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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
ADRASTVS bis AEACVS (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis ADRASTVS, i, Gr. Ἄδραστος, ου, ( Tab. XXV.) des Talaus, und der Eurynome, Hygin. Fab. 69. oder vielmehr der Lysim ache Sohn, Apollodor. lib. I. c. 9. §. 13. war König zu Argis, von da ihn aber Amphiaraus, seiner Schwester Mann, vertrieb, und zwang, sich nach Sicyon zu begeben. Er erlangete dieses Königreich endlich von seinem Schwiegervater, dem Polybus, wendete sich aber doch wieder nach Argos,

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und behauptete solches Reich beständig. Pausan. Corinth. c. 6. Conf. Marsham. Canon. Chron. Sec. XI. p. m. 301. & Petav. Rat. Temp. P. I. lib. I. c. 8. Hier besucheten ihn Polynices von Theben, und Tydeus von Calydon; und, da jener zum Andenken des Herkules eine Löwenhaut, dieser aber zur Erinnerung des calydonischen Schweines, eine wilde Schweinshaut umgenommen, und also in dessen Pallast eingelassen zu werden verlangeten; Hygin. l. c. oder aber, da sie in der Nacht vor erwähntem königlichen Pallaste von ungefähr zugleich ankamen, und, weil sie einander nicht kannten, unter sich handgemein wurden, so kam Adrastus selbst zu dem Lärmen. Da er nun auf des einen Schilde einen wilden Schweinskopf, auf des andern aber den Kopf eines Löwen erblickete, so erinnerte er sich des erhaltenen Orakels, er sollte eine von seinen beyden Töchtern einem Löwen und die andere einem wilden Schweine geben. Er nahm sie daher willig bey sich auf: und, da er erfuhr, wer sie waren, auch beyde ihn um seine Hülfe ersuchten, so versprach er ihnen diese nicht allein, sondern gab ihnen auch seine Töchter zu Gemahlinnen, und zwar dem Polynices die Argia, dem Tydeus aber die Deipyle. Apollodor. lib. III. c. 6. §. 1. Ersäumete auch nachher nicht lange, dem Polynices den versprochenen Beystand zu leisten, und brachte daher nicht nur selbst seine Völker zusammen, sondern auch zugleich den Amphiaraus, Capaneus, Hippomedon, und Parthenopäus auf seine Seite, daß ihrer also mit dem Polynices und Tydeus sieben zusammen wurden; wiewohl andere an der letztern beyden Stelle den Eteokles, Iphius und Mecisteus darzu rechnen. Id. ib. §. 3. Auf ihrem Marsche litten sie großen Durst, und, als ihnenendlich Hypsipyle einen Brunnen wies, immittelst aber den ihr anvertrauten Prinzen, Opheltes, allein ließ, so brachte diesen eine Schlange um, welchem zu Ehren denn Adrastus mit den Seinigen feyerliche Leichenspiele anstellete, worinnen er selbst zu Pferde den Preis erhielt, Id. ib. §. 4. Hierauf

