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Abbau bis Abbeville (Bd. 1, Sp. 14 bis 15)
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Artikelverweis Abbau (auch Ausbau), die Verlegung eines Bauernhofs unter Abbruch des alten aus dem Dorf auf die Feldmark; auch die Anlage von neuen Vorwerken auf größern Gütern. Der A. kommt vielfach in Verbindung mit der Meyers Gemeinheitsteilung (s. d.) und der Meyers Flurregelung (s. d.) vor und bedeutet einen Übergang vom Dorfsystem zum Meyers Hofsystem (s. d.). Der erste bekannte A. kam nach Ditz (»Geschichte der Vereinödung im Hochstift Kempten«, Kempt. 1865) unter der Bezeichnung »Vereinödung« 1540 im Hochstift Kempten vor. Über A. im Bergbaus. d. Abgebaut heißt eine Grube oder Lagerstätte, wenn der gewinnbare Mineralinhalt erschöpft ist. In der Chemie die systematische Zerlegung einer organischen Verbindung zur Ermittelung ihrer Struktur. Durch bestimmte, sicher verfolgbare Prozesse sucht man einzelne Atomgruppen aus dem Molekül der Verbindung abzuscheiden, bis man auf einen Rest von bekannter Struktur gelangt. Die abgeschiedenen Atomgruppen gestatten Schlüsse, die durch die Synthese (s. d.) der betreffenden Verbindung zu bestätigen sind.
 
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Abbaumen, das Herabsteigen von Mardern, Katzen etc. und das Abfliegen größern Federwildes von Bäumen.
 
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Abbazia (spr. -dsĭa), Dorf in Istrien, Bezirksh. Volosca, 6 km südwestlich von der Südbahnstation A.-Mattuglie, in schöner, durch den Monte Maggiore (1396 m) geschützter Lage am Quarnero, inmitten südlicher Vegetation, beliebter Sommer- und Winterkurort (mittlere Jahrestemperatur 14°, 14,000 Kurgäste) mit Seebad und andern Badeeinrichtungen, alter Abteikirche, schönen Villen und Hotels, Parkanlagen und (1890) 1192 Einw. A. hat einen Hafen und steht mit Fiume in Dampferverbindung. Schöne Strandwege führen nördlich nach Meyers Volosca (s. d.), südlich nach den malerischen Orten Ika (mit Hafen) und Lovrana (gleichfalls Luftkurort mit Seebad). Vgl. Radics, Abbazia (Wien 1884); Noe, Tagebuch aus A. (Teschen 1884); Szemere, Der See- und klimatische Winterkurort A. (Stuttg. 1885); die Führer von Rabl (2. Aufl., Wien 1891), Glax u. Schwarz (das. 1891), Lyro (Linz 1896) u. a.
 
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Abbe, 1) Cleveland, Astronom, geb. 3. Dez. 1838 in New York, studierte 185964 in Michigan und Cambridge, arbeitete dann an der Sternwarte in Pulkowa, wurde 1868 Direktor der Sternwarte in Cincinnati, 1871 Professor der Meteorologie beim Wetterbureau in Washington. Er schrieb. »Treatise on meteorological apparatus and methods« (1887); »Preparatory studies for deductive methods in storm and weather predictions« (1890); auch gab er 187388 das »Annual Summary and Review of progress in meteorology« heraus.
   2) Ernst, Physiker, geb. 23. Jan. 1840 in Eisenach, studierte seit 1857 in Jena und Göttingen, habilitierte sich 1863 als Privatdozent in Jena und wurde 1878 Direktor der dortigen Sternwarte. 1866 trat er mit der optischen Werkstätte von Karl Zeiß in Jena in Verbindung, wurde 1875 Mitinhaber derselben, übernahm nach dem Tode von Karl Zeiß die Leitung des Instituts in Gemeinschaft mit dessen Sohn Roderich Zeiß und stellte nach dem baldigen Austritte des letztern das Unternehmen in den Besitz der 1889 von ihm begründeten Karl Zeiß-Stiftung. 1884 verband er sich mit O. Schott zur Gründung des glastechnischen Laboratoriums von Schott und Genossen in Jena, und 1891 ließ er sich von seinen Lehramtspflichten entbinden. Bei den Versuchen zur Herstellung neuer optischer Gläser, um praktisch auszuführen, was theoretisch in der Optik als noch erreichbar angesehen werden mußte, wurden Glassorten gefunden, die in viel höherm Maß als die frühern bei gleichem mittlern Brechungsquotienten verschieden große Dispersion besitzen. Für die Herstellung von Mikroskoplinsen, astronomischen Linsen und photographischen Objektiven wurden durch ihn ganz neue Wege gangbar gemacht. Mit Hilfe des von ihm konstruierten Kondensors

[Bd. 1, Sp. 15]


löste er das Problem der homogenen Immersion, das für die Bakteriologie von größter Bedeutung wurde. Er entdeckte Methoden zur experimentellen Bestimmung der Brennweite der Linsen, konstruierte das Refraktometer, das Spektrometer und das Totalreflektometer und gab grundlegende Arbeiten über die Bedingungen des Aplanatismus, apochromatische Systeme, über mikroskopische Bilderzeugung, über die Grenze der Leistungsfähigkeit optischer Systeme in Bezug auf ihre Auslösungsfähigkeit etc. Er schrieb: »Neue Apparate zur Bestimmung des Brechungs- u. Zerstreuungsvermögens fester und flüssiger Körper« (Jena 1874); »Welche soziale Forderungen soll die freisinnige Volkspartei in ihr Programm aufnehmen?« (das. 1894). Vgl. Zeißstiftung.
 
