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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
ACHĂMAS bis ACHILLES (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis ACHĂMAS, æ, ( Tab. II.) ein Cyklope und Vulcans Schmiedeknecht in Sicilien. Val. Flaccus Argonaut. lib. I. v. 580.
 
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ACHĂRÊVS, ëi, ein berühmter Kämpfer, welcher es bey den Spielen, die Herkules zu Ehren des verstorbenen Pelops anstellete, selbst mit dem Herkules im Pammachio annahm. Hygin. Fab. 273.
 
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ACHÁTES, æ, Gr. Ἀχάτης, ου, ein Trojaner und treuer Gefährte des Aeneas, Virgil. Aen. I. v. 312. der in: der That nichts anders bedeutet, als die Sorge und Bekümmerniß, welche Fürsten und Könige stets zu begleiten pflegen. Servius ad l. c.
 
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ACHELÓVS, <i, Gr. Ἀχελῶος, ώου, ( Tab. III.)
 1 §. Name. Diesen soll er nach einigen von ἄχος, die Traurigkeit, und λύω, ich löse auf, führen, Eustath. apud Voss. Etymol. in Aqua s. pag. 44. Conf. Id. Theol. Gent. lib. II. c. 77. vielleicht weil er, als ein Fluß, mit seiner annehmlichen Gegend den Menschen

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ihre Traurigkeit zu benehmen, fähig gewesen: andere hingegen leiten solchen von einem alten griechischen Worte ἄχα her, welches das Wasser bedeutet, und λούω, ich wasche, oder bade, weil dessen Wasser insonderheit dazu gebrauchet worden; Iul. Caes. Scalig. apud eumd. l. c. daher auch einige solchen Namen Aquæ lavacrum deuten. Vossius ipse l. c. Die dritten geben vor, daß er erst Thoas geheißen, nachdem aber Achelous, König in Aetolien, darinnen verunglückt, so habe er den Namen solches Königes bekommen. Nat. Comes lib. VII. c. 2. Und endlich sagen einige, er habe erst Thestius geheißen, von dem Thestius, des Mars und der Prisidice Sohne, den Namen Achelous aber von dem Achelous, des Oceans und einer Nymphe Sohne, bekommen, als derselbe in ihm ertrunken. Plutarchus, vel quisquis autor est, libelli de Fluminibus apud eumd. l. c.
 2 §. Ursprung. Einige geben ihn für einen Sohn des Oceans und der Erde, Alcæus apud Nat. Com. lib. VII. c. 2. et Paullus Perusin. apud Boccac. lib. VII. c. 19. andere für einen Sohn der Sonne und der Erde aus; Heca. tæus apud Nat. Com. l. c. die dritten machen ihn zu einem Sohne des Pontus und Mars, Hygin. Præf. p. 5. und die vierten zu einem Sohne des Oceans und der Tethys, Hesiod. Theogon. v. 340. welches denn in so fern seine Richtigkeit hat, weil Oceanus und Tethys nichts anders, als das Meer bedeuten, aus welchem alle Flüsse ihren Ursprung haben. Homer. apud Boccac. lib. VII. c. 19. Einige schreiben sonst auch insonderheit, daß, als er seine Töchter, die Sirenen, verloren, er seine Mutter, die Erde, um ihren Trost in seinem Alter und Betrübnisse ersuchet habe, welche sich denn eröffnet, und ihn wieder in sich genommen. Damit seiner aber nicht möchte vergessen werden, so habe sie einen Fluß aus sich entspringen lassen, welchen sie dessen Namen zugeleget Servius ad Virgil. Georg. lib. I. v. 9. Doch kann er in so fern auch wohl für

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einen Sohn der Erde gehalten werden, weil die Flüsse in ihren Quellen aus solcher hervor kommen.
 3 §. Thaten. Weil die Schönheit der Deianira, des Oeneus, Königs in Calydonien, Tochter, viel Freyer anlockete, so fand er und Herkules sich auch unter denselben mit ein. Oeneus wollte sich keinen von allen gern zum Feinde machen, welches doch geschehen müssen, wenn er einen von ihnen den andern vorgezogen, und erklärete also, daß der die Deianira haben sollte, welcher im Kampfe gegen den andern die Oberhand behalten würde. Weil nun keiner der Freyer es mit dem Herkules und Achelous annehmen wollte, so bekamen es diese beyde mit sich allein auszuführen. Sie giengen daher einigemal mit größter Gewalt auf einander, ohne daß sie einander etwas abgewinnen konnten, endlich aber versah es Achelous, daß ihn Herkules nicht allein über den Haufen warf, sondern zugleich auch auf den Hals sprang, und dergestalt umtrieb, daß er sich durchaus nicht wieder erholen konnte, sondern mit dem Maule in den Sand zu liegen kam. Weil er nun solcher Gestalt mit seiner Stärke nichts mehr auszurichten vermochte, so wendete er sich zu seinen Künsten, und verwandelte sich in eine ungeheure Schlange. Allein, Herkules lachete darüber, weil er schon in seiner Wiege zwo dergleichen Bestien umgebracht hatte, und selbst das lernäische Ungeheuer ihm nicht widerstehen können, ergriff auch damit den verwandelten Achelous dergestalt bey der Kehle, daß, wenn er nicht erwürget seyn wollte, er solche angenommene Gestalt wieder mußte fahren lassen. Er verwandelte sich aufs neue in einen grimmigen Ochsen: allein Herkules fassete ihn auch so mit der einen Hand in die Schulter, und mit der andern bey dem einen Horne, und streckete ihn solcher Gestalt nicht nur in den Sand, sondern brach ihm auch gar das ergriffene Horn ab. Als sich nun Achelous in allem überwunden sah, stürzete er sich aus Scham und Verdrusse in den von ihm benannten Strom,