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belagerten sie Theben wirklich, und zwar besetzete Adrastus das homoloidische Thor. Id. ib. §. 6. Indem aber bey angefangenem Sturme Jupiter den Capaneus mit dem Donner erschlug, so rissen die übrigen aus. Als es nachher aufs neue zur Schlacht kam, so blieben alle obgedachte Feldherren, bis auf den Adrastus, auf dem Platze, weil er sich noch durch die Schnelligkeit seines Pferdes, des Arions, mit der Flucht rettete. Id. ib. §. 8. Er machte sich darauf nach Athen, und zwar insonderheit zu dem Altare der Göttinn der Barmherzigkeit, damit er die Athenienser bewegete, ihm in so fern beyzustehen, daß nur der erschlagenen Argiver und ihrer Bundesgenossen Körper begraben würden. Dieses fruchtete denn auch so viel, daß Theseus die Thebaner überzog, und besagte Körper nach damaliger Weise mit allen Ehren begrub. Id. ib. c. VII. §. 1. Zehen Jahre hernach brachte er die Epigonen oder die Söhne der Erschlagenen auf, daß sie Theben aufs neue angriffen, welches sie denn auch glücklich eroberten und schleifeten; Hygin. Fab. 70. Dagegen mußte damals sein eigener Sohn, Aegialeus, das Leben lassen, weil er bey dem ersten Zuge davon gekommen war. Id. Fab. 71. Er grämete sich über dessen Tod dermaßen, daß er zu Megaris vor Schmerz und Alter starb. Pausan. Attic. c. 43. & 44. Er wurde aber nach seinem Tode um seiner Gütigkeit und anderer guten Eigenschaften halber als ein Held verehret, und zwar nicht allein zu Megaris; Paus. l. c. sondern auch zu Athen; Id. ib. c. 30. insonderheit aber zu Sicyon, woselbst er seinen Tempel und Altar hatte, und ihm zu Ehren ein besonderes Fest gehalten wurde, welches endlich der Tyrann Klisthenes wieder abschaffete. Herodot. Terpsich. p. m. 305. Seine Gemahlinn war Amphithea, des Pronaktis Tochter, mit welcher er ohne bereits benannte noch den Cyanippus und die Aegialea zeugete. Apollodor. lib. I. c. 9. §. 13. Er soll auch der Adrastea zuerst ihren besonderen Tempel errichtet haben; Steph. Byz. in Ἀδράστεια. und wie er unter den sicyonischen Königen der

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XXIII soll gewesen seyn, so wird der Anfang seines dasigen Reiches aufs Jahr der Welt 2736 gesetzet, African. apud Calvis. Op. Chronol. ad A.M. 2736. welches aber noch wenigstens zum Theile seinen Widerspruch findet, weil einige von den ehemaligen alten sicyonischen Königen und noch mehr von deren Ordnung gar nichts wissen wollen. Marsham. Canon. Chron. Προκατασκευῆ p. m. 16. Conf. Mascamp. Instit. Hist. P. I. lib. II. c. 1. §. 5 & alii.
 
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ADRASTVS, i. ( Tab. XVII.) des Herkules Sohn, welcher sich, nach des Apollo Ausspruche, mit seinem Bruder, dem Hipponous, gutwillig in das Feuer stürzete. Hygin. Fab. 242.
 
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ADRASTVS, i, des Merops Sohn, welchen Patroklus vor Troja erlegete. Homer. Il. Π. v. 694.
 
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ADRASTVS, i, ein Trojaner, welchen Menelaus lebendig gefangen bekam, und gegen ein angebothenes Lösegeld fast wieder wollte laufen lassen, Agamemnon aber hinrichtete, als er darzu kam. Homer. Il. Ζ. v. 38. & German. ad Virgil. Aen. lib. VI. v. 480.
 
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ADRASTVS, i, ( Tab. XXII.) des Polynices Sohn, dessen Statüe zu Argis zu sehen war. Pausan. Corinth. c. 20.
 
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ADRESTA, æ, Gr. Ἀδρήστη, ης, der Helena Bedientinn, als solche nach ihrer Zurückkunft sich wieder zu Lacedämon aufhielt. Homer. Odyss. Δ. v. 123. Nach gemeiner Mundart hat sie vielleicht nur eigentlich Adrasta geheißen.
 
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ADVLTA, æ, Gr. Τελεία, ein Beynamen der Juno, unter welchem ihr Temenus, des Pelasgus Sohn, der sie in ihrer Kindheit erzogen haben soll, einen besonderen Tempel zu Stymphalus in Arkadien erbauete, wobey er ihr auch dergleichen unter dem Namen des Mägdchens oder Παιδὸς, und der Witwe oder Χήρας, errichtete. Pausan. Arcad. c. 22. Sieh auch folgenden Artikel.
 
