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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
CAANTHVS bis CÁDMVS (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis CAANTHVS, i, Gr. Κάανθος, ου, ( Tab. XI.) Neptuns Sohn, wurde von dem Vater abgeschickt, seine entführte Schwester, die Melia, wieder zu suchen. Als er aber erfuhr, daß Apollo solche habe, und er kein Mittel sah, sie ihm wieder zu entreißen, so unterstund er sich, dessen Hayn an dem Ismenus anzuzünden,

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wurde aber darüber mit einem Pfeile erschossen, und in dasiger Gegend begraben, woselbst dessen Grabmaal lange Zeit zu sehen gewesen. Pausan. Bœot. c. 10.
 
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CABIRA, æ, des Proteus Tochter, mit welcher Vulkan die Kabiren zeugete. Pherecyd. ap. Gyrald. Synt. I. p. 23. Sieh Cabiri.
 
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CABIRIA, æ, Gr. Καβειρία, ας, ein Beynamen der Ceres, unter welchem sie insonderheit einen Hayn in Böotien hatte, in den keine ungeweihete Person kommen durfte, wo sie nicht wie des Xerxes Soldaten unsinnig werden, und sich ins Meer oder die Felsen hinab stürzen, oder, wie Alexanders des Großen seine, vom Blitze erschlagen, oder sonst auf dergleichen Art hingerichtet seyn wollten. Pausan. Bœot. c. 25. p. 578. Sieh folgenden Artikel.
 
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CABÍRI, orum, Gr. Κάβειροι, ων, waren die Einwohner eines Ortes in Böotien, deren einer Prometheus hieß, bey welchem die Ceres, als sie ihre geraubte Tochter, die Proserpina, suchte, einkehrete, und ihm, sammt dessen Sohne, dem Aetnäus, etwas aufzuheben gab, welches sie auch heiligst verwahreten, ob gleich bis jetzo niemand eigentlich zu sagen weis, was es gewesen. Indessen war solches der Anfang zu dem geheimen Gottesdienste der Ceres, welchen besagte Kabiren verrichteten, indessen aber doch in dem Kriege der Epigonen wider die Thebaner auch von besagtem Orte mit vertrieben wurden, bis der Ueberrest von ihnen unter dem Telonda sich wieder daselbst einfand. Wie aber solcher Gestalt diese nichts mehr, als Priester besagter Göttinn waren; Pausan. Bæot. c. 25. p. 578. so hat dieß einige Schriftsteller verleitet, daß sie dieselben mit den Kureten, Korybanten und Daktylen für einerley gehalten, Strab. L. X. p. 466. Cf. Voss. de theol. gent. L. I. c. 57. welches aber nicht füglich seyn kann. Ban. Erl. der Götterl. II B. 493 S. Es machen dagegen andere ganz andere Personen aus den Kabiren, und sie zu wirklichen Göttern, deren Dienst zuerst von den Pelasgern nach Samothracien gebracht worden. Herodot. L. II. sect. 51. sq. Es soll aber

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der erste, der ihn daselbst eingeführet hat, Eetion geheißen haben. Clem. Alexand. in Protrept. p. 8. Indessen bleibt doch ihr wirklicher Ursprung sehr dunkel, indem nach einigen ihrer dreye männliches, und dreye weibliches Geschlechts von dem Vulcanus und der Kabira, des Proteus Tochter, sollen seyn gezeuget worden, denen man auch beyderseits ihre Tempel gewidmet habe. Pherecydes ap. Gyrald. Synt. I. p. 23. Nach andern aber sollen deren nur zweene gewesen seyn, nämlich Alkon und Eurymedon. Nonn. Dionys. L. XIV. v. 19. oder von einem andern Vater Jupiter selbst und Dionpsus, oder auch Dardanus und Jasion, Jupiters und der Elektra Söhne, ap. Gyrald. l. c. oder auch, und zwar insonderheit in Samothracien, insgesammt viere, nämlich Axieros, Axiokersa, Axiokersus und Kasmilus, und soll die erste die Ceres, die zweyte die Proserpina, der dritte den Pluto, und der vierte den Mercur bedeuten. Mnaseas ap. eumd. l. c. Cf. Schol. Apollon. ad l. I. v. 917. Nach dieser Anzeige sollen sie denn die Götter der Todten gewesen seyn. Reland. Dissert. misc. P. I. Diss. V. §. 6. Andere wollen, es wären die Dii penates gewesen, welche Aeneas mit nach Italien gebracht, Serv. ad Aen. II. 325. die mit Labans Götzen, welche Rahel mitgenommen, einerley gewesen seyn sollen. Dacier. ad Hor. L. II. Od. 4. Gutberleth. de myster. Deor. Cabirar. C. II. p. 14. Wie nun hierbey einige ihren Namen bald von besagter Kabira, des Proteus Tochter, bald von dem Berge Kabirus in der Landschaft Berecynthia herleiten; Stesimbrotus ap. Strabon. lib. X. p. 472. also machen ihn andere zu einem ebräischen Worte, und wollen, daß er von Kabir, groß, stark, Voss. Theol. gent. lib. II. c. 31. Cf. Gutberleth. de myster. Deor. Cabir. C. I. p. 11. oder auch Gabir, stark, mächtig, herkomme, Reland. l. c. §. 8. welches denn in so fern gar richtig ist, weil man solche Kabiren zum wenigsten für Popanze hielt, welche im mindsten zu beleidigen höchst gefährlich war. Paus. l. c. Indessen scheint ihr Dienst aus Aegypten

