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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
AEGISTHVS bis AEGOBŎLVS (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis AEGISTHVS, i, Gr. Ἄιγισθος, ου, ( Tab. XXX.) des Thyestes und seiner eigenen Tochter, der Pelopia, Sohn, Hygin. Fab. 87. welche er, nach dem gottlosen Rathe des Orakels, gewaltsamer, ob wohl zugleich ihr unbekannter Weise, zu seinem Willen brachte, Id. Fab. 88. die aber auch den jungen Buben hernach so fort nach seiner Geburt weg warf. Da ihn aber einige Hirten fanden, so legeten sie denselben einer Ziege unter, die ihn denn mit ihrer Milch auferzog; wie er denn daher auch von αἲξ, αἰγὸς, eine Ziege, seinen Namen bekommen hat. Id. Fab. 87. & Aelian. H. V. lib. XII. c. 42. So bald ihn seine Mutter erkannt und sich deswegen umgebracht hatte, rächete er sie und seinen Vater an dessen Bruder Atreus, den er bey einem Opfer umbrachte. Hygin. Fab. 88. Als hernachmals alle tapfere Griechen mit vor Troja giengen, so blieb er zu Hause auf der Bärenhaut liegen. Weil er unn also sonst nichts zu thun hatte, so besuchete er indessen der abwesenden Heerführer zurück gelassene Weiber; Ovid. de Remed. Amor. lib. I. v. 163. wie er denn auch selbst mit der Clytämnestra, Agamemnons Gemahlinn, so gut Freund wurde, daß, als dieser Held nach einer zehenjährigen Abwesenheit wieder nach Hause kam, er solchen mit Beyhülfe besagter Clytämnestra elendiglich, nebst der Cassandra, ermordete, Hyg. Fab. 117. auch dessen mit der Cassandra gezeugeten Söhne, Teledamus und Pelops, bey der Aeltern Grabe abschlachtete. Pausan. Corinth. c. 16. Er bemächtigte sich damit selbst des Reiches des Agamemnons, und erzeugete mit der Clytämnestra die Erigone. Dictys. Cret. lib. VI. c. 2. Indem ihm aber doch Orestes, des Agamemnons Sohn, entrissen worden, so brachte dieser mit der Zeit einen starken Anhang zusammen, insonderheit aber stund ihm Strophius, ein Phocenser,

[Bd. , Sp. 88]


bey, dessen Tochter Aegisthus, um der Clytämnestra willen, verstoßen hatte, überfiel Mycenen, und weil Aegisthus nicht zu Hause war, richtete er erst die Clytämnestra hin, bekam aber bald darauf den Aegisthus auch in die Hände, und schickete ihm also seiner ehebrecherischen Mutter nach. Id. ib. c. 3. Andere erzählen diese Hinrichtung anders, und wollen, sie sey nur bloß durch List ausgeführet. Hygin. Fab. 119. Cf. Meziriac comment. sur les Ep. d'Ovid. T. II. p. 262. Die Tragödien, welche Sophokles, Fabric. Biblioth. Græc. lib. II. c. 17. §. 3. Livius Andronicus, Nävius und Attius Id. Biblioth. Lat. lib. IV. c. 1. §. 4. von ihm verfertiget, sind verloren gegangen.
 
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AEGI ÉCHVS, i, Gr. Ἀιγιοῦχος, ου, ist nach ionischer Mundart so viel, als Aegiochus, welches man daher nachsehen kann.
 
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AEGIVS, i, Gr. Ἄιγιος, ου, einer von des Aegyptus funfzig Söhnen, welcher des Danaus Tochter, Mnestra, zu seiner Braut bekam, allein, von solcher eben so, wie seine Brüder, von den ihrigen, in der ersten Hochzeitnacht hingerichtet wurde. Appollod. lib. II. c. 1. §. 5.
 
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AEGLE, es, Gr. Ἄιγλη, ης, ( Tab. I.) eine von den Töchtern des Hesperus, welche die goldenen Aepfel in den von ihm benannten Gärten der Hesperidum verwahreten. Apollod. lib. II. c. 4. §. 10. Sieh Hesperides.
 
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AEGLE, es, ( Tab. XIV.) die jüngste Tochter des Aesculapius. Schol. Ari stoph ad Plut. v. 701.
 
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AEGLE, es, ( Tab. VI.) der Sonne und der Clymenes Tochter und Schwester des Phaethons, Hygin Fab. 156. die wegen des Todes dieses ihres Bruders endlich, nebst ihren übrigen Schwestern, in Pappelbäume, wie ihre Thränen in Agtstein verwandelt wurden. Id. Fab. 154.
 
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AEGLE, es, der Sonne und der Neära Tochter, die schönste der Najaden, Virg. Ecl. VI. 21. welche dem Namen nach so viel, als der Glanz bedeutet. Gyrald. Synt. V. p. 180. Einige machen sie auch zur Mutter der Gratien,

[Bd. , Sp. 89]


die sie mit dem Apollo gezeuget haben soll. Antimach. ap. Paus. Bœot. c. 35.
 
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AEGLE, es, ein Beynamen des Mondes, dessen Bedeutung aus vorhergehendem Artikel zu ersehen ist. Gyrald Synt. V. p. 180.
 
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AEGLÉIS, ĭdos, Gr. Ἀιγληῒς, ίδος, eine von Hyacinths Töchtern, welche die Athenienser bey des Gerästus, eines Cyklopen, Grabe abschlachteten, um solcher gestalt den Hunger und die Pest abzuwenden, welche sie unter dem Aegeus plageten. Beydes aber war so vergebens, als grausam und unverantwortlich. Apollodor. lib. III. c. 14. §. 8.
 
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AEGLÉTES, æ, Gr. Ἀιγληπής, ου, ist ein Beynamen des Apollo, welcher insonderheit in der Insel Anaphe seinen Tempel hatte. Apollon. Argon. lib. IV. v. 1716. & Fragment. Callimach. Bentlei. 113. item Hesych. in Ἀιγλητής.
 
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AEGOBŎLVS, i, Gr. Ἀιγοβόλος, ου ein Beynamen des Bacchus, welcher vornehmlich von den Polniern in Böotien verehret wurde. Denn als dieselben ehemals in der Völlerey des Bacchus Priester hinrichteten, so wurden sie mit einer heftigen Pestilenz heimgesuchet, und erhielten von dem Orakel den Befehl, zur Versöhnung dieses Gottes, jährlich einen erwachsenen Knaben zu opfern. Sie thaten solches eine Zeitlang, bis sie endlich selbst auf dessen Anrathen eine Ziege an dessen Stelle unterschoben; daher er den Beynamen bekam. Pausan. Bœot. c. 8. Denn αἲξ, αἰγὸς, heißt eine Ziege, βάλλω aber ich werfe oder schiebe unter. Gyrald. Synt. VIII. p. 286. Jedoch wollen einige lieber Ἀιγοβόρος für Ἀιγοβόλος Kuhn. ad Pausan. l. c. lesen, welches von ἂιξ und βοράω ich fresse, ein Ziegenfresser heißen, und sich der Bedeutung nach gut genug schicken würde, weil Bacchus die Ziegen zu fressen schien, indem sie ihm geopfert wurden, wenn es sonst nur frey stünde, dergleichen Aenderung nach bloßem Gutdünken in den Auctoren zu machen.