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und überließ dem Herkules die Deianira. Die Nymphen nahmen das abgebrochene Horn und machten das bekannte Horn des Ueberflusses daraus, Ovid. Metam. lib. VIIII. a versu 8. usque ad 88. oder wie andere melden, gab Achelous dieses dem Herkules selbst, und bekam dargegen sein abgebrochenes Horn wieder. Apollodor. lib. II. c. 6. §. 5. Als sich aber einst fünf Nymphen in seiner Gegend befanden, und zehen Ochsen den übrigen Feldgöttern opferten, seiner hingegen darbey vergaßen, so riß er, als sie am lustigsten mit Tanzen und Springen bey ihrem Feste waren, das ganze Stück Land, worauf sie sich befanden, von dem übrigen los, und führete es in die See hinab, worauf denn Land und: Nymphen, und unter solchen auch die Perimele, die er doch sonst gar innig geliebet, in fünf besondere Inseln verwandelt wurden, Ovid. Metam. lib. VIII. v. 576. seqq et Lactant. Placid. Narrat. lib. VIII. Fab. 5. 6. die nach der Zeit von einem gewissen Wahrsager, Echinus, den Namen Echinades oder auch Echinä bekommen haben. Cnipping. ad Ovid. l. c. v. 588.
 4 §. Gemahlinn und Kinder. Seine Gemahlinn war Perimede, des Aeolus Tochter, mit welcher er den Hippodamas und Orestes zeugete. Apollodor. lib. I. c. 7. §. 2. So soll er auch mit; der Melpomene, oder, nach andern, mit der Calliope, und, nach noch andern, mit der Sterope, die Sirenen, und sonst noch die Callirhoe, Dirce und Castalia, zu Töchtern gehabt haben. Natal. Comes lib. VII. c. 2.
 5 §. Wahre Historie. Er ist eigentlich ein Fluß. der auf dem Berge Pindus entspringt, Aetolien und Akarnanien von einander scheidet, und endlich in das ionische Meer fällt. Strabo lib. X. p. m. 13. 14. Er fließt sehr krumm und mit einem großen Geräusche, daher denn seine Verwandelung in eine Schlange und Ochsen gedichtet worden, Barth. ad Stat. Theb. lib. II. v. 731. und, da er, nach einigen, die Thesproten und Cureten von einander schied, und bald diesen, bald jenen etwas zuführte,

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so entstund daher ein steter Krieg, bis endlich Herkules die Cureten besiegen half, den Fluß in einen Strom zwang, und ihm also gleichsam das eine Horn abbrach. Anonym. apud Th. Galeum Opusc. Mythol. c. 5. p. 86. Andere hinge gen geben vor, da solcher Strom einen doppelten Arm gehabt, und mit einem insonderheit einen großen Theil Landes überschwemmet, so habe Herkules den einen verdämmet. Da nun ein ungemein fruchtbares Land daher entstanden, so habe man gedichtet, daß aus dem abgebrochenen Horne, welches der eine verstopfete Strom ist, das Cornu Copiæ entstanden sey. Diodor. Sic. lib. IIII. c. 35. Daß er aber die fünf Nymphen in das Meer geführet, ist nichts anders, als daß er durch seine Schnelligkeit und Stärke viel Land weg gespület, und mit sich in die See genommen, woraus denn die Echinadischen Inseln entstanden, welche jetzo die Isoli Curzoli, wie der Achelous selbst Aspri, heißen.
 6 §. Anderweitige Deutung. Einige wollen, daß der Name Achelous überhaupt so viel, als ein besonderes und vortreffliches Wasser bedeute; daher denn auch insonderheit das Wasser, das bey den Opfern gebrauchet wurde, Achelous genannt worden. Ephorus apud Nat. Com. lib. VII. c. 2. Woher er aber für einen Sohn des Oceans angegeben wird, ist schon beygebracht worden; und daß er ein Sohn der Sonne seyn soll, will nur anzeigen, daß, da die Sonne die Dünste aus der Erde zieht, aus diesen so dann Regen, Schnee, Schloßen und dergleichen entstehen, durch solche aber die Flüsse ihr Wachsthum haben; daher nicht allein Achelous, sondern auch alle andere Flüsse für Söhne der Sonne angesehen werden können. Nat. Com. l. c. Andere gehen ganz einen andern Weg, und machen den Achelous, jedoch nur so fern, als er seinen Kampf mit dem Herkules hatte, zu einem Vorbilde eines Landes, das sich im Kriege gegen seinen Feind zu wehren hat. Denn wie er allerhand Gestalten angenommen, sich gegen den Herkules zu behaupten: so nimmt auch ein solches Land allerhand zu seinem

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Schutze vor; es bauet Festungen, bringt das Landvolk in die Städte, bauet Brücken, trägt andere ab, schaffet den Proviant an haltbare Oerter und was dergleichen mehr ist. Hingegen trachtet ein Feind, daß er zu einer Schlacht mit den Einwohnern komme, weil er sich insonderheit vor dem Mangel an Proviante fürchtet, und, da er den Sieg behauptet, bricht er seinen Feinden gleichsam ein Horn ab, worauf denn derselbe weicht, und sich in feste Oerter zieht, hingegen der Obsieger das Land frey behält, es ausplündert, und gleichsam zu seinem Horne des Ueberflusses hat, woraus er nimmt, was er verlanget. Baco Verulam. de Sap. Vett. c. 23. Diese Deutung halten einige gar hoch, andere aber sehen sie, und zwar vielleicht nicht so ganz unrecht, für ziemlich gezwungen an.
 
