Wörterbuchnetz
Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
AEÉTA bis AEGIĂLE (Bd. , Sp. )
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis AEÉTA, oder
 
Artikelverweis 
AEÉTES, æ, Græc. Ἀιήτης, ου, ( Tab. VI.) des Helius oder der Sonne, und der Perseis, Apollod. lib. I. c. 9. §. 1. oder der Persa, Hygin. Præf. II. oder auch, nach noch andern, der Antiope, Schol. Pind. ad Ol. Od. 13. ap. Muncker. ad Hygin. l. c. Sohn, war König in Colchis, als Phrixus mit dem goldenen Vliesse dahin kam, mit dem er sich sowohl bey ihm einzuschmeicheln wußte, daß er ihm endlich auch seine Tochter, Chalciope, zur Gemahlinn gab. Er wiedmete darauf gedachtes goldene Vließ dem Mars, und ließ es in dessen Hayne mit Nägeln fest an eine Eiche machen, Apollod. l. c. damit es ihm nicht wieder entwendet würde. Da ihm nun

[Bd. , Sp. 79]


auch das Orakel gesaget, daß er alsdenn selbst würde sterben müssen, so ließ er nicht allein den Ort mit einer Mauer einfassen, sondern setzete auch eine starke Wache von Soldaten aus Taurica, mit einem Hauptmanne, der Draco hieß, darzu; woher denn die Griechen hernachmals die Fabel genommen, daß solches goldene Vließ von feuerspeyenden Ochsen und einem ungeheuren Drachen bewahret worden. Diodor. Sicul. lib. IV. c. 48. Als nach der Zeit Jason mit den Argonauten zu ihm kam, und das goldene Vließ wieder forderte, so versprach er, es ihm zu geben, wenn er allein bemeldete Ochsen in das Joch gespannet, damit geackert, und des castalischen Drachen Zähne, wovon er einen Theil hatte, würde gesäet haben. Allein, ungeachtet er solches alles durch die Medea, des Aeetes Tochter, die sich in den Jason verliebet hatte, ins Werk setzete, so wollte dennoch Aeetes sein Wort nicht halten, sondern dachte vielmehr, der Argonauten Schiff anzustecken, und sie alsdann insgesammt hinzurichten. Jedoch auch diesem kam Jason durch der Medea Nachricht zuvor, und brachte nicht allein oft bemeldetes Vließ glücklich darvon, sondern entgieng auch nebst der Medea, und seinen übrigen Leuten des Aeetes Grausamkeit glücklich. Apollod. l. c. §. 23. & Val. Flacc. Arg. lib. VII. Dieser setzete ihnen zwar, nach einigen, in Person nach: indem er aber seines Sohnes, des Absyrtus, Glieder, welche Medea hin und her zerstreuet hatte, zusammen las und begrub, so entkam ihm Jason und Medea vollends. Apollod. ib. §. 24. Ihm war prophezeyet worden, ein Fremder würde ihm seine Krone und sein Leben nehmen; daher ließ er denn alle, die in sein Reich kamen, dem Mars aufopfern. Diodor. Sic. L. IV. c. 47. Dieses wiederfuhr auch dem Phrixus, aller versprochenen Sicherheit ungeachtet. Hygin. l. c. & Lactant. ad Stat. Theb. L. II. v. 281. Weil er nun ebenfalls den Argonauten Clytius erleget hatte: Hygin. Fab. 14. p. 43. so wollen einige, daß er noch mit den Argonauten am Ufer der See in ein hartes Gefecht gerathen, und unter Meleagers

[Bd. , Sp. 80]


Anführung, unter seinen Leuten mit niedergemachet worden. Id. ib. c. 49. cf. Schol. Apollon. ad lib. IV. v. 223.
 
Artikelverweis 
AEGA, æ, Gr. Αἴγη, ης, ( Tab. XIII.) Olens Tochter, erzog mit ihrer Schwester, der Helice, den Jupiter, und wurde dafür von ihm hernach mit unter die Sterne versetzet. So hatte auch die Stadt Aega in Aemonien von ihr den Namen. Andere geben sie für eine Tochter der Sonne aus; und da die Titanen den Himmel stürmeten, so wurden sie durch deren Glanz dermaßen erschrecket, daß sie ihre Mutter, die Erde, bathen, solche zu verfinstern, welche sie denn auch in eine ihrer Höhlen verborgen haben soll, worauf sie erst Jupiters Amme geworden. Noch andere melden, sie sey Pans Gemahlinn gewesen, mit der aber Jupiter auch zu thun gehabt, und einen Sohn, den Aegipan, gezeuget habe. Hygin. Astron. Poet. lib. II. c. 13. Ob sie nun gleich der Sonnen Tochter gewesen, so halten doch einige sie zugleich für eine Ziege, und zwar von so schrecklicher Gestalt, daß sich die Titanen vor ihr entsetzet; und da ihre Mutter sie in einer Höhle in Creta verborgen, so habe Amalthea mit deren Milch den Jupiter erzogen, der auch hernach ihr Fell statt seines Schildes gebrauchet, weil kein Gewehr durch selbiges gegangen. Zur Dankbarkeit dafür hat er sie unter die Sterne gesetzet, wo sie denn noch die Ziege auf dem Rücken des Fuhrmannes seyn soll. Eratosthen. Catasterism. 13.
 
