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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
AECAEVS bis AEGAEVS (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis AECAEVS, einer von den vielen Freyern der Helena, Hygin. Fab. 81. der aber besser Ancäus genannt wird. Muncker. ad eumd. l. c.
 
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AECHMAGŎRAS, æ, Gr. Ἀιχμαγόρας, ου, ( Tab. XVII.) des Herkules Sohn, welchen er mit der Phillone, eines vornehmen Arkadiers, Alcimedons Tochter zeugete. Als nun ihr Vater dieselbe hernachmals mit sammt dem Kinde gebunden auf dem nächsten Berge den wilden Thieren vorwerfen ließ, so traf sie Herkules ungefähr beyderseits in solchem Zustande an, da er sie denn frey machete. Er war durch das Geschrey einer Aelster, welche des Kindes Stimme nachmachete, dahin gelocket worden, und nennete den nächsten Brunnen darbey zum Andenken Cissam, welches im Griechischen bemeldeten Vogel bedeutet. Pausan. Arcad. c. 12.
 
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AËDON, ŏnis, Gr. Ἀηδὼν, όνος, ein Beynamen der Minerva, welchen ihr die Pamphylier ehemals gegeben. Er heißt so viel, als eine Nachtigall. Hesych. in Ἀηδὼν, s. pag. 31. doch weis man nicht, woher, oder warum sie diese Göttinn also genennet haben. Gyrald. Syntagm. XI. p. 353.
 
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AËDON, ŏnis, des Pandareus Tochter, lebete mit ihrem Manne, dem Polytechnus, in so vergnüglicher Ehe, daß sie sich dem Jupiter und der Juno selbst vorzogen. Weil aber solches diese Göttinn ungemein verdroß, so schickete sie die Eris ab, welche ihnen eingab, daß sie sich in einen Wettstreit einließen, wer am ersten mit seinem Kunststücke, er nämlich mit einem Stuhle, und sie mit einem Gewebe, fertig werden könnte, und wer verspielte, sollte dem andern eine Sklavinn zur Strafe geben. Da nun die Aedon gewann, so machete sich Polytechnus zu seinem Schwiegervater, und beredete solchen, als ob die Aedon ein inniges Verlangen trüge, ihre Schwester, Chelidonis, einmal wieder zu sehen. Pandareus glaubete seinen Worten, und gab sie ihm daher mit. Unterwegens aber that ihr Polytechnus Gewalt an, und drohete, sie zu ermorden, wo sie sagen würde, wer sie

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wäre, oder was ihr wiederfahren. Er brachte sie also zu ihrer Schwester, die sie nicht mehr kannte, und gab sie derselben zur Sklavinn, welches auch die se aus Furcht vor dem Pandareus geschehen ließ. Als sie aber doch dereinst ihr Unglück bey einem Brunnen allein beklagte, so wurde sie von der Aedon behorchet und, nachdem sie also einander erkannt, so fasseten sie den Entschluß, sich an dem Polytechnus zu rächen. Sie nahmen daher dessen mit der Aedon erzeugeten Sohn, zerstücketen ihn, kocheten ihn, und gaben ihn dem Polytechnus zu verzehren, worauf sie sich beyderseits wieder zu ihrem Vater, aus der Gegend Ephesus nach Colophon flüchteten. Als Polytechnus darauf erfuhr, was er gegessen hatte, so verfolgete er beyde bis zu ihrem Vater, wurde aber hieselbst von dessen Leuten gefangen genommen, gebunden, mit Honige bestrichen, und also den Fliegen vorgeworfen. Indessen ließ sich doch Aedon, aus ehemaliger Liebe zu ihm, wieder bewegen, solches Ungeziefer von ihm abzuhalten; und, als sie ihr Vater und Bruder deshalber hinrichten wollten, so verwandelte Jupiter den Pandareus in einen Meeradler, dessen Frau in einen Eisvogel, den Polytechnus in einen Pelican, der Aedon Bruder in einen Wiedehopf, sie selbst in eine Nachtigall, und ihre Schwester in eine Schwalbe. Boeus ap. Anton. Liberal. Metam. c. XI.
 
