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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
AEGLÉIS bis AEGYPTVS (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis AEGLÉIS, ĭdos, Gr. Ἀιγληῒς, ίδος, eine von Hyacinths Töchtern, welche die Athenienser bey des Gerästus, eines Cyklopen, Grabe abschlachteten, um solcher gestalt den Hunger und die Pest abzuwenden, welche sie unter dem Aegeus plageten. Beydes aber war so vergebens, als grausam und unverantwortlich. Apollodor. lib. III. c. 14. §. 8.
 
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AEGLÉTES, æ, Gr. Ἀιγληπής, ου, ist ein Beynamen des Apollo, welcher insonderheit in der Insel Anaphe seinen Tempel hatte. Apollon. Argon. lib. IV. v. 1716. & Fragment. Callimach. Bentlei. 113. item Hesych. in Ἀιγλητής.
 
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AEGOBŎLVS, i, Gr. Ἀιγοβόλος, ου ein Beynamen des Bacchus, welcher vornehmlich von den Polniern in Böotien verehret wurde. Denn als dieselben ehemals in der Völlerey des Bacchus Priester hinrichteten, so wurden sie mit einer heftigen Pestilenz heimgesuchet, und erhielten von dem Orakel den Befehl, zur Versöhnung dieses Gottes, jährlich einen erwachsenen Knaben zu opfern. Sie thaten solches eine Zeitlang, bis sie endlich selbst auf dessen Anrathen eine Ziege an dessen Stelle unterschoben; daher er den Beynamen bekam. Pausan. Bœot. c. 8. Denn αἲξ, αἰγὸς, heißt eine Ziege, βάλλω aber ich werfe oder schiebe unter. Gyrald. Synt. VIII. p. 286. Jedoch wollen einige lieber Ἀιγοβόρος für Ἀιγοβόλος Kuhn. ad Pausan. l. c. lesen, welches von ἂιξ und βοράω ich fresse, ein Ziegenfresser heißen, und sich der Bedeutung nach gut genug schicken würde, weil Bacchus die Ziegen zu fressen schien, indem sie ihm geopfert wurden, wenn es sonst nur frey stünde, dergleichen Aenderung nach bloßem Gutdünken in den Auctoren zu machen.
 
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AEGOCEROS, i, Gr. Ἀιγοκέρος, ου, ein Zunamen des Pans, welcher von ἄιξ und κέρας so viel als Ziegenhorn

[Bd. , Sp. 90]


heißt, weil er sich in eine Ziege oder einen Widder verwandelte, da er von den Göttern unter die Gestirne versetzet wurde. Gyrald. Synt. XV. p. 453.
 
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AEGOLIVS, i, Gr. Ἀιγόλιος, ου, ein Cretenser, welcher mit noch einigen andern, nämlich dem Laia, Celeus und Cerberus, sich unterstund, in die Höhle zu gehen, worinnen Jupiter ehemals geboren war, und das Honig da heraus zu holen, welches die Bienen, die den Jupiter auferzogen, in großer Menge dahin getragen hatten. Sie bewaffneten sich daher ganz mit Erzte, und brachten auch eine große Menge Honig zusammen: allein, es sprangen ihnen doch die ehernen Waffen vom Leibe, und Jupiter selbst wollte sie mit dem Blitze niederschlagen. Weil ihm aber Themis und die Parcen vorhielten, daß es sich nicht gezieme, jemand an solchem Orte umzubringen, so verwandelte Jupiter sie insgesammt in Vögel ihrer Namen, Bœus ap. Anton. Liber. Metam. c. 19. die aber bey uns unbekannt sind.
 
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AEGOPHĂGA, æ, Gr. Ἀιγοφάγος, ου, und nicht Aegophora, wie Banier IV. Bande 645 S. saget, ein Beynamen der Juno, unter welchem sie einen Tempel zu Lacedämon hatte. Es soll ihr diesen Herkules selbst zuerst errichtet und darinnen eine Ziege geopfert haben, weil er damals nichts anders bey der Hand hatte, und doch dieser seiner Feindinn gern eine Ehre dafür erweisen wollte, daß sie ihm in dem Gefechte mit des Hippokoons Söhnen nicht entgegen gewesen war. Es fuhren hernach nichts desto weniger die Lacedämonier fort, ihr auch dergleichen Thier zu opfern, Pausan. Lacon. c. 15. und heißt also diese Juno von ἂιξ, αἰγὸς, eine Ziege, und φάγω, ich esse, so viel als eine Ziegenfresserinn, nachdem auch andere Götter der alten Griechen dergleichen schöne Ehrennamen mehr hatten.
 