Artikelverweis 
ACHEĔRON, ontis, Græc, Ἀχέρων, οντος, ( Tab. VIII.)
 1 §. Name. Es wird solcher höllische Fluß auch Acherus, Livius lib. VIII. c. 24. wie nicht weniger Acheruns, Plaut. Casin. Act. II. Scen. 8. v. 12. genannt, und soll solchen Namen, nach einigen von ἀνευ χαρᾶς, ohne Freude, Serv. ad Virg. Aen. L. IV. v. 107. oder dem griechischen α privativo und χαίρειν, sich freuen, haben, weil in der Hölle keine Freude sey, Voss. Etymol. in Orcinus. Conf. Boccacc. lib. III. c. 4. oder auch von ἆχος, das Trauren, und ῥέω, ich fließe, quia luctuosis fluat undis, Vossius l. c. Conf. Wachter. Gloss. Germ. p. 9. oder et gleichsam voller Angst und Betrübniß sey. Suidas in Ἀχέρων s. Tom. I. p. 402. Dagegen machen andere ein scythisches Wort daraus, und leiten es von agron, (ohne Grund) her, weil er unergründlich tief seyn soll; Spanh. ad Callim. Hymn. in Del. v. 291. welches aber nur auf den Acheron in Asien geht. Nicht weniger wollen ihn einige von einem Könige, der Acheron geheissen, und in der Gegend solches Flusses regieret haben soll, benannt wissen. Schol. Apollon. ad lib. II. v. 354. conf. Banier Entret VIII. ou P. I. p. 273. Andern scheint es, daß Orpheus diese Benennung mit aus Aegypten gebracht, da er die Begriffe

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von dasigen Ceremonien bey den Verstorbenen gern auf die Griechen übertragen wollte; Banniers Er läutder Götterl. IV. B. 52 S. wie denn aus dem See Querron bey Memphis Acheron soll gebildet seyn, und Achon-Cherron so viel als Charons Moräste bedeuten. Fourmont Mem. de l'Acad. des Ins. et B. L. T. I. p. 9. et Hist. de l'Acad. des I. et B. L. T. II. p. 68211;13.211;13.
 2 §. Ursprung. Seine Aeltern waren, nach einigen, die Ceres, nach andern die Erde, Nat. Comes lib. III. c. 1. welches denn, in so weit er ein wahrer Fluß ist, seine gute Richtigkeit hat. So fern er aber der Ceres Sohn seyn soll, wird vorgegeben, daß sich diese Göttinn geschämet, als sie mit ihm schwanger gegangen, da sie sich in eine finstere Höle in Creta verstecket, und ihn darinnen geboren habe. Weil aber Acheron das Tageslicht nicht vertragen können, so sey er vollends in die Hölle hinab gestiegen, und daselbst endlich in einen Fluß seines Namens verwandelt worden. Boccac. Geneal. Deor. lib. III. c. 4. Noch andere machen ihn zu einem Sohne des Titans und der Erde, Paull. Perusin. apud eumd. l. c. c. 5. und wiederum einige wollen, daß er von den Thränen einer Statüe entspringe, deren Haupt von Golde, die Brust und Arme von Silber, der Leib von Kupfer und so ferner sey, und oben auf dem Berge Ida in Creta stehe; Dantes apud eumd. l. c. welches aber allzu wunderlich ausgesonnen ist.
 3 §. Schicksal. Als die Riesen den Himmel stürmeten, und sich dabey sehr ermüdeten, so vergönnete er ihnen, daß sie aus ihm trinken, und sich mit seinem hellen und süßen Wasser wieder erquicken möchten. Nachdem aber Juppiter den Sieg über sie erhalten, so strafte er auch den Acheron deßwegen, daß er nicht nur dessen süßes Wasser in ein Gallen-bitteres, sondern ihn auch selbst in einen höllischen Fluß verwandelte. Nat. Comes lib. III c. 1. p. m. 190. Er wird daher auch, nach einigen, für den ersten unter den höllischen Flüssen gehalten, über welche der Verstorbenen Seelen gehen müssen, Id. ibid. p. 187.

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et 190. und zwar soll er mit lauter Thränen fließen, Barth. ad Stat. Theb. lib. IV. v. 522. oder, wenn ja außer dem Cocytus und Pyriphlegethon, auch der Fluß Lethe noch darzu gerechnet wird, so ist dieser der erste, und der Acheron der andere in der Ordnung.
 4 §. Frauen und Kinder. Mit der Nacht soll er die drey Furien, nämlich die Alecto, Megära und Tisiphone, Theodontius et Virgil. apud Boccacc. lib. III. c. 6. mit der Erde aber die Styx, Boccacc. l. c. et Masen. Palaestr. Eloqu. lig. P. 1 lib. I. c. 26. §. 10. ferner mit der Orphna, Nat. Comes lib. III. c. 1. p. m. 189. oder auch, nach andern, mit der Gorgyra, Apollodor. lib. I. c. 5. §. 3. einer Nymphe, den Ascalaphus, und wiederum mit der Styx die Victoria, Paullus Perus. apud Boccacc. lib. III. c. 10. gezeuget haben, von denen allen an ihrem Orte ein mehreres steht.
 5 §. Wahre Beschaffenheit. Unter diesem Namen fanden sich wenigstens ehemals wirklich drey Flüsse in der Welt, als einer bey der Stadt Heraklea in dem Pontus, mit einer unergründlichen tiefen Höhle, aus welcher Herkules ehemals den Cerberus aus der Hölle herauf geholet haben soll: Spanhem. ad Callim. Hymn. in Delum v. 291. et Scholiastes Nicandri apud Nat. Com. lib. III. c. 1. p. 159. itemque Apollon. lib. II. v. 354. et ad eum Schol. l. c. Der andere ist in Epirus, und zwar insonderheit in der Landschaft Thesprotien, welcher unterhalb Dodona entspringt, und, nachdem er durch den acherusischen See geflossen, aus welchem er erst nach einigen entspringen soll, Strabo lib. VII. p. 499. endlich bey der Stadt Ambracia, die sonst auch Arte heißt, oder dem ehemaligen Portu Comano in die See geht, Cellar. Not. O. A. lib. II. cap. 10. p. 1089. und jetzo don den Türken wegen seines schwarzen Wassers Velichi genennet werden soll. Wagenseil. Pera lib. juvenil. locul. II. p. 678. Der dritte ist in Italien, und zwar in dem Lande der Brutier, oder dem heutigen Calabarien, und soll dergestalt mit Bergen und Wald umgeben