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AEDONÊVS sieh hernach Ἀιδωνεὺς.
 
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AEÉTA, oder
 
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AEÉTES, æ, Græc. Ἀιήτης, ου, ( Tab. VI.) des Helius oder der Sonne, und der Perseis, Apollod. lib. I. c. 9. §. 1. oder der Persa, Hygin. Præf. II. oder auch, nach noch andern, der Antiope, Schol. Pind. ad Ol. Od. 13. ap. Muncker. ad Hygin. l. c. Sohn, war König in Colchis, als Phrixus mit dem goldenen Vliesse dahin kam, mit dem er sich sowohl bey ihm einzuschmeicheln wußte, daß er ihm endlich auch seine Tochter, Chalciope, zur Gemahlinn gab. Er wiedmete darauf gedachtes goldene Vließ dem Mars, und ließ es in dessen Hayne mit Nägeln fest an eine Eiche machen, Apollod. l. c. damit es ihm nicht wieder entwendet würde. Da ihm nun

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auch das Orakel gesaget, daß er alsdenn selbst würde sterben müssen, so ließ er nicht allein den Ort mit einer Mauer einfassen, sondern setzete auch eine starke Wache von Soldaten aus Taurica, mit einem Hauptmanne, der Draco hieß, darzu; woher denn die Griechen hernachmals die Fabel genommen, daß solches goldene Vließ von feuerspeyenden Ochsen und einem ungeheuren Drachen bewahret worden. Diodor. Sicul. lib. IV. c. 48. Als nach der Zeit Jason mit den Argonauten zu ihm kam, und das goldene Vließ wieder forderte, so versprach er, es ihm zu geben, wenn er allein bemeldete Ochsen in das Joch gespannet, damit geackert, und des castalischen Drachen Zähne, wovon er einen Theil hatte, würde gesäet haben. Allein, ungeachtet er solches alles durch die Medea, des Aeetes Tochter, die sich in den Jason verliebet hatte, ins Werk setzete, so wollte dennoch Aeetes sein Wort nicht halten, sondern dachte vielmehr, der Argonauten Schiff anzustecken, und sie alsdann insgesammt hinzurichten. Jedoch auch diesem kam Jason durch der Medea Nachricht zuvor, und brachte nicht allein oft bemeldetes Vließ glücklich darvon, sondern entgieng auch nebst der Medea, und seinen übrigen Leuten des Aeetes Grausamkeit glücklich. Apollod. l. c. §. 23. & Val. Flacc. Arg. lib. VII. Dieser setzete ihnen zwar, nach einigen, in Person nach: indem er aber seines Sohnes, des Absyrtus, Glieder, welche Medea hin und her zerstreuet hatte, zusammen las und begrub, so entkam ihm Jason und Medea vollends. Apollod. ib. §. 24. Ihm war prophezeyet worden, ein Fremder würde ihm seine Krone und sein Leben nehmen; daher ließ er denn alle, die in sein Reich kamen, dem Mars aufopfern. Diodor. Sic. L. IV. c. 47. Dieses wiederfuhr auch dem Phrixus, aller versprochenen Sicherheit ungeachtet. Hygin. l. c. & Lactant. ad Stat. Theb. L. II. v. 281. Weil er nun ebenfalls den Argonauten Clytius erleget hatte: Hygin. Fab. 14. p. 43. so wollen einige, daß er noch mit den Argonauten am Ufer der See in ein hartes Gefecht gerathen, und unter Meleagers

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Anführung, unter seinen Leuten mit niedergemachet worden. Id. ib. c. 49. cf. Schol. Apollon. ad lib. IV. v. 223.
 
