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Abalĭenation bis Abarbanel (Bd. 1, Sp. 11 bis 12)
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Artikelverweis Abalĭenation (lat.), s. Meyers Veräußerung.
 
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Abaligēter Höhle, auch Paplika (Pfaffenloch) genannt, berühmte Stalaktitenhöhle beim Dorf Abaliget im ungar. Komitat Baranya, nordwestlich von Fünfkirchen, besteht aus einer 3/4 m hoch mit Wasser gefüllten Eingangshöhle und einem 950 m langen Saal mit den herrlichsten Tropfsteingebilden. Sie wurde erst 1768 näher bekannt, allein in Felsen gehauene Stufen, Mauerreste, Menschen- und Tierknochen sowie eine römische Urnenbegräbnisstätte beweisen, daß die Höhle schon in alten Zeiten bewohnt wurde. 5 km östlich bei Mánfa befindet sich eine zweite ähnliche Höhle, »Királylika« (Königshöhle) genannt. Vgl. Schmidl, Die A. H. (Wien 1864).
 
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Abällino, der große Bandit, Titel eines Romans und eines danach gearbeiteten Trauerspiels von Heinrich Meyers Zschokke (s. d.).
 
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Abălus, eine von Plinius u. a. erwähnte Bernsteininsel der Alten, wahrscheinlich das Samland.
 
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Abändern (abarten, variieren), das Entstehen von Abweichungen in Form, Größe, Bau, Färbung etc. bei Pflanzen und Tieren durch Einwirkung innerer oder äußerer, teils von der Natur gegebener, teils künstlich geschaffener Verhältnisse. Über sprungartiges A. (Mutieren) s. Meyers Mutationstheorie.
 
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Abänderungsantrag, s. Meyers Amendement.
 
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Abandon (franz., spr. ăbangdóng, Abtretung, Aufgabe, Verzicht), ein seerechtlicher Ausdruck mit verschiedener Bedeutung. Das deutsche Handelsgesetzbuch braucht die Bezeichnung A. nur in § 861 und bezeichnet damit das Recht des Versicherten, in bestimmten Fällen gegen Abtretung der in Ansehung des versicherten Gegenstandes ihm zustehenden Rechte die Zahlung der vollen Versicherungssumme zu verlangen. Diese Fälle sind: 1) Verschollenheit des Schiffes, d. h. wenn ein Schiff nach Antritt seiner Reise innerhalb einer bestimmten Frist weder seinen Bestimmungshafen erreicht hat, noch den Beteiligten Nachrichten über dasselbe zugegangen sind; 2) Embargo, d. h. eine vom Staat ausgehende Beschlagnahme oder Festhaltung eines Schiffes; 3) Aufbringung, d. h. Wegnahme durch eine kriegführende Macht; 4) Anhaltung durch Verfügung von hoher Hand; 5) Wegnahme durch Seeräuber. Bei den Fällen unter 2) mit 4) hat die Zahlung jedoch nur zu erfolgen, wenn nicht innerhalb einer bestimmten Frist Freigabe erfolgt. Die Abandonerklärung muß dem Versicherer innerhalb der Abandonfrist zugehen, muß ohne Bedingung erfolgen, sich auf den ganzen versicherten Gegenstand erstrecken und ist unwiderruflich. Auf Verlangen hat der Versicherte dem Versicherer einen Abandonrevers zu erteilen, d. h. eine öffentlich beglaubigte Anerkennungsurkunde darüber, daß sämtliche Rechte des Versicherten durch die Abandonerklärung auf den Versicherer übergegangen sind. Die Zahlung der Versicherungssumme erfolgt erst nach Rechtfertigung des A. durch entsprechende Urkunden und nach Ablauf einer angemessenen Prüfungsfrist. Vgl. § 861 mit 871 des Handelsgesetzbuchs. Außerdem kommt die Bezeichnung A. noch

