Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Abbach bis Abbas (Bd. 1, Sp. 12 bis 13)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Abbach (Abach), Flecken im bayr. Regbez. Niederbayern, Bezirksamt Kelheim, an der Donau und der Staatsbahnlinie Regensburg-Augsburg, hat eine schöne kath. Kirche, Steinbrüche, Wollspinnerei und (1900) 1188 Einw. Die Heinrichsburg, Geburtsstätte

[Bd. 1, Sp. 13]


Kaiser Heinrichs II., liegt bis auf den mächtigen Wartturm jetzt in Trümmern. Das Wildbad ist eine kalte alkalisch-muriatische Schwefelquelle, die gegen Gicht, Rheumatismus, Hautkrankheiten, Uterusleiden etc. gebraucht wird. Im nahen Oberndorf ward 1209 Otto von Wittelsbach durch Kalatin von Pappenheim erschlagen.
 
Artikelverweis 
Abbâd el Motadid, s. Meyers Abbadiden.
 
Artikelverweis 
Abbadiden (Abaditen), arab. Dynastie, die 102391 zu Sevilla herrschte. Gründer derselben war Mohammed aus dem Hause der Abbâd, der als Kadi von Sevilla beim Zusammenbruch des Kalifats von Cordoba an die Spitze der Stadt trat. Er und sein Sohn Abbâd el Motadid, der nach ihm 104269 regierte, unterwarfen eine Anzahl der benachbarten muslimischen Kleinstaaten und brachten Sevilla zur höchsten Blüte. Abbâds Sohn el Motamid (106991) besetzte 1070 noch Cordoba, geriet aber durch die Fortschritte der Christen unter Alfons VI. in Bedrängnis. Der von ihm zu Hilfe gerufene Almoravide (s. d.) Jusuf ibn Taschfîn von Marokko schlug Alfons bei Sallâka (23. Okt. 1086), beraubte aber 1091, wie die übrigen Emire, so auch den Motamid der Herrschaft. Motamid war ein Freund der Künste und Wissenschaften und selbst ein bedeutender Dichter. Vgl. Dozy, Historia Abbadidarum (Leiden 18461863, 3 Bde.); Derselbe, Histoire des Musulmans d'Espagne, Bd. 4 (das. 1861; deutsch, Leipz. 1874).
 
Artikelverweis 
Abbadie, Antoine d', franz. Reisender, geb. 1810 in Dublin. gest. 19. März 1897 auf seinem Schloß Abbadia in den Pyrenäen, wurde mit seinem jüngern Bruder, Arnauld d'A., geb. 1815, in Frankreich erzogen, unternahm eine Reise nach Brasilien und mit seinem Bruder 183748 die Erforschung Abessiniens, auch der damals wenig bekannten südlichen Landschaften Enarea und Kassa. Ihre Reise war mit vielfachen Schwierigkeiten verknüpft; auch wurden sie in politische Umtriebe und in den Sturz der katholischen Missionare zu Adua verwickelt. Mit reichen wissenschaftlichen Schätzen aller Art, zahlreichen altäthiopischen Manuskripten und Vokabularien kehrten sie nach Frankreich zurück. Den zusammenfassenden Reisebericht lieferte Arnauld di A. in seinem Werk »Douze aus dans la Haute-Éthiopie« (Par. 1868, Bd. 1). Antoine, der bedeutendere der beiden Brüder, seit 1867 Mitglied der Akademie, veröffentlichte außer zerstreuten Aufsätzen: »Catalogue raisonné des manuscrits éthiopiens« (Par. 1859); »Géodésie d'Éthiopie« (186073); »Observations relatives á la physique du globe faites an Brésil et en Éthiopie« (1873); »Dictionnaire de la langue Amarinna« (1881); von der »Géographie de l'Éthiopie: ce que j'ai entendu, etc.«, einer bunten Zusammenstellung von Mitteilungen der Eingebornen, Nachrichten andrer Reisender etc., erschien nur der erste Band (1890). Sein Vermögen und die auf seinem Schloß errichtete Privatsternwarte vermachte er der französischen Akademie.
 
Artikelverweis 
Abbadōna, in Klopstocks »Messias« ein Teufel, der den Abfall von Gott bereut und schließlich beim Weltgericht begnadigt wird.
 
Artikelverweis 
Abba Garima, Ort in der abessin. Landschaft Tigré, 9 km östlich von Adua, Mittelpunkt der Schlacht von Adua oder A., in der am 1. März 1896 die Italiener eine vernichtende Niederlage durch die Abessinier erlitten (s. Meyers Abessinien).
 
Artikelverweis 
Abbajek, s. Meyers Aba.
 
Artikelverweis 
Abbaken, die Kanten eines Fahrwassers mit Baken bezeichnen.
 
Artikelverweis 
Abbalzen, die Balzzeit der Waldhühner und Fasanen beenden.
 
