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Äăkos bis Aalesund (Bd. 1, Sp. 5 bis 6)
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Artikelverweis Äăkos (Aiakos), griech. Heros, Sohn des Zeus und der Ägina, der Tochter des Flußgottes Asopos, geboren auf der Insel Önone, wohin Zeus die Ägina entführt hatte, und die fortan ihren Namen trug. Hier herrschte Ä. über das aus Ameisen entstandene Volk der Myrmidonen (s. d.) fromm, weise und gerecht, ein Liebling der Götter, die sogar, wie die Menschen, ihn zum Schiedsrichter ernannten. Nach seinem Tode waltete er des Richteramtes in der Unterwelt. Auf Ägina hatte er ein von einer Mauer aus weißem Marmor umgebenes Heiligtum (Äakeion), wo die äginetischen Sieger die in den Festspielen gewonnenen Kränze aufhingen, auch agonistische Festspiele. Von seiner Gemahlin Endeïs war er Vater des Telamon und Peleus (Äakiden).
 
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Aakrefjord, s. Meyers Hardangerfjord.
 
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Aalbeck, Seebad, s. Meyers Binz.
 
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Aalborg (spr. ōl-), dän. Amt auf der Halbinsel Jütland, auf beiden Seiten des Limfjords, 2902 qkm (52,7 QM.) mit (1901) 128,656 Einw. Die gleichnamige Hauptstadt, an der Südseite des Limfjords und an der Staatsbahnlinie Frederikshavn-Vamdrup, hat 2 altertümliche Kirchen, ein altes Schloß, eine Navigations- und eine Kathedralschule, eine Bibliothek, ein Museum und (1901) 31,457 Einw. Die Industrie erstreckt sich besonders auf Eisengießerei, Spiritus- und Tabakfabrikation. 1899 belief sich der Umsatz in der ausländischen Schiffahrt auf 184,120 Ton., in der inländischen auf 79,181 T. A. besitzt eine Handelsflotte von (1899) 103 Schiffen mit 5615 T. Die Einfuhr besteht in Getreide, Tabak, Petroleum, Eisen und Manufakturwaren, die Ausfuhr besonders in Branntwein, Häuten, Vieh, Butter, Speck und Eiern. Die Stadt ist Sitz eines evangelischen Bischofs und mehrerer Konsulate, darunter eines deutschen. A. ist mit dem 6,3 km davon jenseit des Limfjords liegenden Handelsplatz Nörre Sundby (in Vendsyssel) durch zwei Brücken verbunden. A., schon Ende des 11. Jahrh. bei Adam von Bremen erwähnt, erhielt 1342 Stadtprivilegien und ist seit 1554 Hauptort eines lutherischen Bistums.
 
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Aalbricke, marinierter Aal.
 
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Aalbrutleiter, s. Meyers Aale.
 
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Aalbuch, s. Meyers Jura (Deutscher).
 
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Aalbutt, s. Meyers Scholle.
 
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Aale (Muraenidae), Familie der Knochenfische aus der Abteilung der Edelfische (Physostomi) und der Gruppe der Apodes (ohne Bauchflossen), schlangenähnliche Fische mit scheinbar nackter Haut, die oft sehr kleine Schüppchen enthält, zuweilen ohne Brustflossen, mit einer senkrechten Flosse vom Rücken bis zum After. Die Haut umhüllt den Kiemendeckel nebst den Kiemenstrahlen, und nur zwei (oder eins) seitliche Löcher führen zu den Kiemen, so daß die A. lange außerhalb des Wassers leben können. Die A. entwickeln sich aus Leptocephalus-Arten durch Metamorphose. Sie leben als Raubfische im Meer und in den Flüssen.
   Der Flußaal (Anguilla vulgaris Flem.), bis 6 kg schwer und 1,25 m lang, mit kurzen Brustflossen und äußerst zarten Schuppen, die sich nicht decken und in der schleimigen Haut Zickzacklinien bilden, ist dunkelgrün, blauschwarz oder graugelb, am Bauche stets heller. Sein Blut enthält, namentlich im Süden, ein sehr heftiges Gift, Ichthyotoxin, das zu den Eiweißkörpern gehört und, durch eine Wunde ins Blut andrer Tiere gebracht, ähnlich wie Schlangengift wirkt. Der Aal lebt in tiefem Wasser mit schlammigem Grunde, besonders in Brackwasser, ist über ganz Europa verbreitet,