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AEGYPIVS, i, Gr. Ἀιγύπιος, ου, des, Antheus Sohn, ein Thessalier, der, den Göttern und Menschen wegen seiner Gerechtigkeit und Großmuth lieb war, hatte seine Liebeshändel mit der

[Bd. , Sp. 91]


Timandra, einer schönen Witwe. Wie aber solches deren Sohn, den Neophron, heftig verdroß, so spielete er die Sachen so boshaft, daß Aegypius dereinst mit seiner eigenen Mutter, der Bulis, an statt der Timandra, zu thun bekam. Als nun Bulis ihn erkannte, so wollte sie ihm die Augen ausstechen und sich selbst umbringen: sie wurden aber alle viere von dem Jupiter in Vögel verwandelt, und zwar Aegypius und Neophron in Hasengeyer oder Gänseähre Timandra in eine Meise, und Bulis in einen Täucher, der bloß Fisch- Vogel- und Schlangenaugen fressen soll, weil sie diese dem Aegypius ausreißen wollen. Anton. Liber. Met. c. 5.
 
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AEGYPTIVS, i, Gr. Αἰγυπτιος, ου, ein Beynamen Jupiters, wovon aber keine Ursache angegeben wird. Gyrald. Synt. II. p. 92. Da es aber auf des Parmenides Zeugniß ankömmt, welcher saget Αἰγύπτιε ζεῦ Νεῖλε, so dürfte es vielleicht so sehr nicht gefehlet seyn, wenn man glaubete, daß er den Nil der Aegyptier Jupiter genennet habe, da denn solcher Name kein Geheimniß enthalten würde.
 
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AEGYPTIVS, i, ein Beynamen des Apollo, welchem, unter gleicher Benennung mit dem Aesculapius, Antonin einen Tempel erbauete. Pausan. Corinth. p. 27.
 
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AEGYPTIVS, i, ein bekannter Beynamen des Herkules, welcher selbst ein Aegyptier, und zwar insonderheit des Nilus Sohn, soll gewesen seyn Cicero de N.D. lib. III. p. m. 1197. a. Es verehreten ihn auch daher die Aegyptier sehr heilig, und glaubeten nicht allein, daß er mit dem Colus wider die Riesen gestritten und sie erleget; Macrob. Saturn. lib. I. c. 20. sondern gaben auch vor, daß es bis auf den Amasis allein 17000 Jahr wären, seit dem aus ihren ersten acht Göttern deren zwölfe geworden, von denen einer denn solcher Herkules gewesen Herodot. Euterp. c. 145. p. m. 144. So behaupten sie auch, daß ihr Herkules eben der gewesen, welcher die berühmten Säulen an dem Meere in Spanien und Africa errichtet, die Keule und Löwenhaut getragen,

[Bd. , Sp. 92]


die Erde von den wilden Bestien befreyet, und über zehen tausend Jahre älter sey, als der Griechen Herkules, Jupiters und Alkmenen Sohn. Diod. Sic. lib. I. c. 24. Wenn man nun die übertriebene Zeitrechnung hinweg thut, so scheint in der That vieles einem ägyptischen Herkules zuzuschreiben zu seyn, was sonst dem griechischen zugeeignet wird. Ob aber solcher eben Josua gewesen, wie einige Gelehrte behaupten wollen, Voss. Theol. Gentil. lib. I. c. 26. & Huet. Demonstrat. Evangel. Prop. IV. c. 14. §. 12. läßt man dahin gestellet seyn.
 
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AEGYPTVS, i, Gr. Αἴγυπτος, ου, ( Tab. XVIII.) des Belus und der Anchinoe, einer Tochter des Nilus, Sohn, wurde von seinem Vater nach Arabien geschickt, solches Land zu besitzen, welches er auch, als er der Melampoden Land verwüstet, von sich Aegypten nennete. Er zeugete hernach mit unterschiedenen Frauen 59 Söhne. Apollod. lib. I. c. 1. §. Weil er aber das Reich nach des Vaters Tode ganz allein behalten wollte, und daher unter dem Vorwande, seine 50 Söhne mit den 50 Töchtern seines Bruders, des Danaus, zu verheurathen, diesen mit sammt den Seinigen aus dem Wege zu räumen suchete, so ergriff Danaus die Flucht nach Griechenland, und wurde endlich selbst König zu Argos. Hygin. Fab. 168. Immittelst schickete ihm doch Aegyptus seine Söhne nach, und befahl ihnen, entweder den Danaus hinzurichten, oder selbst nicht wieder zu kommen. Es führeten auch diese in so fern seinen Befehl aus, daß sie den Danaus in Argos angriffen: und als solcher ihnen nicht widerstehen zu können vermeynete, so both er ihnen seine 50 Töchter an, wenn sie ihn in Ruhe lassen wollten. Da sie nun solches eingiengen, so ließ er sie insgesammt die erste Hochzeitnacht, jeden durch seine Braut umbringen, außer daß Hypermnestra den Lynceus, wider des Vaters Willen, beym Leben erhielt. Id. Fab. 170. Weil aber Danaus gleichwohl drey seiner Töchter nicht mit nach Argos brachte, und folglich so viel