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hergekommen zu seyn, woselbst ein berühmter Tempel solcher Kabiren war, in welchen niemand, als der Priester, gehen durfte; jedoch gieng Cambyses, als er Aegypten bezwungen, auch in denselben, und nachdem er sein Gespött mit den darinnen befindlichen Statüen solcher Götter getrieben, so ließ er solchen endlich gar verbrennen. Herodot. c. 1. L. III. sect. 37. Ihr Dienst wurde dadurch besonders ehrwürdig, daß niemand anders, als Eingeweihete, solchen anhören durften, und sich die Priester bey ihren Cärimonien einer fremden Sprache bedienten. Diod. Sic. L. V. c. 49. p. 223. welche man für die phönicische halten will. Bochart. Chan. L. I. c. 12. Einige halten sie für einerley mit den Dioscuren, und geben für ihren Vater den Sydyck oder Jupiter an. Sanchuniathon ap. Euseb. laudante Marsham. Can. Chron. Sæc. I. p. 35. Nach diesen sollen denn ihrer sieben gewesen seyn, und den Aeskulapius, als ihren achten Bruder noch dazu bekommen haben. Euseb. Præp. Ev. L. I. c. 10. Sie wurden zuerst in Berytus, einer phönicischen Stadt, welche ihnen und dem Neptun Saturn geschenket hatte, verehret. Ib. Doch war der Aeskulapius, der daselbst mit unter den Kabiren verehret wurde, weder der griechische noch der ägyptische, sondern ein eingeborener Phönicier, und wurde auch Esmunus genannt. Damascius in vit. Isidor. ap. Phot. p. 1074. Da nun die Phönicier ihrem Ursprunge nach Aegyptier gewesen, so sollen sie auch die Verehrung der Kabiren von da mitgenommen haben, obgleich deren Benennung nicht ägyptisch ist. Wie aber dieser ihre Kabiren Kinder des Syduk oder des Gerechten seyn sollten: so waren der Aegypter ihre des Phthas, oder des Allesregierenden, unter welchen beyden Namen beyde Völker gleichwohl nur einerley Wesen, nämlich die ewige Ursache aller Dinge verehret haben. Iablonski Panth. ægypt. proleg. §. 26. p. 60. Diese sieben Kabiren der Aegypter und Phönicier nun sollen nichts anders, als die sieben Planeten, und der achte, welcher noch hinzu

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gekommen und aus diesen allen bestanden, die Welt gewesen seyn. Xenocrat. ap. Clement. Alex. in Protrept. p. 44. oder wie er vom Cicero de Nat. Deor. L. I. c. 13. angeführet wird, so sollen fünfe in den Irrsternen genannt werden, einer aus allen Gestirnen an dem Himmel, gleichsam wie aus zerstreuten Gliedern, zusammen genommen seyn, wozu er denn noch siebentens die Sonne und achtens den Mond füget. Dieses sollen denn die so berufenen acht ältesten Götter der Aegypter seyn, da man im Anfange nebst der Verehrung des wahren Urhebers der Welt die sieben Planeten, als dessen Kinder, verehret: nachdem aber die Kenntniß des wahren Gottes gänzlich verloren gegangen, einen Syduk, Phthas oder Vulcan dafür an die Stelle gesetzet. Iablonski l. c. p. 62. Hier könnte man nun leicht unser ganzes Weltgebäude zu der ägyptischen Lehrverfassung von den Kabiren machen; man dürfte nur die Erde mit unter die sieben Planeten schieben, und die Sonne für den Phthas oder den Vulcan und das Feuer erklären, von welchem sie alle regieret, umgetrieben und bestralet würden. Es machen aber einige einen großen Unterschied unter diesen und den andern Kabiren, weil sie weder von dem Jupiter oder Sydyk, noch von dem Vulcan oder Phthas insgesammt herkommen. Gutberleth l. c. c. 5. p. 39. Doch begreift man auch unter sie die samothracischen Götter, weil sich ihr Dienst vornehmlich in dieser und der nicht weit davon gelegenen Insel Imbrus fest gesetzet hatte. Stephan. in voc. Ἴμβρος, p. 327. Sie führen unter andern die Beynamen, Θεοὶ δυνατοὶ, oder die mächtigen Götter, Varro ex Augurum libris de R. R. lib. IV. Θεοὶ μεγάλοι, die großen Götter, Θεοὶ χριστοὶ, die guten oder nützlichen Götter, Cassius Hemina ap. Macrob. Saturn. l. III. c. 4. und so ferner. Es ließen sich auch viele Fürsten zu ihren Geheimnissen einweihen, wie man in den alten Geschichten überall findet, weil man in den gefährlichsten Unternehmungen großen Beystand von ihnen zu erhalten

