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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
RECTVS bis RHARVS (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis RECTVS, i, Gr. Ὀρθὸς, ου, ein Beynamen des Bacchus, unter welchem er zu Athen seinen Altar hatte, weil er dem Amphiktyon gewiesen, wie man den Wein mit Wasser vermischen sollte, damit man sich darinnen nicht besösse, sondern immer aufrechts und gerade gehen könnte. Philochorus ap. Gyrald. Synt. VIII. p. 283.
 
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REDICṼLVS, i, ein Gott der Römer, welcher seinen kleinen Tempel vor dem kapenischen Thore, den Namen aber von redire, zurückgehen, hatte, weil er durch einige Gesichter machte, daß Hannibal von dar wieder zurück gieng und die Stadt nicht selbst angriff. Festus l. XVI. p. 428. Es stund dieser Tempel zwo italienische Meilen von der Stadt, an dem appischen Wege, unfern von der jetzigen Kirche di S. Sebastiano auf einer Höhe, von der die Stadt Rom gar wohl zu sehen war. Nardin. l. III. c. 3. Sonst wird er auch wohl Ridiculus geschrieben, Panvin. ap. Rosin. l. I. c. 13. allein, unrecht. Dempster. ad Rosin. l. c. Denn er hat den Namen nicht von ridere, lachen, welches sich dasiger Gegend erhoben, als Hannibal dahin gekommen, und diesen Heerführer stutzig gemacht, daß er wieder abgezogen sey, wie man wohl hat vorgeben wollen.
 
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REDVX, ŭcis, ein Beynamen der Fortuna, unter welchem sie die Römer verehreten, wenn sie aüs dem Felde, oder sonst wieder nach Hause kamen. Claudian. de Honorii Consulat. VI. v. 1. Sie erlangete daher ihren Altar, als Augustus glücklich zurück kam. Dion. Cass. l. LIV. c. 10. p. 527. Als Domitian aus dem sarmatischen Kriege wieder

[Bd. , Sp. 2136]


zurück kehrete, so wurde ihr selbst ein ansehnlicher Tempel erbauet. Martial. l. VIII. Epigr. 65. & ad eum Farnab. l. c. Jedoch eignen ihr andere schon dergleichen an des erwähnten Altares Stelle unter dem August zu. Rufus ap. Nardin. l. IV. c. 7.
 
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REGÍNA, æ, ein Beynamen der Juno, unter welchem sie insonderheit von den Römern verehret wurde. Sie hatte ihren besondern Tempel auf dem aventinischen Berge, welchen ihr Camillus erbauete, und ihre Statüe dahin von Vejen brachte, woselbst sie ehemals in dem Schlosse ihren Tempel hatte. Liv. l. V. c. 22. Cf. Nardin. l. VII. c. 8. Eben dergleichen erbauete ihr hernach auch M. Aemilius in der neunten Region. Livius l. XXXIX. c. 3. & Nar din. l. VI. c. 2. Sie führete sonst diesen Namen als Jupiters Schwester und Gemahlinn; Virgil. Aen. I. v. 46. weil dieser auch für den König und Herrn der übrigen Götter gehalten wurde. Id. ib. v. 229.
 
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REGÍNA, æ, war auch ein Beynamen der Isis, den sie daher führete, weil sie die ganze Natur vorstellete. Apulej. Metam. l. XI. p. 365.
 
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REMVS, i, ( Tab. XII.) des Mars und der Rhea Sohn, und Bruder des Romulus, welcher nach seinem Tode göttlich mit verehret. wurde, und seinen Tempel insonderheit in der IV Region der Stadt hatte. Rufus ap. Nardin. l. III. c. 9. Es wiederfuhr ihm aber solche Ehre, als nach dessen Tode eine große Pest in Rom entstund, und das Orakel deshalber befraget wurde, welches rieth, dessen Manes zu versöhnen. Serv. ad Virgil. Aen. I. v. 276. Das Fest, welches ihm gefeyert wurde, hieß anfangs von ihm Remurien, hernach aber Lemurien, und soll von dessen Seele, als sie dem Faustulus und der Acca Laurentia erschien, selbst seyn verlanget worden. Ovid. Fast. II. v. 457. Sieh Lemures.
 
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REX, gis, Gr. Βασιλεὺς, εως, ein Beynamen des Jupiters, unter welchem man ihm einen großen Tempel in dem Hayne bey Lebadia zu bauen angefangen hatte. Es wurde ihm vorher geopfert,

[Bd. , Sp. 2137]


ehe man in die Höhle des Trophonius zu dem Orakel hinunter stieg. Pausan. Bœot. c. 39. p. 602.
 