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seyn, daß ihn weder die aufgehende, noch untergehende Sonne bescheinen könne. Servius ad Virgil. Aen. lib. VI. v. 107. Er ist eben derjenige, welch en das Orakel meynete, als es den König in Epirus, Alexander, warnete, sich vor dem Acheron zu hüten. Denn da er solches von dem Acheron in Epirus verstund, und daher lieber seinen Krieg mit den Römern in dieser Gegend anfieng: so kam er endlich auch an diesen italienischen Acheron, und erkannte seinen Irrthum, als ein ermüdeter Soldat noch durch selbigen gehen sollte, und aus Verdrusse ausrief: Iure Acheros vocaris! Wie denn auch ermeldeter König bald darauf von einem vertriebenen Lucanier mit einem Spieße im Gefechte niedergemachet wurde. Livius lib. VIII. c. 24. et Strabo lib. VI. p. m. 466. Wie aber alle solche drey Flüsse etwas unangenehmes und fürchterliches hatten, also hat man endlich alles zusammen genommen, und daher so gar einen höllischen Fluß daraus gemachet, von welchem man vorgab, daß er in der Hölle einen ungeheuren tiefen und eiskalten See machte, aus welchem ein häßlich-stinkender Dampf aufstiege; dabey wären dessen Ufer stets mit Reise beleget, das Wasser aber bitterer, als Galle, und was dergleichen Dinge mehr waren, die einem ein Grausen vor ihm machen konnten.
 6 §. Anderweitige Deutung. Ueber ihn müssen der Verstorbenen Seelen zuerst, daher er der torpor, oder die Unempfindlichkeit seyn soll, die einen Sterbenden zuerst einnimmt, wenn der Tod heran nahet. Er wird für der Ceres oder der Erde Sohn angegeben, weil die meisten Verwirrungen der Seele von dem Reichthume entstehen, der aus der Erde kömmt. Er hat den Titanen, als sie wider die Götter gefochten, zu trinken gegeben, welches die Gedanken seyn sollen, die bey den Menschen wider Gott aufsteigen, die aber nicht zu unterhalten sind, wo sie den Menschen nicht von Gott ableiten und zu einem Viehe machen sollen. Er soll sehr bitter Wasser führen, weil unser ganzes Leben, wenn es genau betrachtet

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wird, auch voller Unannehmlichkeiten ist, und was dergleichen weit gesuchter Dinge mehr sind. Nat. Com. lib. III. c. 1. Besser kann man ihn für das böse Gewissen annehmen, das einen Sterbenden im Tode betrübet, Masen. Spec. Ver. oce. c. 23. n. 35. sein Wasser ist herbe und bitter, weil die Erinnerung des bösen Lebens bey vielen Sterbenden ein Schrecken und bittere Reue erwecket, und ist er der Ceres Sohn, weil die Verlassung der irdischen Güter den Sterbenden auch viele Sorge, Angst und Traurigkeit verursachet. Omeis Mythol. in Acheron. s. p. 18. 19.
 
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ACHĔRON, ontis, ein König in klein Asien, dessen Tochter Dardanis, sich mit dem Herkules zu vertraulich machete, und deren Sohn wiederum Herkules hieß, von denen denn der Fluß Acheron das Land Dardania und die Stadt Heraklea den Namen bekommen haben sollen. Andron Teius ap. Schol. Apollon. ad lib. II. v. 354.
 
Artikelverweis 
ACHERON, eine Gottheit in Gallien, von der man weiter keine Nachricht hat, als aus einer Aufschrift, wodurch ihr ein Gelübde bezahlet wird. Gruter. Thes. Insc. p. MLXXIV. Keyßler hält sie für einen Seegott. Ant. Celt. Diss. de Nehal. §. 41.
 
Artikelverweis 
ACHERVSIA, æ, Gr. Ἀχερουσία, ας, ein großer Pfuhl in der Hölle, worüber die Seelen der Verstorbenen von dem Charon geführet wurden, Suid. in Ἀχερουσία;, und daher den δανάκην, oder das Fuhrlohn dafür entrichten mußten, das ihnen darzu jederzeit bey ihren Begräbnissen in den Mund gestecket wurde, Bentleius ad Fragm. Callim. pag. 361. und etwas mehr als einen Obolus galt. Etymol. magn. apud eumd. l. c. Es ist aber solcher acherusischer See in der That ein großer Pfuhl, den der Fluß Acheron in Thesprotien machet, allein auch durch solchen hingeht, keinesweges aber aus demselben entspringt, wie einige fälschlich vorgeben, Cellar. Not. O. A. lib. II. c. 13. pag. 1089. Es findet sich dergleichen Pfuhl auch in Italien, unweit Comä, welchen die Austretung der See verursachet.

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Plin. H. N. lib. III. c. 5. et Strabo lib. V. p. m. 444. So führet auch die Höhle bey dem Acheron in klein Asien solchen Namen, die zwar für den Eingang der Hölle gehalten wird, doch aber mit dem acherusischen Pfuhle nichts gemein hat. Pomp. Mela lib. I. c. 19. lin. 57.
 