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hoffete. Cf. Astorius de Diis Cabiris §. 8. in Poleni Thesaur. Antiq. T. II. p. 888. Sie wurden hiernächst auch in Phönicien, imgleichen in den Inseln Lemnus und Imbrus, ferner bey den Tyrrhenern und anderwärts mehr verehret. Huet. Demonstr. Evang. Prop. III. c. 6. §. 2. Zu Zerynth, einer Höhle in Thracien oder Samothracien, die den Kabiren geheilige war, opferte man der Hekate Hunde, welche Göttinn mit der Proserpina oder Ceres oft vermenget wird, und folglich mit zu den Kabiren gehöret. Stephan. in v. Ζηρύνθος, p. 289. Nonn. Dionys. L. XIII. 400. Es sollen ihnen auch selbst zu Rom drey Altäre in dem großen Rennkreise gewidmet gewesen seyn, Tertull. ap. Struvium Synt. A. R. c. 2. p. 172. Sonst aber war ihr geheimer Gottesdienst wohl nichts, als eine Nachäffung des mosaischen Gottesdienstes. Huet. loc. cit. Ihre Abbildung soll den Bildnissen des Vulcans ähnlich gewesen seyn, und doch die Gestalt eines kleinen Zwergjmännchens gehabt haben; weswegen sie eben vom Kambyses sollen seyn verspottet worden. Herodot. l. c. Man hat aber darinnen eine Art des Widerspruches zu sehen geglaubet, und daher gemeynet, es müssen Herodots Worte πυγμαίου ἀνδρὸς μίμησις das Bild eines starken handfesten Mannes heissen. Gutberleth. l. c. c. 6. p. 34. Wie aber, wenn es nun wirklich solche kleine Bilder, als des Labans Götzen gewesen wären, die doch wohl den Vulcan könnten vorgestellet haben? Sie kommen auf verschiedenen Münzen derjenigen Städte vor, worinnen sie verehret worden; und man trifft den Kabir vornehmlich auf den thessalonischen Münzen vielfältig an. Gemeiniglich steht er, mit einem Mantel bekleidet, zwischen einem brennenden Altare, den einige für einen Ambos halten, und einer Urne mit einem Palmenzweige, und hält in der linken Hand einen Hammer, und in der rechten Hand einen Ambos, den man auch zuweilen nur für Feuer ansieht. Wilde sel. numism. n. 96. conj. 92. & 93. Zuweilen steht er auch so in einem Tempel. Ib. n. 90. Auf einigen

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hat er statt des Amboses das Zeichen des Sieges in der rechten Hand, und nur einen Palmenzweig und eine Urne mit einem Palmenzweige neben sich. Ib. n. 94. Auf andern steht er ganz frey, und hat den Hammer in dem linken Arme liegen, und in der rechten das Zeichen des Steinbockes. Ib. n. 69. Seguin. ses numism. 15. Anderer beym Beger Thes. Brand. T. I. p. 483. Harduin. num. antiq. illustr. p. 203. u.a. zu geschweigen. Aus einigen derselben erkennet man, daß den Kabiren zu Ehren auch pythische Spiele gehalten worden. Wilde sel numism. n. 94. p. 123. welche auf solchen auch wohl Cabiria genannt werden. Morelli specim. tab. 13. So hießen aber überhaupt die Feste, welche für sie anfänglich zu Lemnus eingesetzet worden. Die Einwohner der Insel Imbrus nahmen sie bald darauf an, von da sie nach Griechenland und vornehmlich nach Theben kamen, wo sie sehr berühmt wurden. Meurs. Græc. fer. L. IV. v. Καβείρια.
 
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CABIRĬDES, um, eine Art Nymphen, die von den Kabiren ihren Namen haben, als deren Töchter, oder auch, wie andere wollen, deren Schwestern sie gewesen seyn sollen. Gyrald. Synt. V. p. 176. Sie hatten ebenfalls ihre besondere Verehrung und Tempel. Strabo L. X. p. 472. Sieh auch vorhergehenden Artikel.
 
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CABIRVS, i, einer von den Göttern der Macedonier, welchen sie insonderheit, als ihren Schutzgott, verehreten. Lactant. Inst. divin. l. I. c. 15. §. 8.
 
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CABRVS, CAPRVS, i, Gr. Κάβρος, ου, ein besonderer Gott, welchen man in der Stadt Phaselis in Pamphylien verehrete. Einige machen aus dieser Stadt eine Insel, und nennen den Gott CALABRVS. Suid. in v. Κάλαβρος. Man opferte demselben kleine gesalzene Fische. Daher von einer geringschätzigen Sache sprüchwortsweise gesaget worden Phaselitarum sacrisicium. Erasm. Adagior. Chil. p. 86.
 