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RHADAMANTHVS, i, Gr. Ῥαδάμανθυς, υος, ( Tab. X.) Jupiters und der Europa Sohn. Diod. Sic. l. V. c. 79. p. 237. Er war des Minos und Sarpedons Bruder, und geriethmit ihnen, des Miletus wegen, in Streit. Da nun Minos ihnen beyden endlich überlegen war, so mußte er sich aus Kreta hinweg machen, und hielt sich in den Inseln des mittelländischen Meeres auf, deren Einwohnern er gute Gesetze gab. Daraufverfügete er sich nach Böotien, woselbst er des Herkules Mutter, Alkmene, heurathete, und nach seinem Tode, mit seinem Bruder, dem Minos, zu einem Richter der Verstorbenen Seelen in der Hölle bestellet wurde. Apollod. l. III. c. 1. §. 1. 2. Bey seinen Lebzeiten hat er sich in Ausübung der Gerichte so wohl sehr gerecht, als hurtig und ganz unbeweglich, erwiesen. Pindar. Pyth. II. 133. Er ließ keinem Straßenräuber, oder dergleichen bösem Menschen einige Gnade wiederfahren, wodurch er denn viele Inseln und Landschaften in Asien mit deren gutem Willen unter sich brachte. Hierauf soll er dem Erythrus, seinem Sohne, sein Königreich, dem Oenopion aber Chius übergeben, und von seinen Feldobersten dem Thoas Lemnus, dem Eugyeus Cyrnus, dem Pamphilus Peparathus, dem Evambens Marionea, dem Alcäus Paron, dem Anionus Delus, dem Andreus Andrus, und so ferner anvertrauet haben. Diod. Sic. l. V. c. 80. p. 238. Indessen machen ihn einige auch zu Vulcans Sohne, und geben ihm den Gortyn zu seinem Sohne. Pausan. Arcad. c. 53. p. 540. Andere wollen, er habe Kreta meiden müssen, weil er seinen Bruder Amphitryo ums Leben gebracht, da er sich denn nach Oekalien, in Böotien, begeben, und die Alkmene geheurathet. Apollod. l. II. c. 3. §. 11. Tzetz. ap. Nat. Com. l. III. c. 8. Dem ungeachtet glaubete man, er sey in der Hölle insonderheit bestellet, der Verstorbenen Verbrechen zu untersuchen, Virg. Aen. VI.

[Bd. , Sp. 2138]


v. 566. und zwar vornehmlich derer aus Asien. Plato ap. Nat. Com. l. II. c. 8. Dabey soll er mit dem Aeakus zugleich den Zepter in der Hölle halten, Minos aber beyder Urtheil sodann erst zur Vollstreckung bringen. Pomey P. IV. p. 208. Indessen soll er doch nur ein Secretär des Minos gewesen seyn. Banier Entret. IX. ou P. I. p. 260. Dess. Erl. der Götterl. IV B. 403 S. Andere nehmen lieber zween Rhadamanthe an, deren der eine selbst noch vor dem Minos I gelebet, der andere aber des Minos II Bruder gewesen seyn soll. Lœscher. Ion. l. I. c. 1. §. 8. p. 26.
 
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RHAMNVSIA, æ, Gr. Ῥαμνουσία, ας, ein Beynamen der Nemesis, welchen sie von Rhamnus, einem Flecken in Attika, führet, woselbst sie ehemals insonderheit verehret wurde. Paus. Ach. c. 5. p. 405. Ihre Bildsäule allda hatte Phidias verfertiget, und sie war zwanzig Ellen hoch, und doch aus einem Stücke Marmor. Hesych. in Ῥαμνουσία, p. 811. Sieh Nemesis, 4 u. 6 §.
 
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RHARIAS, ădis, Gr. Ῥαριὰς, άδος, ein Beynamen der Ceres. Suid. in Ῥαριὰς, Tom. III. p. 252. Sie hat solchen von dem rharischen Gefilde, in dem Eleusinischen, auf welchem das erste Getraide gesäet worden. Pausan. Att. c. 38. p. 71. & Gyrald. Synt. XIV. p. 425. Dieses Feld aber hatte den Namen vom Rharus, des Celeus Vater, und des Triptolemus Großvater, bekommen. Suid. l. c.
 
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RHARVS, i, Gr. Ῥάρος, ου, ein Sohn des Kranaus. Hesych. in Κραναοῦ, p. 557. & Salmas. ad ill. in Ῥάρος. Er war, nach einigen, des Celeus Vater, und Triptolems Großvater; Suid. in Ῥαριὰς, Tom. III. p. 252. nach andern aber so gleich Triptolems Vater. Hesych. in Ῥάρος, p. 811.