[Bd. 1, Sp. 12]


für folgende Fälle vor: a) Bei bestimmten großen Unternehmungen kann jeder Mitreeder, der dem betreffenden Unternehmen nicht zugestimmt hat, sich von der Zubußpflicht befreien, wenn er binnen drei Tagen mittels gerichtlicher oder notarieller Erklärung seine Meyers Schiffsparten (s. d.) preisgibt (§ 501 des Handelsgesetzbuchs). b) Nach Eintritt eines Unfalls hat der Versicherer das Recht, durch Zahlung der vollen Versicherungssumme innerhalb drei Tagen sich von allen weitern Bedingungen aus dem Versicherungsvertrage zu befreien (§ 841 des Handelsgesetzbuchs). c) Wenn Behältnisse, die mit flüssigen Waren angefüllt waren, während der Reise ganz oder zum größern Teil ausgelaufen sind, so kann sie der Befrachter dem Verfrachter für die Fracht und seine übrigen Forderungen an Zahlungs Statt überlassen (§ 616 des Handelsgesetzbuchs). Verschiedene ausländische Gesetze verstehen endlich unter A. das Recht eines Schuldners, der gegenüber den Ansprüchen der Gläubiger nur unter Beschränkung auf ein Sondergut haftet, sich durch Hingabe des Sonderguts von jeder weitern Verantwortlichkeit zu befreien. Vgl. Burchard, Art. A. in Baumgartners »Handwörterbuch des gesamten Versicherungswesens« (Straßb. 1898); Boyens, Das deutsche Seerecht, Bd. 2 (Leipz. 1901).
 
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Abandonnieren (franz., spr. ăbangd-), aufgeben, verlassen (vgl. das bei »Abandon« Gesagte). Außerdem spricht man noch von a., 1) wenn der Schiffsmann im Auslande durch seinen Schiffer ohne Genehmigung des Seemannsamts zurückgelassen wird (§ 71 der deutschen Seemannsordnung); 2) wenn ein Schiff auf offener See oder an fremder Küste von Schiffer und Mannschaft verlassen wird.
 
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Abano Bagni (spr. ábano bannji), Marktflecken in der ital. Provinz und dem Distrikt Padua, am Fuß der Euganeischen Hügel und an der Eisenbahn Padua-Bologna, mit (1901) ca. 800 (als Gemeinde 4556) Einw., berühmt durch seine schon den Römern als Fons Aponi oder Aquae Patavinae bekannten Thermen (gipshaltige Kochsalzquellen von 3783°), die aus dem Monte Irone entspringen und neun Badeanstalten versehen.
 
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A-bantu, Völker, s. Meyers Bantu.
 
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Abarbanel (Abravanel), Isak ben Jehuda, geb. 1437 in Lissabon, gest. 1508 in Venedig, der berühmteste Sproß eines vornehmen jüdischen Geschlechts in Spanien. Sein Wissen, sein Reichtum und sein Charakter gewannen ihm die Gunst Alfons' V., Königs von Portugal. Als 1481 Johann II. den Herzog Ferdinand von Braganza aufheben ließ, ward A. als Mitverschwörer angeklagt und mußte nach Kastilien fliehen, wo er sich in Toledo literarisch beschäftigte. Von 1484 bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien (1492) war A. am Hofe Ferdinands des Katholischen Finanzminister. 1493 kam er nach Neapel, woselbst ihn Ferdinand I. und Alfons II. begünstigten, flüchtete aber vor Karl VIII, nach Venedig. Er ward in Padua begraben. Er schrieb Bibelerklärungen und religionsphilosophische Arbeiten (Kommentar zu Maimonides' »More«, kleinere selbständige Schriften u. a.). Isaks ältester Sohn, Juda Leon (Leo Hebräus), Arzt und Philosoph, Freund des Pico von Mirandola, verfaßte das einst vielgelesene und in verschiedene Sprachen übersetzte Buch »Dialoghi di amore« (Rom 1535 u. ö.). Vgl. Zimmelo, Leo Hebräus, ein jüdischer Philosoph der Renaissance (Bresl. 1886).