Artikelverweis 
CACA, æ, ( Tab. XIV.) des Kakus Schwester, und also Vulcans Tochter, verrieth besagten ihren Bruder, als er dem Herkules einige von des

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Geryons Rindern entführet hatte; welches jedoch eins von diesen Rindern durch sein Brüllen selbst gethan haben soll, als Herkules die andern vorbey trieb. Virg. Aen. VIII. 190. Indessen war ihr doch zu Ehren eine besondere Capelle erbauet, in welcher, wie in dem Tempel der Vesta, ein stets brennendes Feuer unterhalten werden mußte. Serv. ad Virgil. l. c. Lactant. Instit. divin. lib. I. c. 20. §. 36.
 
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CACVS, i, Gr. Κάκος, ου, ( Tab XIII.)
 1 §. Namen. Diesen hat er von dem Griechischen Κακὸς, welches so viel, als böse oder arg, bedeutet, und sollen ihm solchen die Arkadier gegeben haben, als sie von ihm allerhand Drangsal ausstehen mußten. Serv. ad Virgil. Aen. VIII. c. 190. & Fulgent. Mythol. lib. II. c. 6.
 2 §. Herkunft und Beschaffenheit. Sein Vater soll Vulcanus gewesen seyn. Ovid. Fast. lib. I. v. 551. Wie aber seine Mutter geheißen, solches findet sich nirgends. Er war nicht allein ein ungeheuerer Riese, sondern auch ein sonst gar scheußliches Ungeheuer, welches darzu Feuer und Dampf aus seinem Rachen speyen konnte. Virgil. Aen. VIII. v. 198.
 3 §. Aufenthalt. Diesen hatte er in einer Höhle in dem Berge Aventinus, der damals annoch mit lauter Walde bewachsen war. Es war daher solche Höhle so versteckt, daß die Sonne selbst mit ihren Stralen nicht zu ihr hindurch dringen konnte. Virg. Aen. VIII. v. 195. Wie er hiernächst deren Eingang mit einem Steine, welchen keine zehn Paar Ochsen bewegen konnten, Ovid. l. c. v. 564. zu verwahren pflegte: also hatte er um solchen Eingang herum die Köpfe derer aufgesteckt, welche er umgebracht, Virgil. l. c. v. 196. & Ovid. l. c. v. 557. da hingegen die Knochen vor der Höhle herum zerstreuet lagen. Ovid. l. c. v. 558. Immittelst gieng solcher Eingang gegen die nachmalige große Rennbahn zu, und befand sich an dem Orte, der hernachmals die Salinen hieß und allernächst an der Porta Trigemina war, Solin. ap. Nardin.

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lib. VII. c. 8. oder nach dem jetzigen Rom, wo jetzo die Kirche der heil. Prisca zu sehen ist. Nardin. l. c. p. 449.
 4 §. Thaten und Tod. Er war nicht allein ein grausamer Straßenräuber, sondern gab auch einen entsetzlichen Mordbrenner ab. Wie aber endlich Herkules mit des Geryons Rindern durch Italien und also auch durch die Gegend trieb, wo er sich aufhielt, so ließ er sein Vieh, da er eine sehr gute und reiche Weide für dasselbe fand, auf solche gehen, und legete sich selbst etwas zu schlafen nieder. Indessen ließ sich Kakus solche Rinder so wohl gefallen, daß er nach einigen deren zwey, Ovid. Fast. I. v. 548. nach andern aber viere, Virgil. Aen. VIII. v. 208. entführete. Damit ihm nun Herkules nicht auf die Spur kommen möchte, so zog er sie bey den Schwänzen, und also rückwärts in seine Höhle. Als aber Herkules erwachte, und bey Umzählung seines Viehes die entführeten vermißte, so suchte er sie allenthalben aufs sorgfältigste, fand aber nirgends nichts; und, als er den Kakus, der vor seiner Höhle stund, darum befragete, so wollte er auch nichts von denselben wissen, und gleichwohl den Herkules nicht in seine Höhle lassen, sondern da solcher mit Gewalt hinein wollte, die benachbarten Hirten wider ihn zu Hülfe rief. Herkules gerieth auf den Einfall, und trieb die übrigen Rinder vor die Höhle. Da nun solche zu bölken anfiengen, so antworteten die in der Höhle, und verriethen also des Kakus Schelmerey. Hierüber kam es zwischen beyden zun Schlägen, weil Kakus seinen Raub im Guten nicht wieder hergeben wollte: er wurde aber gar bald von dem Herkules mit seiner Keule niedergeschlagen, welcher darauf dessen Raubnest völlig zerstörete. Dionys. Halic. lib. I. c. 5. & Livius lib. I. c. 7. Einige wollen, er habe sich selbst mit in seine Höhle versperret, welche denn Herkules mit aller seiner Gewalt nicht zu eröffnen vermocht, bis er endlich selbst eine über derselben stehende große Klippe abgerissen, und damit von oben eine Oeffnung in dieselbe gemacht.