Artikelverweis 
ACHILLES, is, Gr. Ἀχιλλεὺς, έως, ( Tab. X. et XXIIII.)
 1 §. Namen Er hieß anfangs Ligyron, Apollodor. lib. III. c. 12. §. 6 Conf. Tzetz. ad Lycophr. 177. bekam aber hernach von dem Chiron den. Namen Achilles, entweder von dem α pri. vativo und χιλὸς, die Speise, wie sie die Erde giebt, weil er in seiner ersten Jugend ohne dergleichen erzogen wurde; Tertullian. apud Becmann. de Origin. L. L. in Achilles; oder von solchem α privativo und χεῖλος, die Lefze, weil ihm diese etwas verbrannte, als er von seiner Mutter ins Feuer geleget worden, und er die Ambrosia davon weggelecket hatte; Nat. Comes lib. VIIII. c. 22. oder auch, weil er solche niemals an seiner Mutter Brust gebracht. Apollodor. l. c. Hingegen setzen noch andere solchen Namen aus ἄχος, der Schmerz und Bekümmerniß, und λύω, ich löse auf, zusammen, weil er die Medicin sehr wohl verstanden, und daher andere an ihren Krankheiten zu curiren gewußt. Becmann l. c. Sonst hieß er anfangs auch Pyrisous, von πῦρ, das Feuer, und σόω, ich erhalte, oder errette, weil er aus solchem von seinem Vater errettet worden, als ihn seine Mutter dahinein geleget hatte. Ptol. Hephaest. lib. VI. p. m. 334.
 2 §. Aeltern. Sein Vater war Peleus, Hygin. Fab. 96. daher er auch von den Poeten vielfältig Pelides genannt wird, Virgil. Aen. II. v. 548. V. v. 808. etc. die Mutter aber Thetis, des Nereus Tochter, und also eine Nymphe, zu der zwar Jupiter wegen ihrer Schönheit erst selbst ein Lüstchen hatte: weil ihm aber Prometheus geweißaget, daß ihr Sohn alsdann vortrefflicher, als sein Vater seyn, und selbst die Herrschaft über den Himmel erlangen würde, so machete er, daß sie einen sterblichen Mann nehmen

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mußte. Apollodor. lib. III. c. 12. §. 5 et Hygin. Fab. 54. Weil sie nun, um dergleichen Zwang zu entgehen, sich bald in Wasser, bald in Feuer, bald in ein wildes Thier und so ferner verwandelte, so wies Chiron dem Peleus, wie er sich ihrer bemächtigen sollte; wie er denn darauf sein Beylager mit ihr auf dem Berge Pelion begieng, wobey sich zugleich alle Götter einfanden, und ihm ein jeder ein besonderes Hochzeitgeschenk brachte. Apollod. l. c. §. 6. Gleichwohl giebt es einige, welche ihn nicht zu einem Sohne der Nymphe Thetis, sondern der Tochter Chirons solches Namens machen; Dictys Cretens. lib. I. c. 14. et ad eum Anna Fabra l. c. wogegen noch andere seine Mutter lieber Chaloen nennen, die indessen doch auch eine Nymphe soll gewesen seyn. Daimachus Alexandrinus apud Nat. Com. l. c. p. 989.
 3 §. Auferziehung. So bald er geboren war, tunkete ihn seine Mutter in den Fluß Styx, daher er denn an seinem ganzen Leibe so fest wurde, daß er mit keinen Waffen konnte verwundet werden, außer an der Ferse, weil ihn Thetis daselbst mit der Hand gefasset hatte, und also das Wasser des Styx solchen Theil nicht benetzen können. Banier Entret. XVII. ou P. II. p. 211. Hiernächst suchte sie ihn auch unsterblich zu machen, bestrich ihn daher des Tages mit Ambrosia, und legete ihn des Nachts in das Feuer, um das, was er von seinem Vater sterbliches an sich hatte, durch das Feuer wegzubringen. Als aber Peleus einsmals des Nachts ungefähr aufwachte, und ihn in dem Feuer zappeln sah, so sprang er eiligst aus dem Bette, ihm zu helfen, indem er nicht wußte, was es für Bewandniß mit ihm habe. Es ärgerte die Thetis heftigst, daß sie sich in ihrem Unternehmen so gestöret sah. Sie verließ daher Mann und Sohn, und machte sich wieder unter ihre Schwestern, die übrigen Nereiden. Peleus nahm hierauf seinen kleinen Sohn, und übergab ihn dem Centaur Chiron zur Auferziehung, der es denn auch auf das allersorgfältigste that, und

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ihn daher nicht nur mit lauter Herzen der Löwen, und Marke von Bären und wilden Schweinen speisete; sondern auch in der Musik, Medicin und andern anständigen und damals üblichen Wissenschaften unterwies, Apollodor. lib. III. c. 12. §. 6 Conf. Orpheus Argon. v. 382. Stat Achil. L. II v. 384. wobey ihm denn seine Gemahlinn, Chariklo, und Mutter Philpra, als zwo Naiaden, mit allem Fleiße beystunden. Apollon. lib. IIII. v. 813. et ad eum Schol. l. c. item ib. v. 869. Jedoch soll er auch des Königes der Dolover in Epirus Sohn, Amyntor, zum Pflegevater und Lehrmeister gehabt haben. Homer. Iliad. IX. v. 481. sqq.
 4 §. Thaten. Weil zu seiner Zeit der Helena Raub vorgieng, und die Griechen den Krieg wider die Trojaner vorhatten, so weissagete Calchas, daß sie die Stadt Troja ohne den Achilles nicht erobern würden. Pindar. Pyth. H. Stroph. γ. v. Ι. Conf. Pomey Part. VI. p. 261. Da aber dessen Mutter, Thetis, auch wußte, daß er in solchem Kriege umkommen würde, so suchte sie ihn demselben auf alle Art zu entziehen. Sie verkleidete ihn daher in seinem neunten Jahre als ein Frauenzimmer, und übergab ihn als ein Mägdchen, unter dem Namen Pyrrha, oder, wie andere wissen wollen, Cercysera, Ptol. Hephaest lib. I. p. 307. dem Könige Lycomedes, in der Insel Scyrus, der ihn also unwissend, wer oder was er eigentlich war, mit unter das Frauenzimmer seiner Tochter, der Deiodamia, that, und also vollends mit erziehen ließ. Hygin. Fab. 96. In diesem Zustande wurde Achilles mit der Dejodamia so bekannt, daß sie auch den Pyrrhus von ihm zurück behielt. Apollodor. lib. III. c. 12. §. 3. Die Griechen spüreten ihm auf alle Weise nach; und, als sie endlich erfuhren, daß er in des Lykomedes Frauenzimmer verborgen steckete, so ordneten sie den Ulysses und Diomedes ab, ihn da heraus zu holen. Da sie ihn aber unter dem übrigen Frauenvolke nicht zu erkennen vermochten, so ließ Ulysses, als von ungefähr, allerhand Sachen und unter

