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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
ACHAEMENĬDES bis ACHERVSIA (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis ACHAEMENĬDES, æ, des Adamastus Sohn aus Ithaca, befand sich mit unter des Ulysses Leuten, als dieser von Troja wieder zurück gieng, wurde aber in der Eil und Furcht vor den Cyklopen in Sicilien zurück gelassen, bis sich endlich Aeneas, als er vor solcher Insel vorüber fuhr, seiner erbarmete, und ihn wieder mit sich

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hinweg nahm. Virgil. Aen. III. v. 614. et Ovid. ex Ponto lib. II. Ep. 2. v. 25.
 
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ACHAEVS, Gr. Ἀχαιὸς, ου, ( Tab. XXV.) des Xuthus und der Creusa Sohn, von dem die Achiver den Namen bekommen haben. Apollodor. lib. Ι. c. 7. §. 2. Er hatte anfänglich demjenigen Theile des Peloponnesus, welchen sein Bruder nachher Ionien genannt, den Namen Achaja gegeben. Nicht lange darauf aber gieng er nach Thessalien, wo er mit Hülfe der Athenienser und des Jon, der sie anführete, sich nach dem Tode des Aeolus, seines Vaterbruders, des Königreiches Phthiotis bemächtigte und auch diesem Theile von Griechenland den Namen Achaja ertheilete. Pausan. in Achaic. p. 396. Schol. Apollon. Rhod. ad Lib. I. v. 284. Didym. ad Hom. Iliad. I. v. 2.
 
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ACHAMANTIS, ĭdos, ( Tab. XVIII.) eine von den 50 Töchtern des Danaus, welche den Echominus, als ihren Bräutigam, nach ihres Vaters Befehle, in der ersten Hochzeitnacht umbrachte. Hygin. Fab. 170.
 
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ACHĂMAS, æ, ( Tab. II.) ein Cyklope und Vulcans Schmiedeknecht in Sicilien. Val. Flaccus Argonaut. lib. I. v. 580.
 
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ACHĂRÊVS, ëi, ein berühmter Kämpfer, welcher es bey den Spielen, die Herkules zu Ehren des verstorbenen Pelops anstellete, selbst mit dem Herkules im Pammachio annahm. Hygin. Fab. 273.
 
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ACHÁTES, æ, Gr. Ἀχάτης, ου, ein Trojaner und treuer Gefährte des Aeneas, Virgil. Aen. I. v. 312. der in: der That nichts anders bedeutet, als die Sorge und Bekümmerniß, welche Fürsten und Könige stets zu begleiten pflegen. Servius ad l. c.
 
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ACHELÓVS, <i, Gr. Ἀχελῶος, ώου, ( Tab. III.)
 1 §. Name. Diesen soll er nach einigen von ἄχος, die Traurigkeit, und λύω, ich löse auf, führen, Eustath. apud Voss. Etymol. in Aqua s. pag. 44. Conf. Id. Theol. Gent. lib. II. c. 77. vielleicht weil er, als ein Fluß, mit seiner annehmlichen Gegend den Menschen

