Wörterbuchnetz
Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
ACESAMĔNVS bis ACHELÓVS (Bd. , Sp. )
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis ACESAMĔNVS, i, Gr. Ἀκεσάμενος, ου, der Periböa Vater, die mit dem Flusse Axius den Pelegon zeugete. Homer. Il. Φ. v. 142.
 
Artikelverweis 
ACESIVS, i, Gr. Ἀκέσιος, ου, ein Beyname des Apollo, welchen er von ἀκέσαι, mederi, hat, und der so viel, als ein Arzt, oder auch überhaupt ein Abwender des Bösen heißt. Er hat insonderheit seinen Tempel und seine Bildsäule zu Eli, und wurde in eben solchem Verstande auch von den Atheniensern Apollo ἀλεξίκακος genannt. Pausan. Eliac. post c. 24. et Gyrald Syntagm. VII. p. 220.
 
Artikelverweis 
ACESTES, æ, des Crimisius und der Egesta Sohn, König in Sicilien, der dem Aeneas auf dessen Fahrt nach Italien alle Liebe erwiesen. Er that

[Bd. , Sp. 20]


solches um so viel lieber, weil er selbst seinen mütterlichen Ursprung von den Trojanern her hatte. Denn als dem Ungeheuer, welches Neptun dem Laomedon auf den Hals schickte, eine trojanische Jungfer nach der andern zu verschlingen gegeben werden mußte, so thaten die Einwohner ihre Kinder lieber von sich, als daß sie dieselben auf eine so elende Art umkommen ließen. Unter solchen nun nahm auch Hippoteus, oder wie er sonst genannt wird, Hypsostratus, seine Tochter Egesta; und, weil er sie nicht hinweg bringen konnte, so setzete er sie auf ein Schiff, und ließ sie auf gut Glück hinfahren. Sie kam also nach Sicilien, woselbst sich der Fluß Crimisus nach einigen in einen Bär, nach andern aber in einen Hund verwandelte, und unter solcher Gestalt mit ihr diesen Acestes zeugete, welcher denn endlich selbst König in besagter Insel wurde, und insonderheit auch die Stadt Egesta seiner Mutter zu Ehren erbauete. Virgil. Aen. I. v. 550. et ad eum Servius l. c. Conf. Hygin. Fab. 273.
 
Artikelverweis 
ACHAEA, Gr. Ἀχαιὰ, ᾶς, ein Beynamen der Ceres, den sie von der Angst und Betrübniß bekommen, als sie ihre Tochter die Proserpina verloren hatte, wie denn ἆχος eben dergleichen Gemüthsbeschaffenheit bedeutet. Gyrald. Synt. XIIII. p. 426. Sie wurde unter diesem Namen insonderheit zu Athen von den Gephyräern, die sich dahin geflüchtet hatten, Herodot. Terpsich. p. m. 302. noch mehr aber in Böotien verehret, woselbst man ihr insonderheit das Fest μεγαλάρτια zu Ehren feyerte, welches den Namen von den μεγάλοις ἄρτοις großen Brodten hatte, welche man dabey aufsetzete. Spanhem. ad Callim. Hym. in Cererem v. 672.
 
Artikelverweis 
ACHAEMENĬDES, æ, des Adamastus Sohn aus Ithaca, befand sich mit unter des Ulysses Leuten, als dieser von Troja wieder zurück gieng, wurde aber in der Eil und Furcht vor den Cyklopen in Sicilien zurück gelassen, bis sich endlich Aeneas, als er vor solcher Insel vorüber fuhr, seiner erbarmete, und ihn wieder mit sich

[Bd. , Sp. 21]


hinweg nahm. Virgil. Aen. III. v. 614. et Ovid. ex Ponto lib. II. Ep. 2. v. 25.
 
