Wörterbuchnetz
Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
NAENIA bis NARCISSVS (Bd. , Sp. )
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis NAENIA, æ, war eine besondere Göttinn der Römer, welche insonderheit bey den Begräbnissen alter Leute angerufen wurde. Augustin de C. D.

[Bd. , Sp. 1684]


l. VI. c. 9. & ad eum Vives & Coqueus l. c. Ihre Kapelle hatte sie außerhalb der Stadt vor dem viminalischen Thore. Festus l. XII. p. 261. Sie wird fast besser Nenia geschrieben, weil ihr Namen von dem Griechischen Νηνίατος herstammet. Voss. Etymol. in Nenia, p. 395. Sonst stunden die alten Leute unter ihrem Schutze. Arnob. ap. Struvium Synt. A. R. c. 1. v. 160. Es hatten von ihr auch die Trauerlieder den Namen, welche die nächsten Anverwandten, oder in deren Ermangelung, die Präficä bey den Leichen unter die Flöten sungen. Non. Marcell. in Nænia, p. 1280. Cf. Casaub. ad Suet. August. c. 100.
 
Artikelverweis 
NAÎĂDES, um, Gr. Ναίαδες, ων, waren eigentlich die Nymphen der Brunnen und dergleichen Gewässer. Serv. ad Virg. Eclog X. v. 10. Sie hatten den Namen von ναω, ich fließe, und waren Göttinnen der Quellen und alles Flüssigen überhaupt. Porphyr. ap. Voss. Etymol. in Neo, p. 395. Sie wer den daher für Göttinnen der Flüsse selbst, ja auch der Seen und Teiche, angenommen, und können Lateinisch gar wohl Fluoniæ genannt werden. Voss. Theol gent. l. II. c. 80. Dann und wann sind sie so viel, als die Nymphen überhaupt, und werden daher auch selbst für die Oreaden, oder Bergnymphen gesetzet. Virgil. & Servius l. c.
 
Artikelverweis 
NAÎAS, ădis, Dr. Ναίας, αδος, ist eine der vorhergehenden Nymphen allein. Ovid. Met. I. v. 691. & Apollod. l. I. c. 9. §. 6.
 
Artikelverweis 
NĂĬDES, um, Gr. Νάϊδες, ων, sind einerley mit vorhergehenden Naiaden. Voss. Theol. gent. l. II. c. 80.
 
Artikelverweis 
NAÏS, ĭdos, Gr. Ναϊς, ίδος; ist eine der vorhergehenden Nymphen insonderheit. Virg. Eclog. II. v. 46. & Apollod. l. I. c. 7 §. 6.
 
Artikelverweis 
NANVS, i, Gr. Νάνος, ου, soll der eigentliche Namen seyn, welchen Ulysses anfänglich geführet hat. Tzetz. ad Lycophr. 1244. Einige wollen, er sey ihm von den Tyrrheniern beygeleget worden, zu denen er sich in seinen alten Tagen begeben, und bedeute einen Menschen, der überall herumschweife. Mezir. comment. sur les Ep. d'Ovide. T. I. p. 21.

[Bd. , Sp. 1685]



 
Artikelverweis 
NAPAEAE, arum, Gr. Ναπαῖαι, ῶν, eine Art Nymphen, und zwar insonderheit der Lustwälder, welche Griechisch νάπαι heißen, und daher solchen Göttinnen von sich den Namen gegeben haben. Philargyr. ad Virgil Georg. IV. v. 535. Sie sind aber, nach einigen, einerley mit den Dryaden, Serv. ad eumd. l. c. und werden von andern auch für Nymphen der Brunnen angegeben. Lex. Fabri in Napeæ. Dieß ist aber falsch, ob sie wohl sonst Nymphen der Thäler sind, als die im Griechischen ebenfalls νάπαι heißen. Voss. Theol. gent. l. II. c. 78. Noch andere machen sie insonderheit zu Nymphen der Feuchtigkeiten in den Kräutern und Blumen. Vives ad Augustin. de C. D. l. IV. c. 22. Dieß läßt sich in so fern verantworten, als der Namen Napäa von dem Ebräischen nuph herkommen soll, welches so viel, als tröpfeln, oder ausgießen, heißt, Vossius l. c. oder auch diese Nymphen von einigen für Nymphen der Sträuche und Bluhmen selbst angegeben werden. Luctat. ap. Barth. ad Stat. Theb. V. v. 519.
 
