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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
ACOETES bis ACRAEI (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis ACOETES, æ, der Sohn eines Fischers aus Mäonien, und Steuermann in dem Schiffe einiger Tyrrhener, die ehemals den Bacchus entführen wollten. Denn da er mit seinem Schiffe an der Insel Naxus angeleget, und nun wieder unter Segel gehen wollte, so brachte ihm einer von seinen Schiffsleuten ein Kind von einer reizenden Schönheit, welches er an einem Orte schlafen gefunden hatte. Acötes betrachtete es genau, und hielt es für einen Gott; daher er es auch bath, es möchte doch denjenigen verzeihen, die ihm die Freyheit genommen hätten. Die Schiffsleute hielten solches für eine leere Einbildung, und trugen das schlafende Kind auf ihr Schiff, in der Hoffnung, ein ansehnliches Lösegeld dafür zu bekommen. Acötes widersetzete sich ihnen, und das Kind erwachete über diesen Lärm. Es wunderte sich, da es sich auf einem Schiffe sah, und verlangete, man sollte es wieder nach Naxus zurück führen. Die Schiffsleute versprachen es ihm, nahmen aber dem ungeachtet einen andern Weg. So bald solches das Kind merkete, so beklagete es sich vergebens über die Treulosigkeit seiner Führer. Auf einmal stund das Schiff mitten in der See, wie auf einer Sandbank fest. Die Schiffleute verdoppelten ihre Kräfte, es fort zu bringen. Allein, Epheuranken schlangen sich um die Ruder, und wanden sich um die Segel, daß solche nicht ihrs Werk thun konnten. Bacchus, der unter der Gestalt des Kindes verborgen war, erschien mit Trauben gekrönet, dem Thyrsusstabe in der Hand, und mit Tygern, Löwen und Panthern umgeben. Alle Leute auf dem Schiffe wur

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den in Delphine verwandelt, bis auf den Acötes, der es wieder nach Naxus führete, und daselbst die Geheimnisse dieses Gottes feyerte. Er erzählete diese Geschichte dem Könige Pentheus, als solcher wider den Bacchus ziehen wollte, ihn gefangen zu nehmen. Pentheus aber kehrete sich daran nicht, sondern ließ ihn dafür ins Gefängniß werfen, und wollte ihn hinrichten lassen. Doch die Thüren des Gefängnisses öffneten sich von selbst, und die Fessel fielen ab, ohne daß jemand die Ketten zerbrochen hätte, so daß Acötes frey fortgehen konnte. Ovid. Metam. lib. III. v. 576. seqq. Hygin. Fab. 134. Man will aber, es habe sich Bacchus selbst in diesen armen Mann verstellet, und den Pentheus dadurch von seinem verwegenen Unternehmen abzubringen gesuchet. Weil es ihm aber damit nicht gelungen, so habe er sich auf den Berg Cithäron begeben, und daselbst des Pentheus Mutter, Agave, mit ihren Schwestern dergestalt in Raserey gesetzet, daß sie den Pentheus in solcher elendiglich umbrachten. Lactant. Plac. Narr. L. III. Fab. 7.
 
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ACOETES, æ, des Lacoons Vater, Hygin. Fab. 135. den aber andere lieber und besser Antenor nennen. Muncker ad Hygin.
 
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ACOETES, æ, war anfangs Evanders Waffenträger, hernach aber des Pallas, Prinzen des Evanders, Zugeordneter, als solcher dem Aeneas wider dessen Feinde in Italien zu Hülfe gieng. Virgil. Aen. XI. v. 30.
 
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ACONTES, æ, Gr. Ἀκόντης, ου, ( Tab. XVIII.) einer von des Lykaons, Königes in Arkadien, Söhnen, welche Jupiter ihrer Bosheit halber endlich mit dem Blitze erschlug. Apollod. lib. III. c. 8. §. 1. sieh Lycaon.
 
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ACONTÊVS, ëi, einer von des Perseus Partey, der aber auch unversehens der Medusen Kopf in dessen Hand erblickete, und damit in einen Stein verwandelt wurde, als dieser auf seinem Beylager sich mit dem Phineus und dessen Anhange herumschlagen mußte. Ovid. Metam. V. v. 201.

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ACONTIVS, i, Gr. Ἀκόντιος, ου, ein junger Mensch, verliebte sich in die Cydippe, eine reiche und vornehme Jungfer. Weil er sich aber seines ungleichen Standes halber keine Hoffnung auf sie machen durfte, so schrieb er auf einen schönen Apfel:
  Iuro tibi sane per mystica sacra Dianæ, Me tibi venturam comitem sponsamque futuram,
  und warf ihr solchen in dem Dianentempel, in der Insel Delus, vor die Füße. Weil ihn nun Cydippe nicht allein aufhub, sondern auch las, was drauf stund, und bey sich selbst schwur, daß sie ihn heurathen wollte, unterdessen aber ihr Vater, der von dieser ganzen Sache nichts wußte, sie einem andern versprach, so verfiel sie in ein heftiges Fieber, und konnte nicht eher von demselben wieder befreyet werden, als bis sie ihrem Schwure nachkam, und den Acontius heurathete. Ovid. Epist. Heroid. XX. & brevius Auctor argumenti ejusdem. Was aber sonst noch einige von diesem Acontius und der Cydippe errzählen, melden andere hingegen von dem Hermochares und der Ctesylla, Nicander ap. Anton. Liberal. c. I. wovon also der Artikel Ctesylla nachzusehen.
 
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ACOR, sieh ACHOR.
 
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ACRAEA, æ, Gr. Ἀκράια, ας, ( Tab. III.) des Flusses Asterions Tochter, eine Schwester der Euböa und Prosymna, und folglich eine von denen dreyen Säugammen, welche die Juno auferzogen haben sollen, von welcher denn insonderheit der Berg Acräa in Euböa ehemals zu ihrem Andenken den Namen bekommen hat. Paus. Corinth. c. 17.
 
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ACRAEA, æ, ein Beynamen der Juno, deren Tempel zu Argis denjenigen entgegen stund, die aus der Stadt in das Schloß hinauf stiegen. So hatte sie auch unter diesem Namen ein sehr altes Orakel, zwischen dem korinthischen Haven Lechäum und der megaresischen Stadt Pagä, welches aber jetzo alles vergangen ist. Strabo lib. VIII. p. m. 692. & Pausan. Corinth. c. 24.
 
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ACRAEA, æ, ein Beynamen der Venus, die ihren Tempel auf dem Berge Olympus, bey der Stadt Carpasia,

[Bd. , Sp. 47]


in Cypern, hatte, den kein Frauenvolk sehen, viel weniger besuchen durfte. Strabo apud Cellar. Not. O. A. lib. III. c. 7. pag. 269.
 
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ACRAEI, orum, Gr. Ἄκραιοί, ων, sind überhaupt alle diejenigen Götter, welche auf den Bergen, oder auch in den hohen Schlössern ihre Tempel hatten, wie ἄκραιαι, dergleichen Göttinnen. Spanhem. ad Callim. Hymn. in Iovem v. 82.