Wörterbuchnetz
Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
ACRIAS bis ACTAEVS (Bd. , Sp. )
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis ACRIAS, æ, Gr. Ἀκρίας, ου, einer von der Hippodamia Freyern, der aber im Wettrennen mit ihrem Vater, dem Oenomaus, zu kurz kam, und daher das Leben einbüßete. Einige wollen ihn für einen Lacedämonier halten, der die Stadt Acrias in Laconien erbauet habe. Pausan. Eliac. post c. 21.
 
Artikelverweis 
ACRISIVS, i, Græc. Ἀκρίσιος, ου, ( Tab. XVIII.) des Abas und der Okalea Sohn, wurde zugleich mit seinem Bruder, dem Prötus, geboren, zankete sich aber auch schon mit demselben im Mutterleibe; und, so bald sie beyderseits zu ihren Jahren gekommen waren, so überzogen sie einander öffentlich mit Kriege, in welchem denn Akrisius die Oberhand behielt, Prötus aber sich zu dem Jobates, oder, nach andern, zu dem Amphianaktes, in Lycien, flüchten mußte. Es behauptete also Akrisius zugleich auch das argivische Reich; indem sich aber Prötusmit seines Schwiegervaters Truppen verstärkete, so griff er den Akrisius aufs neue an, und eroberte die Stadt Tyrinth, die ihm denn, nebst einigen andern, Akrisius lassen

[Bd. , Sp. 49]


mußte. Inzwischen zeugete dieser mit der Eurydice, Lacedämons Tochter, die Danae; Apollodor. lib. II. c. 2. §. 1. Conf. Schol. Apollon. ad lib. IIII. v. 1091. und als er das Orakel fragete, ob er keine Söhne bekommen würde, so sagte ihm dieses, der Sohn, welchen seine Tochter gebähren würde, werde ihn um das Leben bringen. Um nun seine Tochter vor aller Zusammenkunft mit Mannsvolke zu bewahren, bauete er ein ehernes Gemach unter die Erde, und steckete sie dahinein. Nichts desto weniger fand sich doch, nach einigen, Prötus, nach andern aber selbst Jupiter zu ihr, indem er sich in einen goldenen Regen verwandelte, und ihr also durch das Dach in den Schooß fiel. Als sie hierauf den Perseus gebahr, Akrisius aber von dem Jupiter nichts glauben wollte, ließ er die gute Danae, nebst ihrem Sohne, in einen hölzernen Kasten stecken, und in das Meer werfen. Sie schwamm darinnen an die Insel Seriphus, wo sie Dictys fand, der den jungen Perseus zu sich nahm, dahingegen des Dictys Bruder, Polydektes, König in besagter Insel, sich selbst in die Danae verliebete, und sie auf alle Art zur Gegenliebe zu bewegen suchete, worüber er aber das Leben einbüßete, und von besagtem Perseus durch der Medusa Kopf in einen Stein verwandelt wurde. Apollodor. ib. item c. 4. §. 1. 2. & Schol. Apollon. l. c. Nach der Zeit wollte Perseus mit seiner Mutter, Danae, und seiner Gemahlinn, Andromeda, den Akrisius zu Argis besuchen: allein, selbiger floh vor ihm, aus Furcht, des Orakelspruches halber, nach Pelasgien. Da aber Perseus ihm nachgieng, und bey dem Begräbnisse des Königes zu Larissa, sich mit in dem angestelleten Ritterspiele sehen ließ, fiel die von ihm in die Höhe geworfene Wurfscheibe ungefähr dem Akrisius dergestalt auf den Fuß, daß er sogleich davon starb, und darauf außerhalb besagter Stadt begraben wurde. Id. ib. §. 4. & Pausan. Corinth. c. 15. Wie aber hierbey andere seine Gemahlinn Aganippe nennen: so melden sie auch, daß Polydektes die Danae wirklich zur Gemahlinn