Artikelverweis 
NAPE, es, einer von Aktäons vielen Hunden, welche ihren eigenen Herrn zerrissen. Ovid. Met. III. v. 314. Hygin. Fab. 181.
 
Artikelverweis 
NARCAEA, æ, Gr. Ναρκαία, ας, ein Beynamen der Minerva, welchen sie von dem Narcäus hat, der ihr einen besondern Tempel in Griechenland erbauete. Paus. Eliac. prior. c. 16. p. 318.
 
Artikelverweis 
NARCAEVS, i, Gr. Ναρκαῖος, ου, ( Tab. XVI.) des Bacchus und der Physcoa Sohn, führete mit seinen Nachbarn viele Kriege, wodurch er einen großen Reichthum erlangete, und der Minerva, die hernach von ihm den Namen bekam, einen Tempel erbauete, sonst aber zuerst des Bacchus Dienst einführete. Pausan. Eliac. prior. c. 16. p. 318.
 
Artikelverweis 
NARCISSVS, i, Gr. Νάρκισσος, ου, ( Tab. IV.) des Cephissus und der Liriope, Ovid. Metam. III. v. 342. oder, wie sie andere nennen, der Lirioessa, einer Nymphe, Sohn. Eustath. ad Hom. II. B. v. 408. Als Liriope bey seiner Geburt den Tiresias befragete, ob er alt werden würde, so gab solcher zur Antwort,

[Bd. , Sp. 1686]


wenn er sich nicht kennen lernete. Ovid. l. c. Er war von einer so ungemeinen Schönheit, daß sich auch die Nymphe Echo in ihn verliebete, und, da sie dargegen von ihm beständig verachtet wurde, sich darüber dergestalt abhärmete, daß von ihr nichts, als die Stimme, übrig blieb. Allein, als er nachher sich selbst in einem klaren Brunnen, aus welchem er trinken wollte, gewahr wurde, so verliebte er sich dergestalt in sich selbst, daß er endlich auch vor Liebe vergieng und in eine Bluhme seines Namens verwandelt wurde. Ovid. l. c. Seine Eigenliebe soll so groß gewesen seyn, daß er sich auch nach seinem Tode noch in dem Wasser des Styx bespiegelt habe. Ovid. l. c. 505. Andere wollen, es habe ihn insonderheit einer, mit Namen Aminias, geliebet, und, da er ihm kein Gehör gegeden, so hätte sich dieser endlich selbst umgebracht, allein dabey die Götter angerufen, seine Rächer zu seyn. Dieses sey denn erfolget, als sich Narcissus selbst im Wasser gesehen; und, da er seiner Phantasie kein Genügen thun können, so habe er sich endlich selbst erstochen, da denn aus seinem Blute gedachte Bluhme hervor gewachsen. Conon Narr. 24. Nach einer andern Erzählung hatte er eine Zwillingsschwester, die ihm vollkommen ähnlich war, ihre Haare eben so trug, als er, sich eben so kleidete, und so gar mit ihm auf die Jagd gieng. Diese liebete er zärtlich, verlor sie aber durch den Tod; daher er oft zu einer Quelle gieng, und zur Beruhigung seiner Liebe sich einbildete, daß er darinnen seine Schwester sähe, ob er gleich wußte, daß es sein eigener Schatten war. Pausan. Bœot. c. 31. p. 589. Allein, da er doch keinen genugsamen Trost daher nehmen konnte, so vergieng er endlich vor Leiden, oder stürzete sich auch, nach einigen, selbst mit in den Brunnen und ersoff. Eustath. l. c. Cf. Nat. Com. l. IX. c. 16. Daß die Narcissen nicht erst von ihm entstanden, erhellet daher, daß Proserpina dergleichen gepflickt haben soll, als sie Pluto geraubet; Pausan. l. c. daher ihr denn auch

[Bd. , Sp. 1687]


solche Bluhme geheiliget gewesen. Phanodemus ap. Nat. Com. l. c. Es soll aber obige Erzählung von ihm und seiner Schwester einen wahren Grund in der Historie haben. Banier Entret. XIX. ou P. II. p. 277. Desf. Erl. der Götterl. V B. 383 S. Außerdem kann man ihn als ein Bild der närrischen Eigenliebe ansehen, nach welcher einer andere Leute verachtet, endlich aber ein Narr iwird, und selbst vergeht, Omeis Mythol. in Narcissus, p. 170. oder gleichsam nur in eine Bluhme verwandelt wird, die keine Frucht bringet. Masen. Spec. Ver. occult. c. XXIII. n. 11.