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ihre Traurigkeit zu benehmen, fähig gewesen: andere hingegen leiten solchen von einem alten griechischen Worte ἄχα her, welches das Wasser bedeutet, und λούω, ich wasche, oder bade, weil dessen Wasser insonderheit dazu gebrauchet worden; Iul. Caes. Scalig. apud eumd. l. c. daher auch einige solchen Namen Aquæ lavacrum deuten. Vossius ipse l. c. Die dritten geben vor, daß er erst Thoas geheißen, nachdem aber Achelous, König in Aetolien, darinnen verunglückt, so habe er den Namen solches Königes bekommen. Nat. Comes lib. VII. c. 2. Und endlich sagen einige, er habe erst Thestius geheißen, von dem Thestius, des Mars und der Prisidice Sohne, den Namen Achelous aber von dem Achelous, des Oceans und einer Nymphe Sohne, bekommen, als derselbe in ihm ertrunken. Plutarchus, vel quisquis autor est, libelli de Fluminibus apud eumd. l. c.
 2 §. Ursprung. Einige geben ihn für einen Sohn des Oceans und der Erde, Alcæus apud Nat. Com. lib. VII. c. 2. et Paullus Perusin. apud Boccac. lib. VII. c. 19. andere für einen Sohn der Sonne und der Erde aus; Heca. tæus apud Nat. Com. l. c. die dritten machen ihn zu einem Sohne des Pontus und Mars, Hygin. Præf. p. 5. und die vierten zu einem Sohne des Oceans und der Tethys, Hesiod. Theogon. v. 340. welches denn in so fern seine Richtigkeit hat, weil Oceanus und Tethys nichts anders, als das Meer bedeuten, aus welchem alle Flüsse ihren Ursprung haben. Homer. apud Boccac. lib. VII. c. 19. Einige schreiben sonst auch insonderheit, daß, als er seine Töchter, die Sirenen, verloren, er seine Mutter, die Erde, um ihren Trost in seinem Alter und Betrübnisse ersuchet habe, welche sich denn eröffnet, und ihn wieder in sich genommen. Damit seiner aber nicht möchte vergessen werden, so habe sie einen Fluß aus sich entspringen lassen, welchen sie dessen Namen zugeleget Servius ad Virgil. Georg. lib. I. v. 9. Doch kann er in so fern auch wohl für

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einen Sohn der Erde gehalten werden, weil die Flüsse in ihren Quellen aus solcher hervor kommen.
 3 §. Thaten. Weil die Schönheit der Deianira, des Oeneus, Königs in Calydonien, Tochter, viel Freyer anlockete, so fand er und Herkules sich auch unter denselben mit ein. Oeneus wollte sich keinen von allen gern zum Feinde machen, welches doch geschehen müssen, wenn er einen von ihnen den andern vorgezogen, und erklärete also, daß der die Deianira haben sollte, welcher im Kampfe gegen den andern die Oberhand behalten würde. Weil nun keiner der Freyer es mit dem Herkules und Achelous annehmen wollte, so bekamen es diese beyde mit sich allein auszuführen. Sie giengen daher einigemal mit größter Gewalt auf einander, ohne daß sie einander etwas abgewinnen konnten, endlich aber versah es Achelous, daß ihn Herkules nicht allein über den Haufen warf, sondern zugleich auch auf den Hals sprang, und dergestalt umtrieb, daß er sich durchaus nicht wieder erholen konnte, sondern mit dem Maule in den Sand zu liegen kam. Weil er nun solcher Gestalt mit seiner Stärke nichts mehr auszurichten vermochte, so wendete er sich zu seinen Künsten, und verwandelte sich in eine ungeheure Schlange. Allein, Herkules lachete darüber, weil er schon in seiner Wiege zwo dergleichen Bestien umgebracht hatte, und selbst das lernäische Ungeheuer ihm nicht widerstehen können, ergriff auch damit den verwandelten Achelous dergestalt bey der Kehle, daß, wenn er nicht erwürget seyn wollte, er solche angenommene Gestalt wieder mußte fahren lassen. Er verwandelte sich aufs neue in einen grimmigen Ochsen: allein Herkules fassete ihn auch so mit der einen Hand in die Schulter, und mit der andern bey dem einen Horne, und streckete ihn solcher Gestalt nicht nur in den Sand, sondern brach ihm auch gar das ergriffene Horn ab. Als sich nun Achelous in allem überwunden sah, stürzete er sich aus Scham und Verdrusse in den von ihm benannten Strom,