Artikelverweis 
AEGAEON, onis, Gr. Ἀιγαίων, ωνος, ( Tab. II.) des Cölus und der Erde, Hesiod. Theog. v. 149. oder auch der Erde und des Pontus Sohn, Eumelus apud Schol. Apollon. ad lib. I. v. 1165. stund dem Jupiter wider die Riesen bey; oder, da ihn Juno, Pallas, Neptun und die übrigen Götter gefangen genommen, machte ihn Thetis durch diesen Aegäon von seinen Banden wieder los. Serv. ad Virg. Aen. VI. v. 287. Doch wollen auch einige, er sey mit wider den Jupiter gewesen, und von ihm mit dem Donner erleget worden. Virg. Aen. X. v. 567. & Serv. ad Virg. l. c. Hingegen geben noch andere vor, Neptun habe ihn überwunden und im Meere ersäuft;

[Bd. , Sp. 81]


Conon ap. Gyrald. Synt. V. p. 171. und wiederum andere schreiben, Neptun habe ihn zu seinem Eydame gemachet, und seine Tochter, Cymopolia, zur Gemahlinn gegeben; Hsiod. l. c. v. 817. daher ihn auch einige zu einem von den Meergöttern machen, Ovid. Metam. L. II. v. 10. & Gyrald. l. c. wofern solches nicht ein anderer Aegäon seyn soll. Er hatte aber diesen Namen Aegäon nur bey den Menschen, und wurde von den Göttern Briareus genannt. Homer. Il. A. v. 403. cf. Serv. l. c. Man giebt ihn für einen ungeheuren Riesen aus, der hundert Arme, Virgil Aen. X. v. 565. und funfzig, oder, nach einigen, gar hundert Köpfe hatte, aus deren Rachen er Feuer spie. Servius & Taubman. ad Virg. Aen. VI. v. 287. Er war zum Hüter in dem Eingange der Hölle bestellet, damit die Titanen sich nicht etwan von ihren Banden los machen, und den andern, die sich in dasiger Gegend befanden, Schaden thun möchten. Taubman. ibid.
 
Artikelverweis 
AEGAEON, ónis, ( Tab. XIX.) einer von des Königes in Arcadien, Lykaons, 50 Söhnen, welche Jupiter endlich, ihrer übermachten Bosheit halber, mit dem Blitze erschlug und verbrannte. Apollod. lib. III. c. 8. §. 1.
 
Artikelverweis 
AEGAEVS, i, Gr. Ἀιγαῖος, ου, ein Beynamen des Neptuns, welchen ervon der Stadt Aegis in Euböa führete, bey welcher er seinen besonderen Tempel hatte, der auf einem hohen Berge lag, und sonst auch eine Stadt um sich gehabt hatte, die aber mit der Zeit wieder vergangen war. Strabo lib. IX. p. m. 737. Conf. Gyrald. Synt. V. p. 163.
 
Artikelverweis 
AEGEÓNEVS, ëi, Gr. Ἀιγεωνεὺς, έως, ( Tab. XXXI.) einer von des Priamus vielen Söhnen, doch nicht von der rechten Gemahlinn, der Hecuba. Apollod. lib. III. c. 2. §. 5.
 
Artikelverweis 
AEGERIA, æ, sieh Egeria.
 
Artikelverweis 
AEGÊVS, ëi, Gr. Ἀιγεὺς, έως, ( Tab. XXIX.) Pandions II, Königes zu Athen, Sohn, Pausan. Attic. c. 5. folgete A.M. 2668 seinem Vater, Voss. Hist. Univ. p. 9. und, weil er den Androgeus, des Minos II, Königes in Creta Sohn, aus geschöpftem Argwohne wider ihn hinrichten lassen, Diod. Sic. l. IV. c. 62. so

[Bd. , Sp. 82]


wurde er endlich durch Hunger und Pest gezwungen, dem Minos zur Genugthuung alle 7 Jahre 7 Knaben und 7 Mägdchen nach Creta zu senden, woselbst sie denn von dem Minotaurus elendiglich gefressen wurden. Apollod. lib. III. c. 14. §. 8. & Diod. Sic. l. c. c. 63. itemque Hygin. Fab. 41. Als aber endlich auch seinen Sohn, den Theseus, das Looß traf, so brachte solcher durch Beyhülfe der Ariadne, des Minos Tochter, den Minotaurus selbst um; und führete Ariadnen mit sich hinweg. Er verlor solche unterwegens, und vergaß daher vor Kummer die schwarzen Segel von dem Schiffe abzunehmen, welche die Athenienser zu führen pflegten, wenn sie den so schmerzlichen Tribut nach Creta schicken mußten. Aegeus meynete also nicht anders, als sein Sohn wäre umgekommen, und stürzete sich daher ms Meer, ehe noch das Schiff näher kam, und er die wahre Beschaffenheit der Dinge erfahren konnte. Diod. Sic. l. c. & Pausan. Att. c. 22. Dieses Meer bekam denn davon den Namen, und wurde das ägäische genannt, Hygin. Fab. 43. & Serv. ad Virgil. Aen. III. v. 74. er selbst aber für einen Sohn des Neptuns gehalten. Vossii Theol. Gent. lib. I. c. 15. Die Tragödien, welche Sophokles Fabric. Biblioth. Gr. lib. II. c. 17. §. 3. und Euripides Id. ibid. c. 18. §. 3. von ihm geschrieben, sind vorlängst verloren gegangen.
 
Artikelverweis 
AEGIĂLE, es, Gr. Ἀιγιάλη, ης, ist nach einigen eine von den drey Gratien, deren Schwestern die Pasithea und Euphrosyne seyn sollen, die aber andere insgesammt auch anders nennen. Nat. Comes Mythol lib. IV. c. 15.
 
Artikelverweis 
AEGIĂLE, es, ist nach einigen Dict. Cret. lib. VI. c. 2. so viel, als Aegialea, des Diomedes Gemahlinn, von der so gleich ein mehreres folget.