[Bd. , Sp. 50]


genommen; und, als Akrisius zu diesem gekommen, seine Tochter von ihm wieder abzuholen, habe er für sie gebethen, Perseus ihm auch heiligst geschworen, daß er ihm nimmermehr das Leben nehmen wollte, da er sich denn endlich so ziemlich besänftigen lassen. Indem er aber eine Zeitlang durch den Sturm bey dem Polydektes zu bleiben genöthiget worden, sey dieser inzwischen gestorben, und, da Perseus ihm zu Ehren einige Leichenspiele angestellet, und darbey die Wurfscheibe in die Höhe geworfen, so habe solche der Wind ergriffen, und dem Akrisius dergestalt auf den Kopf geworfen, daß er sogleich davon gestorben, und also dennoch des Orakels Ausspruch, auch wider des Perseus Willen, an ihm erfüllet werden müssen. Hygin. Fab. 63. Einige zwar wollen, Perseus habe auch ihn durch der Medusa Kopf in einen Stein verwandelt, und deuten es dahin, daß, da er ihn zum Tode befördert, er ihn zu einer steten Erstarrung, oder Kälte, dergleichen etwan eines Steines ist, gebracht habe; Boccacc. lib. II. c. 32. welches aber ziemlich von anderer und angesehener Schriftsteller Vorgeben abgeht. Indessen soll er als der 14te König zu Argis 31 Jahre regieret haben, und von dem Perseus im 1312 Jahre vor Chr. Geb. hingerichtet worden seyn. Petav. Rat. Tempor. P. II. lib. 2. c. 5. Die Tragödie, welche Sophokles ehemals von ihm verfertiget, ist längst wieder verloren gegangen. Fabr. Biblioth. Gr. lib. II. c. 17. §. 3.
 
Artikelverweis 
ACRON, ónis, ein muthiger, junger Mensch von Corythus, in Tuscien, der dem Aeneas wider den Turnus zu Hülfe kam, allein auch in der Schlacht von dem Mezentius, Könige der Tyrrhener, erleget wurde. Virgil. Aen. lib. X. v. 719. seqq.
 
Artikelverweis 
ACRORÍTA, æ, Gr. Ἀκρορείτης, ου, ein Beynamen des Apollo, unter welchem er zu Sicyon verehret wurde, und den er von Ἀκρώρεια, Bergspitze, führet, weil er seinen Tempel auf dergleichen Höhe hatte. Steph. Byz. in Ἀκρώρεια, & ad eum de Pinedo l. c.

[Bd. , Sp. 51]



 
Artikelverweis 
ACTAEA, æ, Gr. Ἀκταίη, ης, ( Tab. IIII.) des Nereus und der Doris Tochter, und mithin eine von den Nereiden, oder Meernymphen, Apollodor. lib. I. c. 3. §. 7. & Hygin. Præf. p. 6. die den Namen von ἀκτὴ hat, welches das Ufer des Meeres bedeutet.
 
Artikelverweis 
ACTAEA, æ, ( Tab. XVIII.) eine von den 50 Töchtern des Danaus, die dem Periphas, einem von den 50 Söhnen des Aegyptus bey ihrer Vermählung zu Theile wurde, allein, solchen eben so, wie ihre Schwestern, die ihnen zugefallenen Bräutigame, nach dem Befehle ihres Vaters, die erste Hochzeitnacht ermordete. Apollodor. lib. II. c. 1. §. 5.
 
Artikelverweis 
ACTAEA, æ, ein Beynamen der Ceres, welcher so viel als attisch heißen soll, weil Acte und die Landschaft Attica ehemals auch einerley waren. Barthius ad Stat. lib. IV. Silv. 8. v. 50.
 
Artikelverweis 
ACTAEON, ŏnis, Gr. Ἀκταίων, ωνος, ( Tab. XXII.) des Aristäus und der Autonoe, einer Tochter des Cadmus, Sohn, wurde in seiner Jugend von dem Chiron erzogen, und vornehmlich im Jagen unterrichtet. Apollodor. lib. III. c. 4. §. 4. Er legete sich auch dergestalt darauf, daß er, nach einigen, bis funfzig, nach andern aber noch mehr Jagdhunde unterhielt, von denen die Alten so gar die Namen aufzuzeichnen sich nicht verdrießen lassen; wie denn solche nach dem Ovidius Metam. lib. III. v. 206. seqq.
  Malampus, Ichnobates, Pamphagus, Dorceus, Oribasus, Nebrophonos, Lälaps, Theron, Pterelas, Agre, Hyläus, Nape, Pömenis, Harpyia, Ladon, Dromas, Conace, Sticte, Tigris, Alce, Leucon, Astolus, Lacon, Aello, Thous, Lycisce, Harpalos, Melaneus, Lachne, Labros, Agriodos, Hylactor, Oresitrophus, Melanchätes, und Theridamus;
  Oder, wie sie Hyginus völliger erzählet:
  Melampus, Ichnobates, Echnobas, Pamphagus, Dorceus, Oribasus, Nebrophonos, Lälaps, Theron, Pterelas, Hyläus, Nape, Ladon, Pömenis, Therodanapis, Aura, Lacon, Harpyia, Elion, Dromas, Thous,