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solchen auch einen Schild und Spieß auf den Saal bringen, wo sich das königliche Frauenzimmer befand, und indem dieses dieselben betrachtete, durch andere vor dem Schlosse einen Lermen machen, als ob Feinde vorhanden wären, da denn das wirkliche Frauenzimmer davon floh, Achilles aber, aus angeborner Großmüthigkeit, den Schild und Spieß ergriff, und sich damit zu wehren suchte. Hierbey aber wurde er auch erkannt: Hygin. Fab. 96. und mußte also in den bemeldeten Krieg mit fort, dahin er mit 50, Homer. Il. B. v. 685. oder, wie andere melden, mit 60 Schiffen seiner Leute gieng. Hygin. Fab. 97. Da nun Thetis solcher Gestalt diesen seinen Zug nicht hintertreiben konnte, so suchete sie sonst alles mögliche zu dessen Erhaltung beyzutragen, und ließ ihm daher von dem Vulcan ganz besondere Waffen, die aller Gewalt widerstehen konnten, verfertigen; Phylarchus apud Nat. Com. lib. VIIII. c. 12. p. m. 990. und als solche hernachmals Patroklus, des Achilles vertrautester Freund, anzog, und deren ungeachtet. dennoch von dem Hektor erleget, und derselben beraubet wurde, Homer. Il P. v. 190. so verschaffete sie ihm wieder andere, Id. ib. Σ. v. 383. die aber doch endlich den Tod von ihm nicht abhalten konnten. Indessen erwies er in solchem Kriege ungemeine Proben seiner Tapferkeit, erlegete zuförderst den König Cygnus, Neptuns und der Calyces Sohn, ungeachtet er sonst mit keinem Gewehre konnte verwundet werden; Dictys lib. II. c. 12. et ad eum Anna Fabra. ferner den Pylämenes, König der Paphlagonier, Id. lib. III. c. 5. die Penthe. silea, Königinn der Amazonen, Id. lib. HII. c. 5. und selbst den Hektor, als den tapfersten unter allen Trojanern, Homer. Il. X. v. 326. den Asteropäus, Astynomus, und Pylachantus, Hygin. Fab. 113. nebst noch etlichen sechzig andern vornehmen und tapfern Feinden mehr. Id. Fab. 116. Nicht minder eroberte er auch währender trojanischen Belagerung die Insel Lesbus und richtete deren König, den Phorbas

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hin. So eroberte er auch die Städte Phyrus und Hierapolis in Phrygien, ferner Lyrnessus in Cilicien, deren König, Eetion, er auch niedermachte, und die Stadt Pedasus, deren König sich aus Verzweiflung selbst erhieng, und was dergleichen mehr war. Dictys lib. II. c. 16. Inzwischen ließ er auch große Schwachheiten mit unter blicken, und wußte insonderheit sich im Zorne so wenig zu mäßigen, daß er auch um der einigen Briseis willen, die ihm Agamemnon nahm, lieber das ganze Heer der Griechen leiden und in Noth und Gefahr kommen ließ, als daß er seinen Affecten nachgeben sollen. Jedoch als ihn alle Feldherren bathen, sich nicht ferner von ihnen abzusondern, und Agamemnon ihm nicht nur die Briseis wiedergab, sondern auch sonst alle Genugthuung versprach, Id. ibid. c. 52. vornehmlich aber Hektor seinen liebsten Freund, den Patroklus erlegete, Fabra ad l. c. so griff er endlich wieder mit zur Sache, erwies sich aber auch darinnen nicht allzu großmüthig, daß er nicht nur mit dem Körper des todten Hektors dermaßen grausam umgieng, daß er ihn mit den Beinen hinten an seinen Wagen band, und also dreymal um ganz Troja herum schleifete; Homer. l. c. v. 395. sondern ihn auch dem Priamus nicht anders, als gegen eine große Summe Geldes, wiedergab. Id. Il. Ω. v. 602. Nicht minder wußte er auch seine Liebesregungen schlecht zu zähmen, sondern verliebte sich dergestalt in die Polyxena, des Priamus Tochter, daß er nicht ungeneigt war, um ihrent willen selbst die Partey der Griechen zu verlassen, wenn sonst die Trojaner die Bedingungen nur nicht allzu hoch gespannet hätten. Dictys lib. III. c. 3. Seine Pferde hießen Xanthus und Balius, die ehemals ein Paar Riesen gewesen, Ptol. Hephæst. lib. V. p. m. 324. wie unter Xanthus steht.
 5 §. Tod und Begräbniß. Wie er nach seinem Schicksale allerdings vor Troja sterben sollte: so mußte nur bemeldete Polyxena die Gelegenheit darzu geben. Denn, als er sich, die

