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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
AEGIMIVS bis AEGLE (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis AEGIMIVS, ii, König der Dorienser, der von den Lapithen überfallen wurde; und, als er den Herkules um Hülfe rufen mußte, so both er solchem den dritten Theil seines Landes dafür an, welches ihm denn Herkules für die Seinigen aufzuheben wieder anvertrauete, als sie die Lapithen glücklich geschlagen hatten Diodor Sie lib. IV. c. 38.
 
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AEGÍNA, æ, Gr. Ἄιγινα, ης, ( Tab. XXIV.) eine von des Asopus vielen Töchtern, welche Jupiter entführete und mit ihr den Aeakus zeugete. Als ihr Vater sie unter andern auch zu Corinth suchete, so erfuhr er von dem Sisyphus, wer ihr Räuber gewesen; und, da er nicht abließ, sie ferner zu verfolgen, so schlug ihn Jupiter endlich mit seinem Blitze, daß er wieder umkehren mußte, und da er eigentlich ein Fluß war, von da an immer Kohlen mit sich führete. Inzwischen wurde Aegina in die Insel Oenone gebracht, die von ihr aber auch den Namen Aegina bekam. Apollod. lib. III. c. II. §. 6. Cf. Steph. Byz. in Ἄιγιναι. Einige wollen, Jupiter habe sich in Feuer verwandelt, als er mit ihr zu thun gehabt; Ovid. Metam. VI. 113. und wiederum andere geben sie nicht so wohl für des Aeakus Mutter, als Gemahlinn, aus, mit der er den Telamon gezeuget haben soll. Orph. Argon. v. 184. Nachher heurathete sie Actor, Myrmidons Sohn. S. dess. Art. Uebrigens ist besagte Insel Aegina das jetzige Engia in dem davon benannten Golfo di Engia zwischen Morea und dem ehemaligen Attica.
 
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AEGINAEA, æ, Gr. Ἀιγιναία, ας, ein Beynamen der Diana, unter welchem sie ihren besondern Tempel zu Sparta hatte. Pausan. Lacon. c. 14.
 
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AEGIŎCHVS, i, Gr. Ἀιγίοχος, ου, ein sehr gemeiner Beynamen des Jupiters, welchen er, nach einigen, von der Aega und ἔχω, ich habe, führet, weil er sich besagter Aega Haut an statt eines Schildes in dem Streite wider die Titanen

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bedienete; Musæus ap. Lact. Inst. lib. I. c. 21. §. 39. Nach andern aber hatte er ihn von der Aega, Pans Gemahlinn, mit welcher er den Aegipan gezeuget; Euchemerus ap. Hygin. Astron. Poet. lib. II. c. 13. die dritten leiten ihn von αΐσσω, impetu feror her, Phurnut. de Nat. Deor. c. 9. die vierten zwar auch von der obbemeldeten Aega, allein nicht von ἔχω, sondern ὀχὴ, die Nahrung, weil er zuerst von ihrer Milch sey unterhalten worden; Spanhem. ad Callim. Hymn. in Iovem v. 49. die fünften von Ἆιγες, fluctus maris, weil er nach der Poeten Ausdrucke maris tempestatis que potens, oder ein Herr über das Meer und dessen Stürme sey. Vossii Theol. Gentil. lib. II. c. 34. Einige wollen ihn zwar von dem besondern Schilde Aegis, idos, herleiten: allein, weil er auf solche Art, vielmehr Aegidochus, als Aegiochus, heißen müßte, zu geschweigen, daß auch andere Umstände solche Ableitung nicht zustehen, so wird selbige billig verworfen. Gyrald. Syntagm. II. p. 90. 91. & Vossius l. c.
 
