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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
ADRASTÉA bis ADÝTE (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis ADRASTÉA, æ, Gr. Ἀδράστεια, ας, ist so viel, als Nemesis, oder die Rach. göttinn, und hat ihren Namen entweder von dem α privativo und δράω, ich thue, weil sie nichts in ihrem Thun aufhalten kann; oder auch von διδράσκω, ich fliehe, weil ihr niemand zu entlaufen vermag. Hesych. in Ἀδράστεια. Conf. Gyrald. Synt. XVI. p. 466. & Voss. Etymol. in Nemus. Doch wollen auch einige sie von dem Könige Adrastus benannt wissen, weil solcher ihr zuerst einen Tempel errichtet habe. Strabo apud Gyrald l. c. & Steph. Byz. in Ἀδράστεια. Wenigstens stund ihre Statüe mit in dem Tempel des Apollo zu Cirrha. Pausan. Phoc. c. 37. Mehr von ihr steht unter dem Titel Nemesis.
 
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ADRASTÉA, æ, des Melissus, Königes in Creta, Tochter, welcher nebst ihrer Schwester, der Ida, der junge Jupiter zur Auferziehung anvertrauet wurde. Apollodor. lib. 1. c. 1. §. 3. Sie verehrete solchem nachher insonderheit eine besondere Kugel zu seinem Spielzeuge, auf welche er denn auch sitzend selbst auf einer gewissen alten Münze abgebildet gesehen wird. Spanhem. ad Callim. Hymn. in Jov. v. 47. Von ihr hatte sonst der Ort Adrastea in Troas den Namen gehabt. Steph. Byz. in Ἀδράστεια.
 
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ADRASTVS, i, Gr. Ἄδραστος, ου, ( Tab. XXV.) des Talaus, und der Eurynome, Hygin. Fab. 69. oder vielmehr der Lysim ache Sohn, Apollodor. lib. I. c. 9. §. 13. war König zu Argis, von da ihn aber Amphiaraus, seiner Schwester Mann, vertrieb, und zwang, sich nach Sicyon zu begeben. Er erlangete dieses Königreich endlich von seinem Schwiegervater, dem Polybus, wendete sich aber doch wieder nach Argos,

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und behauptete solches Reich beständig. Pausan. Corinth. c. 6. Conf. Marsham. Canon. Chron. Sec. XI. p. m. 301. & Petav. Rat. Temp. P. I. lib. I. c. 8. Hier besucheten ihn Polynices von Theben, und Tydeus von Calydon; und, da jener zum Andenken des Herkules eine Löwenhaut, dieser aber zur Erinnerung des calydonischen Schweines, eine wilde Schweinshaut umgenommen, und also in dessen Pallast eingelassen zu werden verlangeten; Hygin. l. c. oder aber, da sie in der Nacht vor erwähntem königlichen Pallaste von ungefähr zugleich ankamen, und, weil sie einander nicht kannten, unter sich handgemein wurden, so kam Adrastus selbst zu dem Lärmen. Da er nun auf des einen Schilde einen wilden Schweinskopf, auf des andern aber den Kopf eines Löwen erblickete, so erinnerte er sich des erhaltenen Orakels, er sollte eine von seinen beyden Töchtern einem Löwen und die andere einem wilden Schweine geben. Er nahm sie daher willig bey sich auf: und, da er erfuhr, wer sie waren, auch beyde ihn um seine Hülfe ersuchten, so versprach er ihnen diese nicht allein, sondern gab ihnen auch seine Töchter zu Gemahlinnen, und zwar dem Polynices die Argia, dem Tydeus aber die Deipyle. Apollodor. lib. III. c. 6. §. 1. Ersäumete auch nachher nicht lange, dem Polynices den versprochenen Beystand zu leisten, und brachte daher nicht nur selbst seine Völker zusammen, sondern auch zugleich den Amphiaraus, Capaneus, Hippomedon, und Parthenopäus auf seine Seite, daß ihrer also mit dem Polynices und Tydeus sieben zusammen wurden; wiewohl andere an der letztern beyden Stelle den Eteokles, Iphius und Mecisteus darzu rechnen. Id. ib. §. 3. Auf ihrem Marsche litten sie großen Durst, und, als ihnenendlich Hypsipyle einen Brunnen wies, immittelst aber den ihr anvertrauten Prinzen, Opheltes, allein ließ, so brachte diesen eine Schlange um, welchem zu Ehren denn Adrastus mit den Seinigen feyerliche Leichenspiele anstellete, worinnen er selbst zu Pferde den Preis erhielt, Id. ib. §. 4. Hierauf