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Heurath mit ihr vollends auszumachen, bey einem Waffenstillstande, in dem Tempel des thymbräischen Apollo einfand, so hatte sich Paris, Priams Sohn und Räuber der Helena, hinter das Bildniß besagten Gottes verstecket, und schoß den Achilles mit einem Pfeile in die Ferse, woselbst er allein konnte verwundet und getödtetwerden. Er starb; auch von solcher Wunde; und damit sein Tod ein desto mehreres Ansehen haben möchte, so gab man vor, Apollo habe ihn selbst erschossen, oder doch wenigstens dem Paris die Hand und den Bogen gerichtet. Serv. ad Virg. Aen. VI. v. 57. et Lactant. Narr. lib. XII. Fab. 6. Doch wollen auch andere, Apollo habe des Paris Gestalt angenommen, und ihn erleget, als er vor den trojanischen Mauren herum geschwärmet, und sich gerühmet, daß er Troja allein erobert, indem er dessen tapfersten Verfechter, den Hektor, ohne welchen Troja nicht konnte erobert werden, erleget habe. Hygin. Fab. 107. Noch andere melden, als er, um die Polyxena zu handeln, mit dem Paris und dem Deiphobus in des thymbräischen Apollo Tempel, der in einem Hayne vor Troja lag, zusammen gekommen, so habe ihn Deiphobus, gleichsam als vor Freuden umfasset, Paris aber, da ihn jener also gehalten, ihm das Schwert durch den Leib gestoßen; und, als sich jener hinwegbegeben, habe ihn Ajax Telamonius und Ulysses noch etwas lebend angetroffen, denen er selbst erzählet, wie es ihm ergangen sey. Weil er aber damit auch zugleich verschieden, so habe ihn Ajax auf den Rücken genommen, und also wieder zu den übrigen Griechen gebracht. Dictys Cret. lib. IV. c. 2. Noch andere geben vor, er sey von obgedachter Penthesilea erleget worden, habe aber durch seiner Mutter Vorbitte erhalten, daß er wieder aus der Hölle empor kommen, und sich an der Penthesilea rächen können, die er dann auch hingerichtet. Ptol. Hephæst. lib. VI. p. 330. Einige geben vor, als ihn Thetis oben gemeldeter maßen in das Feuer geleget, zu versuchen, ob er sterblich sey oder nicht, habe

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ihn zwar sein Vater Peleus noch gerettet, doch sey die eine Ferse bereits verbrannt gewesen, an dessen Stelle ihm hernachmals Chiron die Ferse des ehemaligen Riesen Damysus, der unter allen seines gleichen der geschwindeste zu Fuße gewesen, dafür angesetzet: allein, da er vor dem Apollo fliehen müssen, so habe er solche Ferse verloren, sey daher gefallen, und also hingerichtet worden. Id. ib. Noch andere melden, als ihn Paris ermordet, so habe er auch gewollt, man solle ihn den Vögeln vorwerfen: endlich aber habe man den Griechen zwar den Körper abfolgen lassen; Dares Phrygius c. 34. jedoch nicht eher, als bis sie eben so viel für denselben entrichtet, als Priamus vorher für Hektors Körper geben müssen. Nat. Comes lib. VIII. c. 12. p. m. 990. Ob ihn nun wohl die gesammten Musen und Nymphen zum heftigsten beweinet haben sollen, Lycophron v. 273. & ad eum Tzetz. l. c. so bedauren doch die Griechen seinen Verlust wenig, weil sie ihn im Verdachte hatten, daß er sich mit den Trojanern zu ihrem Verderben in Unterhandlung eingelassen. Dictys. Cret. lib. IV. c. 3. Doch stelleten sie ihm endlich noch feyerliche Leichenspiele an, Homer. Odyss. Ω. v. 57. seqq und begruben ihn auf dem sigäischen Vorgebirge, wo sie seine und des Patroklus Asche, als zweener so sonderbarer Freunde auch im Tode zusammen setzten. Dictys l. c. Es entstund ein großer Streit, wer seine Waffen erben sollte, wobey es bald zum Blutvergießen gekommen wäre: doch wurden sie endlich dem Ulysses zugesprochen. Ovid. Metam. lib. XIII. Nachher, da die Griechen Troja erobert hatten, und nun wieder nach Hause gehen wollten, ließ sich eine Stimme aus solchem Grabe hören, die einen Theil der Beute für den Achilles forderte. Es wurde also beschlossen, man wollte ihm die gefangene Polyxena, um deren willen er sein Leben eingebüßet hatte, auf demselben opfern; welches denn mit großen Feyerlichkeiten durch seines Sohnes Pyrrhus eigene Hände geschah. Hygin. Fab. 110. & Servius ad Virgil. Aen. III. v. 322. Jedoch

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melden auch andere, daß er auf einer Insel in dem Borysthenes, Nat. Comes l. c. p. 991. oder auch Pontus Euxinus, Pausan. Lacon. c. 19. & Plin. H. N. lib. IV. c. 15. den man von ihm Achillea genannt, begraben worden, und daß er sich in den elysischen Feldern, nach einigen, mit der Medea, Apollon. lib. IV. v. 814. & Ibicus apud Schol. ad Apollon. l. c. nach andern, mit der Helena, Pausan. l. c. und, nach den dritten, mit der Iphigenia wiederum vermählet habe. Banier Entret. XVII ou P. II p. 215.
 6 §. Verehrung. Man hat ihn nicht allein in besagter Insel, als einen Halbgott verehret, und gar viel von seinen Wundern zu reden gewußt; Pausan. Lacon. c. 20. sondern auch selbst in Griechenland: wie er denn bey den Lacedämoniern seinen besondern Tempel hatte, der zwar niemals geöffnet wurde, jedoch mußten dem Achilles alle junge Leute opfern, welche sich in dem so genannten πλατανιστᾷ in Kriegsexercitien üben wollten. Id. ib. c. 20. Dergleichen hatte er auch zu Brasiä, woselbst ihm jährlich ein Fest gefeyret wurde. Id. ib. c. 24. Und ob er wohl zu Eli nur ein bloßes Gedächtnißmaal hatte, so erwiesen ihm doch die Frauen daselbst zu Anfange der olympischen Spiele seine besondere Ehre darbey, Id. El. poster. c. 23. und als Alexander der Große auf seinem Zuge nach Persien, zu seinem Grabe auf dem sigäischen Vorgebirge kam, so hielt er mit seinen vornehmsten Heerführern einen besondern Umgang um dasselbe, begoß es mit Oele und setzete ihm eine Krone auf, pries ihn auch darum zugleich glücklich, daß er bey Lebzeiten an dem Patroklus einen treuen Freund, und nach dem Tode an dem Homerus einen gefunden, der seine Thaten geziemend beschrieben. Plutarch. in Alexandro c. 12.
 7 §. Bildung. Er war von langer Statur, breiter Brust, angenehmem Munde, schönem Gesichte, starken und fleischichten Gliedern, ziemlich krausen Haaren, und in Waffen strenge, sonst aber freundlich und gütig. Dares Phryg. c. 12.
 