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und überließ dem Herkules die Deianira. Die Nymphen nahmen das abgebrochene Horn und machten das bekannte Horn des Ueberflusses daraus, Ovid. Metam. lib. VIIII. a versu 8. usque ad 88. oder wie andere melden, gab Achelous dieses dem Herkules selbst, und bekam dargegen sein abgebrochenes Horn wieder. Apollodor. lib. II. c. 6. §. 5. Als sich aber einst fünf Nymphen in seiner Gegend befanden, und zehen Ochsen den übrigen Feldgöttern opferten, seiner hingegen darbey vergaßen, so riß er, als sie am lustigsten mit Tanzen und Springen bey ihrem Feste waren, das ganze Stück Land, worauf sie sich befanden, von dem übrigen los, und führete es in die See hinab, worauf denn Land und: Nymphen, und unter solchen auch die Perimele, die er doch sonst gar innig geliebet, in fünf besondere Inseln verwandelt wurden, Ovid. Metam. lib. VIII. v. 576. seqq et Lactant. Placid. Narrat. lib. VIII. Fab. 5. 6. die nach der Zeit von einem gewissen Wahrsager, Echinus, den Namen Echinades oder auch Echinä bekommen haben. Cnipping. ad Ovid. l. c. v. 588.
 4 §. Gemahlinn und Kinder. Seine Gemahlinn war Perimede, des Aeolus Tochter, mit welcher er den Hippodamas und Orestes zeugete. Apollodor. lib. I. c. 7. §. 2. So soll er auch mit; der Melpomene, oder, nach andern, mit der Calliope, und, nach noch andern, mit der Sterope, die Sirenen, und sonst noch die Callirhoe, Dirce und Castalia, zu Töchtern gehabt haben. Natal. Comes lib. VII. c. 2.
 5 §. Wahre Historie. Er ist eigentlich ein Fluß. der auf dem Berge Pindus entspringt, Aetolien und Akarnanien von einander scheidet, und endlich in das ionische Meer fällt. Strabo lib. X. p. m. 13. 14. Er fließt sehr krumm und mit einem großen Geräusche, daher denn seine Verwandelung in eine Schlange und Ochsen gedichtet worden, Barth. ad Stat. Theb. lib. II. v. 731. und, da er, nach einigen, die Thesproten und Cureten von einander schied, und bald diesen, bald jenen etwas zuführte,

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so entstund daher ein steter Krieg, bis endlich Herkules die Cureten besiegen half, den Fluß in einen Strom zwang, und ihm also gleichsam das eine Horn abbrach. Anonym. apud Th. Galeum Opusc. Mythol. c. 5. p. 86. Andere hinge gen geben vor, da solcher Strom einen doppelten Arm gehabt, und mit einem insonderheit einen großen Theil Landes überschwemmet, so habe Herkules den einen verdämmet. Da nun ein ungemein fruchtbares Land daher entstanden, so habe man gedichtet, daß aus dem abgebrochenen Horne, welches der eine verstopfete Strom ist, das Cornu Copiæ entstanden sey. Diodor. Sic. lib. IIII. c. 35. Daß er aber die fünf Nymphen in das Meer geführet, ist nichts anders, als daß er durch seine Schnelligkeit und Stärke viel Land weg gespület, und mit sich in die See genommen, woraus denn die Echinadischen Inseln entstanden, welche jetzo die Isoli Curzoli, wie der Achelous selbst Aspri, heißen.
 6 §. Anderweitige Deutung. Einige wollen, daß der Name Achelous überhaupt so viel, als ein besonderes und vortreffliches Wasser bedeute; daher denn auch insonderheit das Wasser, das bey den Opfern gebrauchet wurde, Achelous genannt worden. Ephorus apud Nat. Com. lib. VII. c. 2. Woher er aber für einen Sohn des Oceans angegeben wird, ist schon beygebracht worden; und daß er ein Sohn der Sonne seyn soll, will nur anzeigen, daß, da die Sonne die Dünste aus der Erde zieht, aus diesen so dann Regen, Schnee, Schloßen und dergleichen entstehen, durch solche aber die Flüsse ihr Wachsthum haben; daher nicht allein Achelous, sondern auch alle andere Flüsse für Söhne der Sonne angesehen werden können. Nat. Com. l. c. Andere gehen ganz einen andern Weg, und machen den Achelous, jedoch nur so fern, als er seinen Kampf mit dem Herkules hatte, zu einem Vorbilde eines Landes, das sich im Kriege gegen seinen Feind zu wehren hat. Denn wie er allerhand Gestalten angenommen, sich gegen den Herkules zu behaupten: so nimmt auch ein solches Land allerhand zu seinem