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AEGA, æ, Gr. Αἴγη, ης, ( Tab. XIII.) Olens Tochter, erzog mit ihrer Schwester, der Helice, den Jupiter, und wurde dafür von ihm hernach mit unter die Sterne versetzet. So hatte auch die Stadt Aega in Aemonien von ihr den Namen. Andere geben sie für eine Tochter der Sonne aus; und da die Titanen den Himmel stürmeten, so wurden sie durch deren Glanz dermaßen erschrecket, daß sie ihre Mutter, die Erde, bathen, solche zu verfinstern, welche sie denn auch in eine ihrer Höhlen verborgen haben soll, worauf sie erst Jupiters Amme geworden. Noch andere melden, sie sey Pans Gemahlinn gewesen, mit der aber Jupiter auch zu thun gehabt, und einen Sohn, den Aegipan, gezeuget habe. Hygin. Astron. Poet. lib. II. c. 13. Ob sie nun gleich der Sonnen Tochter gewesen, so halten doch einige sie zugleich für eine Ziege, und zwar von so schrecklicher Gestalt, daß sich die Titanen vor ihr entsetzet; und da ihre Mutter sie in einer Höhle in Creta verborgen, so habe Amalthea mit deren Milch den Jupiter erzogen, der auch hernach ihr Fell statt seines Schildes gebrauchet, weil kein Gewehr durch selbiges gegangen. Zur Dankbarkeit dafür hat er sie unter die Sterne gesetzet, wo sie denn noch die Ziege auf dem Rücken des Fuhrmannes seyn soll. Eratosthen. Catasterism. 13.
 
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AEGAEON, onis, Gr. Ἀιγαίων, ωνος, ( Tab. II.) des Cölus und der Erde, Hesiod. Theog. v. 149. oder auch der Erde und des Pontus Sohn, Eumelus apud Schol. Apollon. ad lib. I. v. 1165. stund dem Jupiter wider die Riesen bey; oder, da ihn Juno, Pallas, Neptun und die übrigen Götter gefangen genommen, machte ihn Thetis durch diesen Aegäon von seinen Banden wieder los. Serv. ad Virg. Aen. VI. v. 287. Doch wollen auch einige, er sey mit wider den Jupiter gewesen, und von ihm mit dem Donner erleget worden. Virg. Aen. X. v. 567. & Serv. ad Virg. l. c. Hingegen geben noch andere vor, Neptun habe ihn überwunden und im Meere ersäuft;

[Bd. , Sp. 81]


Conon ap. Gyrald. Synt. V. p. 171. und wiederum andere schreiben, Neptun habe ihn zu seinem Eydame gemachet, und seine Tochter, Cymopolia, zur Gemahlinn gegeben; Hsiod. l. c. v. 817. daher ihn auch einige zu einem von den Meergöttern machen, Ovid. Metam. L. II. v. 10. & Gyrald. l. c. wofern solches nicht ein anderer Aegäon seyn soll. Er hatte aber diesen Namen Aegäon nur bey den Menschen, und wurde von den Göttern Briareus genannt. Homer. Il. A. v. 403. cf. Serv. l. c. Man giebt ihn für einen ungeheuren Riesen aus, der hundert Arme, Virgil Aen. X. v. 565. und funfzig, oder, nach einigen, gar hundert Köpfe hatte, aus deren Rachen er Feuer spie. Servius & Taubman. ad Virg. Aen. VI. v. 287. Er war zum Hüter in dem Eingange der Hölle bestellet, damit die Titanen sich nicht etwan von ihren Banden los machen, und den andern, die sich in dasiger Gegend befanden, Schaden thun möchten. Taubman. ibid.
 
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AEGAEON, ónis, ( Tab. XIX.) einer von des Königes in Arcadien, Lykaons, 50 Söhnen, welche Jupiter endlich, ihrer übermachten Bosheit halber, mit dem Blitze erschlug und verbrannte. Apollod. lib. III. c. 8. §. 1.
 
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AEGAEVS, i, Gr. Ἀιγαῖος, ου, ein Beynamen des Neptuns, welchen ervon der Stadt Aegis in Euböa führete, bey welcher er seinen besonderen Tempel hatte, der auf einem hohen Berge lag, und sonst auch eine Stadt um sich gehabt hatte, die aber mit der Zeit wieder vergangen war. Strabo lib. IX. p. m. 737. Conf. Gyrald. Synt. V. p. 163.