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8 §. Familie. Er hat in seinem Leben keine eigentliche Gemahlinn gehabt, indessen aber zeugete er doch, obgedach ter maßen, mit der Deidamia, des Lykomedes Tochter, den Pyrrhus, oder Neoptolemus, welcher nach seinem Tode endlich den trojanischen Krieg zu Ende bringen half, und darauf in Epirus ein besonderes Königreich aufrichtete, so daß auch Alexander der Große selbst sein Geschlecht mütterlicher Seite von ihm herleitete. Pausan. Att. c. 9. Plutarch. in Alexandro c. 1. Außer sollchem Pyrrhus soll er auch mit besagter Prinzessinn den Oneirus gezeuget haben, den aber Orestes unversehens ums Leben brachte, ehe er noch etwas Merkwürdiges verrichtete. Ptol. Hephæst. lib. III. p. m. 315.
 9 §. Wahre Historie. Für dergleichen kann fast alles angenommen werden, was von ihm gesaget wird; nur will man, wenn Thetis ihn ins Feuer geleget haben soll, solches auf eine gewisse Reinigung deuten, die seine Mutter mit ihm vorgenommen hat. Daß er hiernächst durch das Wasser des Styx soll fest geworden seyn, deutet man auf dessen gute und undurchdringliche Waffen. Banier Entret. XVII. ou P. II. p. 211. Sein Verstecken unter des Lykomedes Frauenzimmer leget man so aus, daß er dessen Tochter wirklich geheurathet, und ihren Umgang so angenehm gefunden, daß er fast nie aus ihrem Zimmer gekommen; Nat. Com. lib. VIIII. c. 12. und man machet es wahrscheinlich, daß die ganze Erdichtung daher entstanden, weil Achilles, als ein damals Neuvermählter, verlanget habe, von dem Kriegeszuge befreyet zu seyn. Burman. ad Ovid. Metam. lib. XIII. v. 362. Was von ihm nach seinem Tode gemeldet wird, hält man für Zeitungen, die dessen Priester ausgesprenget haben, seine Verehrung desto größer zu machen. Banier l. c.
 10 §. Anderweitige Deutungen. Er wurde dem Chiron, der halb ein Mensch, halb aber ein Pferd war, zur Auferziehung übergeben, weil Fürsten und Herren sowohl einen guten Verstand, als Stärke des Leibes besitzen sollen. Er

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soll von den Musen und Nymphen beweinet worden seyn; weil man bey seinem Begräbnisse eine Trauermusik gemachet, und zu selbiger Zeit auch das Meer sehr getobet, hat man dessen Geräusch für ein Weinen der Nymphen gehalten. Als er die Polyxena zu erhalten gedachte, wurde er von dem weibischen Paris erschossen, welches erweist, daß tapfere Leute sich vor nichts mehr, als der Wollust, zu fürchten haben. Nat. Com. lib. VIII. c. 13. Er hatte einen Schild, worauf der Himmel, die Erde, das Meer, die Sterne und dergleichen gebildet waren, um zu bemerken, daß Fürsten und Kriegeshelden auch in der galanten Gelehrsamkeit nicht unerfahren seyn, oder sie im Kriege eben so wenig, als ihren Schild, beyseite setzen sollen. Omeis Mythol. in Achilles s. p. 21. An ihm war allein die Ferse nicht fest, daher er auch in derselben von dem Paris tödtlich verwundet wurde, welches bemerket, daß große Helden doch einen Affect haben, durch welchen sie gefället werden können. Fulgent. apud Masen. Spec. Ver. occ. c. XXIII. n. 27. Der römische Poet, Statius, besingt die Geschichte seiner Kindheit und Jugend bis auf den trojanischen Krieg in einem eigenen Gedichte von 2 Büchern, unter dem Namen Achilleis. Besondere Tragödien von ihm haben ehemals Livius Andronicus, Ennius, L. Attius, u.a. verfertiget, die aber insgesammt, bis auf einige wenige Ueberbleibsel, verloren gegangen sind. Fabr. Biblioth. Lat. lib. IV. c. 4. §. 4.
 
Artikelverweis 
ACHILLES, is, der Erde Sohn, nahm die Juno, als sie dem Jupiter; mit seiner Liebe kein Gehör geben wollte, in seine Höhle auf, und beredete sie endlich, daß sie in Jupiters Ansuchen einwilligte, wofür ihm Jupiter versprach, daß alle, die seinen Namen führen würden, große und berühmte Leute werden sollten. Ptolem. Hephæst. lib. VI. p. m. 332.
 
Artikelverweis 
ACHILLES, is, ( Tab. X.) Jupiters und der Lamia Sohn, war von einer so großen Schönheit, daß ihm Pan selbst den Preis dießfalls vor allen zugestund,

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welches aber die Venus dergestalt verdroß, daß sie ihn nicht nur in die Echo vergeblich verliebt machete, sondern ihm auch selbst eine so häßliche Gestalt gab, daß sich jedermann vor ihm scheuen mußte. Ptolem. Hephæst. lib. VI. p. 333.