[Bd. , Sp. 93]


Söhne des Aegyptus an dieselben nicht konnten verheurathet, und von ihren Bräuten ermordet werden, so zählen deren einige nur 47, welche sollen geheißen haben:
  Antimachus,Panthius,Proteus, Plexippus,Agenor,Chrysippus, Perius,Enceladus,Amyntor, 10. Obrimus,Mineus,Canthus, Asterius,Xanthus,Metalces, Philinas,Protheon,Asterides, Athamas,20. Armoasbus,Niavius, Pamphilus,Clytus,Aegyptus, Dryas,Echominus,Ephialtes, Eurysthenes,Midamus,39. Evideas, Polydector,Iltonomus,Cassus, Hyperanthus,Demarchus,Pugnon, AndromachusAtlites,Plexippus, 40. Antipaphus,Dolichus,Hyperbius, Podasimus,Aristonos,Antiochus, Eudämon,47. Lyuceus.Id. Fab. 170.
  Hingegen zählen andere deren allerdings 50, und haben sie nach solchen geheißen,
  Lynceus,Protheus,Busiris, Euceladus,Lycus, Daiphron, Ister,Chalcodon,Agenor, 10. Chäkus,Diacoristes,Alcis, Alcmenon,Hippothous,Euchenor, Hippolytus,Agaptolemus,Cercestis, Eurydamas20. Aegius,Argius, Archelaus,Minachus,Clitus, Sthenelus,Chrysippus,Eurylochus, Phantes,Peristhenes,30 Hermus, Dryas,Potamon,Cisseus, Lixus,Imbrus,Bromius, Polyctor,Chthonius,Periphas, 40 Oeneus,Aegyptus,Menalcas, Lampus,Idmon,Idas, Daiphron,Pandion, Arbelus, Hyberbius, und 50 Hppoeorystes,
  deren Mütter Argyphia, als die rechte Königinn und Gemahlinn des Aegyptus, Arabia, Phönissa, Tyria, Caliande, Gorgones und Hephästine, als Kebsweiber desselben gewesen. Apollod. l. c. §. 5. Es wurden aber dieser Köpfe, welche des Danaus Töchter dem Vater zum Zeugnisse, wie sie seinem Befehle nachgekommen, zugeschicket, zu Argos begraben, woselbst deren Begräbniß an der linken Seite des Weges, der zum Schlosse führete, zu sehen war, die Leiber hingegen wurden zu Lerna beerdiget, woselbst sie um das Leben gekommen waren. Pausan. Corinth. c. 24. p. 128. Daß aber Aegyptus hernach auch selbst in Griechenland nach Aroen gekommen, und aus Kummer über seiner Söhne Tod gestorben,

[Bd. , Sp. 94]


auch in dem Tempel des Serapis zu Patris begraben worden sey, Id. Achaic. c. 21. wollen einige eben nicht gern glauben. Abel Hist. Monar. lib. II. c. 1. §. 8. Und da er auch ja in Aegypten geblieben, so wird er doch wieder von dem Marathon, unrecht von einigen für den Sethosis, wie Danaus für den Armais gehalten; Marsham. Can. Chron. sæc. VIII. p. m. 132. wiewohl einige in Zweifel ziehen, daß jemals ein König in solchem Lande Aegyptus geheißen. Sie wollen daher lieber, daß der Namen solches Reiches von Αἴγυψ, αἴγυπος, ein Hasengeyer, gemachet worden sey, weil die Einwohner desselben, die Farbe solches Vogels gehabt; Perizon. Orig. Aegypt. e. 1. p. 10. & 13. welches man aber in seinem Werthe und Unwerthe beruhen läßt.