[Bd. , Sp. 52]


Canache, Cyprius, Sticte, Labros, Areas, Agriodus, Tigris, Hylactor, Alce, Harpalus, Lycisca, Melaneus, Melanchätes, Agre, Therodamus, Oresitrophus, Syrus, Aeon, Stilbon, Agrius, Charops, Aethon, Corax, Boreas, Draco, Eudromus, Dromius, Zephyrus, Lampus, Hämon, Cyllopotes, Harpalycus, Machimus, Ichneus, Omelympus, Ocydromus, Borax, Ocythous, Pachitos, Obrimus, Argo, Arethusa, Urania, Theriope, Dinomache, Dioxippe, Echione, Gorgo, Cyllo, Harpyia, Lyncäste, Leäne, Lacäna, Ocypote, Ocydrome, Oxyroe, Orias, Sagnos, Theriphone, Volatos, und Chediätros hießen.Hygin. Fab. 181. cf. Maneker. ad h. fab.
  Indem er aber solchergestalt in dieser sonst vergönnten Luft zu weit gieng: so verfiel er noch darzu auf den Uebermuth, daß er sich von dem Wildprete, das der Diana in ihrem Tempel geopfert wurde, seine Hochzeit ausrichten wollte, oder auch sich besagter Göttinn selbst in der Geschicklichkeit zu jagen vorzog. Diod. Sic. lib. IIII. c. 87. Weil auch solche Göttinn sich ordentlicher Weise in einem Brunnen in dem gargaphischen Thale badete, Ovid. l. c. v. 156. so belauschete er sie ingemein, und weidete seine geilen Augen an ihrer Schönheit, wozu er, nach einigen, auf einen Baum zu steigen pflegete, Barthius ad Stat. Theb. lib. III. v. 202. nach andern aber seinen besondern erhabenen Stein ausgesuchet hatte. Ja, er soll endlich in seiner Ausschweifung so weit gegangen seyn, daß er ihr gar Gewalt anzuthun sich unterstanden. Hygin. Fab. 180. Hingegen entschuldigen ihn andere, und wollen, er sey nur von ungefähr darzu gekommen, als Diana sich gebadet. Callim. Hymn. in Pall. v. 113. & quos adh. l. præterea allegat Spanbemius, p. 617. Sie geben daher bemeldeten Stein bloß für einen Ort an, worauf er nach seiner Ermüdung zu ruhen gewohnet gewesen. Pausan. Bœot. c. 2. Dem sey aber, wie ihm wolle, so wurde doch Diana darüber so erbittert, daß sie ihn mit dem Wasser, worinnen sie sich badete, besprengete,

[Bd. , Sp. 53]


