Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Abaddon bis Abaligēter Höhle (Bd. 1, Sp. 10 bis 11)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Abaddon (hebr., »Verderben, Untergang«), dichterische Bezeichnung (Hiob 26, 6) für Totenreich, Unterwelt (Scheol), nach rabbinischen Sagen die tiefste Hölle; in der Offenbarung Johannis (9, 11) Name des obersten der Teufel und seiner Scharen.
 
Artikelverweis 
Abadschen (Abadzen), Volk, s. Meyers Tscherkessen.
 
Artikelverweis 
Abai, Strom in Abessinien, der Oberlauf des Blauen Nils (s. Meyers Abessinien und Meyers Nil).
 
Artikelverweis 
Abaka, soviel wie Manilahanf.
 
Artikelverweis 
Abaka, afrikan. Volk, s. Meyers Mittu.
 
Artikelverweis 
Abakanische Berge, südlicher Teil des Kusnezkischen Meyers Alatau (s. d.).
 
Artikelverweis 
Abakansk, Stadt im sibir. Gouv. Jenisseisk, am Abakan (linker Nebenfluß des Jenissei), durch Palisaden befestigt, hat 2000 Einw., worunter viele Verwiesene. In der Umgegend alte Grabhügel (»Gräber der Li Katai«) mit Urnen, Goldschmuck und andern Metallzieraten. A. wurde von Peter d. Gr. 1707 als Fort angelegt.
 
Artikelverweis 
Abăkus (lat., griech. abax, »Tafel, Platte«), bei Griechen und Römern eine Tafel oder Brett zum Würfeln, zum Aufzählen der Rechensteine bei Ausstellung einer Rechnung und zum Aufzeichnen mathematischer Figuren. In der Baukunst ist A. die Deckplatte (a b) eines Säulenkapitäls als Verbindungsglied zwischen diesem und dem das Auflager bildenden Gebälk. Der A. ist bei der dorischen, ionischen und toskanischen Säule quadratisch mit geraden Seitenflächen. Bei der korinthischen und römischen Säule werden die Seitenflächen des A. eingezogen und die Ecken abgestumpft. A. bedeutet auch Tischplatte.
 
Artikelverweis 
Abälard (Abeilard, Abeillard, Abélard, lat. Abaelardus), Peter, scholastischer Philosoph und Theolog, der kühnste Denker des 12. Jahrh., geb. 1079 in dem Flecken Palet oder Palais unweit Nantes (daher Doctor Palatinus), gest. 21. April 1142 in der Priorei St. Marcellus bei Châlon. Er studierte zu Paris, nachdem er vorher schon Roscelins Schüler gewesen war. Durch die Bekämpfung des sogen. Realismus verfeindete er sich mit seinem Lehrer Wilhelm von Champeaux, der sich zuletzt für überwunden erklären mußte. Als Lehrer der Dialektik, später auch

[Bd. 1, Sp. 11]