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AEGĬPAN, ánis, Gr. Ἀιγίπαν, ανος, ( Tab. X.) Jupiters Sohn, welchen er mit der Aega, Pans Gemahlinn, zeugete, die ihm den Namen von sich und ihrem rechten Manne gab. Hygin. Astron. Poet. lib. II. c. 13. Doch soll er auch mit dem Jupiter auferzogen, und daher von diesem hernach mit unter die Sterne versetzet worden seyn, wo er noch jetzo der Capricornus oder Steinbock ist. Id. ib. c. 28. Als sonst Tpphon dem Jupiter die Nerven ausgeschnitten und in einer Bärenhaut in der coricpschen Höhle in Cilicien verstecket hatte, so half er dem Mercurius sie da weg stehlen, und dem Jupiter wiederum anmachen. Apollod. lib. I. c. 6. §. 3. Uebrigens wird er für der Lateiner Splvanus gehalten, Plutarch. ap. Voss. Etymol. in Faustus. und von oben her als ein Mensch, von unten aber wie eine Ziege gebildet. Lucian. ibid. Ob es aber dergleichen Thiere gebe, die insonderheit des Nachts auf dem Berge Atlas in Africa ihr Unwesen haben, Plin. Hst. nat. lib. V. c. 1. daran wird billig gezweifelt.

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AEGIS, ĭdos, Gr. Ἀιγὶς, ίδος, war ein ganz ungeheueres Thier, welches die Erde hervor brachte. Es spie aus seinem Rachen lauter Feuer, und verbrannte damit ganz Phrygien. Von da wendete es sich auf den Berg Caucasus und verbrannte dessen Wälder bis in Indien hinein, lenkete sich aber so dann wieder an das Meer und setzete den Libanon in Brand, verheerete ferner Aegypten und Libyen, bis es als ein Blitz auf die ceraunischen Gebirge fiel. Dieses Wunderthier erlegete endlich Minerva durch ihre Stärke und Klugheit, und machete sich aus dessen Haut einen Brustharnisch, welcher so wohl wider alle Gewalt, als auch zu einem Denkmaale dieser ihrer so besondern That dienete. Diod. Sic. lib. III. c. 70. Sie setzete nachher auch ders Medusa Kopf darauf, Serv. ad Virg Aen. VIII. 435. und bedienete sie sich nicht nur dergleichen, sondern auch Jupiter selbst, wie nicht weniger Juno und andere Götter mehr, Cerda ad Virgil. l. c. von denen aber Jupiters seiner insonderheit von dem Felle der Aega gemachet war. wie unter dem Titel Aega beygebracht worden. Es heißt aber alle dergleichen Verwahrung bey den Göttern, Aegis, die bey den Menschen Lorica genannt wird, Serv. ad Virg. l. c. und wird insgemein von einer schuppichten Drachenhaut gebildet, Taubm. ad eumd. l. c. wie sonst etwan die alten Schuppenpanzer gewesen sind. Cerda ad Virg. Aen. IX. v. 707. Virgil saget Aen. VIII. 435. die Cyklopen hätten die fürchterliche Aegis, der aufgebrachten Pallas Waffen, um die Wette mit Schlangenschuppen und Golde gezieret, so wie auch die in einander gewickelten Schlangen und selbst den auf der Brust der Göttinn befindlichen abgehauenen Medusenkopf, der noch die Augen verdrehete. Beym Homer, Iliad. V. 736. wo sich Minerva zum Kriege rüstet, bedecket sie sich die Schulter mit der schrecklichen Aegis, von welcher hundert goldene Quasten hängen, und um welche allenthalben Furcht schwebet. Auf derselben aber sitzt Zwietracht, Streitsucht, Blutdurft,

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und in der Mitte der Gorgonenkopf, der gräuliche Kopf des scheußlichen Ungeheuers, dessen Anblick man nicht ausstehen kann, das erstaunliche Wunder des Jupiters Aegiochus.
 