[Bd. 1, Sp. 6]


fehlt aber in den Flüssen, die mittelbar oder unmittelbar ins Kaspische oder Schwarze Meer münden. Er ist sehr wanderlustig, doch beruht der alte Glaube, daß er nachts aufs Land gehe, um Schnecken und Gewürm, wohl gar Erbsen zu fressen, auf Mißverständnis oder Verwechselung. Er ist durch sein enges Maul auf Würmer, kleine Kruster und Fische beschränkt, überfällt aber auch Frösche und soll selbst Aas nicht verschmähen. Im Winter hält er, im Schlamm verborgen, Winterschlaf. Im Alter von 45 Jahren wandert er vom August bis Oktober (die männlichen A. schon früher), hauptsächlich in stürmischen, finstern Nächten, ins Meer. Hier wird er geschlechtsreif, laicht im Dezember und Januar in mindestens 500 m Tiefe, und aus den Eiern schlüpfen die 6 cm langen, seitlich zusammengedrückten, farblosen, durchsichtigen Larven, die bisher als Leptocephalus brevirostris (s. Abbildung) beschrieben wurden. Die alten A. scheinen als Tiefseefische nur kurze Zeit weiter zu leben. Die junge Brut von etwa 7 cm Länge wird allmählich aalähnlicher, steigt nach einem Jahr, große Hindernisse überwindend, über Schleusen, kleinere Wehre und, an Felsen emporkletternd, in großen Scharen in die Flüsse und erreicht hier in 11/2 Jahr eine Länge von 65 cm. Alle in den Flüssen lebenden A. besitzen unentwickelte Geschlechtsorgane. Um den jungen Aalen das Aufsteigen in die Flüsse zu erleichtern, baut man neben großen Wehren, die ein unübersteigliches Hindernis bilden, Aalbrutleitern, d. h. aus rohen Brettern mit niedrigen Querleisten zusammengenagelte und mit Kies bedeckte Rinnen, die mit einer Neigung von 1:5 bis 1:8 aus dem Oberwasser in das Unterwasser der Mühlen reichen. Vor dem untern trichterförmig erweiterten Ende wird Reisig befestigt. Diese Vorrichtungen werden von der aufsteigenden Aalbrut bereitwillig benutzt. In den Lagunen von Comacchio an der Pomündung wird ein System von Schleusen und Kanälen im Frühjahr der einziehenden Aalbrut geöffnet und begünstigt im Herbst den Fang der 45 Jahre alten A., die sich zur Auswanderung anschicken. Man fängt den Aal besonders bei der Auswanderung ins Meer (Fettaal), weil er dann nicht frißt, mit Netzen und Reusen, den jungen, sehr gefräßigen Aal auch mit der Angel und tötet ihn am besten durch Abtrennen des Kopfes. Die sehr lange anhaltende Reflextätigkeit des Rückenmarks, infolge deren sich die Stücke des toten Aals lebhaft winden, wird sofort beendigt, wenn man eine Stricknadel in das Rückgrat stößt. Der fettreiche Aal ist überall frisch, geräuchert und eingemacht beliebt, namentlich waren die angelsächsischen Stämme von jeher Liebhaber desselben; Verwilligungen und Freibriefe wurden oft durch Zahlungen in Aalen geregelt. Die Klöster begünstigten die Anlage von Aalteichen, und zahlreiche Namen zeugen von der frühern Ergiebigkeit des Aalfanges (Ellesmore, Elfinger Hof etc.). Vgl. Coste, Voyage d'exploration sur le littoral de la France et de l'Italie (2. Aufl., Par. 1861); Nitsche, Der Flußaal und seine wirtschaftliche Bedeutung (Dresd. 1886); Linstow, Die Fortpflanzungsgeschichte der A. (Stuttg. 1900); Leonhardt, Der gemeine Flußaal (das. 1902).
 
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Aalen, Oberamtsstadt im württemb. Jagstkreis, am Kocher, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Kannstatt-Nördlingen und A.-Ulm, 429 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Realschule, Lateinschule, ein Denkmal des Dichters Schubart, ein Amtsgericht, ein Eisendrahtwerk (Erlau), Geldschrank-, Maschinen-, Pianoforte-, Tonwaren-, Schokolade-, Gold- und Silberwaren-, Koffer- etc. Fabrikation, Färberei, Spinnerei und (1900) 9058 Einw., darunter 3113 Katholiken. A. war ehedem freie Reichsstadt, bis es 1802 an Württemberg kam. Die Geschichte der Stadt schrieb Bauer (Aalen 1884).
 
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Aalesund (spr. ōl-), norweg. Handelsstadt, in dem zum Stift Bergen gehörigen Teile des Amtes Romsdal, 1824 gegründet, hat (1900) 11,672 Einw. und bildet den Zentralpunkt für die reichen Dorschfischereien, die an den Küsten der Vogtei Söndmör getrieben werden. Die Stadt besaß 1897: 199 Fahrzeuge von 6728 Ton. Der Wert der Einfuhr betrug 1900: 1,916,000 Kronen, der Ausfuhr 5,954,100 Kr. (davon Fischwaren 5,058,500 Kr.). A ist Sitz eines deutschen Konsuls. Die ganze Stadt wurde 23. Jan. 1904 durch Feuer zerstört, ist aber jetzt wieder neu aufgebaut.