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Schutze vor; es bauet Festungen, bringt das Landvolk in die Städte, bauet Brücken, trägt andere ab, schaffet den Proviant an haltbare Oerter und was dergleichen mehr ist. Hingegen trachtet ein Feind, daß er zu einer Schlacht mit den Einwohnern komme, weil er sich insonderheit vor dem Mangel an Proviante fürchtet, und, da er den Sieg behauptet, bricht er seinen Feinden gleichsam ein Horn ab, worauf denn derselbe weicht, und sich in feste Oerter zieht, hingegen der Obsieger das Land frey behält, es ausplündert, und gleichsam zu seinem Horne des Ueberflusses hat, woraus er nimmt, was er verlanget. Baco Verulam. de Sap. Vett. c. 23. Diese Deutung halten einige gar hoch, andere aber sehen sie, und zwar vielleicht nicht so ganz unrecht, für ziemlich gezwungen an.
 
Artikelverweis 
ACHEĔRON, ontis, Græc, Ἀχέρων, οντος, ( Tab. VIII.)
 1 §. Name. Es wird solcher höllische Fluß auch Acherus, Livius lib. VIII. c. 24. wie nicht weniger Acheruns, Plaut. Casin. Act. II. Scen. 8. v. 12. genannt, und soll solchen Namen, nach einigen von ἀνευ χαρᾶς, ohne Freude, Serv. ad Virg. Aen. L. IV. v. 107. oder dem griechischen α privativo und χαίρειν, sich freuen, haben, weil in der Hölle keine Freude sey, Voss. Etymol. in Orcinus. Conf. Boccacc. lib. III. c. 4. oder auch von ἆχος, das Trauren, und ῥέω, ich fließe, quia luctuosis fluat undis, Vossius l. c. Conf. Wachter. Gloss. Germ. p. 9. oder et gleichsam voller Angst und Betrübniß sey. Suidas in Ἀχέρων s. Tom. I. p. 402. Dagegen machen andere ein scythisches Wort daraus, und leiten es von agron, (ohne Grund) her, weil er unergründlich tief seyn soll; Spanh. ad Callim. Hymn. in Del. v. 291. welches aber nur auf den Acheron in Asien geht. Nicht weniger wollen ihn einige von einem Könige, der Acheron geheissen, und in der Gegend solches Flusses regieret haben soll, benannt wissen. Schol. Apollon. ad lib. II. v. 354. conf. Banier Entret VIII. ou P. I. p. 273. Andern scheint es, daß Orpheus diese Benennung mit aus Aegypten gebracht, da er die Begriffe

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von dasigen Ceremonien bey den Verstorbenen gern auf die Griechen übertragen wollte; Banniers Er läutder Götterl. IV. B. 52 S. wie denn aus dem See Querron bey Memphis Acheron soll gebildet seyn, und Achon-Cherron so viel als Charons Moräste bedeuten. Fourmont Mem. de l'Acad. des Ins. et B. L. T. I. p. 9. et Hist. de l'Acad. des I. et B. L. T. II. p. 68211;13.211;13.
 2 §. Ursprung. Seine Aeltern waren, nach einigen, die Ceres, nach andern die Erde, Nat. Comes lib. III. c. 1. welches denn, in so weit er ein wahrer Fluß ist, seine gute Richtigkeit hat. So fern er aber der Ceres Sohn seyn soll, wird vorgegeben, daß sich diese Göttinn geschämet, als sie mit ihm schwanger gegangen, da sie sich in eine finstere Höle in Creta verstecket, und ihn darinnen geboren habe. Weil aber Acheron das Tageslicht nicht vertragen können, so sey er vollends in die Hölle hinab gestiegen, und daselbst endlich in einen Fluß seines Namens verwandelt worden. Boccac. Geneal. Deor. lib. III. c. 4. Noch andere machen ihn zu einem Sohne des Titans und der Erde, Paull. Perusin. apud eumd. l. c. c. 5. und wiederum einige wollen, daß er von den Thränen einer Statüe entspringe, deren Haupt von Golde, die Brust und Arme von Silber, der Leib von Kupfer und so ferner sey, und oben auf dem Berge Ida in Creta stehe; Dantes apud eumd. l. c. welches aber allzu wunderlich ausgesonnen ist.
 3 §. Schicksal. Als die Riesen den Himmel stürmeten, und sich dabey sehr ermüdeten, so vergönnete er ihnen, daß sie aus ihm trinken, und sich mit seinem hellen und süßen Wasser wieder erquicken möchten. Nachdem aber Juppiter den Sieg über sie erhalten, so strafte er auch den Acheron deßwegen, daß er nicht nur dessen süßes Wasser in ein Gallen-bitteres, sondern ihn auch selbst in einen höllischen Fluß verwandelte. Nat. Comes lib. III c. 1. p. m. 190. Er wird daher auch, nach einigen, für den ersten unter den höllischen Flüssen gehalten, über welche der Verstorbenen Seelen gehen müssen, Id. ibid. p. 187.