und damit aus einem Menschen in einen Hirsch verwandelte. Er suchte, sich nach Hause zu begeben, wurde aber von seinen eigenen Hunden, welche Diana rasend gemacht hatte, auf dem Berge Cythäron ergriffen, und, weil sie ihn für einen wahren Hirsch ansahen, endlich zerrissen und gefressen, ungeachtet er bey seiner Verwandelung seinen Verstand behalten, und sich auf alle Art los zu wirken trachtete. Ovid. l. c. Indessen suchten ihn solche seine Hunde hernach doch überall; und als sie ihn nirgends fanden, kamen sie endlich ganz betrübt zu dem Chiron in seine Höhle, der sie auch nicht eher zufrieden stellen konnte, als bis er ihnen Actäons Bildniß vorstellete. Apollodor. l. c. Gleichwohl melden einige, ihm sey solches Unglück nicht um der Diana willen begegnet, sondern von dem Jupiter selbst zugefüget worden, weil er sich gelüsten lassen, seine Gedanken mit ihm auf die Semele zu richten. Spanhem. l. c. Andere, denen diese Geschichte vorgekommen, wollen, Actäon sey ein Arkadier gewesen, der eine ungemeine Menge Hunde unterhalten, und damit dem Jagen nachgegangen. Indem er aber dabey sein Hauswesen verabsäumet, und folglich verarmet, so habe man gesaget, daß ihn seine Hunde gefressen, woher denn endlich erzählete Fabel erwachsen. Palæphat. de Incredibil. c. 3. Noch andere wollen, daß damit nichts, als eine unzeitige Neugierde vorgestellet werde, die ihre Liebhaber insgemein ins Verderben stürze. Fulgent. Mythol. lib. III. c. 3. Wieder andere sind der Meynung gewesen, Actäon habe zwar in seiner Jugend die Jagd ungemein geliebet, da er aber zu mehrerm Verstande gekommen, und die Gefahr reifer betrachtet, sey er furchtsam, wie ein Hirsch, geworden: weil er jedoch aus Liebe zu den Hunden solche nicht abgeschaffet, sondern alle das Seinige an sie verwendet, so habe man gedichtet, als ob er von solchen Bestien sey gefressen worden. Anaximenes apud Fulgent. l. c. Einige fallen zwar auch darauf, daß er ein Bild der schädlichen Neugier sey, wollen aber doch, daß er

[Bd. , Sp. 54]


insonderheit einen Menschen vorstelle, der aus Neugierigkeit der Fürsten und Könige Heimlichkeiten, welche die Diana sind, zu erfahren trachte, dabey aber in steter Furcht, wie ein Hirsch, lebe, er möchte ertappet werden, welches auch vielmals durch der Fürsten und Könige Spürhunde oder Diener geschehe, da er denn elendiglich aus dem Wege geräumet werde. Baco Verulam. de Sapient. Veter. c. 10. Wiederum andere suchen unter ihm das Bild eines, der bösen und undankbaren Leuten Gutes erweist, die ihrem Wohlthäter oft keinen bessern Dank, als die Hunde dem Actäon, erzeigen. Alciat. Embl 52. So verstehen einige unter ihm auch einen großen Herrn, der seinen Schmeichlern Gehör giebt, und von ihnen zu Grunde gerichtet wird. Pierius apud Masen. Spec. Veritat. occultæ c. XXIII. n. 31. Jedoch glauben auch einige, es hätten ihn, als einen besondern Liebhaber der Jagd, seine Hunde endlich wirklich zerrissen, als sie von ungefähr rasend geworden; Ban Entret. XIII. ou P. II. p. 34. noch mehrerer Deutungen zu geschweigen.
 
Artikelverweis 
ACTAEON, ŏnis, eines von denen vier Pferden der Sonne, das aber besser Aethon genennet wird. Fulgent. Mythol. lib. I. c. 2. & ad eum Muncker. l. c.
 
Artikelverweis 
ACTAEVS, i, Gr. Ἀκταῖος, ου, erster König in Attica, Pausan. Attic. c. 2. von dem auch solche Provinz, nach einigen, den Namen Actäa bekommen haben soll. Stephan. Byz. in Ακτή. Sein Sohn, wie einige dafür halten, war Erysichton, seine Töchter aber Aglauros, Herse und Pandrosus, von denen erstere Cekrops heurathete, der ihm in der Herrschaft folgete. Pausan. l. c. Einige geben ihm auch noch die Phönice zur Tochter, Suidas in Φοινικήια γράμματα, der zu Ehren, da sie als Jungfer verstorben, Cekrops die Buchstaben, phönicisch, γράμματα Φοινικήια genannt haben soll. Scammon apud eumd. l. c.
 
Artikelverweis 
ACTAEVS, i, nach einigen Telamons Vater, da sonst dieser insgemein für einen Sohn des Aeakus angegeben wird. Pherecydes apud Apollodor. lib. III. c. 2. §. 6.