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Als er darauf mit Bäumen und Steinen, wie die Mühlsteine, auf den Kakus losgestürmet, so habe dieser so viel Feuer und Rauch von sich gespyen, daß er sich ganz darinnen verstecket, dessen aber ungeachtet sey Herkules dennoch durch selbiges hindurch gedrungen, habe den Kakus ergriffen, ihn erwürget, und endlich bey den Füßen zur Höhle hinaus geschleppet. Virg. l. c. v. 220. & Iuvenal. Sat. V. v. 125. Noch andere wollen wissen, daß er ihn, als er sich lange mit Steinen und dergleichen gewehret, endlich noch mit seiner Keule erschlagen habe. Ovid. l. c. v. 575. Und obgleich die meisten darinnen überein kommen, daß er von den Rindern, die er in die Höhle gezogen, verrathen worden: so geben doch auch einige vor, daß solches von seiner eigenen Schwester, der Kaka, geschehen sey. Lactant. Instit. divin lib. I. c. 20. §. 36. & Servius ad Virgil. l. c. v. 190. Man hat noch die Vorstellung von seiner List, die gestohlenen Rinder bey den Schwänzen in seine Höhle zu ziehen auf einem geschnittenen Steine, worauf sich zugleich der Berg Aventinus zeiget, über welchen ein Fuchs läuft, diese List zu bemerken. Lipperts Dactyl. I Taus. n. 650. Man hält diesen Stein aber für die Arbeit eines Neuern. Mariette de pierres gravées. T. II. P. 1. tab. 89.
 5 §. Eigentliche Historie. Er wird nicht unwahrscheinlich für einen großen Straßenräuber und Mörder gehalten, Dion. Hal. lib. I. c. 5. & Libri Pontif. ap. Aur. Vict. de O. G. R. c. 7. welcher für des Vulcans Sohn angegeben wird, und Feuer und Rauch aus dem Rachen gespyen haben soll, weil er zugleich den Leuten Häuser und Höfe angestecket. Serv. ad Virg. Aen. VIII. v. 190. Jedoch nennen ihn einige auch nur einen Hirten; Liv. lib. I. c. 7. und noch andere machen ihn zu einem diebischen und verschlagenen Knechte des Evanders. Cassius ap. Aur. Victor l. c. c. 6. Inzwischen wie Herkules wegen seiner wieder gefundenen Rinder dem Jupiter den hernachmals lange in Rom bekannten höchsten Altar, Aram maximam,

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erbauete: also erwiesen ihm dagegen Evander und seine Arkadier für die Befreyung von dem Kakus auch selbst seine göttliche Ehre. Dion. Hal. l. c.
 6 §. Anderweitige Deutung. Er soll zum Beyspiele dienen, daß sich niemand auf seine Listigkeit zu verlassen habe, weil er bald und unversehens verrathen werden kann. Omeis Mythol. in Cacus s. p. 63.
 
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CADMEVS, ei, Gr. Καδμεῖος, ου, ein Beynamen des Bacchus, dessen Bildsäule Polydor aus einem Stücke Holz machete, welches mit dem Blitze, der die Semele erschlug, zugleich vom Himmel in ihr Bette gefallen seyn sollte. Pausan. Bœot. c. 12.
 
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CÁDMVS, i, Gr. Κάδμος, ου, ( Tab. XXII.)
 1 §. Namen. Dieser kömmt von dem phönicischen Cadam. der Morgen, her, Voss. Etymol. in Cadmea, s. p. 101. und ist also nicht so wohl der eigentliche Namen einer Person, als daß er deren Vaterland bemerket, und also einen bedeutet, der aus dem Morgenlande, oder auch insonderheit von den Kadmonim, Gen. XV. 19.& Bochart. Chan. lib. I. c. 19. einem besondern Volke, das in der deutschen Bibel die Kadmoniter genannt wird, hergekommen. Jedoch wollen auch einige, daß solches Cadmus so viel, als einen Führer, Banier Entret. XIII. ou P. II. p. 31. Eben dess. Erl. der Götterl. IV. B. 284 S. oder einen Feldherrn bedeuten soll. Chevreau Hist. du Monde lib. I. c. 6.
 2 §. Aeltern. Sein Vater war Agenor, Neptuns und der Libye Sohn, König in Phönicien, die Mutter aber Telephassa, Apollod. lib. III. c. 1. §. 1. oder, nach andern, Damno, oder Argiope, Schol. Apollon. adlib. III. v. 1185. & Hygin. Fab. 179. oder auch, wie sie noch andere nennen, Antiope; Schol. Eurip. ap. Gal. l. c. wiewohl doch auch einige ihm die Ehre eines königlichen Prinzen absprechen, und ihn nur zu einem Bedienten, und zwar zu einem Koche des Königs in Sidon, Euhemer. ap. Athen. L. XIV. c. 22. oder auch zu einem syrophönicischen

