modernen Sprachen enthalten, sind viel weniger Abkürzungen als in den lateinischen angewendet, sie sind zudem fast alle dem lateinischen Abkürzungssystem entlehnt. Noch in die ältesten Drucke gingen viele der damals gebräuchlichen A. über, aber in den letzten Jahrhunderten sind dieselben mit ganz wenigen Ausnahmen, wie und ., für et cetera, völlig abgekommen. Nur der Gebrauch, das ganze Wort durch seinen Anfangsbuchstaben zu bezeichnen, ist besonders bei Titulaturen, und hier wieder am meisten in England, noch stark verbreitet. Als Geschwindschrift dient jetzt die Meyers Stenographie (s. d.).
   Über die jetzt am gewöhnlichsten vorkommenden A., z. B. die in der Musik, in einzelnen Wissenschaften, in Handel und Wandel wie im schriftlichen Verkehr eingeführten, s. die einzelnen Buchstaben »A« (S. 1), »B« etc. und die betreffenden Stellen im Alphabet.
 
Artikelverweis 
Abbrunften, die Brunstzeit des Hochwildes beenden; vgl. Abgeprunftet.
 
Artikelverweis 
Abbt, Thomas, philosoph. Schriftsteller, geb. 25. Nov. 1738 in Ulm, gest. 3. Nov. 1766 in Bückeburg, studierte seit 1756 in Halle und wurde 1760 außerordentlicher Professor der Philosophie in Frankfurt a. O. Schon 1761 als Professor der Mathematik nach Rinteln berufen, wurde er 1765 zum Regierungs- und Konsistorialrat in Bückeburg ernannt. Während eines kurzen Aufenthalts in Berlin war er mit Mendelssohn und Nicolai bekannt geworden. Unter seinen philosophischen, im Geiste der Aufklärungstheorie abgefaßten Schriften breiter Darstellung sind die wichtigsten: »Vom Verdienst« (Berl. 1765) und »Vom Tod fürs Vaterland« (Bresl. 1761). Seine »Vermischten Werke« wurden herausgegeben von Friedr. Nicolai (Berl. 176881, 6 Bde.; 2. Aufl. 1790). Vgl. Pentzhorn, Th. Abbt (Berl. 1884).
 
Artikelverweis 
ABC, soviel wie Alphabet (s. d.); auch angewendet auf die Anfangsgründe einer Wissenschaft, Kunst u. dgl.
 
Artikelverweis 
Abcbuch, s. Meyers Fibel.
 
Artikelverweis 
Abchasen (Asega), einer der beiden großen Stämme der Tscherkessen in der Landschaft Meyers Abchasien (s. d.), mit den stammverwandten Meyers Abasinern (s. d.) früher 125,000 Köpfe stark, 1892 aber nach zweimaliger Auswanderung in die Türkei (1864 und 1878) nur 72,500, wovon 60,432 im Gouv. Kutais um Suchum Kalé und in dem vom Kodor durchströmten Hochtal Tsebelda und 12,000 im Kubangebiet. Die Sprache der A. zeigt mit dem Tscherkessischen einige Verwandtschaft (vgl. Kaukasische Sprachen). Weiteres s. unter Meyers Tscherkessen.