Artikelverweis 
ACHAEVS, Gr. Ἀχαιὸς, ου, ( Tab. XXV.) des Xuthus und der Creusa Sohn, von dem die Achiver den Namen bekommen haben. Apollodor. lib. Ι. c. 7. §. 2. Er hatte anfänglich demjenigen Theile des Peloponnesus, welchen sein Bruder nachher Ionien genannt, den Namen Achaja gegeben. Nicht lange darauf aber gieng er nach Thessalien, wo er mit Hülfe der Athenienser und des Jon, der sie anführete, sich nach dem Tode des Aeolus, seines Vaterbruders, des Königreiches Phthiotis bemächtigte und auch diesem Theile von Griechenland den Namen Achaja ertheilete. Pausan. in Achaic. p. 396. Schol. Apollon. Rhod. ad Lib. I. v. 284. Didym. ad Hom. Iliad. I. v. 2.
 
Artikelverweis 
ACHAMANTIS, ĭdos, ( Tab. XVIII.) eine von den 50 Töchtern des Danaus, welche den Echominus, als ihren Bräutigam, nach ihres Vaters Befehle, in der ersten Hochzeitnacht umbrachte. Hygin. Fab. 170.
 
Artikelverweis 
ACHĂMAS, æ, ( Tab. II.) ein Cyklope und Vulcans Schmiedeknecht in Sicilien. Val. Flaccus Argonaut. lib. I. v. 580.
 
Artikelverweis 
ACHĂRÊVS, ëi, ein berühmter Kämpfer, welcher es bey den Spielen, die Herkules zu Ehren des verstorbenen Pelops anstellete, selbst mit dem Herkules im Pammachio annahm. Hygin. Fab. 273.
 
Artikelverweis 
ACHÁTES, æ, Gr. Ἀχάτης, ου, ein Trojaner und treuer Gefährte des Aeneas, Virgil. Aen. I. v. 312. der in: der That nichts anders bedeutet, als die Sorge und Bekümmerniß, welche Fürsten und Könige stets zu begleiten pflegen. Servius ad l. c.
 
Artikelverweis 
ACHELÓVS, <i, Gr. Ἀχελῶος, ώου, ( Tab. III.)
 1 §. Name. Diesen soll er nach einigen von ἄχος, die Traurigkeit, und λύω, ich löse auf, führen, Eustath. apud Voss. Etymol. in Aqua s. pag. 44. Conf. Id. Theol. Gent. lib. II. c. 77. vielleicht weil er, als ein Fluß, mit seiner annehmlichen Gegend den Menschen

[Bd. , Sp. 22]


ihre Traurigkeit zu benehmen, fähig gewesen: andere hingegen leiten solchen von einem alten griechischen Worte ἄχα her, welches das Wasser bedeutet, und λούω, ich wasche, oder bade, weil dessen Wasser insonderheit dazu gebrauchet worden; Iul. Caes. Scalig. apud eumd. l. c. daher auch einige solchen Namen Aquæ lavacrum deuten. Vossius ipse l. c. Die dritten geben vor, daß er erst Thoas geheißen, nachdem aber Achelous, König in Aetolien, darinnen verunglückt, so habe er den Namen solches Königes bekommen. Nat. Comes lib. VII. c. 2. Und endlich sagen einige, er habe erst Thestius geheißen, von dem Thestius, des Mars und der Prisidice Sohne, den Namen Achelous aber von dem Achelous, des Oceans und einer Nymphe Sohne, bekommen, als derselbe in ihm ertrunken. Plutarchus, vel quisquis autor est, libelli de Fluminibus apud eumd. l. c.
 2 §. Ursprung. Einige geben ihn für einen Sohn des Oceans und der Erde, Alcæus apud Nat. Com. lib. VII. c. 2. et Paullus Perusin. apud Boccac. lib. VII. c. 19. andere für einen Sohn der Sonne und der Erde aus; Heca. tæus apud Nat. Com. l. c. die dritten machen ihn zu einem Sohne des Pontus und Mars, Hygin. Præf. p. 5. und die vierten zu einem Sohne des Oceans und der Tethys, Hesiod. Theogon. v. 340. welches denn in so fern seine Richtigkeit hat, weil Oceanus und Tethys nichts anders, als das Meer bedeuten, aus welchem alle Flüsse ihren Ursprung haben. Homer. apud Boccac. lib. VII. c. 19. Einige schreiben sonst auch insonderheit, daß, als er seine Töchter, die Sirenen, verloren, er seine Mutter, die Erde, um ihren Trost in seinem Alter und Betrübnisse ersuchet habe, welche sich denn eröffnet, und ihn wieder in sich genommen. Damit seiner aber nicht möchte vergessen werden, so habe sie einen Fluß aus sich entspringen lassen, welchen sie dessen Namen zugeleget Servius ad Virgil. Georg. lib. I. v. 9. Doch kann er in so fern auch wohl für