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Kaufmanne machen. Lucian. ap. Marsh. Sæc. IX. p. 124.
 3 §. Thaten und Schicksal. Als Jupiter seine Schwester, die Europa geraubet hatte, so wurde er nebst seinen Brüdern, dem Phönix und Cilix, von seinem Vater abgeschickt, mit dem Befehle, sie entweder wieder mit zurück zu bringen, oder auch selbst nicht wieder zu kommen. Apollod. lib. III. c. 1. §. 1. Er gieng also mit seiner Mutter und einem Theile Phönicier zu Schiffe, und, indem er bey der Insel Rhodus von einem heftigen Sturme befallen wurde, so gelobete er dem Neptun für seine Erhaltung einen Tempel, welchen er ihm auch in besagter Insel erbauete, und dessen Dienst einigen seiner zurück gelassenen Leuten anbefahl. Diod. Sicul. lib. V. c. 58. p. 227. Als er sich von dar wieder auf die Fahrt gemacht, so kam er endlich bis in Thracien, Apollod. l. c. woselbst die Telephassa starb; und, da er nirgends etwas von der Europa erfahren konnte, so begab er sich endlich nach Delphis, das Orakel ihrentwegen zu fragen. Allein, es antwortete ihm Apollo: Er sollte nach der Europa nicht fragen, wohl aber der Kuh, die ihm den Weg weisen würde, folgen, und, wo dieselbe sich vor Müdigkeit niederlegen werde, eine Stadt erbauen. Er gieng also durch die Landschaft der Phocenser; und, da eine Kuh von des Pelagons Heerde vor ihm hergieng, so folgete er ihr bis in Böotien, woselbst sie sich niederlegete, und ihm also nach dem Orakel den Ort anwies, wo er die neue Stadt hinbauen sollte. Indem er aber solche Kuh der Pallas opfern wollte, und daher einen der Seinigen absandte, aus des Mars Brunnen Wasser zu holen, so verzehrete solchen ein ungeheurer Drache; und, da solches andern mehr begegnete, so machte er sich selbst dahin, und erlegete endlich den Drachen, dessen Zähne er denn auf der Minerva Rath säete, worauf dafür lauter gewaffnete Leute aus der Erde empor stiegen, die aber auch gar bald wieder in einander geriethen, und sich insgesammt bis auf fünfe, nämlich den Echion, Udäus, Chthonius,

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Hyperenor und Pelor aufrieben. Dagegen mußte er selbst wegen des umgebrachten Drachens, der des Mars Sohn hieß, diesem ein Jahr lang, welches aber damals aus acht gemeinen Jahren bestund, als ein Knecht dienen. Apollon. lib. III. v. 1178. & ad eum Schol. l. c. item Apollodor. lib. III. c. 4. §. 1. 2. & Ovid. Metam. l. III. 10. Einige wollen, er habe solche Kuh von des Pelagons Hirten kaufen, und sie vor sich hintreiben müssen, Pausan. Bæot. c. 12. p. 559. und der Drache habe sich bey dem castalischen Brunnen aufgehalten. Hygin. Fab. 178. Er soll auch Böotien von dieser Kuh, ἀπὸ τοῦ βοὸς, benannt haben, wiewohl er ihm solchen Namen vielmehr von der Beschaffenheit seines Erdreiches, welches mit Schlamme und Morästen bedecket war, beygeleget hat. Bochart. Chan. L. I. c. 23. Allein, noch andere melden, daß er sich dasiger Gegend mit Gewalt bemächtiget, und die Hyanten, die sie mit den Aonen damals bewohneten, in öffentlicher Schlacht überwunden und folglich das Land zu räumen gezwungen habe, wogegen die Aonen gute Worte gegeben, und also auf dem Lande in ihren Dörfern gelassen worden. Immittelst habe er zu seiner Sicherheit den Ort und die Festung Kadmea erbauet; und, da sich mit der Zeit immer mehr und mehr Leute da eingefunden, so, daß auch die niedrigere Gegend um solchen Ort bebauet worden, sey endlich die Stadt Theben daher erwachsen, welcher die erwähnte Festung statt eines Schlosses gedienet. Pausan. Bœot. c. 5. Er soll auch zuerst die Buchstaben, und also die Kunst zu schreiben nach Griechenland gebracht haben, Herodot. L. V. Sect. 58. Tacit. Annal. XI. c. 14. & Plin. H. N. lib. VII. c. 56. Hygin. Fab. 277. welches jedoch nur nach einigen ein neues Alphabet gewesen seyn soll, dessen sich die Griechen nachher anstatt des pelasgischen bedieneten, welches lange vorher bey ihnen gebräuchlich gewesen. Ban. Erl. der Götterl. IV B. 285 S. Dabey wird er für den Urheber der Verehrung des Bacchus, oder vielmehr des Osiris,