der Theologie, zuerst in Melun, dann in Corbeil, hierauf zu Paris auf dem Berge Ste.-Geneviève und in der Kathedralschule, zog er durch die Kunst seines Vortrags sowie durch die Richtung seiner Theologie eine außerordentlich große Zahl von Schülern aus allen Ländern an. Bekannt ist seine Liebe zu Heloise, deren Oheim, der Kanonikus Fulbert, selbst ihn in sein Haus als Lehrer seiner Nichte aufnahm. A., obgleich bereits 38 Jahre alt, entbrannte heftig für das schöne und geistreiche 17jährige Mädchen und fand die glühendste Erwiderung seiner Leidenschaft. Er entführte die Geliebte nach der Bretagne, wo sie im Hause seiner Schwester einen Sohn gebar, und nachdem er sich mit Heloise vermählt hatte, kehrte diese in das Haus des Oheims zurück, leugnete aber die Ehe, um A. an der Erlangung kirchlicher Würden nicht hinderlich zu werden. Darüber erbittert, ließ Fulbert A. überfallen und entmannen. Tief gebeugt durch diese Schmach, barg sich A. als Mönch in der Abtei St.-Denis und bewog auch Heloise, in Argenteuil den Schleier zu nehmen, sing selbst jedoch bald wieder an, zu lehren. In dem Streit über die allgemeinen Begriffe (universalia) wandte er sich mehr dem Nominalismus zu, indem er diese Begriffe nur für subjektive Zusammenfassungen, conceptus mentis (daher wird seine Lehre Konzeptualismus genannt), ansah. In der Theologie vertrat er offen die rationalistische Richtung, indem er den kirchlichen Glauben auf allgemeine Vernunftprinzipien zurückzuführen suchte. Die Freiheit des Willens faßte er als Grundlage der Sittenlehre; wie nur aus ihr die Zurechnungsfähigkeit der Handlung hervorgehe, so lehrte er, daß auch nur die aus ihr hervorgehende Reue und Buße selig machen könnten. Die Synode zu Soissons (1121) erklärte seine Ansichten über die Dreieinigkeit für ketzerisch und verurteilte ihn zur Einsperrung im Kloster St.-Médard. Der päpstliche Legat hob diese Strafe auf, und A. kehrte nach St.-Denis zurück, verließ aber nach einiger Zeit dieses Kloster und erbaute zu Nogent an der Seine eine Kapelle und Klause, Paraklet genannt, die er nach seiner Ernennung zum Abt von St.-Gildas-de-Ruys in der Bretagne Heloisen und ihren Religiosen zur Wohnung überließ. Der Abt Wilhelm von St.-Thierry erneuerte die Beschuldigung der Ketzerei gegen die Schriften Abälards, und die Gegner brachten es dahin, daß das Konzil zu Sens (1140) und, als A. an den Papst appellierte, Papst Innocenz 11. seine Lehre verdammten. Peter der Ehrwürdige, Abt zu Clugny, söhnte A., nachdem er seine Trinitäts- und Erlösungstheorie widerrufen, mit seinen Feinden aus. A. lebte hierauf, ein Muster klösterlicher Zucht, ruhig zu Clugny. Als er schwer erkrankt war, ließ ihn Peter nach der Priorei St. Marcellus bei Châlon bringen, wo er bald darauf starb. Heloise, die ihm erst 17. März 1163 im Tode folgte, erbat sich den Leichnam und ließ ihn im Paraklet begraben. Beider Asche wurde 1808 in das Museum der französischen Denkmäler nach Paris gebracht und 1817 in einem eigens dazu erbauten Grabmal auf dem Kirchhof Père-Lachaise beigesetzt. Abälards lateinische Schriften und Briefe hat Amboise gesammelt und Duchesne (Par. 1616), zuletzt Cousin (das. 184959, 2 Bde.) herausgegeben. In Mignes »Patrologiae cursus completus«, latein. Abteilung, füllen sie den 178. Band. Die bedeutendsten von seinen Werken sind: »Introductio in theologiam«, die Ethik: »Scito te ipsum«, »Dialogus inter Philosophum, Judaeum et Christianum« (hrsg. von Rheinwald, Berl. 1831), »Sic et non«, eine Sammlung dogmatischer Widersprüche der Kirchenväter, zuerst von Cousin (Par. 1836), dann vollständig herausgegeben von Henke und Lindenkohl (Marburg 1851). Sein Leben hat A. selbst in der »Historia calamitatum mearum« beschrieben. Vgl. Rémusat, Abélard (Par. 1845, 2 Bde.); Deutsch, Peter A., ein kritischer Theolog (Leipz. 1883); Carriere, A. und Heloise, ihre Briefe und Leidensgeschichte (2. Aufl., Gieß. 1853); Hausrath, Peter A. (Leipz. 1893); Picavet, A. et Alexandre de Hales créateurs de la méthode scolastique (Par. 1896).
 
Artikelverweis 
Abalĭenation (lat.), s. Meyers Veräußerung.
 
Artikelverweis 
Abaligēter Höhle, auch Paplika (Pfaffenloch) genannt, berühmte Stalaktitenhöhle beim Dorf Abaliget im ungar. Komitat Baranya, nordwestlich von Fünfkirchen, besteht aus einer 3/4 m hoch mit Wasser gefüllten Eingangshöhle und einem 950 m langen Saal mit den herrlichsten Tropfsteingebilden. Sie wurde erst 1768 näher bekannt, allein in Felsen gehauene Stufen, Mauerreste, Menschen- und Tierknochen sowie eine römische Urnenbegräbnisstätte beweisen, daß die Höhle schon in alten Zeiten bewohnt wurde. 5 km östlich bei Mánfa befindet sich eine zweite ähnliche Höhle, »Királylika« (Königshöhle) genannt. Vgl. Schmidl, Die A. H. (Wien 1864).