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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
GABÍNA bis GALINTHIAS (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis GABÍNA, æ, ein Beynamen der Juno, welchen sie von der Stadt Gabii in Italien hat, woselbst sie ehemals besonders verehret wurde. Virg. Aen. VII. 682. & Serv. ad ill.
 
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GADITÁNVS, i, ein Beynamen des Herkules, welchen er von der Stadt Gades führet, weil er daselbst einen seiner berühmtesten Tempel hatte. Silius l. III. Cf. Gyrald. Synt. X. p. 333. Es befand sich derselbe in einiger Entfernung von der Stadt auf einer Insel; und so wohl der thebanische, als ägyptische Herkules hatten darinnen ihre Altäre, aber keine Bildsäulen. Gleichwohl sah man die zwölf Arbeiten des einen daselbst in Stein ausgehauen. Philostrat. vit. Apollon. l. V. c. 5. p. 190. oder auch nur an den Thüren abgebildet. Sil. Ital. l. c. v. 32. Außerdem waren zwo viereckige Säulen wie Amboße aus zusammengeschmolzenem Golde und Silber, über eine Elle hoch, darinnen, auf deren Kapitälen eine Schrift war, die man nicht erklären konnte, und deren Buchstaben man weder für ägyptische noch indische ansah. Philostr. l. c. p. 191. Man meynet, es seyn phönicische gewesen. Olear. adh. l. & Bochart. Chan. L. I. c. 34. Andere sagen, diese Säulen wären acht Ellen hoch gewesen und man hätte auf solchen bemerket, wie viel der Bau dieses Tempels gekostet hätte. Sie sollen auch zu der Erzählung von den beyden Säulen, die Herkules daselbst gesetzet, Anlaß gegeben haben. Eustath. ad Dion. Perieg. v. 65. Zu diesem Tempel durfte keine Frauensperson und keine Sau kommen, und die Opfer geschahen darinnen mit besondern Cerimonien. Sil. Ital. l. c. v. 23. Man sieht den Herkules unter diesem Zunamen noch auf einer Münze des K. Hadrians mit der Keule in der linken und dreyen Aepfeln in der rechten Hand. Er ist im Gehen und hinter ihm befindet sich ein Schiffschnabel,

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vor ihm aber liegt ein Fluß mit Schilfrohre in der Hand, aber ohne Wasserkrug. Tristan comment. histor. p. 378. Er soll mit dem tyrischen einerley seyn. Ib. p. 382. sqq.
 
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GAEA ÉCHVS, i, Gr. Γαιαοῦχος, ου, ein gemeiner Beynamen des Neptuns, unter welchem er auch seinen besondern Tempel in Lakonien, unsern von Therapne, hatte. Pausan. Lacon. c. 20. p. 207. Es ist solcher von γαῖα, Erde, und ἔχω, ich habe oder enthalte, zusammengesetzet. Einige übersetzen ihn daher, in dessen Gewalt die Erde ist, Interpr. Paus. l. c. andere aber der die Erde enthält. Interpr. Phurnuti de N.D. c. 22. Cf. Voss. Theol. gent. l. II. c. 77.
 
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GALANTHIS, ĭdis, sieh Galinthias.
 
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GALATÉA, æ, Gr. Γαλάτεια, ας, ( Tab. IV.) des Nereus und der Doris Tochter, eine Nymphe. Hesiod. Theog. v. 250. Ihr Namen soll die schöne Gestalt des ruhigen Meeres an heitern Tagen bedeuten. Damms Götterl. 426. §. Sie wurde zugleich von dem Cyklopen, Polyphemus, und dem Acis, des Faunus und der Symäthis Sohne, in Sicilien geliebet. Weil sie aber jenem kein Gehör gab, so warf er seinen Mitbuhler, da er ihn eines Males bey ihr antraf, mit einem Stücke Felsen zu Tode, und sie konnte sich mit genauer Noth vor ihm wieder in die See flüchten. Ovid. Metam. XIII. 738. Indessen verwandelte sie doch das von dem zerquetschten Acis unter dem Steine hervor fließende Blut in einen Fluß seines Namens, mit dessen Wasser sie sich hernachmals wieder vereinbarete. Lact. Plac. Narr. l. XIII. Fab. 8. Dieß hat so fern annoch seine Richtigkeit, als der Fluß, Jakus, in Sicilien ist, welcher sich oberhalb Katanea in das sicilianische Meer ergießt. Indessen wollen doch einige, es habe ihr Polyphem nicht nur einen Tempel zu Ehren errichtet; sondern sie habe auch mit demselben den Galatus erzeuget. Bacchylid. ap. Nat. Com. l. IX. c. 8. Man meynet sie noch auf einem geschnittenen Steine abgebildet zu sehen, wo sie mit einem Schilde auf einem

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Scepferde sitzt und ein Delphin neben ihr herschwimmt. Wilde selgem. ant. n. 53.
 