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ADVLTVS, i, Græc. Τέλειος, ου, ein Beynamen des Jupiters, der wie die Juno Adulta, insonderheit von denen angerufen worden, die sich in die Ehe begeben wollten. Gyrald. Synt. II. p. 89.
 
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ADÝTE, es, Gr. Ἀδύτη, ης, ( Tab. XVIII.) eine von des Danaus 50 Töchtern,

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die, nach dem Exempel ihrer Schwestern und Befehle ihres Vaters, ihren Bräutigam, den Menalkas, einen von den 50 Söhnen des Aegyptus, in der ersten Hochzeitnacht umbrachte. Apollodor. lib. II. c. 1. §. 5.
 
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AEACIDES, is, so wurden oftmals Peleus, Achilles, Pyrrhus, und alle diejenigen genannt, die vom Aeacus herstammeten. Man bemerket, daß alle Aeaciden eines gewaltsamen Todes gestorben. Pausan. in Corinth. p. 139.
 
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AEACVS, i, Gr. Ἄιακος, ου, ( Tab. X.) Jupiters und der Europa, Diodor. ap. Gyrald. Syntagm. VII. p. 216. oder vielmehr der Aegina, einer Tochter des Asopus, Sohn, wurde in der von seiner Mutter benannten Insel, Aegina, geboren, als wohin dieselbe Jupiter von Phlius entführet hatte. Id. lib. IV. c. 74. Es hieß sonst solche Insel vorher Oenone, Apollod. lib. III. c. 11. §. 6 und wurde Aeacus endlich auch König darüber, Diod. Sic. l. c. wobey er sich dermaßen fromm und gerecht erwies, daß, als Griechenland mit einer großen Dürre und Hungersnoth befallen wurde, das Orakel zur Antwort gab, es werde selbige nicht eher aufhören, als bis Aeacus die Götter um deren Abwendung bitte; welches auch erfolgete, als er solches that. Apollod. l. c. Er brachte dem panhellenischen Jupiter Opfer, und so gleich fiel ein starker Regen. Die Aegineten errichteten ihm deswegen ein Denkmaal, Namens Aeaceum, worinnen sich die Bildsäulen aller Abgeordneten von ganz Griechenland befanden, die deswegen versammlet waren. Pausan. Cor c. 29. p. 139. Weil aber Juno den Handel mit seiner Mutter nicht anders, als mit eifersüchtigen Augen, ansehen konnte; so ließ sie endlich ihren Zorn auch über den guten Aeacus aus, indem sie eine ungeheure Schlange abschickete, welche das Wasser in Aegina dergestalt vergiftete, daß alle, die daraus tranken, davon umkamen. Auf solche Art wurde Aeacus aller seiner Unterthanen beraubet, und bath also den Jupiter, er möchte ihn entweder auch hinnehmen, oder seiner Insel andere Einwohner geben. Indem er nun