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belagerten sie Theben wirklich, und zwar besetzete Adrastus das homoloidische Thor. Id. ib. §. 6. Indem aber bey angefangenem Sturme Jupiter den Capaneus mit dem Donner erschlug, so rissen die übrigen aus. Als es nachher aufs neue zur Schlacht kam, so blieben alle obgedachte Feldherren, bis auf den Adrastus, auf dem Platze, weil er sich noch durch die Schnelligkeit seines Pferdes, des Arions, mit der Flucht rettete. Id. ib. §. 8. Er machte sich darauf nach Athen, und zwar insonderheit zu dem Altare der Göttinn der Barmherzigkeit, damit er die Athenienser bewegete, ihm in so fern beyzustehen, daß nur der erschlagenen Argiver und ihrer Bundesgenossen Körper begraben würden. Dieses fruchtete denn auch so viel, daß Theseus die Thebaner überzog, und besagte Körper nach damaliger Weise mit allen Ehren begrub. Id. ib. c. VII. §. 1. Zehen Jahre hernach brachte er die Epigonen oder die Söhne der Erschlagenen auf, daß sie Theben aufs neue angriffen, welches sie denn auch glücklich eroberten und schleifeten; Hygin. Fab. 70. Dagegen mußte damals sein eigener Sohn, Aegialeus, das Leben lassen, weil er bey dem ersten Zuge davon gekommen war. Id. Fab. 71. Er grämete sich über dessen Tod dermaßen, daß er zu Megaris vor Schmerz und Alter starb. Pausan. Attic. c. 43. & 44. Er wurde aber nach seinem Tode um seiner Gütigkeit und anderer guten Eigenschaften halber als ein Held verehret, und zwar nicht allein zu Megaris; Paus. l. c. sondern auch zu Athen; Id. ib. c. 30. insonderheit aber zu Sicyon, woselbst er seinen Tempel und Altar hatte, und ihm zu Ehren ein besonderes Fest gehalten wurde, welches endlich der Tyrann Klisthenes wieder abschaffete. Herodot. Terpsich. p. m. 305. Seine Gemahlinn war Amphithea, des Pronaktis Tochter, mit welcher er ohne bereits benannte noch den Cyanippus und die Aegialea zeugete. Apollodor. lib. I. c. 9. §. 13. Er soll auch der Adrastea zuerst ihren besonderen Tempel errichtet haben; Steph. Byz. in Ἀδράστεια. und wie er unter den sicyonischen Königen der

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XXIII soll gewesen seyn, so wird der Anfang seines dasigen Reiches aufs Jahr der Welt 2736 gesetzet, African. apud Calvis. Op. Chronol. ad A.M. 2736. welches aber noch wenigstens zum Theile seinen Widerspruch findet, weil einige von den ehemaligen alten sicyonischen Königen und noch mehr von deren Ordnung gar nichts wissen wollen. Marsham. Canon. Chron. Προκατασκευῆ p. m. 16. Conf. Mascamp. Instit. Hist. P. I. lib. II. c. 1. §. 5 & alii.
 
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ADRASTVS, i. ( Tab. XVII.) des Herkules Sohn, welcher sich, nach des Apollo Ausspruche, mit seinem Bruder, dem Hipponous, gutwillig in das Feuer stürzete. Hygin. Fab. 242.
 
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ADRASTVS, i, des Merops Sohn, welchen Patroklus vor Troja erlegete. Homer. Il. Π. v. 694.
 
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ADRASTVS, i, ein Trojaner, welchen Menelaus lebendig gefangen bekam, und gegen ein angebothenes Lösegeld fast wieder wollte laufen lassen, Agamemnon aber hinrichtete, als er darzu kam. Homer. Il. Ζ. v. 38. & German. ad Virgil. Aen. lib. VI. v. 480.
 
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ADRASTVS, i, ( Tab. XXII.) des Polynices Sohn, dessen Statüe zu Argis zu sehen war. Pausan. Corinth. c. 20.
 
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ADRESTA, æ, Gr. Ἀδρήστη, ης, der Helena Bedientinn, als solche nach ihrer Zurückkunft sich wieder zu Lacedämon aufhielt. Homer. Odyss. Δ. v. 123. Nach gemeiner Mundart hat sie vielleicht nur eigentlich Adrasta geheißen.
 
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ADVLTA, æ, Gr. Τελεία, ein Beynamen der Juno, unter welchem ihr Temenus, des Pelasgus Sohn, der sie in ihrer Kindheit erzogen haben soll, einen besonderen Tempel zu Stymphalus in Arkadien erbauete, wobey er ihr auch dergleichen unter dem Namen des Mägdchens oder Παιδὸς, und der Witwe oder Χήρας, errichtete. Pausan. Arcad. c. 22. Sieh auch folgenden Artikel.
 
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ADVLTVS, i, Græc. Τέλειος, ου, ein Beynamen des Jupiters, der wie die Juno Adulta, insonderheit von denen angerufen worden, die sich in die Ehe begeben wollten. Gyrald. Synt. II. p. 89.
 
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ADÝTE, es, Gr. Ἀδύτη, ης, ( Tab. XVIII.) eine von des Danaus 50 Töchtern,

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die, nach dem Exempel ihrer Schwestern und Befehle ihres Vaters, ihren Bräutigam, den Menalkas, einen von den 50 Söhnen des Aegyptus, in der ersten Hochzeitnacht umbrachte. Apollodor. lib. II. c. 1. §. 5.