[Bd. , Sp. 591]


für welchen er seinen Enkel wollte gehalten wissen, in solchem Lande, Diod. Sic. Lib. I. p. 14. Marsham. Can. Chron. Sæc. IX. p. 124. & Budd. Hist. V. T. Per. II. Sect. 2. p. 997. und für den Erfinder der Kunst, die Metalle zu schmelzen, angegeben, als welche er zuerst an dem Berge Pangäus in Thracien ausgeübet, Plin. H. N. l. VII. c. 56. und nachher auch zu Theben bekannt gemacht hat. Hygin. Fab. 274. Indessen, so glücklich und herrlich der Anfang seiner Regierung war, indem ihm nicht nur Minerva selbst seine Residenz zu Rechte machte, sondern auch Jupiter die Harmonia, seine und der Elektra, oder der Venus und des Mars Tochter, zur Gemahlinn gab, da denn bey ihrem Beylager alle Götter zugegen waren, und die Braut beschenketen, Apollod. l. c. §. 2. Diod. Sic. L. V. p. 223. Apollo und die Musen aber die Musik dabey machten; Nat. Com. lib. IX. c. 14. so unglücklich wurde nachher derselbe. Er verließ endlich Theben gar, und begab sich mit seiner Gemahlinn zu den Encheliern, woselbst sie ihre Wohnung am Flusse Drilo aufschlugen. Metrodorus ap. eumd. l. c. Da nun die Encheller von den Illyriern mit Krieg überzogen wurden, so gab ihnen das Orakel zu verstehen, sie würden den Sieg erhalten, wenn sie sich den Kadmus zu ihrem Heerführer erkieseten. Sie thaten solches, und überwanden auch ihre Feinde glücklich, Kadmus aber wurde wiederum König in Illyrien; allein auch bald darauf, nebst der Harmonia, in ein Paar Schlangen verwandelt, und also von dem Jupiter in die elysischen Felder versetzet; Apollodor. l. c. c. 5. §. 4. Dionys: Perieget. v. 387. & Nicander ap. Nat. Com. l. c. Jedoch wollen andere, daß sie nicht in Schlangen, sondern in Löwen verwandelt worden. Ptolem. Hephæst. lib. I. p. 306. Einige behaupten, sein Vorgeben, die entführete Europa zu suchen, sey nur erdichtet, und seine wahre Absicht sogleich gewesen, einen Ort zu seinem Bleiben in Europa auszufinden: er sey daher auch zuerst von den Böotiern geschlagen worden, habe sich aber doch

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hernach durch seine List und Ränke gegen sie behauptet, und sie endlich gar glaubend gemacht, als ob er mit den Seinigen gar aus der Erde entsprungen sey. Conon. Narrat. 37. Die Ursache, warum er von Theben weggegangen, soll nach einigen das viele Unglück seyn, welches er an seinen Kindern und Enkeln erlebete; Ovid. Metam. IV. v. 563. andere wollen, daß er den Linus daselbst umgebracht, und die dritten, daß ihn Amphion und Zethus gezwungen, sich von dar hinweg zu machen. Farnah. ad Ovid. l. c. Jedoch soll er auch, nach wieder andern, die Herrschaft zu Theben seinem Sohne, dem Polidor, Pausan. l. c. oder, wie einige sagen, seinem Enkel von der Agave, Pentheus, Apollod. L. III. c. 5. §. 2. überlassen haben. Daß er aber endlich insonderheit in einen Drachen, oder in eine Schlange verwandelt worden, soll noch um des umgebrachten oben erwähnten Drachens willen geschehen seyn. Ovid. l. c. v. 570.
 4 §. Familie. Seine Gemahlinn war, wie gedacht, Harmonia, Apollod. lib. III. c. 4. §. 2. oder wie sie auch genennet wird, Hermione, Schol. Horat. ap. Munck. ad Hygin. Fab. 6. und er zeugete mit ihr den Polydorus, der ihm mit der Zeit im Reiche folgete, Apollod. l. c. & c. 5. §. 5. ferner die Semele, mit welcher Jupiter den Bacchus zeugete, sie aber hernach auch selbst mit seinem Blitze verbrannte; Id. l. c. c. 4. §. 3. die Ino, welche Adamas heurathete, sie aber in seiner Raserey auch zwang, sich selbst mit ihrem noch übrigen Sohne, dem Melicerta, ins Meer zu stürzen, Id. ib. die Autonoe, welche Aristäus zur Gemahlinn nahm, und mit ihr den Aktäon zeugete, welchen endlich seine eigenen Hunde zerrissen; Id. ib. §. 4. die Agave, eine Gemahlinn des Echions, die aber in der Raserey ihren eigenen Sohn, den Pentheus, zerrissen, Id. ib. c. 5. §. 2. und endlich noch den Illyrius, den er aber auch erst bekam, als er sich schon von dem ihm so unglücklichen Theben hinweg gemachet hatte. Id. ib. §. 4. Das außerordentliche Unglück dieser Familie soll