[Bd. , Sp. 23]


einen Sohn der Erde gehalten werden, weil die Flüsse in ihren Quellen aus solcher hervor kommen.
 3 §. Thaten. Weil die Schönheit der Deianira, des Oeneus, Königs in Calydonien, Tochter, viel Freyer anlockete, so fand er und Herkules sich auch unter denselben mit ein. Oeneus wollte sich keinen von allen gern zum Feinde machen, welches doch geschehen müssen, wenn er einen von ihnen den andern vorgezogen, und erklärete also, daß der die Deianira haben sollte, welcher im Kampfe gegen den andern die Oberhand behalten würde. Weil nun keiner der Freyer es mit dem Herkules und Achelous annehmen wollte, so bekamen es diese beyde mit sich allein auszuführen. Sie giengen daher einigemal mit größter Gewalt auf einander, ohne daß sie einander etwas abgewinnen konnten, endlich aber versah es Achelous, daß ihn Herkules nicht allein über den Haufen warf, sondern zugleich auch auf den Hals sprang, und dergestalt umtrieb, daß er sich durchaus nicht wieder erholen konnte, sondern mit dem Maule in den Sand zu liegen kam. Weil er nun solcher Gestalt mit seiner Stärke nichts mehr auszurichten vermochte, so wendete er sich zu seinen Künsten, und verwandelte sich in eine ungeheure Schlange. Allein, Herkules lachete darüber, weil er schon in seiner Wiege zwo dergleichen Bestien umgebracht hatte, und selbst das lernäische Ungeheuer ihm nicht widerstehen können, ergriff auch damit den verwandelten Achelous dergestalt bey der Kehle, daß, wenn er nicht erwürget seyn wollte, er solche angenommene Gestalt wieder mußte fahren lassen. Er verwandelte sich aufs neue in einen grimmigen Ochsen: allein Herkules fassete ihn auch so mit der einen Hand in die Schulter, und mit der andern bey dem einen Horne, und streckete ihn solcher Gestalt nicht nur in den Sand, sondern brach ihm auch gar das ergriffene Horn ab. Als sich nun Achelous in allem überwunden sah, stürzete er sich aus Scham und Verdrusse in den von ihm benannten Strom,

[Bd. , Sp. 24]


und überließ dem Herkules die Deianira. Die Nymphen nahmen das abgebrochene Horn und machten das bekannte Horn des Ueberflusses daraus, Ovid. Metam. lib. VIIII. a versu 8. usque ad 88. oder wie andere melden, gab Achelous dieses dem Herkules selbst, und bekam dargegen sein abgebrochenes Horn wieder. Apollodor. lib. II. c. 6. §. 5. Als sich aber einst fünf Nymphen in seiner Gegend befanden, und zehen Ochsen den übrigen Feldgöttern opferten, seiner hingegen darbey vergaßen, so riß er, als sie am lustigsten mit Tanzen und Springen bey ihrem Feste waren, das ganze Stück Land, worauf sie sich befanden, von dem übrigen los, und führete es in die See hinab, worauf denn Land und: Nymphen, und unter solchen auch die Perimele, die er doch sonst gar innig geliebet, in fünf besondere Inseln verwandelt wurden, Ovid. Metam. lib. VIII. v. 576. seqq et Lactant. Placid. Narrat. lib. VIII. Fab. 5. 6. die nach der Zeit von einem gewissen Wahrsager, Echinus, den Namen Echinades oder auch Echinä bekommen haben. Cnipping. ad Ovid. l. c. v. 588.
 4 §. Gemahlinn und Kinder. Seine Gemahlinn war Perimede, des Aeolus Tochter, mit welcher er den Hippodamas und Orestes zeugete. Apollodor. lib. I. c. 7. §. 2. So soll er auch mit; der Melpomene, oder, nach andern, mit der Calliope, und, nach noch andern, mit der Sterope, die Sirenen, und sonst noch die Callirhoe, Dirce und Castalia, zu Töchtern gehabt haben. Natal. Comes lib. VII. c. 2.
 5 §. Wahre Historie. Er ist eigentlich ein Fluß. der auf dem Berge Pindus entspringt, Aetolien und Akarnanien von einander scheidet, und endlich in das ionische Meer fällt. Strabo lib. X. p. m. 13. 14. Er fließt sehr krumm und mit einem großen Geräusche, daher denn seine Verwandelung in eine Schlange und Ochsen gedichtet worden, Barth. ad Stat. Theb. lib. II. v. 731. und, da er, nach einigen, die Thesproten und Cureten von einander schied, und bald diesen, bald jenen etwas zuführte,