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et 190. und zwar soll er mit lauter Thränen fließen, Barth. ad Stat. Theb. lib. IV. v. 522. oder, wenn ja außer dem Cocytus und Pyriphlegethon, auch der Fluß Lethe noch darzu gerechnet wird, so ist dieser der erste, und der Acheron der andere in der Ordnung.
 4 §. Frauen und Kinder. Mit der Nacht soll er die drey Furien, nämlich die Alecto, Megära und Tisiphone, Theodontius et Virgil. apud Boccacc. lib. III. c. 6. mit der Erde aber die Styx, Boccacc. l. c. et Masen. Palaestr. Eloqu. lig. P. 1 lib. I. c. 26. §. 10. ferner mit der Orphna, Nat. Comes lib. III. c. 1. p. m. 189. oder auch, nach andern, mit der Gorgyra, Apollodor. lib. I. c. 5. §. 3. einer Nymphe, den Ascalaphus, und wiederum mit der Styx die Victoria, Paullus Perus. apud Boccacc. lib. III. c. 10. gezeuget haben, von denen allen an ihrem Orte ein mehreres steht.
 5 §. Wahre Beschaffenheit. Unter diesem Namen fanden sich wenigstens ehemals wirklich drey Flüsse in der Welt, als einer bey der Stadt Heraklea in dem Pontus, mit einer unergründlichen tiefen Höhle, aus welcher Herkules ehemals den Cerberus aus der Hölle herauf geholet haben soll: Spanhem. ad Callim. Hymn. in Delum v. 291. et Scholiastes Nicandri apud Nat. Com. lib. III. c. 1. p. 159. itemque Apollon. lib. II. v. 354. et ad eum Schol. l. c. Der andere ist in Epirus, und zwar insonderheit in der Landschaft Thesprotien, welcher unterhalb Dodona entspringt, und, nachdem er durch den acherusischen See geflossen, aus welchem er erst nach einigen entspringen soll, Strabo lib. VII. p. 499. endlich bey der Stadt Ambracia, die sonst auch Arte heißt, oder dem ehemaligen Portu Comano in die See geht, Cellar. Not. O. A. lib. II. cap. 10. p. 1089. und jetzo don den Türken wegen seines schwarzen Wassers Velichi genennet werden soll. Wagenseil. Pera lib. juvenil. locul. II. p. 678. Der dritte ist in Italien, und zwar in dem Lande der Brutier, oder dem heutigen Calabarien, und soll dergestalt mit Bergen und Wald umgeben