Artikelverweis 
Abbas (spr. abbâß), 1) Oheim Mohammeds, geboren um 570 n. Chr. in Mekka, gestorben um 652 in Medina, schloß sich erst kurz vor der Eroberung Mekkas (Anfang 630) der Sache seines Neffen an, genoß aber trotzdem als Oheim des Propheten das größte Ansehen. Infolgedessen vermochten seine Nachkommen, die Abbasiden (s. Meyers Kalifen) den Verfall des Omaijaden-Kalifats für sich auszunutzen und sich 750 der Herrschaft zu bemächtigen. Ihr Regierungssitz war seit 763 das von ihnen gegründete Bagdad. Seit der Mitte des 9. Jahrh. wurde ihre weltliche Macht mehr und mehr beschränkt, stellenweise ganz aufgehoben; als Oberhäuptern der Religion blieb ihnen einiger geistlicher Einfluß, vermöge dessen sie es Ende des 12. Jahrh. wieder zur unmittelbaren Herrschaft über Bagdad und Umgegend brachten. Dieser machte 1258 die Eroberung Bagdads durch die Mongolen ein Ende. Einige Mitglieder der Familie retteten sich nach Syrien und wurden von hier nach Ägypten gebracht, dessen Sultane ihren Nachkommen den Kalifentitel bis zur Eroberung des Landes durch die Türken (1517) gelassen haben. Vgl. Weil, Geschichte der Kalifen (Bd. 13, Mannh. 184651; Bd. 45, Stuttg. 186062).
   2) A. I., der Große, Schah von Persien, geb. um 1557, gest. 1629, Sohn des Schahs Mohammed Chodabende, aus der Dynastie der Sefewiden, wurde im Laufe der innern Wirren, die zu Ende der Regierungszeit seines Vaters Persien verwüsteten, von der Provinz Chorasan zum Herrscher ausgerufen und zog siegreich 1586 in der Hauptstadt Kaswin ein. Geschickt beseitigte er die allzu mächtig gewordenen Vasallen und schuf durch eine neue Heeresorganisation eine zuverlässige Armee. Mit ihrer Hilfe vertrieb er 1597 die Ösbegen aus Chorasan, nahm den Türken Aserbeidschan, Schirwan und Georgien wieder ab (16031607) und eroberte 1623 sogar Bagdad. Im Bunde mit den Engländern zerstörte er 1622 die blühende portugiesische Kolonie Ormus; doch scheiterten seine Versuche, den Seehandel selbst in die Hand zu nehmen. Währender die Sunniten grausam verfolgte, zeigte er sich gegen die Christen tolerant. Er schmückte das von ihm zur Residenz erhobene Ispahan und andre Städte mit Prachtbauten, belebte den Verkehr durch Anlage von Straßen und Karawanseraien und brachte hierdurch wie durch die energische Herstellung der öffentlichen Ordnung das Land zu großer Blüte. Sein Urenkel A. II., 164267, gewann Kandahar von den indischen Mongolen zurück, verfiel aber bald dem Trunk und andern Ausschweifungen, so daß er weiterhin wenig leistete. Den Europäern bewies er sich sehr geneigt. Der letzte Herrscher aus der Dynastie der Sefewiden, A. III., Sohn des Schahs Tahmasp II., wurde 1732 von dem faktisch herrschenden Oberfeldherrn Tahmasp Kuli Chan auf den Thron erhoben, starb aber schon 1736.
 
Artikelverweis 
Abbas Pascha, Statthalter von Ägypten, Sohn von Mehemed Alis jung verstorbenem Sohne Tusun und einer arabischen Beduinin, geb. 1813 zu Dschiddah in Hidschas, gest. 13. Juli 1854. In Kairo erzogen, erhielt er durch die Gunst seines Großvaters frühzeitig hohe Verwaltungsämter, ward Generalinspektor der Provinzen, bald darauf erster Minister und Präsident des Rates von Kairo. Im syrischen Kriege (1841) befehligte er eine Division der ägyptischen Armee. Er ward von Mehemed Ali, der im Juli 1848 in Krankheit verfiel, zu seinem Stellvertreter eingesetzt,

[Bd. 1, Sp. 14]


aber von seinem Oheim Ibrahim Pascha mit Zustimmung der Pforte wieder verdrängt. Der Tod Ibrahims (10. Nov. 1848) rief ihn nach Ägypten zurück; der Sultan belehnte ihn noch im November mit der Statthalterwürde. Engherzig, bigott, träge und wollüstig, haßte er die Fremden und ihre Zivilisation. Er verminderte Heer und Flotte und schaffte die Kopfsteuer ab, bedrückte aber das Land durch Beschränkung des Handels und Verkehrs und durch Erpressungen. Beim Ausbruch des Krimkrieges stellte er der Pforte 15,000 Mann Landtruppen und seine Flotte zur Verfügung. A. ward am Morgen des 13. Juli 1854 in seinem Palast Benha el Assel tot gefunden. Sein Nachfolger war sein Oheim Said Pascha.