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GALĂTES, æ, ( Tab. XVII.) des Herkules und der Tochter eines celtischen Königes Sohn. Er folgete seinem mütterlichen Großvater in dem Königreiche. Weil er nun durch seine tapferen Thaten nicht nur einen großen Ruhm erlangete, sondern auch sein Königreich, durch seine Siege sehr vergrößerte, so nennete er seine Unterthanen von sich Galater, woraus endlich Galli gemacht, und von solchen sodenn das Land Gallia genannt worden, wie es vorher von den Galatern Galatia hieß. Diod. Sic. l. V. c. 25. p. 210. Sieh an seinem Orte Celtine.
 
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GALĂTVS, i, Polyphems Sohn, welchen er mit der Galatea gezeuget haben soll. Bacchylides ap. Nat. Com. l. IX. c. 8.
 
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GALAXAVRE, es, Gr. Γαλαξαύρη, ης, ( Tab. III.) des Oceans und der Tethys Tochter, Hesiod. Theog. v. 353. welche einige lieber Malaxaure genannt wissen wollen. Guietus ad eumd. l. c.
 
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GALENE, es, Gr. Γαλήνη, ης, ( Tab. IV.) des Nereus und der Doris Tochter, eine der Meernymphen. Hesiod. Theog. v. 244. Sieh Nereides.
 
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GALEVS, ei, Gr. Γαλεὺς, έως, ( Tab. XIV.) des Apollo und der Themistus, einer Tochter des Zabius, Königs der Hyperboreer, Sohn, von welchem die Galeoten, in Attika, den Namen hatten. Steph. Byz. in Γαλεῶται.
 
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GALINTHIAS, ădis, Gr. Γαλινθιὰς, άδος, des Prötus Tochter und gute Freundinn der Alkmene, wurde gewahr, daß die Parcen und Lucina dieser Geburt mit dem Herkules aufhielten. Sie stellete sich daher ganz freudig an, und sagte zu ihnen, Alkmene habe, nach Jupiters Willen, einen jungen Sohn bekommen. Weil sie ihr nun glaubeten und also ihre zusammen gefaltenen Hände wieder aus einander gehen ließen, so kam Alkmene darauf erst mit dem Herkules glücklich nieder. Allein, da besagte Göttinnen nun sahen, daß sie von ihr betrogen worden, so verwandelten sie dieselbe in eine Katze, und legten ihr noch zur Strafe auf, daß

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sie durch das Maul ihre Jungen gebären sollte, weil sie dieselben durch das Maul belogen hätte. Indessen hatte Hekate doch Mitleiden mit ihr und nahm sie zu ihrer Bedientinn, Herkules aber erbauete ihr nach der Zeit eine Kapelle zu Ehren und brachte ihr selbst sein Opfer. Dieß beobachteten hernach die Thebaner lange Zeit, und ehe sie dem Herkules seinen Dienst abstatteten, opferten sie erst der Galinthias. Nicander ap. Ant. Liberal. c. 29. Andere nennen sie Galanthis, und machen sie nur zu einer Bedientinn der Alkmene, die von mittlerm Bürgerstande, allein doch treu und gut in ihren Diensten gewesen, und dabey einen Kopf voller gelben Haare gehabt hat. Sie soll die Juno selbst auf obbesagte Art betrogen haben, da sie dieselbe, als eine alte Frau, auf einem erhabenen Steine sitzen gesehen. Diese ergriff sie aber hernach dafür bey den Haaren, warf sie zur Erde und verwandelte sie in ein Wiesel. Daher soll sich solches noch gern in den Häusern bey den Menschen aufhalten. Ovid. Metam IX. 306. Indessen ist es ein bloßes Gedicht, daß die Wiesel, oder die Katzen, durch das Maul gebären sollen. Vermuthlich ist man nur auf dieß Vorgeben gekommen, weil solche Thiere ihre Jungen des Tages wohl zehnmal in den Mäulern von einem Orte zu dem andern schleppen. Farnab. ad l. c.