[Bd. , Sp. 25]


so entstund daher ein steter Krieg, bis endlich Herkules die Cureten besiegen half, den Fluß in einen Strom zwang, und ihm also gleichsam das eine Horn abbrach. Anonym. apud Th. Galeum Opusc. Mythol. c. 5. p. 86. Andere hinge gen geben vor, da solcher Strom einen doppelten Arm gehabt, und mit einem insonderheit einen großen Theil Landes überschwemmet, so habe Herkules den einen verdämmet. Da nun ein ungemein fruchtbares Land daher entstanden, so habe man gedichtet, daß aus dem abgebrochenen Horne, welches der eine verstopfete Strom ist, das Cornu Copiæ entstanden sey. Diodor. Sic. lib. IIII. c. 35. Daß er aber die fünf Nymphen in das Meer geführet, ist nichts anders, als daß er durch seine Schnelligkeit und Stärke viel Land weg gespület, und mit sich in die See genommen, woraus denn die Echinadischen Inseln entstanden, welche jetzo die Isoli Curzoli, wie der Achelous selbst Aspri, heißen.
 6 §. Anderweitige Deutung. Einige wollen, daß der Name Achelous überhaupt so viel, als ein besonderes und vortreffliches Wasser bedeute; daher denn auch insonderheit das Wasser, das bey den Opfern gebrauchet wurde, Achelous genannt worden. Ephorus apud Nat. Com. lib. VII. c. 2. Woher er aber für einen Sohn des Oceans angegeben wird, ist schon beygebracht worden; und daß er ein Sohn der Sonne seyn soll, will nur anzeigen, daß, da die Sonne die Dünste aus der Erde zieht, aus diesen so dann Regen, Schnee, Schloßen und dergleichen entstehen, durch solche aber die Flüsse ihr Wachsthum haben; daher nicht allein Achelous, sondern auch alle andere Flüsse für Söhne der Sonne angesehen werden können. Nat. Com. l. c. Andere gehen ganz einen andern Weg, und machen den Achelous, jedoch nur so fern, als er seinen Kampf mit dem Herkules hatte, zu einem Vorbilde eines Landes, das sich im Kriege gegen seinen Feind zu wehren hat. Denn wie er allerhand Gestalten angenommen, sich gegen den Herkules zu behaupten: so nimmt auch ein solches Land allerhand zu seinem

[Bd. , Sp. 26]


Schutze vor; es bauet Festungen, bringt das Landvolk in die Städte, bauet Brücken, trägt andere ab, schaffet den Proviant an haltbare Oerter und was dergleichen mehr ist. Hingegen trachtet ein Feind, daß er zu einer Schlacht mit den Einwohnern komme, weil er sich insonderheit vor dem Mangel an Proviante fürchtet, und, da er den Sieg behauptet, bricht er seinen Feinden gleichsam ein Horn ab, worauf denn derselbe weicht, und sich in feste Oerter zieht, hingegen der Obsieger das Land frey behält, es ausplündert, und gleichsam zu seinem Horne des Ueberflusses hat, woraus er nimmt, was er verlanget. Baco Verulam. de Sap. Vett. c. 23. Diese Deutung halten einige gar hoch, andere aber sehen sie, und zwar vielleicht nicht so ganz unrecht, für ziemlich gezwungen an.