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ungefähr einen großen Haufen Ameisen an einer alten Eiche gewahr wurde, so wünschete er sich so viele Unterthanen, als solcher Ameisen da wären. Jupiter erhörete ihn, und machete aus besagten Ameisen lauter Menschen. Es bekam daher Aeacus nicht nur wieder Unterthanen, sondern auch lauter solche Leute darzu, die ihr ehemaliges arbeitsames Wesen auch nach ihrer Verwandelung behielten. Ovid. Metam. VII. 523. & Hyg. Fab. 52. Als er nach der Zeit endlich starb, so wurde er um seiner Gerechtigkeit willen zu dem dritten höllischen Richter gemachet, und zwar richtete er insonderheit die Europäer, wie Rhadamanthus die aus Asien, Plato ap. Gyr. l. c. wobey er noch die Ehre hatte, daß ihm Pluto selbst seine Schlüssel anvertrauete. Apollod. l. c. Er wurde daher auch mit der Zeit so wohl zu Athen, als vornehmlich in der Insel Aegina, als ein Halbgott verehret, indem er dort seinen Tempel auf Befehl des Orakels bekam; Herod. Terps. c. 89. p. m. 317. hier aber ihm dergleichen von den gesammten Griechen errichtet wurde. Isocrates in Evagora, p. m. 211. Seine Gemahlinn war des Centauren Chirons Tochter, Endeis, mit welcher er den Peleus und Telamon zeugete: jedoch hatte er seine Liebeshändel auch noch mit der Psammathe, einer Nymphe des Nereus, und der Doris Tochter, von der er den Phocus bekam. Weil er aber diesen, seiner Tugenden halber mehr, als jene, liebete, Anton. I. iberal. c. 38. und die eifersüchtige Endeis sie vielleicht aufhetzete, Pausan. Corinth. c. 29. p. 140. so luden ihn besagte seine beyden Stiefbrüder auf ein Spiel mit der Wurfscheibe ein, welche Telamon so warf, daß er den Phocus dadurch tödtete. Telamon wollte sich zwar rechtfertigen, daß solches ganz von ungefähr geschehen: Diod. Sic. l. c. allein, weil es ihm damit nicht gelang, so mußten sie beyderseits ihr Vaterland meiden, da denn Telamon nach Salamin schiffete, Peleus aber seine Zuflucht zum Eurytion in Phthia nahm. Pausan. Apollod. & Hygin. ll. cc. Seine Fabel soll unter andern bemerken, daß frommer und gerechter

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Leute Gebeth oft ganzen Ländern helfe; Nat. Com. lib. III. c. 9. und was die Verwandelung der Ameisen in Menschen anbetrifft, so wollen einige, die Insel Aegina sey ganz leer von Leuten gewesen, weil die Seeräuber oft auf dieselbe ausgestiegen, und was sie da angetroffen, mit sich hinweg geführet hätten, wogegen sich die übrigen ihrer Sicherheit halber, wie die Ameisen, in Höhlen unter der Erde verkrochen. Als aber Aeacus solche endlich bewaffnet und ihren Feinden entgegen gestellet, diese sie auch hernach mit Frieden lassen müssen, so sey die Insel solchergestalt gar bald ziemlich bevölkert worden, und habe man vorgegeben, die Ameisen wären in Menschen verwandelt worden. Theagenes & Tzetz. ap. eumd. l. c. Jedoch wollen andere damit nur auf die Natur der Einwohner sehen, welche stets in der Erde gearbeitet, um in der steinichten Insel so viel Land zu gewinnen, als für sie zum Ackerbaue hinreichete; wobey sie denn selbst nur in Höhlen und Klüften gewohnet. Strabo lib. VIII. p. m. 683. Noch andere wollen, es hätten solche Leute anfangs nur, wie die Ameisen, von demjenigen gelebet, was die Erde von sich selbst hervorgebracht, welches sie denn in ihre Höhlen zusammen geschleppet, und darinnen verzehret, ohne sich um einigen Ackerbau, Handlung und dergleichen zu bekümmern, welches ihnen aber alles Aeacus hernach anders gewiesen, und sie also gleichsam aus Ameisen zu rechten Menschen gemachet habe. ap. Nat. Com. l. c. Daß er aber mit dem Moses einerley seyn soll, weil die Aegina keine andere gewesen, als die Thermuthis, Aeacus sehr fromm gelebet, beym Richten einen Stab halte, Regen und wohlfeile Zeit, wie Moses Wasser, Manna und Wachteln vom Himmel erhalten, ihm auch keines von seinen Kindern in der Regierung gefolget, und endlich dessen Grab, wie des Moses, für ein Geheimniß gehalten worden, Huet. D. E. Propos. IV. c. 8. §. 13. mag glauben, wer da will. Wenigstens scheinen die Deutungen ziemlich gezwungen zu seyn.