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Abbé (franz.), ursprünglich soviel wie Abt. Auf Grund eines zwischen Papst Leo X. und dem König Franz I. von Frankreich abgeschlossenen Kontrakts stand den Königen von Frankreich das Recht zu, 225 Abbés commendataires für fast alle französischen Abteien zu ernennen. Seit Mitte des 16. Jahrh. führten den Titel A. überhaupt junge Geistliche mit oder ohne geistliche Weihen. Ihre Kleidung bestand in einem schwarzen oder dunkelvioletten Gewand mit kleinem Kragen, und ihr Haar war in eine runde Haarlocke geordnet. Da von diesen nur wenige zum Besitz einer Abtei gelangen konnten, so fungierten einige als Hauslehrer, Gewissensräte etc. in angesehenen Familien, andre widmeten sich der Schriftstellerei. Erst mit der Revolution verschwanden sie aus der Gesellschaft. Vielfach wendet man den Titel A. (ital. Abate) noch in der Anrede an junge Geistliche an.
 
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Abbeermaschine, s. Meyers Wein.
 
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Abbeizen (Abbrennen), gegossene oder geglühte Metallgegenstände durch Behandeln mit Säuren von der anhaftenden Oxydhaut befreien. A. des Messings, s. Meyers Gelbbrennen.
 
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Abbeokūta, Hauptstadt des kleinen gleichnamigen Reiches der Egba in Westafrika, 89 km nördlich von Lagos an der Sklavenküste, am linken Ufer des Ogun, mit 100150,000 Einw., worunter mehrere tausend Mohammedaner und einige hundert Christen. Die von einem 23 m hohen, 30 km langen Erdwall und einem 3 m tiefen Graben umgebene Stadt besteht aus einer Menge einzelner Ortschaften, die sich um isolierte Granitfelsen gruppieren. Die gewerbfleißigen Bewohner betreiben Weberei und Färberei, vornehmlich aber Ackerbau und Handel mit Palmöl, das zum Teil auf dem schiffbaren Ogun nach Lagos verschifft wird, woher die Stadt europäische Industrieprodukte einführt. Seit 1898 ist A. mit Lagos durch eine 75 km lange Eisenbahn verbunden, die nach Rabba am Niger weitergeführt werden soll. Die nach der Zerstörung des alten Reiches Joruba 1825 von Flüchtlingen gegründete Stadt wurde bald so mächtig, daß sie 1857 und 1863 die Angriffe von Dahomé zurückschlagen konnte. Aus Liberia zurückkehrende Egba brachten das Christentum, das von den Häuptlingen zuerst gefördert wurde, doch vertrieb man 1867 alle europäischen Missionare, die erst in neuester Zeit wieder zurückkehren konnten. Jetzt arbeiten in der unter englischer Verwaltung stehenden Stadt zwei englische und eine amerikanische Missionsgesellschaft. Vgl. W. Hoffmann, Abbeokuta (Berl. 1859); Burton, A. and the Cameroon mountains (Lond. 1863).
 
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Abberufung, die Zurückberufung eines Bevollmächtigten von seiten seines Auftraggebers. Eine solche, an einen Gesandten gerichtet, beendigt die Gesandtschaft an und für sich noch nicht, sondern es muß zuvor der Regierung, bei welcher der Gesandte akkreditiert ist, das Abberufungs- (Rappell-) Schreiben übergeben oder ihr die A. sonst in amtlicher Weise mitgeteilt werden. Die A. eines Gesandten ohne anderweitige Ersetzung desselben bedeutet gewöhnlich den Abbruch der diplomatischen Beziehungen (s. Meyers Abbrechen) zwischen den betreffenden Mächten und ist in der Regel das Anzeichen des unmittelbar bevorstehenden Krieges zwischen denselben. Unter A. versteht man auch die bei Ausbruch eines Krieges ergehende Aufforderung des Heimatstaates an seine im Ausland sich befindlichen Angehörigen, in die Heimat zurückzukehren. Vgl. Artikel 20 des deutschen Staatsangehörigkeitsgesetzes vom 1. Juni 1871.
 
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Abbescher Apparat, s. Meyers Mikroskop.
 
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Abbeville (spr. abb'wil'), 1) Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Somme, am Flusse Somme, Knotenpunkt der Nordbahn, hat eine gotische Kirche (St. Vulfran) mit prächtiger Fassade, eine Statue von Lesueur, einen Hafen und zählt (1901) 20,309 Einw., die Flachsspinnerei, Fabrikation von Segeltuch, Seilerwaren, Teppichen und Zucker, Schiffbau und Getreidehandel treiben. A. hat ein College, ein naturhistorisches und archäologisches Museum, eine Bibliothek, ein Theater und ist Sitz eines Handelsgerichts. A., die alte, ehemals befestigte Hauptstadt der Grafschaft Ponthieu, gehörte ursprünglich der Abtei St.-Riquier (daher Abbatis villa) und wurde 1130 Stadt. 2) Hauptstadt der Grafschaft A. im nordamerikan. Staate Südcarolina, nordwestlich von Columbia, mit Bahnkreuzung, Baumwollhandel und (1900) 3766 Einw.