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von der Eifersucht der Juno herrühren, weil Jupiter erst des Kadmus Schwester, und hernach auch dessen Tochter geliebet. Ovid. Metam. III. 256.
 5 §. Wahre Historie. Insgemein zwar wird er für einen Phönicier angegeben; Pausan. Bœot. c. 12. jedoch wollen auch einige mit aller Macht einen Aegypter aus ihm machen. Marsham. Canon. Chron. Sæc. IX. p. 121. Beyde können in so fern Recht haben, daß er sich aus Aegypten, als woselbst wenigstens sein Vater geboren worden, mit diesem erst nach Phönicien gewendet haben kann. Euseb. Chron. ad A.M. 3743. p. 25. & Schol. Pindar. ap. Calvis. ad A.M. 2509. Da er nun auch ein Phönicier gewesen, so wird wiederum in Zweifel gezogen, ob er ein Prinz, oder nur ein Bedienter des Agenors gewesen, wie bereits oben gedacht worden. Wenigstens scheinen diejenigen keine Freunde der Thebaner gewesen zu seyn, welche ihn nur für einen Koch des besagten Königes ausgeben, welcher sich in eine Sängerinn desselben verliebt, und solche endlich entführet habe, Euemer. ap. Athenæ. L. XIV. c. 22. Dagegen wollen andere, er habe um der Israeliten wegen fliehen müssen. Abel Hist. Monarch. lib. II. c. 1. §. 17. Die Erlegung des kastalischen Drachen deuten einige auf den König zu Theben, der Drakon geheißen, und von dem Kadmus erleget worden, die geheimnißvollen Zähne desselben aber wären seine Unterthanen gewesen, die sich nach seiner Niederlage wieder vereiniget, jedoch durch des Kadmus List einander selbst aufgerieben hätten; Palæphat. c. 6. andere aber verstehen allerdings ein dergleichen Ungeziefer, welches das Land um sich ganz ödegemacht habe. Als es nun Kadmus erleget, so habe er auch die zerstreueten Leute wieder zusammen gebracht, die aber wegen ihrer Wildheit gar bald in Händel mit einander gerathen, und sich folglich unter einander aufgerieben, welches denn also die Sparti, oder die aus den gesäeten Drachenzähnen entstandenen Menschen gewesen seyn sollen. Heraclit. de incredib. c. 19. Das Wahrscheinlichste

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aber ist wohl, daß Zähne einer Schlange im Phönicischen auch mit Erze beschlagene Wurfspieße bedeutet habe, und daß Kadmus ein Heer von dergleichen bewaffneten Leuten aus den Landeseinwohnern errichtet habe. Bochart. Chan. L. I. c. 19. Daß er endlich mit seiner Gemahlinn in eine Schlange soll seyn verwandelt worden, soll darauf gehen, daß er sich nach seiner Flucht von Theben sehr verborgen gehalten, oder auch, weil er seinen Ursprung von den Hevitern oder Heväern gehabt, welche den Namen von den Schlangen bekommen, weil sie, wie diese, in den Höhlen der Erde gewohnet. Bochart. loc. cit. Baniers Erl. der Götterl. IV. B. 282 S. Indessen setzen einige seine Zeit auf die Zeiten der ersten Richter, Petav. Rat. Temp. P. I. lib. I. c. 9. und andere die Erbauung der Stadt von ihm insonderheit auf das Jahr der Welt 2520. Calvis. ad A.M. 2520.
 6 §. Anderweitige Deutung. Weil er erstlich seinem Vater in Aufsuchung der Europa, sodann aber auch dem Apollo und der Pallas gehorsamet, so soll er nach vieler Arbeit und Dämpfung der Affecten endlich die schöne Harmonia, oder die Gelassenheit und Ruhe der Seelen erlanget haben, mit der er aber endlich auch in eine Schlange verwandelt worden, das ist eine große Weisheit durch seine Erfahrung und Geduld erlanget habe. Omeis Mythol. in Cadmus s. p. 65. Wenn aber auch von seinem Siege über die Sparter das Sprichwort Cadmeia Victoria, Gr. Καδμεία νίκη, entstanden, soll es einen Sieg bemerken, dessen sich der Obsieger nicht sehr zu erfreuen hat, weil Kadmus durch den Amphion und Zethus wiederum von Theben vertrieben worden. Masen. Spec. ver. occ. c. XXII. n. 16. Allein, andere verstehen solches Sprüchwort bald von den Thebanern, die zwar wider die vereinigten Fürsten gesieget, allein auch hernach wieder von den Epigonen überwunden worden; bald von dem Oedipus, der zwar das Räthsel des Sphinx errathen, allein dafür seine Mutter, zu seinem Verderben

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zum Preise erhalten; bald von dem Eteokles und Polynices, welche beyde in einem Zweykampfe blieben. Suid. in Καδμεία νίκη, s. Tom. II. p. 217. Also sollen die gewaffneten Leute, die aus den gesäeten Zähnen des erlegten Drachen entstanden, die Gelehrten seyn, welche von den Buchstaben, die er mit nach Griechenland gebracht, hergekommen, allein aus Neid gegen einander auch ihren Krieg mit einander angefangen, und darinnen jederzeit theils redlich, theils nur aus Affecten gefochten haben. Alciat. ap. Masen. l. c. c. XL. n. 18.