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AEGISTHVS, i, Gr. Ἄιγισθος, ου, ( Tab. XXX.) des Thyestes und seiner eigenen Tochter, der Pelopia, Sohn, Hygin. Fab. 87. welche er, nach dem gottlosen Rathe des Orakels, gewaltsamer, ob wohl zugleich ihr unbekannter Weise, zu seinem Willen brachte, Id. Fab. 88. die aber auch den jungen Buben hernach so fort nach seiner Geburt weg warf. Da ihn aber einige Hirten fanden, so legeten sie denselben einer Ziege unter, die ihn denn mit ihrer Milch auferzog; wie er denn daher auch von αἲξ, αἰγὸς, eine Ziege, seinen Namen bekommen hat. Id. Fab. 87. & Aelian. H. V. lib. XII. c. 42. So bald ihn seine Mutter erkannt und sich deswegen umgebracht hatte, rächete er sie und seinen Vater an dessen Bruder Atreus, den er bey einem Opfer umbrachte. Hygin. Fab. 88. Als hernachmals alle tapfere Griechen mit vor Troja giengen, so blieb er zu Hause auf der Bärenhaut liegen. Weil er unn also sonst nichts zu thun hatte, so besuchete er indessen der abwesenden Heerführer zurück gelassene Weiber; Ovid. de Remed. Amor. lib. I. v. 163. wie er denn auch selbst mit der Clytämnestra, Agamemnons Gemahlinn, so gut Freund wurde, daß, als dieser Held nach einer zehenjährigen Abwesenheit wieder nach Hause kam, er solchen mit Beyhülfe besagter Clytämnestra elendiglich, nebst der Cassandra, ermordete, Hyg. Fab. 117. auch dessen mit der Cassandra gezeugeten Söhne, Teledamus und Pelops, bey der Aeltern Grabe abschlachtete. Pausan. Corinth. c. 16. Er bemächtigte sich damit selbst des Reiches des Agamemnons, und erzeugete mit der Clytämnestra die Erigone. Dictys. Cret. lib. VI. c. 2. Indem ihm aber doch Orestes, des Agamemnons Sohn, entrissen worden, so brachte dieser mit der Zeit einen starken Anhang zusammen, insonderheit aber stund ihm Strophius, ein Phocenser,

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bey, dessen Tochter Aegisthus, um der Clytämnestra willen, verstoßen hatte, überfiel Mycenen, und weil Aegisthus nicht zu Hause war, richtete er erst die Clytämnestra hin, bekam aber bald darauf den Aegisthus auch in die Hände, und schickete ihm also seiner ehebrecherischen Mutter nach. Id. ib. c. 3. Andere erzählen diese Hinrichtung anders, und wollen, sie sey nur bloß durch List ausgeführet. Hygin. Fab. 119. Cf. Meziriac comment. sur les Ep. d'Ovid. T. II. p. 262. Die Tragödien, welche Sophokles, Fabric. Biblioth. Græc. lib. II. c. 17. §. 3. Livius Andronicus, Nävius und Attius Id. Biblioth. Lat. lib. IV. c. 1. §. 4. von ihm verfertiget, sind verloren gegangen.
 
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AEGI ÉCHVS, i, Gr. Ἀιγιοῦχος, ου, ist nach ionischer Mundart so viel, als Aegiochus, welches man daher nachsehen kann.
 
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AEGIVS, i, Gr. Ἄιγιος, ου, einer von des Aegyptus funfzig Söhnen, welcher des Danaus Tochter, Mnestra, zu seiner Braut bekam, allein, von solcher eben so, wie seine Brüder, von den ihrigen, in der ersten Hochzeitnacht hingerichtet wurde. Appollod. lib. II. c. 1. §. 5.
 
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AEGLE, es, Gr. Ἄιγλη, ης, ( Tab. I.) eine von den Töchtern des Hesperus, welche die goldenen Aepfel in den von ihm benannten Gärten der Hesperidum verwahreten. Apollod. lib. II. c. 4. §. 10. Sieh Hesperides.
 
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AEGLE, es, ( Tab. XIV.) die jüngste Tochter des Aesculapius. Schol. Ari stoph ad Plut. v. 701.