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seyn, daß ihn weder die aufgehende, noch untergehende Sonne bescheinen könne. Servius ad Virgil. Aen. lib. VI. v. 107. Er ist eben derjenige, welch en das Orakel meynete, als es den König in Epirus, Alexander, warnete, sich vor dem Acheron zu hüten. Denn da er solches von dem Acheron in Epirus verstund, und daher lieber seinen Krieg mit den Römern in dieser Gegend anfieng: so kam er endlich auch an diesen italienischen Acheron, und erkannte seinen Irrthum, als ein ermüdeter Soldat noch durch selbigen gehen sollte, und aus Verdrusse ausrief: Iure Acheros vocaris! Wie denn auch ermeldeter König bald darauf von einem vertriebenen Lucanier mit einem Spieße im Gefechte niedergemachet wurde. Livius lib. VIII. c. 24. et Strabo lib. VI. p. m. 466. Wie aber alle solche drey Flüsse etwas unangenehmes und fürchterliches hatten, also hat man endlich alles zusammen genommen, und daher so gar einen höllischen Fluß daraus gemachet, von welchem man vorgab, daß er in der Hölle einen ungeheuren tiefen und eiskalten See machte, aus welchem ein häßlich-stinkender Dampf aufstiege; dabey wären dessen Ufer stets mit Reise beleget, das Wasser aber bitterer, als Galle, und was dergleichen Dinge mehr waren, die einem ein Grausen vor ihm machen konnten.
 6 §. Anderweitige Deutung. Ueber ihn müssen der Verstorbenen Seelen zuerst, daher er der torpor, oder die Unempfindlichkeit seyn soll, die einen Sterbenden zuerst einnimmt, wenn der Tod heran nahet. Er wird für der Ceres oder der Erde Sohn angegeben, weil die meisten Verwirrungen der Seele von dem Reichthume entstehen, der aus der Erde kömmt. Er hat den Titanen, als sie wider die Götter gefochten, zu trinken gegeben, welches die Gedanken seyn sollen, die bey den Menschen wider Gott aufsteigen, die aber nicht zu unterhalten sind, wo sie den Menschen nicht von Gott ableiten und zu einem Viehe machen sollen. Er soll sehr bitter Wasser führen, weil unser ganzes Leben, wenn es genau betrachtet

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wird, auch voller Unannehmlichkeiten ist, und was dergleichen weit gesuchter Dinge mehr sind. Nat. Com. lib. III. c. 1. Besser kann man ihn für das böse Gewissen annehmen, das einen Sterbenden im Tode betrübet, Masen. Spec. Ver. oce. c. 23. n. 35. sein Wasser ist herbe und bitter, weil die Erinnerung des bösen Lebens bey vielen Sterbenden ein Schrecken und bittere Reue erwecket, und ist er der Ceres Sohn, weil die Verlassung der irdischen Güter den Sterbenden auch viele Sorge, Angst und Traurigkeit verursachet. Omeis Mythol. in Acheron. s. p. 18. 19.
 
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ACHĔRON, ontis, ein König in klein Asien, dessen Tochter Dardanis, sich mit dem Herkules zu vertraulich machete, und deren Sohn wiederum Herkules hieß, von denen denn der Fluß Acheron das Land Dardania und die Stadt Heraklea den Namen bekommen haben sollen. Andron Teius ap. Schol. Apollon. ad lib. II. v. 354.
 
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ACHERON, eine Gottheit in Gallien, von der man weiter keine Nachricht hat, als aus einer Aufschrift, wodurch ihr ein Gelübde bezahlet wird. Gruter. Thes. Insc. p. MLXXIV. Keyßler hält sie für einen Seegott. Ant. Celt. Diss. de Nehal. §. 41.
 
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ACHERVSIA, æ, Gr. Ἀχερουσία, ας, ein großer Pfuhl in der Hölle, worüber die Seelen der Verstorbenen von dem Charon geführet wurden, Suid. in Ἀχερουσία;, und daher den δανάκην, oder das Fuhrlohn dafür entrichten mußten, das ihnen darzu jederzeit bey ihren Begräbnissen in den Mund gestecket wurde, Bentleius ad Fragm. Callim. pag. 361. und etwas mehr als einen Obolus galt. Etymol. magn. apud eumd. l. c. Es ist aber solcher acherusischer See in der That ein großer Pfuhl, den der Fluß Acheron in Thesprotien machet, allein auch durch solchen hingeht, keinesweges aber aus demselben entspringt, wie einige fälschlich vorgeben, Cellar. Not. O. A. lib. II. c. 13. pag. 1089. Es findet sich dergleichen Pfuhl auch in Italien, unweit Comä, welchen die Austretung der See verursachet.

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Plin. H. N. lib. III. c. 5. et Strabo lib. V. p. m. 444. So führet auch die Höhle bey dem Acheron in klein Asien solchen Namen, die zwar für den Eingang der Hölle gehalten wird, doch aber mit dem acherusischen Pfuhle nichts gemein hat. Pomp. Mela lib. I. c. 19. lin. 57.